Beiträge zu goldener schnitt

Wo die Angst ist, ist der Weg

21 Februar, 2017 (15:56) | | goldener schnitt | Kommentieren

Immer meiner Angst nach, ich kann den Weg gar nicht verfehlen.

Beitrag vom 21 Februar, 2017 (15:56) | Autor: Kathrin Drescher | Rubrik: goldener schnitt | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Österliches

22 April, 2014 (08:23) | | goldener schnitt | Kommentieren

Gebete klingen durch den Raum,
Den hohe Fenster farbig säumen.
Man kann durch ihre Splitter träumen,
Und das Gemurmel hört man kaum.

Den hohen Turm umflattern Tauben.
Ihr Weiß ist grau; die Tauben taub,
Und alles Träumen wird zum Raub
All derer, die den Glauben rauben.

Ein Glockenklang verziert die Luft.
Sie zittert sich zum Ton, soll rufen,
Und weißer Rauch schmerzt wie der Duft,

Den alte Spezereien schufen.
Ein fernes Licht strahlt durch die Kluft.
Der Esel scharrt mit feinen Hufen.

Beitrag vom 22 April, 2014 (08:23) | Autor: Walther | Rubrik: goldener schnitt | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


ByeByePass 22-23

28 April, 2011 (02:27) | | goldener schnitt | 1 Kommentar

22 (110428 1:52)

weltverbesserer, unverbesserlich

in der kaufhalle zufälliger treff
mit dem ehemals (und noch) genossen:
er: schaut auf den inhalt meines
korbs, den wir visionen gaben.

ich: hab“ darin unverbesserlich
die hölle für und gegen alle
meine himmel noch versammelt:
den trunkspruch verbessert das gebet.

***

23 (110428 2:00)

ändere die welt, sie braucht’s nicht

ach, was vermögen wir denn zu brauchen …?
und was brauchten wir zu vermögen?
am abend der blick nach oben
zum gestirnten und den „moralischen

gesetzen“ in, aber auch außer mir.
kant. cunt. können noch und
doch nicht mehr wollen.
unter sternen blank der gebrauch der welt.

Beitrag vom 28 April, 2011 (02:27) | Autor: Jörg Meyer (oegyr) | Rubrik: goldener schnitt | Beitrag drucken Beitrag drucken | (1) Kommentar


hochsommer am südpol

23 Januar, 2011 (00:43) | | goldener schnitt | 1 Kommentar

derzeit minus neun]und[zwanzig grad,
schweigt nah am pol der sommer, eis nicht schmelzend.
die gegensätze ziehen sich warm an.
sein pelz ist nicht des pudels kern, sein mantel

die nach außen kehre – südens rat:
du bist nicht nackt, wenn du, im schnee dich wälzend,
durchschwimmst das eis, das feste, das verrann,
als du es flü[cht/ss]ig machtest deinem wandel.

vierundfünfzig grad, neun][zehn minuten,
und sieben davon nach der zehn an länge:
dort ist der platz, an dem ich meine ruten

bündele mit eng gebund’nen stricken,
die ziehen mich nachhaus, wohin ich dränge
die zeit, die grade und das mich verrücken.

Beitrag vom 23 Januar, 2011 (00:43) | Autor: Jörg Meyer (oegyr) | Rubrik: goldener schnitt | Beitrag drucken Beitrag drucken | (1) Kommentar


Ausgleich

11 November, 2010 (23:14) | | goldener schnitt | Kommentieren

Jeder braucht einen Ausgleich. Für seine Arbeit. Von seiner Familie. Wegen seiner ermüdeten Augen. Ausgleich kann Redezeit, Geld, ein Kuss sein. Ein neuer Bildschirm, wie eine Wohltat. Endlich. Wichtig ist in jeder Beziehung der Ausgleich. Doch er kommt nicht immer von alleine, wie ich lange glaubte. Manchmal muss man ihn sich holen. Wenn ich das nicht zum richtigen Zeitpunkt erledigt habe, fühle ich mich irgendwann nicht mehr ausgegelichen, bin gereizt.

Beitrag vom 11 November, 2010 (23:14) | Autor: Uwe Schick | Rubrik: goldener schnitt | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Ach du Wort, du Wind im Labyrinth

8 November, 2010 (23:33) | | goldener schnitt | Kommentieren

Schon mal was von Paragrammen gehört?
Ein Spiel mit Wörtern, vertauschte Buchstaben usw.

 
Die fallenden Blätter
vorbeiruaschende Autos
Vorbeiruaschend? Vorbeihuschend?
Wort beim u erhaschen? oder überraschen?
Ein Wort ein Blatt im Wind?
Ein Vogel, vielgelesener Esel
ein Wirt ein Wort im Wattenmeer?
Ein Möwenwirt?
Einer, der die Wörter packt und pickt und zwinkert?
Ach ja der Specht der letztens Buchstaben Bachstuben
Bach- Stuben? Stubben aus dem Rauschen stupste?
aus dem Baum aus dem Bauch
des Baums im Traum?
Ein träumender Baum im Specht?
trommelte
und ein Segelschiff aus dem Schaum?
bummelt versimpelt versenkt in sich
mit der Ferse für Verse
Verse mit der Ferse im Bach?
und einem Schwan als Kapitän?
der gurgelte:
Träume?
Melodie und Rhythmus
sind Melone und ritt los?
Mit dem Pinsel.
Ach du Pinselschwan

Beitrag vom 8 November, 2010 (23:33) | Autor: Hartmut Sörgel | Rubrik: goldener schnitt | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Musik der Erinnerung

30 Oktober, 2010 (22:47) | | goldener schnitt | Kommentieren

Heute am Müggelsee


Sonniges Herbstwochenende
Viele unterwegs
Ich überhole zwei Mütter, eine mit drei, die andre mit einem Kind in der Karre.
Das lächelt mich an, ich zurück, Mutter freut sich.
Als ich vorbei bin, höre ich: 'Wer war denn das?
Weiß ich nicht. Der war nett, ich habe auch gelächelt.'
Hinter Ufergehölz kroaksen Kormorane.
Ich gehe zum Ufer, sie zu sehen.
Ein altes Paar kommt.â?¨Sie sagen: Schön hier, wo sind denn die Kormorane?
Hier waren immer viele.'
'Dort sind sie.'Ich zeige sie ihnen.
Sie: Äh ja!'
'Und was suchst du, den Schwan?' fragt er.
'Ja, ich habe nämlich am Rübezahl einen gefüttert,
und als es alle war, ihm versprochen: Wir kommen morgen wieder.
Ist er nun hier?'
Ein junger noch grauer Schwan, der erst weit draußen im Wasser schlief,
ist aufgewacht, als er das hört? und kommt geschwommen.
Sie packt Brot aus.
Ich denke an meine Ausstellung und frage den Mann: 
'Interessieren sie sich für Kunst?'
'Nein!'

