Bernsteinfarben

5 Dezember, 2009 (23:55) | | suppenküche | 1 Kommentar

BernsteinfarbenDie Jungen setzen sich auf den Boden neben das Feuer und machen sich über die Suppe her. Der Schweiß strömt ihnen über das Gesicht, und sie haben Tränen in den Augen. Die Suppe ist bernsteingelb und ganz durchsichtig. Obenauf schwimmen dicke Fettaugen, auch ein paar Stückchen Holzkohle, die der Wind hineingeweht hat. Sie riecht wunderbar nach Rauch, die Suppe, und schmeckt nach den Würzblättern.
Zuerst schlürfen die Jungen nur die Brühe mit den Knollen. Die Fischbrocken haben sie herausgenommen und auf die Abdeckung gelegt. Sie kommen erst am Schluss dran. Das Fleisch der Fische ist schneeweiß, gelblich oder rosa. Und alles ist wunderbar zart, es zergeht einem auf der Zunge.

Beitrag vom 5 Dezember, 2009 (23:55) | Autor: Kathrin Drescher | Rubrik: suppenküche | Beitrag drucken Beitrag drucken | (1) Kommentar


Zündeldürre

4 Dezember, 2009 (11:07) | | suppenküche | Kommentieren

ZündeldürreWer Feuer machen will, darf nichts übereilen. Die Jungen gehen ganz behutsam zu Werke. Auf das dünne Reisig legen sie ein paar verdorrte Zweige. Darauf kommen etwas kräftigere trockene Äste. Ganz obendrauf packen sie armdicke Scheite kreuzweise übereinander. Zudem stellen sie fest, woher der Wind weht, und schichten das Holz so auf, dass das trockene, zündeldürre Reisig an den Rand zu liegen kommt. Es muss an der dem Wind zugekehrten Seite liegen, da dort auch das Feuer entzündet wird. Dann schlägt die Flamme in das Holz hinein, und das Holz fängt Feuer. Nur bei Windstille ist das Reisig in die Mitte des Haufens zu packen.
Die Brennsteine werden aneinander geschlagen und die entstehenden Funken mit dem Zündschwamm aufgefangen. Es wird gepustet, bis sich die ersten Flämmchen entwickeln. Daran werden ein paar Holzspäne entzündet und an das Reisig gehalten. Das Reisig lodert sofort auf und brennt mit fröhlichem Knistern. Die Flammen lecken am Holz hoch. Da das Feuer so weit ist, ändern sie nichts mehr dran, sondern lassen es ruhig durchbrennen. Erst wenn alles schön brennt, haben sie vor, noch ein Balkenfeuer zu bauen.

Beitrag vom 4 Dezember, 2009 (11:07) | Autor: Kathrin Drescher | Rubrik: suppenküche | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Balkenfeuer

2 Dezember, 2009 (00:06) | | suppenküche | 1 Kommentar

BalkenfeuerUm ein Balkenfeuer für die Nacht hindurch anzulegen, brauchen die Jungen zwei Baumstämme. Je stärker, um so besser. Im tieferen Wald hätten sie längst einfach zwei dicke Bäume herangerollt, aber hier in der Nähe ihrer Siedlung liegen kaum Bäume herum. Doch sie haben bereits auf dem Heimweg vom Angeln geeignetes Holz ganz in der Nähe vom Lager gesehen. Die Jungen ziehen los und holen es.
Zurückgekehrt, schieben sie die Klötze von beiden Seiten an den Holzstoß heran, so dass das Feuer in die Mitte kommt. Fangen die großen trockenen Stämme erst einmal Feuer, so brennen sie langsam mit ruhiger, gleichmäßiger Flamme bis zum Morgen weiter. Sind sie durchgebrannt, braucht die Jungen sie bloß von neuem ins Feuer zu schieben, und wieder brennen sie eine lange Zeit. –

©Text & Bild: Kathrin Drescher

Beitrag vom 2 Dezember, 2009 (00:06) | Autor: Kathrin Drescher | Rubrik: suppenküche | Beitrag drucken Beitrag drucken | (1) Kommentar


