Der Klops vom Montag

17 Dezember, 2007 (22:30) | | schrieb im tage-bau: | Kommentieren

Warme, weiche Hände,
liebevoll geformt, behände, als stünde ein Rekord zu brechen an,
begann in Windeseile, sich ein Leib zu modellieren.
Viele weitere folgten ihm und irgendwann war wenig Platz im Gral.
Von oben tat es drängelnd drücken,
traten Einige einigen in den Rücken, stemmten sich andere Andren auf die Schultern
und manche gingen gar über Kopf.
Ein armer Tropf war das, der da der Erste war.
Ganz klar war er nun platt, der Hunger satt. Wer war hier nur zum essen da?

Ein Bett aus heißem Fett brachte die ersehnte Farbe.
Es knisterte und spritzte.
Jeder, neben ihm der Helle, hinter ihm der Schnelle, jeder schwitzte
und die Stimmung war gelassen.
Nörgelei und Einheitsbrei ließ er nicht zu, ja, tat er hassen.
Für ein Gusto a la Carte, sollte man von solchen Dingen lassen.
Sonst misslingt der Braten, brennt womöglich an und stinkt.
Wenn erst Gerüche dieser Art in Feine Nasen dringen,
wird dem besten Koch und Köchin
Wohlgenuss nicht mehr gelingen und er kann,
sie kann es auch,
das gute Fleisch zur Tonne bringen.

Wach, doch aber ach, noch nicht ganz ausgeschlafen,
purzelten Allemann, haste was kannste, sein Nachbar voran, in die Schale.
Weiter unten war das ganz schön eng.
Auf wundersame Weise überholte er im Flug genug von seinesgleichen
und es mussten einige dem Einen weichen, nämlich ihm,
der nun zu aller unterst lag.
Auf ihm die Last von vielen Kilo Mett, die ihm die Sicht nach draußen stahlen,
fand er nicht besonders nett und wurde bockig.
»Ich mag mich nicht bewegen.«
Psss. Puh. Zsss.
»Ich mag mich nicht verkaufen und kauen, verdauen lassen!«
dachte er und wer die alle waren, sich so aufzuspielen?
Die Vielen, die alle über ihm plagen.

Die Kunden kamen und namenlos einen nach dem anderen mit fort.
Sie mundeten dem Einen gleich, dem Anderen später,
hier oder anderenorts.
Nur einer, der blieb liegen. Obgleich er der Erste war.
Liebevollen Händen verdankte er sein Leib
und frischer Hitze, sein Krustenkleid.
So lag er denn, wenn er noch blieb,
in dem Gefäß für ein paar Stunden.
War’s ihm gar nicht mehr so lieb,
allein zu liegen, dachte er und wer die alle waren, sich so aufzuspielen?
Die Vielen, die nun alle fort, verletzten ihn.
Obgleich sie allesamt nur je ein Klumpen Fleisch
und damit alle gleich waren,
würde er vergessen werden.

Am nächsten Tag
lag immer noch der kleine Kerl in seiner Schale.
Das Fatale am Finale?
Dieselben »lieben« Hände,
die ihm einst das Leben formten,
schmissen ihn,
den Klops vom Montag,
nun,
da Dienstag,
weg!

Beitrag vom 17 Dezember, 2007 (22:30) | Autor: Nico Fuchs | Rubrik: schrieb im tage-bau: | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Zwiebelfleisch

23 November, 2007 (19:39) | | schrieb im tage-bau: | Kommentieren

Manchmal spielt das Leben einem gleich der Kulinarisch-Fantasia.
Du stehst in der Küche.
In der Küche am Herd,
vor dem Herd.
In der Hand eine Pfanne,
in der Pfanne ein Steak.
Auf dem Herd.
Die Pfanne,
die Pfanne mit dem Steak.
Es brät.
Außen mit dunkler Kruste, innen so
Jo-Jo
blutig und roh.
In der Hand,
in der eben noch die Pfanne ihren Halt fand,
hältst du jetzt ein Messer,
ein stumpfes Messer.
Viel besser wäre ein scharfes Schwert.
Viel wert.
Doch es zu schärfen, fand sich kein Reim.
Welch Hohn.
In deinem Kopf klopft schon und wieder dumpf ein Ton.
Die strunkfeste Schale fällt.
Die fahle, stechend stinkende Haut bellt/pellt sich ab
und raubt dir den Atem,
treibt dir das Salz aus den Augen.
Musst!,
was du siehst, schon glauben.
Du bist verwaschenes Blau in einem tristen Küchengrau,
mit einer Sonne aus milchigem Neonlicht,
die genau genommen nicht einmal aus Neon sticht.
Wird allzu hell sauer.
So kalt ist dir.
So fühlst du dich.
Und auf dem Herd.
Auf dem Herd in der Pfanne.
Volle Panne/Kanne.
Die Schwarte schwitzt, während du, auf deinem Küchenstuhl,
cool,
denn dir ist immer noch kalt,
auf den Würfelwurf wartest.
Damit die Hitze das Brennen löscht.
»Ich 3x 6 und 19 er.«
Lösung zischt! Dunst steigt auf.
Es riecht, Geruch im Raum,
wie süße Schärfe, die süße Schärfe.
Den Brodem nimmst du gern in Kauf und kurz darauf
liegt vor dir nieder ein Medium mit herzhaft rosa Teint im Schnitt.
Diesen mit Geschick vollführt,
was besser mit einem stumpfen Messer nicht geht,
tritt Nässe auf den warmen Teller.
Dein Puls erhöht sich und dein Herz holpert schneller.
All die Tränen ungeheuer,
gezähmte wilde Wurzel,
teuer.
Verlangen in dir gärt.
Der erste Bissen isst was wert.
Füllt den Mund und schmeckt und schmeckt.
Steckt eben Liebe drin.
Und immun spürst du dich wärmer,
voller Glut und einfach gut.
Die Flut ebbt ab und jeder Schluck in dir pulsiert.
Dir friert nicht mehr.
So ist das ‘L’eben.
Außen kross und innen roh.
So sehr verletzlich schön.
Und sieben Häute zart vom Feinsten,
bringen dich zum Weinen ohne Not.
Mit Salz und Butter.
Ein klitzekleiner Tod.
Und mit den Tränen kochst du Soßenfond.