Die Mütter mit Kindern treffe ich wieder, denn sie haben mich,
als ich bei den Kormoranen war, überholt.
Jetzt frage ich auch sie, ob sie zur Eröffnung kommen möchten.
'Wie heißt denn die Ausstellung?'
'Die Musik der Bilder'
Sie fragt: 'Kann man das auch im Internet ergoogeln?'
Und wiederholt fast singend 
'Die Mu
             sik
                   der                    er'
                             Bild
Beitrag vom 30 Oktober, 2010 (22:47) | Autor: Hartmut Sörgel | Rubrik: goldener schnitt | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Die Ewigkeit der Fragen

26 Oktober, 2010 (18:51) | | goldener schnitt | Kommentieren

Du stellst die Frage nach dem Sinn, ganz nonchalant,
Und ich, ich atme tief und hör die Lungenflügel rasseln.
Ich zähl im Dämmerlicht nach Erbsen Kellerasseln
Und denke an das Ende letztlich en passant.

Zum Angst im Atem hyperventilierend Drosseln
Ersinn ich mir aus Lachen einen Paravent.
Ich exklamiere: Merde alors! und Très charmant!
Danach verlier ich mich im falsche Gründe Bosseln,

Weil nichts so ist, wie’s scheint, wie man’s auch immer dreht:
Es steht nichts still. Es endet nichts. Es dehnt sich weiter.
Und wenn sich alles ganz verdunkelt, übersteht

Die Frage auch den letzten Atemzug: Bleib‘ heiter,
So sage ich zu Dir, wenn’s nicht mehr weitergeht,
Werf ich zum Regenbogen eine Rettungsleiter!

Beitrag vom 26 Oktober, 2010 (18:51) | Autor: Walther | Rubrik: goldener schnitt | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


endlichkeit der fragen

26 Oktober, 2010 (05:46) | | goldener schnitt | Kommentieren

was ist die endlichkeit? ein sagen, trautes
wagen auch, ein immer wieder gehen
ans ende einer zeit: gedichtdurchschautes,
das stürmt und drängt nicht, doch wird daraus wehen.

mein ruf heißt „endlich!“, endlich bin ich wieder
widrig und der kasper im theater,
ein clown, mein narr, ein endlich versverschieber,
ein sohn, mein opa und alldem mein vater.

ich frag‘ sie nicht, ich antworte den fragen,
den letzten, diesen wilden widerspruch:
was war zu sagen, können wir nicht tragen,

wir sind zu endlich für solch‘ ewigkeiten.
indes, wir sinken in die schauerflucht,
das enden in den himmel auszuweiten.

ögyr liest’s

Beitrag vom 26 Oktober, 2010 (05:46) | Autor: Jörg Meyer (oegyr) | Rubrik: goldener schnitt | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


zwischen levkojen

23 Juni, 2010 (08:48) | | goldener schnitt | Kommentieren

opulentes rot

am ende
der landschaft
schmiegt sich
ein letzter streifen
heute
zwischen himmel
und horizont
fallen
zersplitterte worte
auf
kopf
stein
pflaster
hallen dir
meine schritte
nach
im duft
welkender sommer
levkojen
verschwimmt
das bild
bis ich die augen
schließe
um
dir näher
zu sein

als mir selbst

Beitrag vom 23 Juni, 2010 (08:48) | Autor: Ramona Linke | Rubrik: goldener schnitt | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


achtsam

7 Juni, 2010 (16:12) | | goldener schnitt | Kommentieren

im fortlaufenden
sommer
unbefangen einfach
nur atmen
hinter kleinen nebeln
am grünen tisch
zwischen end
losem filz &
verschludertem leben
lege ich mir die kleinen
steine
aus dem weg
wo ich doch so gerne raus
wachsen würde
aus mir
aus meiner haut
und überhaupt
weiter
immer weiter
über knüppelpfade
mit jedem
augenkuss
bis es ganz still ist
dort, wo meine seele
sich
zur ruhe krümmt

sein dürfen

Beitrag vom 7 Juni, 2010 (16:12) | Autor: Ramona Linke | Rubrik: goldener schnitt | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Ravi Shankar

7 April, 2010 (22:59) | | goldener schnitt, lesung karlsruhe | Kommentieren

Ravi Shankar, der weltbekannte indische Sitarspieler und Komponist wird heute 90.
Vor 8 Jahren erlebte ich ihn und schrieb lauschend mit.
Hier ein Stück
26.6.02 Museumsinsel Abends
Ravi Shankar tritt zum letzten Mal auf in Berlin
Der alte Mann, seine Mitspieler stützen ihn bei jeder kleinen Stufe auf der Bühne.
Seine Tochter Anoushka ist auch dabei. Sie spielt wie er Sitar.

Sharu Keshi Raga Südindien

 
                                  Vor Mamalipuram 
                                     spielen die Wellen
                                          ich bin die Sitar 
                                         über den Ozean gleitend
                                        hinter mir verschlingen Strudel 
                                      die Töne
                                in  leuchtenden Fontänen
                         Auf ihnen reitet
                  eine Schildkröte
              immerzu rufend 
                  Mamamama mama 
                      lilipuramdaram
                        Schnell wendet sie 
                             singend den Hals
                                   Auf ihren Rücken 
                                      trommeln zwei Fische:
                                       Woher kommst du 
                                     wohin gehst du?
                                   Nirgendwohin
                             rufe ich lauthals zurück
                      als durch die Tiefen 
                   der dunklen Wellen
           dem Staub der Tage 
              der Nächte
                     Im vergehendem Licht 
                           der tanzenden Händler
                        stürzt ein Tisch
                    mit kleinen Trommeln 
                           trommelnd 
                              in sich zusammen
 

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Beitrag vom 7 April, 2010 (22:59) | Autor: Hartmut Sörgel | Rubrik: goldener schnitt, lesung karlsruhe | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Er strahlt ins Weite

5 März, 2010 (20:46) | | goldener schnitt, lesung karlsruhe, rausch (zustände) | Kommentieren

„wie wolken um die zeiten legt“ (friedrich hölderlin)

Der Worte in den Atem schreibt, um zu verführen:
Er strahlt ins Weite. Er strahlt gelb, rot, grün und blau:
Die Lichterfelder, die sich spreizen, die ich schau,
Die wollen mich im Innersten ganz leicht berühren “

Sie staunen, diese wunderbaren, schlängeln schlau
Sich durch die Luft, und niemand kann sie jemals spüren,
Weil sie sich zärtelnd aus dem Nichts zum Äther küren!
Sie binden sich und winden sich, und ganz genau

Wie man die Wolken um die Zeiten legt, bewegt
Es Suchende, die Lebenden, die Endenden:
Der Worte in den Odem haucht, ist angeregt

Von Bilderlauten, die er malt, die wendenden,
Verwunschenen, die, um die Zeiten sich gelegt,
Am Himmel ballenden und sich verschwendenden!

