Wortspiel:

6 November, 2009 (09:20) | | netz@uge.nblick | 4 Kommentare

Du triffst die Worte, die Du gestern sprachst
Am Morgen wieder; sie erbauten nachts
Die Wut, den Zorn, den Hass: Was Ungeschlachts.
Du ahnst es kaum, Du siehst nichts, tanzt und lachst.

Gespannt der Hahn. Zündschnüre glühn: Bald krachts.
Dann bricht der Urlaut laut hervor, der Schmerz
Zerkreischt die Stille, schrillt als falsche Terz;
Am Ende stirbt das Herz: Die Tonart machts.

Erzähl mir nicht und auch nicht Dir, Du hättst
Vom Unheil nichts gewusst, das sich im Wort verkleidet.
Wer zu den Waffen greift, der wird verletzt.

Wer attackiert und fordert, der erleidet.
Es ist die Sprache, die die Grenzen setzt,
Und was Du sagst, das bare Wort, entscheidet.

Beitrag vom 6 November, 2009 (09:20) | Autor: Walther | Rubrik: netz@uge.nblick | Beitrag drucken Beitrag drucken | (4) Kommentare


„Flirt without words“ – Die Weltsprache des Flirtens

30 August, 2008 (12:34) | | herz & lenden | Kommentieren

Sonne scheint. August. Friedliches Marktgewühl in Ulm. Und doch trügt diese oberflächliche Idylle. Wie viele Singles sind hier wohl unterwegs? Gefrustet mit „Was mach ich nur am Wochenende?“ – Selbstgesprächen.
Ich konnte es nicht mehr hören. Vor drei Tagen hat er (einer von vielen) in der Fußgängerzone diese Frau gesehen. Sie muss Seen statt Augen gehabt haben. In einem davon ist sein Bewusstsein ertrunken. Er spricht nur von ihr. Es geht mir auf den Senkel. Wiedersehen mit ihr Fehlanzeige. Verpasste Gelegenheit. Nur ein Nein von ihr kann ihn heilen und meine Gelassenheit wiederherstellen. Unwahrscheinlich. Es muss etwas her, damit so etwas nicht mehr passiert. Ich dulde nur noch glückliche Menschen in meiner Umgebung, sage ich mir. Zumindest solche, die sich nicht selbst unglücklich machen.

Es muss doch so etwas wie eine Weltsprache des Flirts geben. Sprachübergreifend, Ländergrenzen kappend. So ewas wie „Erkenntnis jetzt“ ohne Grübeleien. Will sie mich: gut. Will sie mich nicht: gut für die Nächste. Make love – not too many words. Und schon fühle ich mich der Lösung ein Stück näher.

Was tat man im Neandertal? Schrie da Papi nicht: „Stell schon mal die Astgabel auf“ (übersetzt auf heutige Verhältnisse: „Wirf den Grill an“), wenn er Beute (Schweinekotletts) nach Hause brachte? Nein! Kardinalfehler. Zu viele Raubtiere in der Gegend. Es musste leise zugehen. Sozusagen die kurbelnde Bewegung mit der rechten Hand (gleich wird gegrillt), sobald man in Sichtweite kam. Zeichensprache. Das ist es. Die Nachbarschaft (in unserem Fall: mögliche Konkurrenten) muss ja nicht alles mitbekommen.

Zeichensprache klingt gut. Einfach und schnell erlernbar muss es sein. Wichtigste Grundbegriffe für den Weg vom ersten Augenkontakt bis ins Hotel oder das nächste Cafe lernbar in zwei Minuten.

Was sind denn nun die wichtigsten Kurzmitteilungen zwischen Mann und Frau?
Interesse bekunden! Ich stelle es mir bildhaft vor. Du. Fußgängerzone anywhere in the world. Die angenommene Traumfrau und Mutter deiner zukünftigen Kinder kommt auf dich zu. Du bist wie vom Blitz getroffen. Unfähig zu jeder sprachlichen, kommunikativen Handlung. Und da! Rechtzeitig zum kurzen Augenkontakt zupfst du mit der rechten Hand am (eigenen natürlich) Kleidungsstück in Höhe des Bauchnabels. Wird sie auch Interesse haben wird sie das Gleiche tun. Falls nicht: Beide Falter flattern zur nächsten Blume, äh Gelegenheit.

Der Rest ist Geschichte:

Zu mir! – Rechte Hand zur Faust ballen.
Zögere noch! – Sich am Kopf kratzen.
Trau Dich! – Arme verschränken.
Gehen wir einen Kaffee trinken! – Mit der Zunge die Lippen befeuchten.
O.k. – Sich kurz ans Kinn fassen.
Ins Hotel! – Nach oben schauen.
Ins Auto! – Nach unten schauen.
Nein! – Ein strahlendes Lächeln. (Dank dafür, dass du Interesse bekundet hast, ist ja immerhin so etwas wie ein Kompliment für die Frau)

P.S. Die Gestik für Fortgeschrittene gibt es natürlich wie immer nur bei mir per Email und gegen Schutzgebühr (1 Euro)

Beitrag vom 30 August, 2008 (12:34) | Autor: Hans Juergen John | Rubrik: herz & lenden | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Zeilenfresser

10 November, 2006 (09:25) | | goldener schnitt | Kommentieren

Es fragt sich selbst die Welt nach ihrem Grund,
Wenn Greife schreiend durch die Winde jagen.
Es fragt sich der die Frage aller Fragen,
Der Verse reimt so schwer zu später Stund.

Ins Wort gegossen scheinen schön die Klagen,
Es laufen Metrum, Sprache, Endung rund.
Dem Leser wird das Klagen bald zu bunt:
Der Text will nicht den Durchschnitt überragen.

Doch spät am Abend reimt sich einfach besser,
Wenn man die Trauer und den Schmerz besingt.
Die Analyse schneidet scharf wie Messer,

Der harte Tonfall wie gehämmert klingt.
Der Rest, er dient doch nur als Zeilenfresser,
Der diesen Vers zum letzten Reim bezwingt.

Beitrag vom 10 November, 2006 (09:25) | Autor: adminxx1 | Rubrik: goldener schnitt | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


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