die ballade von der haltbaren backpflaume

1 Juli, 2015 (06:08) | | rausch (zustände) | Kommentieren

eine backpflaume bekümmerte sich,
daß sie so schrumplig sei.
sie sprach: sehet, das bin ich,
die backpflaume eklig – tanderadei.

und es feixten die frischen pflaumen,
die prallen und frühherbstgefärbten.
hämisch war jener pflaumen raunen
und schäbig die blicke der sonnengegerbten.

da kam ein mehlweißer bäcker vorbei.
der pflückte die reifen pflaumen
und machte kuchen daraus für gierige gaumen,
schnitt eine jede entzwei – tanderadei.

die prallen pflaumen wurden gefressen.
die backpflaume hingegen
wurde nicht gebacken, sondern vergessen
und blieb, schrumplig zwar, aber am leben.

die backpflaume schrumpelte weiter,
sogar ihr kern begann zu ergrauen.
da sagte sie sich: wenn ich auch scheiter,
so bleib ich doch unter den pflaumen.

und sie blieb und faltig und haltbar
und war guter dinge dabei.
und weil’s noch lang nicht so weit war,
schrumpelte sie, als sei’s einerlei – tanderadei.

(ögyr liest’s aus der backfischpflaume)

Jörg Meyer (oegyr) AutorenBio:

Beitrag vom: 1 Juli, 2015 (06:08) | Autor: Jörg Meyer (oegyr) | Rubrik: rausch (zustände) | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


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