Beitrag vom 23 November, 2007 (19:39) | Autor: Nico Fuchs | Rubrik: schrieb im tage-bau: | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Nicht in den Topf (kopf) zu kriegen

5 Oktober, 2007 (18:23) | | schrieb im tage-bau: | Kommentieren

Man möchte meinen,
zuweilen kommt es vor,
dass der Mensch Gemüse isst.

Gesunde Kost, nicht viel,
und lecker.
Nicht jedermann Geschmack,
doch bitte
kein Gemecker hier.
Wir essen,
was auf dem Tisch steht.
Auch wenn es sich
im Magen
und um veganen Kram dreht.

Sag ich !..
»Kochen ist doch kein Problem. Ich nehm’ ihn einfach aus der Tüte,
steck’ ihn ins Wasser, ein bisschen Salz hinzu
und schon ist das gegessen.«
Zehn Minuten warten und aus dem harten Strunk
wird so gesund
ein kulinarischer „Genuss. u. Schluss“

Sag ich ?..
Kannst’äh vergessen.
Der Topf warum-fragen viel zu klein. Da ging es schon los.
Was sollte ich bloß machen?
Hör auf zu lachen.
Schnitt den Kohl inmitten durch.
Aber in getrennten Töpfen?
Ist das nicht ein wenig sonderbar?
Na klar.
Also wieder in einen rein.
»Es muss doch möglich sein?«
Sehr verflixte Sache das. Deckel drauf und auf zum Jagen.
Ich schoss ein Reh.
Ne, nicht in echt.
Zum Blumenkohl passt Bambi eh nicht recht und außerdem,
Blut kann ich nicht gut sehen.
Stattdessen guckte ich in’s Tiefkühlfach.
Ach!, was für ’n Pech.
Das Fleisch vom Stier schier knüppelhart.
Der Kohl im,
viel zu kleinen Topf,
am Zischeln.
Ich daneben, die Tür vom Eisschrank schließend,
mit dem Lappen die Platten trocken wischend,
ebenfalls ganz leise zischelnd.

Blumenkohl ganz pur.
Nur ich und dieses,
dieses Ding.
Dieses gesunde Ding, im, viel zu kleinen Topf.
Nach einer Weile nahm ich ihn
tropfnass heraus und wrang ihn
über der Spüle aus.
Platzierte ihn auf einem Teller.
Schneller geht es nimmer woanders,
glaube ich behaupten zu können.
Ein bisschen,
gut, das gebe ich zu,
tu ich Kartoffeln, Soße, Fleisch vermissen.
Aber sonst,
warum nicht so, oho, gesund?
Mmmm. Und lecker.
Noch einen Bissen vom Wissen um sein rein vitales Wesen.
Ganz erlesene Inhaltsstoffe
nennt der Rosenkopf sein eigen.
Ich tat stark, dazu neigen, es mir schmecken zu lassen.
All die vielen Vitamine,
Proteine, Mineralien
und die postulierte positive Wirkung
hinsichtlich der Prävention von Krebs,
das sind schon Argumente.
Nun kannte ich den Grund der Enge endlich.
Ganz klar.
Es war der Kohl zu groß.
Er war zu groß für meinen Kopf.
So was soll’s geben.
Umgehen kann ich dieses Drama nur in kleineren Portionen.
Die schonen dann auch meinen Gaumen
und meinen Glauben an gesunde Kost.
Es soll sich schließlich lohnen.

Beitrag vom 5 Oktober, 2007 (18:23) | Autor: Nico Fuchs | Rubrik: schrieb im tage-bau: | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


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