Zufällig begegnet – innerstädtisch.

14 September, 2010 (18:05) | | tage-bau | Kommentieren

Heute wieder mit dem Rad durch Karlsruhe. Der Himmel sackte durch und die Wolken hatten die Tendenz, sich die Wänste an den Baumwipfeln aufzuscharren. Auf meinem Rad fühlte ich mich sicher, sicherer als sonst auf jeden Fall. Kam mir nicht mal merkwürdig vor. Der Großbaustelle Stadtzentrum ausgewichen, verschlug es mich in den Schlosspark. Von Rost bedrohte Enten dümpelten auf dem kleinen See, überall erwartungsgemäß tote Hose. Ein paar Hundhalter ließen ihre Fellchen rennen. Mütter domptierten Kleinkinder, ein steter „Sarah/Kevin/Leon/Alisa, wirf das sofort wieder weg“ Singsang. Alles ist gut, summte mein Innendrin, alles ist gut. Ich trat kräftiger in die Pedale, es sollte mich nicht zu verarschen versuchen, dieses blöde Innendrin. Scharrte mir grade so schön meine Wut zusammen, da sah ich ihn. Er lümmelte in einer riesengroßen Ulme/Pappel/Linde – weiß nicht mehr. Hing da jedenfalls in der Astgabel herum, baumelte mit den Beinen und feixte. „Was gibts zu feixen“ blaffte ich zu ihm rauf. „Ach, ach, ach“, prustete er heiter, „gemach, gemach. Ich jag die Blätter von den Bäumen sobald es mir gefällt, dann hättest du gerne nochmal so einen Tag wie heute“. Ich streckte ihm die Zunge raus, fuhr aber besinnlicher weiter.

Der Herbst ist ein Lumpenhund, aber ein sympathischer.

Beitrag vom 14 September, 2010 (18:05) | Autor: Angela Hornbogen | Rubrik: tage-bau | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Als Anschauung

20 Februar, 2010 (19:09) | | zahlenfolge.n@tur.net | 2 Kommentare

Am Sonnenfenster
Orchideen –
Blüten schnäbeln
Reihenweise duftlos

Spieren strecken sich
Ins Luftige –
Weiter
Immer weiter

Befeuchten –
Tropfennebel netzen
Große Blätter
Glänzen

Schmarotzer können
So schön sein
Zum Anbeten –
Nichts geben sie

Als Anschauung

Beitrag vom 20 Februar, 2010 (19:09) | Autor: Walther | Rubrik: zahlenfolge.n@tur.net | Beitrag drucken Beitrag drucken | (2) Kommentare


Chicken Soup. Notes from Bottom

12 September, 2009 (19:24) | | suppenküche | Kommentieren

You can say the Jesus Prayer from now till doomsday, but if you don’t realize that the only thing that counts in the religious life is detachment, I don’t see how you’ll ever even move an inch.

When speaking of detachment, desirelessness. or the „cessation from all hankerings“, there we are, right in the middle: The very first book that once sparked me for spirituality, is Salinger’s novel about Franny and Zooey, the two youngest members of a jewish-irish family from New York city. The following synopsis, which includes two quotes, might tell you of what is figured to religion in this modern „Zen tale“.

Franny is an undergraduate and actress, who is depicted reading the book: The Way of a Pilgrim, which contributes to an emotional breakdown. Zooey, her brother, five years older than Franny, is an actor too.
He visits Franny’s in her room and they talk about her dreams, the religion seminar professor that hates her, and acting. Franny shows him the pilgrim book, which tells how a Russian wanderer learns to take the prayer to a point where it becomes unconscious, almost like a heartbeat, ultimately leading to spiritual enlightenment.

But Zooey totally questions that reciting of a prayer and leaves the room.
… if it’s the religious life you want, you ought to know right now that you’re missing out on every single goddam religious action that’s going on around this house. You don’t even have sense enough to drink when somebody brings you a cup of consecrated chicken soup– […] Even if you went out and searched the whole world for a master –some guru, some holy man–to tell you how to say your Jesus Prayer properly, what good would it do you?

A little later Zooey calls Franny by phone, they continue to talk, and remembering the Fat Lady in their audiences, he shares with Franny some words of wisdom that their eldest brother, Seymour, once gave him:

The only thing you can do now, the only religious thing you can do, is act. […] I don’t care where an actor acts. It can be in summer stock, it can be over a radio, it can be over television, it can be in a goddam Broadway theatre, complete with the most fashionable, most well-fed, most sunburned-looking audience you can imagine. But I’ll tell you a terrible secret– Are you listening to me? There isn’t anyone out there who isn’t Seymour’s Fat Lady. That includes your Professor Tupper, buddy. And all his goddam cousins by the dozens. There isn’t anyone anywhere that isn’t Seymour’s Fat Lady. Don’t you know that? Don’t you know that goddam secret yet? And don’t you know–listen to me, now–don’t you know who that Fat Lady really is? . . . Ah, buddy. Ah, buddy. It’s Christ Himself. Christ Himself, buddy.

