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Drei an die Liebe – Trochäisches Sonett Triptychon

Nornenschwärme

Greife ich in diese kalte Leere,
Denke ich an unsre heißen Nächte:
Eiswind dringt durch lange schwarze Schächte,
Mich umtanzen ganze Zombieheere.

Ist das Leben Frage stolzer Ehre?
Wer hat schuld, und wer ist der Gerechte?
Was ist wahr, wenn Lüge schlägt das Echte?
Ziehen wir aus Scheitern eine Lehre?

Wieder greife ich auf deine Seite.
Dort verhungern du und deine Wärme,
Und die Angst verschlingt sich in die Därme.

Führ das Leben, das ich mir bereite:
In der Enge wohnte doch die Weite!
In der Nacht hör ich die Nornenschwärme.

 

Angstgestalt

Flieh in meine Arme, ich in deine.
Kalt ist alles. Nicht das Eis ist kalt:
Dunkel ist die Nacht, unendlich alt
Und kristallen. Und wir sind alleine.

Frage nicht, weil keine Antwort schallt:
Mauern stehen fest, sind mehr als Steine.
Türen gibt es wie auch Fenster keine.
Angst in Klumpen, in der Faust geballt:

Teufel sind wir, von der Höllenleine
Losgelassen, fleddern wir Gebeine.
Sei bereit: Die stille Zeit kommt bald.

Floh in deine Arme, du in meine:
Gibst du mir den allerletzten Halt?
Ohne uns wird diese Angst Gestalt.

 

Fürchte dich nicht

Willst du, dass wir schöne Träume werden?
Dann greif zu und nimm sie: Herz und Hand.
Lass uns eilen, hin ins ferne Land,
Paradiesisch soll‘s da sein. Beschwerden

Blieben hier, sie wären unbekannt.
Auf den Weiden grasten große Herden,
Lebten auf der schönsten aller Erden:
Kommst du? Warten wäre Tod und Tand.

Schmücke deine Stirn mit deinen Locken,
Trage auf der Haut nur mich und nichts,
Deine Stimme gleiche Wunderglocken,

Lächeln sei der Ausdruck des Gesichts.
Könnte diese Aussicht nicht verlocken?
Fürchtest du die Strafe des Gerichts?