Exklusives Interview mit Julian Assange über Rolle und Funktion von Wikileaks

16 Dezember, 2010 (20:59) | | netz@uge.nblick | (2) Kommentare

Gekürzte Fassung. Ausführliches Interview auf www.johntext.de

I : Herr Assangeâ?¦
A: Julian bitteâ?¦.
I :Julian, wie geht es weiter bei Dir?
A: Das wird sich zeigen. Wir haben immer damit gerechnet, dass die Begleitumstände unserer Arbeit härter würden und haben uns darauf seit langem vorbereitet.
I : Ihr wolltet unter anderem zeigen, dass die amerikanische Regierung dem Volk verschiedene Wahrheiten vorenthält. Bist Du zufrieden?….

A : Wir haben viel erreicht.
I: Wie erklärst Du Dir, dass die sogenannten Whistle Blower (Geheimnisverräter, Anm. des Autors) Dir vertrauen und um die traditionellen Printmedien einen Bogen machen?
A : Die grossen Tageszeitungen haben eine wichtige Aufgabe. Sie zeigen durch die Veröffentlichungen, dass die Meinungsfreiheit über anderen Erwägungen stehtâ?¦.

I : Die Veröffentlichungen zielen grösstenteils in eine Richtung: Die US-Regierung. Wieso jetzt? Der aussenpolitische Schaden ist da. Die einen meinen er sei gering, die anderen sprechen von Vertrauensverlust.
A : Sie müssen sehenâ?¦ wenn eine Regierung wechselt, wird nicht automatisch zugleich auch der gesamte Behördenapparat ausgetauscht.
I : Die Regierung Obama regiert teilweise noch mit den Gefolgsleuten von Bush?
A : Grob formuliert: Ja. Wir haben vor den Veröffentlichungen intern darüber diskutiertâ?¦

A : Du meinst Wikileaks ist nur der Präzedensfall, um das Internet als Bedrohung für die innere und äussere Sicherheit der Staatengemeinschaft zu kennzeichnen? Und um in diesem Fahrwasser so etwas wie eine Internetpolizei zu gründen?
Unsere Existenz und unser Wirken zeigt ja eben, dass es schwer ist, das Internet zu kontrollierenâ?¦.

A : Ersatzbefriedigung ist das Zauberwort.
I : Surrogate?
A : Richtig. Die Menschen sind so weit, dass sie sich mit einer blossen Kopie von allem zufrieden geben. Es geht nicht mehr um den Originalgeschmack, es geht noch nicht einmal mehr um die gesunde Originalerdbeere. Wir geben uns mit irgendwelchen Geschmacksverstärkern zufrieden. Im richtigen Leben wäre Action alla Jackie Chan zu gefährlich. Uns genügt schon der Adrenalinstoss daheim auf dem Sofa, wenn wir uns einen Film anschauen. Obwohl wir wissen, dass alle Szenen gestellt sind. Diese Welt will betrogen werden.
I : Worauf willst Du hinaus? Betrügt Wikileaks seine Fans?
A : Nein. Wir liefern nur, was alle wollenâ?¦.

I : Wikileaks hat also eine ähnliche Funktion wie Erdbeermilch und Actionfilme à la Jackie Chan: Es soll dem Leser oder Konsumenten suggerieren, er wäre schon Teil einer grossen Sache, obwohl er lediglich zuhause am Computer sitzt und liest?
A : So ähnlich.
I : Danke Dir Julian für das fiktive Interview.

© 2010 Hans-Jürgen John

Hans-Jürgen John wurde 1967 in Ulm geboren. Nach Stationen in Marseille, Tübingen und wiederholt in Ulm, lebt er jetzt zeitweise in der Schweiz. Auf seiner Homepage www.johntext.de – Literatur, die helfen möchte – lässt sich die Entwicklung vom blossen Geschichtenerzählen zu der Beschäftigung mit dem, was Menschen umtreibt, ihre Sorgen und Hoffnungen miterleben.

Hans Juergen John AutorenBio:

Beitrag vom: 16 Dezember, 2010 (20:59) | Autor: Hans Juergen John | Rubrik: netz@uge.nblick | Beitrag drucken Beitrag drucken | (2) Kommentare
Kommentare



Melanie Sauter schrieb:

Hi Hans,
Du Böser! Da dachte ich doch tatsächlich Du hättest den Assange befragt. Kommt aber tatsächlich wohl mehr bei einem fiktiven Interview heraus, als ihn direkt zu befragen….
Schöne Feiertage und Keep-on-writing. Bist Du ab in die Sonne?
Melanie

Kommentiert am 21. Dezember 2010 um 14:33



Hans schrieb:

Hi Melanie,

Sonne? Ich seh hier nur Schnee und Schnee und Schnee….hat etwas beruhigendes so eine Reihung….nur Schnee und Schnee und Schnee….

Ja hab das Interview auf meiner Homepage noch einmal bearbeitet…..hab ihn befragt, ob er seinen Märtyrertod plant….nur im frühen Dahingehen für eine gerechte Sache wird man unsterblich, siehe Jesus, Che Guevara etc. etc….glaube aber er hängt doch an seinem irdischen Sein wie wir alle….. Hansi

Kommentiert am 26. Dezember 2010 um 0:59



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