(C) Kathrin Drescher, (aus: „Notes from Bottom“ vom 22.12.2008)

Beitrag vom 12 September, 2009 (19:24) | Autor: Kathrin Drescher | Rubrik: suppenküche | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


urban odyssee (5)

15 November, 2008 (15:42) | | zugvögel/wind.bahnen | Kommentieren

http://www.sylviahagenbach.de/wp-content/uploads/2008/11/urbanodyssee5.jpg
â?¦dass die zeit der hotels, die zeit der züge, bahnen und busse für mich bald vorbei sein muss. über die alternative mag ich nicht nachdenken. es ist herbst geworden. noch hat die sonne kraft in diesen tagen. aber nachts beginnt schon die kälte zu fressen. in den vorgärten rosten die rosen und morgens liegt ein toter igel neben dem weg. in der u-bahn-station stadtmitte trägt die kopfnickende frau über ihrem grünen mantel eine wolldecke. ihre perücke ist nach vorn gerutscht und verdeckt fast die augen. im blätterwirbel auf dem großen platz steht ein mann. der mann spricht nicht. der mann steht stumm auf dem großen platz und betrachtet seine hand. seine hand mit den langen nägeln, seine schmutzige hand. mit der anderen hand hält er seinen kopf, seinen kopf mit den weiten augen fest. der mann schaukelt. vor. zurück. der mann spricht nicht. der mann riecht nach urin und ungewaschenen kleidern. der mann betrachtet seine hand.

Beitrag vom 15 November, 2008 (15:42) | Autor: Sylvia Hagenbach | Rubrik: zugvögel/wind.bahnen | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Oneirologie

29 September, 2008 (13:13) | | schrieb im tage-bau: | Kommentieren

Es zu eruieren,
war das Ziel und einem Arkanum zu trotzen,
verlangt viel, denn der Drang,
es zu verstehen,
ist ein Teil von jenem Spiel.

»Ich komme ganz dicht ran diesmal. Woll’n wir wetten, dass…?«
»Schaffst du nie. Gib’s zu, selbst wenn du es versuchen würdest, du wüsstest niemals wie!«

Ein fester Händedruck
und einmal Faust über Faust unter besiegelte die Wette,
die es besser nie gegeben hätte.
Rette dich über den Tag und frag nicht nach Sonnenschein in finsterer Nacht.
Den Mond sollst du ehren. Kaltes Licht nicht unter die Bettdecke lassen.
Lieben sollst du auf Erden, den Himmel nicht hassen.

Alles dunkel. Das Haus, von der Laterne angefeuchtet,
die Wandfassade weiß gestrichen, das Dach vom Niesel angeleuchtet, sah friedlich aus.
Gewichen war die Furcht.
Ich dachte, mir war so, als machte es Spaß im Busch zu hocken
und die im Haus, zu locken.
Näher ging ich ran, noch näher, ohne dass mich wer entdeckte.
Ein bisschen mulmig das Gefühl,
dass ich in mir so gut versteckte.

»Tja. Sieht verloren aus.« eine der Schönen führte die Hand.
An der Wand, als wäre sie dem Traum entrückt,
hing eine Scheibe.
Massiv aus Holz und stolz bemalt mit Zyklen, Bahnen, Kreisen.
Welch Weisem ist denn da das Universum eingefallen?

Schallen, in Raum und Zeit, wie das Hallen in einer großen Kirche.
Sah ja komisch aus und passte so gar nicht in den Traum,
den ich zu träumen glaubte.
Dem ich durch feigen Rückzug, ohne es bewusst zu zwecken,
Gott sei meiner Seele gnädig, seine Märchenmacht raubte.

Sanft führte sie die Hand der Schönen.
Meine Augen mussten sich an Dunkelheit und Licht gewöhnen.
Stöhnen?
Ich musste näher an das Haus heran.
Im Schutz der Hecke bog ich behutsam um
– eine Ecke.
Jetzt konnte ich prima sehen und erkennen, was ich sah,
aber nicht begreifen und verstehen.
Merkur, Venus, Erde, Mars …
und anstelle des Zentralgestirns ein Leuchten aus gütiger Hand.
Mir lief ein Schauer durch mein Mark
– fühlte mich schwach, nicht stark.

Mit einem Mahl durchbohrt,
war jene Hand nun angeschlagen.
Konnte sich nicht rühren, mehr, ich mich wagen, überwinden, hinzusehen?
Würde die Schöne schreien, wimmern oder gar um Gnade flehen?
Totbesprenkelt war das Antlitz jener nun.
Mich berührte das!
Tja. Verloren hatte sie. Ganz klar. Nur was?;

Den Mut, Die Lust, Den Spaß?

Ich wollte nicht fragen und auch nicht wagen, nach oben zu schauen,
jetzt, da ich unter ihnen, tat mich aber dennoch trauen, zu schauen,
nicht zu fragen, grauenvoll umgarnt.
Unbemerkt von ihnen,
denn ich war durch meine Angst sehr gut getarnt.
Dann tropfte jäh ein roter Duft auf mich nieder,
streckte mir wider meinen Willen alle Glieder.
Müde sank ich augenblicklich weg
und viele Jahre, in einem neuen Leben, später,
wurde ich wach in einem Bett aus Flieder.

Beitrag vom 29 September, 2008 (13:13) | Autor: Nico Fuchs | Rubrik: schrieb im tage-bau: | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Septembersonntag

31 August, 2008 (12:31) | | tage-bau, zahlenfolge.n@tur.net | Kommentieren

Luzid die Luft
So durchschaubar
Die Lust auf Lummerland
Und
Die Lust auf Lupinen

Die luftigen Weiber
Zupfen die Besen
Tanzen den feurigen Ringelreihen
Und ein Greifvogel
Greint seinen hohen Diskant

Die lustigen
Eintagsfliegen
Tanzen um Köpfe
Und summen sich
1-2-3 ein Liedchen

Die Amsel
Auf dem Baumwipfel
Pfeift luftig und
Grandios eins
Auf den letzten Frühling

Luzid
Bricht sich das Sonnenlicht
Am Rand des Glases
Neuer Wein
Wie im Flockenkristall

Beitrag vom 31 August, 2008 (12:31) | Autor: Walther | Rubrik: tage-bau, zahlenfolge.n@tur.net | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


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