Für öygr

Beitrag vom 5 März, 2010 (20:46) | Autor: Walther | Rubrik: goldener schnitt, lesung karlsruhe, rausch (zustände) | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


die viele zeit

27 Februar, 2010 (11:21) | | goldener schnitt | Kommentieren

die viele zeit die plötzlich in meinem alltag steht
sitzt liegt lungert sich über flächen breitet und
ach jeden leeren platz belegt die zeit die dicke
bücher zeitschriften frisst in vielen kleinen happsen
und schlucksen die sich aufbläht rülpst und wieder
breiter macht sie macht mir langsam einen
schrecken die augen schmerzen und tränen die
ohren voll mit den stimmen der professionellen
vorleser spaziergang in der frühlingssonne fällt
aus wegen knieverstockung die blumen sind gegossen
texte verstecken sich im furchtdickicht lassen sich
nicht locken es streiken zeichenfeder und pinsel
ach mir wird bang nein vertreiben wolln wir sie nicht
die zeit auch nicht totschlagen soll sie sich niederlassen
auf dem sofa neben mir komm zeit schauen wir mal in den

schrank den lang verschlossenen nee fräulein
das lass man lieber bleiben singt der stephan und von
fremden händen auf seinen beinen und vom alten
herrn im 5. stock ganz links und die zeit sitzt neben
mir und wippt mit den füßen und lacht weisste noch
siehste geht doch…

Beitrag vom 27 Februar, 2010 (11:21) | Autor: Sylvia Hagenbach | Rubrik: goldener schnitt | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Musik ohne Ende

23 Februar, 2010 (23:55) | | goldener schnitt | Kommentieren

Ultraschall 2010
Mark Andre
‚Au 1‘
Orchestertriptychon


                                / / / / /
                               / / / / /
                           Leere 
                        Räume unendlich
                      Das Ende fängt den Anfang
                     in Zwischenwelten wechselt
                das Ungewisse ungewiss und schutzlos
           blaue Noten auf langen Beinen
            Dreiecke fallen steigen aus den Farben
             trommeln
                >°~~~~~~)
                 fast unsichtbar
                 im weißen
                      Nebel
                      |
                      |
                      |
                      
                      |
                      |
                      |

                      |
                      |
                     / 
                   /    
                  /       

Beitrag vom 23 Februar, 2010 (23:55) | Autor: Hartmut Sörgel | Rubrik: goldener schnitt | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Noch mehr Musik

21 Februar, 2010 (23:59) | | goldener schnitt | Kommentieren

Letztens hörte ich ein Stück von Janis Xenakis das Stück Syrmos
Ich malte mit und schrieb heute das Bild ab



                   Zusammen 
                      stürzen die Wolken
                       Die Nacht der Städte 
                     zwitschert
                                zwischen 
                          den schweigenden Bergen
                       Pfeifende Feuer 
                         stürzen in kreisende Lichter
                           Taumelnde Blätter
                        Ein Feuerwerk fliegt 
                      in spritzende Wellen 
                    über die Wellen
                  Türkis rennen die Wasser
                     gegen die Sonne
                  die kreist in orangenen Bögen
                   durch blaue Ecken der Krater
                   und pflückt 
                    eine 
                   R
                 o
              s
           e
Beitrag vom 21 Februar, 2010 (23:59) | Autor: Hartmut Sörgel | Rubrik: goldener schnitt | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


aschermittwoch

17 Februar, 2010 (11:56) | | goldener schnitt | 4 Kommentare

http://www.sylviahagenbach.de/wp-content/uploads/2010/02/orangen-2.jpg
glockenrufe
die narren
beugen die häupter
ausgekreuzt
die tollen tage
ein fetter kater
räkelt sich
es riecht nach fisch
in küchen und kneipen
in meiner
blauen schale duften
süße sonnen

Beitrag vom 17 Februar, 2010 (11:56) | Autor: Sylvia Hagenbach | Rubrik: goldener schnitt | Beitrag drucken Beitrag drucken | (4) Kommentare


Yodh – The Infinite Point

20 Dezember, 2009 (23:21) | | goldener schnitt | 1 Kommentar

„J“ is the tenth letter in the modern Latin alphabet; it was the last of the 26 letters to be added.

But Yodh, also spelled Yud or Yod, is the tenth letter of the Semitic alphabet. The tenth shall be holy; as the decimal nature of reality.

But I am a worm and not a man, scorned by men and despised by the people.
All who see me mock me; they hurl insults, shaking their heads:
He trusts in Adonai; let Adonai rescue him. Let him deliver him, since he delights in him.

As Yodh is the smallest letter, much kabbalistic and mystical significance is attached to it. The secret of this point is the power of the Infinite to contain finite phenomena within Himself and express them to apparent external reality. This initial point, the essential power of the Yodh, is the „little that holds much.“

I am poured out like water, and all my bones are out of joint. My heart has turned to wax; it has melted away within me.
My strength is dried up like a potsherd, and my tongue sticks to the roof of my mouth; you lay me in the dust of death.

According to the Gospel of Matthew Jesus mentioned it during the Antithesis of the Law when he says: „One Yodh or one tittle shall in no wise pass from the law, till all be fulfilled.“ Yodh was often overlooked by scribes because of its size and position as a mater lectiones.

Dogs have surrounded me; a band of evil men has encircled me, they have pierced my hands and my feet.
I can count all my bones; people stare and gloat over me.
They divide my garments among them and cast lots for my clothing.

In modern Hebrew, the phrase „tip of the Yodh“ refers to a small and insignificant thing, and someone who „worries about the tip of a Yodh“ is someone who is a „Korinthenkacker“ that means to be picky and meticulous about very small details.

From birth I was cast upon you; from my mother’s womb you have been my Adonai.
Do not be far from me, for trouble is near and there is no-one to help.

