Israelis und Palästinenser – Oh, Ihr Kinder der Palästinenser (2.4)

6 Februar, 2011 (20:59) | | terrere est humanum? | Kommentieren

Oh, Ihr Kinder der Palästinenser. Wo waren wir stehen geblieben? Ja richtig. Ihr spielt Fussball und ein fremder Junge nimmt Euch den Ball weg.

Für mich als Zuschauer ist klar: Der Junge ist gross und stark und Ihr seid in der Mehrheit. Ich frage mich, wieso dieser Junge dieses Risiko eingeht?
Zuvor sah ich ihn bei den Zuschauern. Er war nur einer von vielen. Fühlt er sich unbeachtet, allein und möchte er Eure Aufmerksamkeit erregen? Das hat er sicher geschafft. Zuvor war der Ball im Mittelpunkt. Aller Augen waren auf das runde Leder geheftet. Ihr ranntet hinter ihm her, als wäre er etwas Besonderes, und wolltet ein Tor machen.
Nun, da der fremde Junge den Ball in seinen Händen hält steht auch er im Mittelpunkt. War das seine Absicht? Was will er? Möchte er Euch den Ball wegnehmen oder nur mitspielen? Wer ist er? Steht er alleine in der Welt und sucht er Freunde? Was ist ihm in der Vergangenheit geschehen?

Oh, Ihr Kinder der Palästinenser. Was wird geschehen? Der Krieg zerstört und der Frieden baut auf.

Jetzt seid Ihr am Zug. Es ist wie beim Spiel der Könige, dem Schach. Er hat in Euer Spiel eingegriffen, hat Euch eine wichtige Figur abgenommen, Euch wohl mit Schachmatt gedroht und nun werdet Ihr reagieren. Beim Schach geht es um Sieg oder Niederlage. Wer möchte schon nach einem Remis, einem Unentschieden, die Schachfiguren einpacken und nach Hause gehen?
Genauso wie beim Schach geht es beim Fussball darum zu siegen und möglichst viele Bälle im gegnerischen Tor zu platzieren. Und es geht um Fairness. Niemand möchte den anderen Spieler absichtlich so schwer verletzen, dass dieser ausfällt. Es geht darum, immer wieder dieses Spiel spielen zu dürfen, immer wieder dieses Adrenalin zu fühlen und die Freude an der Bewegung und der strategischen Vorgehensweise.

Oh, Ihr Kinder der Palästinenser. Was wird geschehen? Der Krieg zerstört und der Frieden baut auf.

Der starke Junge steht da mit dem Ball in den Händen, um den es geht. Er wartet auf Eure Reaktion. Was sagt Euch der nächste Gedanke, das nächste Gefühl? Ihr wollt dem Fremden den Ball abnehmen. Das Recht des Stärkeren spricht in Euch: Los, lasst ihn uns verprügeln und weiterspielen. Solche Gefühle und Gedanken haben das Äberleben des Menschen über Jahrtausende gegen hungrige und angriffslustige Tiere und konkurrierende Menschengruppen gesichert. Seitdem ist viel Zeit vergangen.

© 2011 Hans-Jürgen John

Hans-Jürgen John wurde 1967 in Ulm geboren. Nach Stationen in Marseille, Tübingen und wiederholt in Ulm, lebt er jetzt zeitweise in der Schweiz. Auf seiner Homepage www.johntext.de – Literatur, die helfen möchte – lässt sich die Entwicklung vom blossen Geschichtenerzählen zu der Beschäftigung mit dem, was Menschen umtreibt, ihre Sorgen und Hoffnungen miterleben.

Hans Juergen John AutorenBio:

Beitrag vom: 6 Februar, 2011 (20:59) | Autor: Hans Juergen John | Rubrik: terrere est humanum? | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


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