Jetzt muss man zitieren

7 Oktober, 2014 (14:05) | | tage-bau | (2) Kommentare

– In memoriam Siegfried Lenz –

Du gabst uns eine Stunde Deutsch, und wir verstanden.
Das Leben ist viel mehr, als einfach nur zu leben.
Wir sind es selbst, die die Geschichten erbend weben.
Was gestern war, das dauert und kommt nicht abhanden.

Wenn, mit dem Zug der Vögel, wir über Polen schweben,
Dann finden wir das Haaf und die Masuren, stranden
Und sandeln an der Ostsee, wo die Körbe standen,
Als alles anders war, noch vor dem großen Beben,

Das durch Europa tobte, tausend Jahre brannte,
Als, was den falschen Glauben hatte, waidwund rannte,
Um dann in Öfen Leib und Namen zu verlieren.

Da stand sie, Deine Wiege, als man noch nicht kannte,
Das, was dann kam und das man später Shoah nannte.
Du hast noch selbst berichtet. Jetzt muss man zitieren.

Walther AutorenBio:

Beitrag vom: 7 Oktober, 2014 (14:05) | Autor: Walther | Rubrik: tage-bau | Beitrag drucken Beitrag drucken | (2) Kommentare
Kommentare



sylvia schrieb:

danke für diesen berührenden nachruf auf einen der letzten großen alten… die zeitzeugen, sie werden immer weniger. neulich wurde mir klar, dass jetzt wir für bestimmte zeiten zeugen sind. ein kind beim anblick des alten wählscheiben-telefons in einer vitrine der design-ausstellung: und wo ist das display?
klar – das ist nur ein kleines beispiel am rande…

Kommentiert am 7. Oktober 2014 um 20:54



Walther schrieb:

lb. sylvia, danke dir für deinen kommentar. in der tat sind wir nur für unsere lebensspanne zeugen. alles andere wird dann „vom-hören-sagen“ sein.

Kommentiert am 8. Oktober 2014 um 19:18



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