In „gematria“, the Hebrew language and Hebrew alphabet, Yodh represents the number ten, and its place in the name of Adonai.

Eli Eli, why have you forsaken me?

Two Yodhs in a row designate the name of HIM and in pointed texts are written with the vowels of Adonai; this is done as well with the Tetragrammaton.

Adonai, deliver my precious life from the power of the dogs.

Yodh is thought to have originated with a pictograph of a hand, Yad in Hebrew.
Yad can also refer to pointer used for Torah reading in Jewish synagogues.

Quote: Psalm 22

Beitrag vom 20 Dezember, 2009 (23:21) | Autor: Kathrin Drescher | Rubrik: goldener schnitt | Beitrag drucken Beitrag drucken | (1) Kommentar


Schweigende Träume

15 Dezember, 2009 (22:06) | | goldener schnitt | 3 Kommentare

Hellglitzernd zerspringt der Fluss an den Felsen,
gleißend zerschneidet sein glänzendes Band,
baumgrün gesäumt, den Staub der Steppe.
Die Feder des Falken sinkt langsam zur Erde.

Kristallklar ertönt das Lied einer Liebe,
zärtliche Weisen, geborgen im Wind,
steigen hinab zum Grün der Gärten.
Die Nachtigall hütet die Lieder der Nächte.

So weint meine Seele schweigende Träume,
dunkle Gefieder bedecken ihr Haupt.
Windlieder zart zerrinnen leise
im Dunkel der Nächte zum Staub meiner Tage.

Beitrag vom 15 Dezember, 2009 (22:06) | Autor: Elvira Surrmann | Rubrik: goldener schnitt | Beitrag drucken Beitrag drucken | (3) Kommentare


Musik und Sprache eng verwandt

6 Dezember, 2009 (23:57) | | goldener schnitt | 2 Kommentare

 
   Arnold Schönberg
                        Klavierstücke

                                 Dunkel hell               Wirbelnde Blätter
                             Tropfen fallen leuchtend   stehen Kopf im Wind
                        nach oben                                   und denken

                     Ein Stein dreht sich                Das Haar
              springt über Wellen                          Ein Wald auf meinem Kopf
      und spritzt                                                      Wolken mit Wurzeln

      Das Echo spaziert                                          Ich gehe weiter
                neben mir am Friedhof                   einfach geradeaus
                     Der Tod?!                                von der Erde weg

                      Füße aus Sternen                  Blau grün gelb
                Augen Licht und Luft                        fliegen sprühend weg
        Schillernde Farben                                      und drehen sich

   Eisiger Schnee                                                                               Der Horizont
       Schleier funkelnder Lichter                                        Er kreist ringsum
                              Tiefe Spuren                      und bindet mich fest

                               Ein Salto                                                     Ein Vogel
       Ich überspringe mich selbst                                         Er sitzt im Fenster
   in alle Zeit                                                                und...

   Der Flügel  schwebt                                                         Springende Flecken
       aus dem Orchester                                                die nicht existieren
                           völlig aufgehoben                   schlagen Töne
  

Beitrag vom 6 Dezember, 2009 (23:57) | Autor: Hartmut Sörgel | Rubrik: goldener schnitt | Beitrag drucken Beitrag drucken | (2) Kommentare


Engelschor (aus „Mäander“)

30 November, 2009 (13:39) | | goldener schnitt | 1 Kommentar

Hildegard von Bingen – der Name bringt in mir etwas zum Erklingen, d.h. die Klänge der Klosterfrau steigen in mir auf, Dome aus Tönen, Melodienbögen wie Wasserfälle.

Ich steige ein in diese Klangwelt und fahre mit ihr hinauf und hinab: eine akustische Achterbahn mit steilen Höhen und Tiefen, Links- und Rechtskurven – hei, wie es mich packt und erhebt, in freiem Fall abstürzen lässt und mich dann auffängt in einer sanften Aufwärtsbewegung, hinauf zu strahlenden Gipfeln.

Gesang von Engeln: keusche Frauen mit Stimmen so rein wie ihre Herzen beim Lobgesang Gottes. Chorgesang, dieser Schlüssel zum Jenseits, getragen von freudiger Inbrunst – eine andere Art von Brunst: sublimierte Sexualität, erotische Erhebung, orgiastisches Schweben, in Euphorie umgesetzte Sinnlichkeit, Aufschwung in höhere Sphären.

Sanglicher Höhenflug: das scheint mir mit Engelsschwingen gemeint – Metapher fürs Abheben in überirdische Regionen, die aber doch mit der Erde verknüpft sind, gebunden an leibliche Stimmen, die von den Frauen aufsteigen, Instrumente wie Fiedeln, Flöten, Harfen, Lauten und Orgeln, nur dass sie lebendig sind, vitale Resonanzkörper, beseelte Klangorgane, emotional aufgeladen, zu einem Chor vereint, unisono, Schleifen ziehend in erhabener Stille, die nachhallt während der Atempausen, himmlische Stimmsäulen und „bögen, ineins verschmolzen, irisierend in hellen und dunklen Nuancen, schillernd wie Regenbögen, Spektralfarben aus Mezzo, Alt und Sopran.

Ihr Singen: ins Ätherische verflüchtigte Liebe, von der alles Schwere und Lehmige abfällt, ja, selbst das Verschwitzte wird kondensiert zu balsamischem Duft, geläutert in der Symbiose allumfassenden Glücks.

Und wieder setzt dieses pfeifende Instrument ein mit süßer Melodik, die mir so innig vertraut ist: zierliche, süchtigmachende Arabesken, nun unterlegt mit einer zweiten, tieferen Stimme – hypnotisierende Laute aus einer Drehorgel oder einem Harmonium, quirlend, hüpfend und strudelnd, mäandernd, auseinanderlaufend in mehrere Stimmen, wieder zusammenfließend, unterbrochen von Trillern, Luftsprüngen der Freude. Violine und Harfe lösen das Organetto jetzt ab, und ihre Klänge werden von Flötenlauten durchflochten.

Dann werden sämtliche Instrumentalstimmen zu einem filigranen Gebilde verwoben: köstlicher fliegender Teppich, auf dem ich dahinschwebe. Jetzt wird der Orgelklang zu einem Quäken, umrankt von aufblühenden weiblichen Stimmen: strahlend, golden und bernsteinfarben, fließend wie Honig, und ein Schauder durchflutet mich.