Sprottensuppe

28 November, 2009 (23:40) | | suppenküche | Kommentieren

FischsuppeDer Mittag ist herangerückt, die Jungen machen sich daran, eine Fischsuppe zu kochen. Sie gießen Wasser in einen Topf, hängen ihn über dem Feuer auf und werfen etwas Lauch, Würzblätter und -körner ins Wasser, als nächstes die kleinen Fische. Dann warten sie, bis die Sprotten völlig zerkocht sind und seihen die Suppe durch ein Tuch. Die unzerkochten Fischstücken werfen sie den Hunden hin und hängen die Brühe wieder übers Feuer. In dieser Brühe kochen sie jetzt die größeren Fische. Dann wird erneut alles durchgeseiht. Anschließend kochen sie die Köpfe und Schwänze der größten Fische und seihen noch einmal das Ganze durch. Endlich geben sie ein paar essbare mehlige Knollen in die Suppe, und als die gar sind, schütten sie auch die im klaren Wasser ausgespülten Stücken der größten Fische hinzu. Der Rogen und die Leber kommen als letztes in den Topf. Zum Schluss lassen sie aber die Suppe nicht mehr so lange kochen. Dreimal kochen sie alles auf und nehmen dann den Topf vom Feuer. Zugedeckt muss die Suppe noch eine Zeit lang ziehen. Aber dann ist sie fertig.

©Text & Bild: Kathrin Drescher

Beitrag vom 28 November, 2009 (23:40) | Autor: Kathrin Drescher | Rubrik: suppenküche | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Eintopfsuppe

14 August, 2007 (16:10) | | schrieb im tage-bau: | Kommentieren

Drollig, knollig Pflegen, behutsam niederlegen,
in’s Fenster, auf ein Stück Zeitung,
da, mittendrin, sie Augen kriegen
und keimen.
Aktiviere mit Sonnenschein und Druckerschwärze ‘s herze liebe Triebe,
auf dass sie gen Frühling gehen und in Zukunft blühen und gedeihen,
einem freien Wesen gleich und reich an guten Genen.
Nur was sie sehen, lässt sie weinen.
Keinen feinen Sinn erkannt.
Meldungen voll Horror, lassen zweifeln am Verstand der dort und hier und da Wirkenden.
Und so geschehen dauert länger, was für Pflanzen ganz normal.
Wachsen unter solch Bedingungen, fatal. Doch?, noch zu schaffen!, wieder mal.
Ungebrochen ist das Wollen solch kleiner Knollen.
Das Tröpfchen, kleiner als im letzten Jahr,
da alles noch in Ordnung war,
ist braun und aus Ton.
Keineswegs gut, doch besser als ohne, ließ es sich nimmer auf Pump gedeihen.
Was nun nicht mehr geht.
Denn will uns niemand mehr was leihen.
Außer Dreck, den wir als Mutterboden nehmen, ist alles weg.
Früher mal, vor vielen Jahren, waren Kartoffelpflanzen Mode.
Zur Zier gezogen, ließ man was unten im Boden,
links liegen.
Auch ich erfreue mich am Kraut, das sich trotz Schock doch aus der Erde traut.
Es blüht sogar und stolz, hängt sie, die Mutter, in ihrem kleinen Topf,
am Fenster und schaut hin, schaut her, schaut raus.
Irgendwie kann ich mir denken, will sie hinaus.
Ganze Äcker durchfruchten und reiche Ernte bringen.
Ihren knolligen Kindern ein wenig mehr als nur enges Drängen im Fensterbrett zu bieten,
das wäre fein, wäre nett und noch dazu ein Fest, Mahl und mehlig kochend.
Nach Wochen der Hege und Pflege,
nun die Wehen, Gott sei Dank, in der Fensterbank.
Ich hebe die Mutter aus dem kleinen Topf und befreie drei ihrer Kinder von Erde.
Werde meinem Glück gewahr.
Auch dieses Jahr ging’s wieder gut.
Und das macht Mut, für das was kommen mag.
Für Reibekuchen mit Quark wird es nicht reichen,
die fetten Jahre sind vorbei.
Doch sei der Spruch bekannt:
„Lieber ‘n Spatz in der Hand, als ‘ne Taube auf dem Dach.“
(Sie würd’ uns eh nicht hören.)
Ach, wie war’s früher schön, Felder zu bestellen,
Wellen von Erdhügeln und Eimer voll Kartoffelkäfer zu sammeln?
Rote Larven, die später schwarz gestreift,
kein bisschen was gereift, nicht besser waren,
blieben uns erspart.
Nicht wirklich ein Trost und viel zu schwer, politisch her auf leerem Magen.
Prost.
Kleine Kartoffeln für großes Geld und niemand stellt Fragen,
niemand will die Wahrheit sagen,
lügen,
betrügen und lachen.
Lauter solche Sachen lassen die Erträge weiter schrumpfen
und die Menschen stumpfen ab.
Werden nicht mehr satt durch all die Austauschstoffe
und Aromen in exotischem Glibberkram,
von denen man annahm,
dass sie gesundheitlich unbedenklich wären.
Sie gären in jedem von uns.

Alles „isst“ gut.

Beitrag vom 14 August, 2007 (16:10) | Autor: Nico Fuchs | Rubrik: schrieb im tage-bau: | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


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