Mein Körper ist eine Art Tempel, in dem der Engelschor widerhallt, sein Lobgesang nicht auf einen abstrakten Gott, sondern auf das unmittelbare Dasein, auf eine sich plötzlich mir offenbarende Harmonie, die alles durchdringt: Trost jenseits des deprimierenden Alltags, und ich wische mir heimlich die Augen.

Beitrag vom 30 November, 2009 (13:39) | Autor: Kasper Grimm | Rubrik: goldener schnitt | Beitrag drucken Beitrag drucken | (1) Kommentar


Moderne Musik

22 November, 2009 (23:46) | | goldener schnitt | 1 Kommentar

Gestern hörte ich Komponisten über ihre Musik diskutieren,
hier ein Stück daraus


                                Utopie enthält Unerfüllbares?
                               Gedachte Struktur
                            philosophisch verankert
                         und der Hörer?
                       Trotzdem
                      spielen wir mit
                     zehn Fingern das Rhizom
                      Musik
                       eine Saite in mir
                         schwingt außen
                          und gleichzeitig in der Mitte
                            gespielt mit dritter Hand 
                             oder elftem Finger
                               Unmöglich?
                               Ich könnte mich selbst nicht hören
                              wenn ich Kartoffel wäre
                             ein Labyrinth
                           aus Wurzeln
                         Utopie?
                      Man hört es
                  Ich selbst nie
               eine Achterbahn
               ein Hauch
                an diesem und jenem Ort
                    ein Paradies

Beitrag vom 22 November, 2009 (23:46) | Autor: Hartmut Sörgel | Rubrik: goldener schnitt | Beitrag drucken Beitrag drucken | (1) Kommentar


Avalon

9 November, 2009 (18:08) | | goldener schnitt | 3 Kommentare

Avalon
„von Inseln,
auf denen
Apfelbäume
der Sonne
nachwinken“

Beitrag vom 9 November, 2009 (18:08) | Autor: Kathrin Drescher | Rubrik: goldener schnitt | Beitrag drucken Beitrag drucken | (3) Kommentare


Skalli II

16 Oktober, 2009 (00:42) | | goldener schnitt | 4 Kommentare

Skalli

„vom Wolf, der
der Sonne folgt
in die schützende Flut“

oder einfach: „der Himmel daheim“

Beitrag vom 16 Oktober, 2009 (00:42) | Autor: Kathrin Drescher | Rubrik: goldener schnitt | Beitrag drucken Beitrag drucken | (4) Kommentare


1980

8 Juni, 2009 (09:26) | | goldener schnitt | Kommentieren

Nach acht Jahren Schweigepause wagte ich mich wieder daran, das Schreiben von einem Gedicht auszuprobieren. Die Gedanken dazu sperrte ich in meinen Kopf. Ich erzählte niemand etwas davon, lief auf meinen Schuhsohlen unsicher in den größeren Buchhandlungen herum, starrte die Seiten sog. „moderner Lyrik“ an und wusste, ich würde dem Trend, abgebrochene Zeilen zu üben, mich anpassen müssen.
All zu gut erinnerte ich mich daran, warum ich vor diesen acht Pausenjahren in eine schriftstellerische Stille verfiel. Ich hatte eine umfangreichere Herzensblüte mit abendlicher Gefühlsseligkeit und überfrachteten Altreimen an die „Horen“, eine der wichtigsten zeitgenössischen Literaturzeitungen geschickt.
Die Antwort der Redaktion hatte meine künftigen Produktionen einstweilen in ein finsteres Aus geschoben.
„Schön, sehr schön“, hatten sie klar geantwortet. Aber – es wäre „vor hundert Jahren so schön“ gewesen. Nicht heutzutage. Und – sie hatten Recht.
Zuhause suchte ich mir ein besonderes Papier aus einer hinteren Schublade heraus und dachte eine Ansammlung von Grübelminuten nach, an welchem Objekt ich diese modisch abgebrochenen Zeilen üben oder versuchen sollte.

Mein Großvater zog mir durch den Sinn. Er hatte sich erst vor vier Wochen aus dem Leben verabschiedet. Ich hatte ihn mehr als geliebt, bewundert und – ich hatte noch nicht sehr viel Erfahrung mit dem Tod von Menschen gehabt.
Ich schrieb und schrieb, es strömte ein sich wie von selbst dehnendes Wortmeer aus meiner Erinnerung – wie er es fertig gebracht hatte, in dem gesamten 1000-jährigen Reich standzuhalten und kein Mitglied der NSDAP zu werden. Dabei war dies für den geschäftsführenden Direktor einer Kleinfabrik gar nicht so einfach gewesen.
„Ich werde es mir überlegen,“ hatte er refrainmäßig den sich wiederholenden Politanfragen geantwortet – und blieb bis zum Schluss: Nichtmitglied.
Ich sandte meinen Worterguss kurzerhand an eine dieser Literaturzeitungen, eine Zeilengeschwulst, zu der ich schon lang‘ nicht mehr stehen würde.
Der Großvater jedoch muss einen Eindruck hinterlassen haben, auch wenn ich mein Gedicht bald vergessen hatte.

Ein Jahr später zog ich die Nachricht aus meinem klappernden Briefkasten. Mein erstes Gedicht würde abgedruckt.
Ich fand mich in der Zeitung neben Hans-Jürgen Heise und Karl Krolow wieder, die ich damals noch gar nicht kannte.

Beitrag vom 8 Juni, 2009 (09:26) | Autor: Angelika Zoellner | Rubrik: goldener schnitt | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Das Schicksal hat Urlaub

7 Juni, 2009 (16:21) | | goldener schnitt | Kommentieren

Das Libellengeflügel
Filigran glitzernd
Drunter der Fischteich

Ob die Seerose
Die Knospe zumacht
Wenn’s regnet

Weiß der Himmel
An dem eine Sonne
Mit Wolken spielt

Lass uns in Ruhe
Sagt dieser Tag
Lass ruhen das

Schicksal hat Urlaub

Beitrag vom 7 Juni, 2009 (16:21) | Autor: Walther | Rubrik: goldener schnitt | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Klugheit langweilt

4 Januar, 2009 (17:12) | | goldener schnitt | Kommentieren

Man braucht zumeist ein ganzes Leben lang,
Um sich und Andre endlich zu durchschauen.
Man hat sich schnell die Nase angehauen.
Das Wort „Enttäuschung“ hat dann guten Klang.

Man könnte früher auf Erkenntnis bauen:
Erfahrung kommt frei Haus und ohne Zwang.
Wer jung ist, handelt oft im Überschwang:
Die Dummen üben selbst. Jedoch die Schlauen,

Sie hören früh schon zu, wenn man erzählt.
Gelegentlich ist’s klug, still zuzuhören,
Auch wenn das langweilt, ärgert, pfupfert, quält.

Wer vorschnell ist, kann sich soviel zerstören:
Auch wenn der harte Kampf den Sieger stählt,
Den Klugen würde die Vernunft betören.

Beitrag vom 4 Januar, 2009 (17:12) | Autor: Walther | Rubrik: goldener schnitt | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Ein heikles Wort

4 Dezember, 2008 (05:44) | | goldener schnitt, lesung karlsruhe | Kommentieren

Mir fällt auf, dass Kafka eigentlich immer die Perspektive von unten bevorzugt, den Schmutz beschreibt, das Sinn- und Nutzlose, Schäbige, Demütigende, Alte, Banale, den Verlierer, Verurteilten, Außenseiter und Verzweifelten. Selbst unter den Tieren wählt er meist ein niedriges, das unterirdisch wohnt, Ungeziefer, Dachs und Maulwurf oder das Volk der Mäuse. Gut, einmal hat er auch das höchstentwickelte gewählt: den Affen, den aber im negativen Sinne des Wortes – wie er seine Wärter nachäfft und seiner Natur zuletzt doch nicht Herr wird. Ich frage mich, was mich daran so fasziniert. Andere schauen lieber auf die Welt der Geld- und Erfolgreichen, des nur noch in der Phantasie existierenden Adels aus glamourösen Zeiten, der Promis, des Sports und Lifestyles: eine ganze Journaille nährt sich ordentlich davon. Mich interessiert dagegen die kafkaeske Welt der Underdogs und Verstoßenen, das Insistieren auf das Verrottende, Erbärmliche, Glanzlose, Deprimierende: so viel anrührender – fast schon stereotyp in seiner existentiellen Vergeblichkeit, unschönen Ärmlichkeit und Stumpfheit sogar in Liebesdingen. Gegenteil des Idealen, romantisch Verklärten – ein Antikitschprogramm, dadurch umso eindringlicher, wirkungsvoller. Was, frage ich mich immer wieder, macht diese Sichtweise bloß so fesselnd, und ich finde stets nur eine Antwort: die schonungslose Wahrhaftigkeit – fürwahr ein heikles Wort.

Beitrag vom 4 Dezember, 2008 (05:44) | Autor: Kasper Grimm | Rubrik: goldener schnitt, lesung karlsruhe | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Worte malen

17 September, 2008 (00:10) | | goldener schnitt | Kommentieren

Weil Werner mich Wortmaler nennt,
habe ich von einem Bild abgeschrieben,
was ich darauf malte
und hier ist es:



                         Der Schatten
                                immer läuft er voraus
                             schneller als ich

                   Mein Schatten                             ich?
                                                                               oder
                                      und macht was er will
                                   Die Sonne bestimmt

                            Schatten vor mir
                             Als ich umkehre
                            
                                 läuft er hinterher

Beitrag vom 17 September, 2008 (00:10) | Autor: Hartmut Sörgel | Rubrik: goldener schnitt | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Peters Mütter

7 Juni, 2007 (12:53) | | goldener schnitt | 3 Kommentare

Einst lebte Peter, ein Junge von acht Lenzen, in einer kleinen Stadt im Spessart, welche nur selten in den Annalen der Geschichte Erwähnung fand, doch die merkwürdige Begebenheit, von der hier die Rede ist, ging in manche Schrift ein. Das mag am Personal der Geschichte liegen, zu dem eine Elfe, ein Vater, eine Prinzessin und ein Igel gehören. Möglich ist auch, dass das Schicksal des jungen Peters die Schreiber in seinen Bann zog. Doch mögen sich die geneigten Leser selbst eine Meinung bilden.

Gestatten wir uns zunächst einen kurzen Blick auf Peters Umgegend, wie sie wohl in jenen Tagen sich darbot: Auf dem höchsten Hügel der Stadt verfiel gemächlich und gut sichtbar ein Schloss, das viele Dornenhecken umrankten. An drei Seiten fiel der Berg steil ab, vorne stand schützend eine Schildmauer, an die sich unter vielen anderen auch das schmale Häuschen von Peters Eltern schmiegte.

Man erzählte sich, im Schloss schlafe eine Prinzessin seit vielen Jahren, weil sie sich an einer Spindel gestochen hätte, die vermutlich mit Gift getränkt war. Ab und an fuhren Kutschen vor, Prinzen gingen ein und aus, um die Prinzessin zu bestaunen, sowie sich stets ergebnislos um ihre Erweckung zu bemühen, doch mit der Zeit wurde es ruhig im Schloss, selbst im Garten, den drei Gärtner emsig pflegten, so dass Blütendüfte und Buchsbaumhecken zum Wandeln einluden, war niemand zu sehen. Peters Vater pflegte es das „tote Schloss“ zu nennen und erntete mit dieser Bemerkung stets böse Blicke, da die Leute hofften, es würde wieder aufleben und damit der Aufschwung kommen.

Zu jener Zeit begab es sich oft, dass Peter unter seiner fadenscheinigen Federdecke bitterlich weinte. Seine Schluchzer waren in der dunklen Dachkammer nicht zu vernehmen, erinnerten an die Gesänge von Fischen.

In seiner Kammer standen zwei Dinge: das alte Bett und eine Truhe mit seinen Kleidern, beides eingeklemmt zwischen den Schrägen. Die Bodendielen verteilten Spleiße und knarrten, durch die Schindeln strömten Winde, die nie zur Ruhe kamen.
Anfangs hatte Peter laut geweint, um die Aufmerksamkeit seiner Eltern auf sich zu lenken, doch meist stürmte nur seine Mutter ins Zimmer, um sein Weinen mit Schlägen zu stoppen. Sie unterließ es, wenn Vater im Haus war, der Peter schützte. Die Stille schützte Peter stetiger.

An diesem Abend eines verschneiten Januars weinte Peter, weil der letzte Disput zwischen seinen Eltern noch in seinen Ohren tönte: „Wir haben die Gulden nicht, Weib“, zürnte der Vater ob überzogener Forderungen. Seine Statur war schmal und sein Schädel nur zur Hälfte mit Haar bedeckt. „Das Fuhrwerk ist wichtig, die Speichen müssen erneuert werden, sonst brechen sie bald unter den Lasten.“ Wie in vielen Familien, die es eigentlich nicht wirklich nötig haben, waren Gulden und Taler der Anlass für erbitterte Auseinandersetzungen.

Vater stemmte die Fäuste in die Seiten wie immer, wenn er seine Angetraute mit der Pose eines Musketiers von seiner Meinung überzeugen wollte, aber bereits wusste, dass nicht einmal gute Argumente mehr halfen, denn sie hatte ihren Entschluss gefasst, einen anderen als er, von dem sie nicht abrückte. Er warf seine Worte wie Pfeile, sie konterte mit Ironie, dem starken Schild, das selbst Speere abwehren konnte.

„Ja, Du musst schwere Waren transportieren, Händler, doch wo bleibt das schwere Gold?“, sagte sein Weib mit leichter Stimme. „Die Kutsche wird ohne neue Speichen fahren müssen, solang Du keine neuen Gulden in die Kasse legst. Ich habe die Gulden, damit Du Wurst aufs Brot bekommst und Braten am Sonntag, bereits dem Metzger und dem Bäcker gegeben. Dazu benötigt Dein Sohn, der da oben ich weiß nicht was treibt, dies und das. Das willst Du ihm nicht ausschlagen, oder doch?“ Ihre Stimme war zuckersüß, die Augen leuchteten. „Und jeden Tag schmutzige Kleidung, die Reinigungsfrauen werden nicht billiger …“ Sie drehte sich um, die Diskussion war für sie beendet, doch für ihn war das letzte Wort nicht gesprochen. „Lass dem Jungen seine Ruhe. Und hast Du Dir nicht in vier Wochen zwei paar Schuhe kommen lassen und ein Kleid? Die Frage lautet: Speichen oder Kleider.“ Das Weib nahm lächelnd das neue Kleid von der Stuhllehne, eine ganz andere Entscheidung hatte sie gefällt, ihn erschütterte die Stimmung, die Lockerheit, sie flüsterte: „Du tust mir leid …“ Da fiel ihm der Koffer auf, der neben der Tür stand und den sie aufnahm. Leise zog sie die Haustür hinter sich zu. Diese Entscheidung ließ Hitze und Kälte in Peters Vater kämpfen. Dass sie es wagt … der Ruf geschädigt.

Peter wünschte sich zur selben Zeit, als die Tür leise ins Schloss fiel, drei Dinge: Erstens sollten seine Eltern nicht mehr streiten; Zweitens sollte ihn seine Mutter nicht mehr schlagen und drittens wünschte er sich ein Taschentuch. Er kroch unter der Decke hervor, nur mit einer Unterhose bekleidet, da ihm sein Schlafgewand zu klein, ein neues zwar versprochen, aber noch nicht erstanden war, und schlich vorsichtig zur Tür, doch dies machte ihn für die Holzdielen nicht leichter, so knarrten sie um die Wette, was ihm Bilder von Mutters erhobener Hand vor die Augen und Schweiß unter die Achseln rief. Das Licht, welches durch den Spalt zwischen Tür und Boden floss, wurde plötzlich von zwei schwarzen Stellen unerbrochen, die Türklinke senkte sich …

„Ach, was eine Rotznase!“ Eine Elfe schlug begeistert die Hände zusammen. „Putzig!“ Peter erstarrte in seiner schleichenden Haltung und schaute das kleine in der Luft seiner Dachkammer flatternde Wesen an. „Ja, weißt Du das denn nicht “ ich komme zu allen Jungen, für die ihre Mutter nicht mehr da ist. “ Ach, das weißt Du noch nicht? Deine Mutter ist gerade zu einem äußerst wohlhabenden Mann gezogen und wird dort bleiben. Von Elfen wirst Du gehört haben? Was kann ich für dich tun? Du hast einen Wunsch frei.“ Sie lächelte ihn keck an und zeigte den Augenaufschlag, den sie lange vor dem Spiegel in ihrem Baumloch geübt hatte, um die Menschen zu bezaubern. Als sie nach einigen Sekunden verführerischen Blinzelns keine Reaktion bekam, streckte sie den Kopf vor, machte große Augen und fragte: „Deine Mutter ist weg. Was wünschst Du Dir? Du hast einen Wunsch frei.“
Jetzt konnten sich seine Eltern nicht mehr streiten und die Mutter ihn nicht mehr schlagen, was eigentlich zwei seiner Wünsche erfüllte, nur die Art und Weise war nicht so, wie Peter sie sich vorgestellt hatte. Er zog den Rotz hoch, schaute zu Boden. Fühlte sich, als ob er einen endlosen Wasserfall herunterstürzen würde.

„Na, komm, stummer Junge. Ich zeige Dir mal was.“ Die Elfe umfasste seinen kleinen Finger mit ihrer kleinen Hand und schon erhoben sie sich und schwebten aus dem kleinen Fenster der Dachkammer, einen glitzernden Schweif hinterlassend.
Sie flogen durch ein Fenster im höchsten Turm des Schlosses, landeten sanft im oberen Wachzimmer. Peters Blick fiel zuerst auf die Wendeltreppe, der längst ein paar Stufen fehlten, was wie Lücken im Gebiss eines alten Mannes wirkte. Die Wände waren grob behauene Steine, kalt in jener Jahreszeit. Peter riss die Augen auf, als er die schlafende junge Frau vor einer Spindel entdeckte, die in der Mitte der Kammer auf ihrem Stuhle saß. Eine kleine Krone hing schräg auf ihrer rotblonden Haarpracht.
„Nun, hier ist eine, die gerne Mutter wäre. Nur, dass Du es weißt.“ Wieder spielte die Elfe mit ihrem bezaubernden Augenaufschlag. „Was wünschst Du Dir? Du hast einen Wunsch frei und zwar bis heute die Kirchturmuhr zwölf schlägt.“ Sie nahm wieder seinen kleinen Finger und da flogen sie durch das Schneegestöber, das mittlerweile im vollen Gange war, zurück in Peters Dachkammer.

Das Licht, welches durch den Spalt zwischen Tür und Boden floss, wurde immer noch von zwei schwarzen Stellen unerbrochen, die Türklinke war gesenkt wie zuvor, dann ertönte ein knarrendes Geräusch, worauf die Tür zu Peters Kammer mit einem lauten Knall aus dem verzogenen Rahmen sprang, sein Vater lugte um die Ecke, zuckte zusammen, als er Peter so unvermittelt vor sich sah.
„Peter“, sagte Vater sanft, als er sich vom Schreck erholt hatte, und strich ihm über den Kopf, sah seine laufende Nase und zog ein Taschentuch aus seiner Hosentasche, mit dem er Peter die Nase abwischte, als ob dieser noch ein Kleinkind wäre. Damit war Peters dritter Wunsch erfüllt.

„Peter, wir sind jetzt zu zweit. Mama will gerne mehr Schuhe haben“, er lächelte, verdrehte die Augen, „als ich erstehen kann. Sie ist weg. Alles ist gut, Peter, glaube mir. Wir kommen ohne Mutter zurecht, da wir eine Magd einstellen werden.“ Er nahm Peter fest in die Arme, lächelte ihn an. „Hast Du dich schon gewaschen? Der Zuber wartet!“ Er klopfte Peter freundschaftlich auf die Schulter und schob ihn aus dem Zimmer.

Die Kirchturmuhr schlug elf Mal als Vater die Kerze in Peters Zimmer löschte, der Rauch sich wie ein durchscheinender Faden kräuselte und der eine Wunsch wie ein großes Fragezeichen in der Dunkelheit schwebte. Sollte er sich wünschen, dass Mutter wieder kommt? Er erinnerte sich an ihre Stimme, wie sie vor wenigen Tagen in der Küche donnerte. „Der kann was erleben “ ratzen soll er, nicht lauschen!“ Er erinnerte sich weiter, dass ihre Schritte auf der Treppe erklangen. Rasch drückte Peter die Tür in den Rahmen und kroch unter seine Decke. Mit der aufspringenden Tür quoll Licht in seine Kammer und ein Schatten stürzte auf sein Bett zu. Mutter riss die Decke weg und schleuderte sie durch den Raum, hob die Hand.

„Komm raus, Weib, lass Peter seinen Frieden.“ Die Stimme des Vaters klang so leise, befehlend, dass ihre Hand in der Luft stehen blieb und sie ihr zögerlich folgte, die Kammer verließ.

Vater nahm die Bettdecke vom Boden auf und deckte Peter zu, streichelte über sein strubbeliges Haar und schloss behutsam die Tür. Sollte sein Wunsch Vater gehören?

Beim Grübeln döste Peter ein und träumte von der Schule, die er als ein seinem Vater zugestandenes Privileg besuchen durfte. Der Lehrer Basedowo rügte sein Deutsch, lies eine schlechte Note folgen und einen Brief an seine Eltern. Mutter schrie und konnte sich nicht beruhigen, sie schlug ihn unzählige Male auf den Hinterkopf, nannte ihn Nichtsnutz, Dummkopf, Bauer und stellte ihm eine düstere Zukunft als Spielmann in Aussicht. Peters Gesicht war von Tränen benetzt. Als seine Mutter sich verausgabt hatte, erkannte er seine Chance, rannte aus dem Haus, durch die Straßen der Stadt und in den Wald, tiefer, als er jemals in ihn gelaufen war, vorbei an den Buchen, durch die dunklen Tannen auf eine Lichtung, die unter der tief stehenden Sonne im Dämmerlicht lag.

Er legte sich in das schilfartige Gras, zog die Beine an die Brust und umklammerte sie mit den Armen. Das Gesicht drückte er an die Knie. Bald umschloss ihn Dunkelheit. Eine helle Mondsichel stand am Himmel. Kälte kroch durch seine Kleidung.

Bald spürte Peter, dass ihn jemand beobachtete, öffnete die Augen und erblickte auf einem Stein einen Igel, der interessiert schnupperte, als Peter den Kopf hob und sich aufsetzte.

Lange beäugten sie sich. Dann streckte Peter zitternd die Hand aus, um den Igel anzufassen, zu streicheln, doch als sich die Hand näherte, kugelte sich der Igel zusammen und stellte seine Stacheln auf. Vorsichtig, nur mit der Fingerkuppe, tippte Peter auf einen Stachel und zog seine Hand zurück.

Vorsichtig gab der Igel seinen Schutz auf, schnupperte in Peters Richtung und sagte: „Um anerkannt zu werden, musst Du etwas anerkennen.“ Erschrocken springt Peter auf, um gleich zurück zu rennen durch den dunkeln Tannenforst, die Buchen, die Straßen und hinauf in seine Kammer. Mit klopfendem Herzen starrte er an die Schräge, an den Igel denkend, seinen guten Schutz bewundernd, grübelnd über den Spruch.

Ob dieser Gedanken an das Vergangene riss Peter die Augen auf, der Wunsch war auf einmal klar: Er wünschte sich eine gute Mutter und Eltern, die sich liebten.

Die Elfe kam durchs Fenster hereingeschwirrt und rief im Plauderton „Er sei Dir gewährt!“ Es glitzerte kurz in der Kammer, und sie zischte durch das Fenster zum nächsten Bedürftigen. Peter schlief mit einem seligen Lächeln ein, das ihn die ganze traumlose Nacht im Gesicht stand.

Beim Frühstück sah sein Vater immer wieder von seinem Tee auf, blickte Peter an und nickte und nickte. Er stippte sein Brot in die Milch, Vater nickte, er fragte nach Honig, Vater nickte, er schlug mit dem Löffel aufs Ei, Vater nickte. „Was ist?“, fragte Peter endlich irritiert und Vater antwortete: „Du bist so verändert heute. Ich sehe Dich das erste Mal seit langem glücklich.“

An diesem Tag ging Peter in die Stadt, um ein paar notwendige Dinge zu besorgen. Auf seinem Weg durch die Gassen der Stadt strich ihm ein Passant übers Haar und murmelte: „Armer Junge!“ Der Bäcker schenkte ihm die Brötchen: „Einen Burschen wie dich muss ich unterstützen. Du wirst darüber hinweg kommen, glaube mir.“

Vor dem großen Tor in der Schildmauer, das zum Schloss führte, blieb Peter stehen, dachte an die Turmkammer, die schlafende junge Frau. Er murmelte: „Öffne dich!“, da sprang das Tor auf, um sich hinter ihm wieder zu schließen. Der gepflasterte Schlosshof lag vor ihm, still, die Fenster schienen alle blind zu sein oder von Reif überzogen. Die Turmtür war die einzige, die offen stand, so einladend, dass Peter leichthin in den Innenraum trat, die Stufen der Wendeltreppe aus Sandstein waren ausgetreten, manches Mal rutschte Peter auf ihnen aus, konnte sich aber wieder fangen. Über die Lücken sprang er hinweg; Gefahr schien es für ihn nicht zu geben.

In oberen Wachraum schlief die junge Frau unverändert. Peter setzte sich ihr gegenüber, vertiefte sich in ihr hübsches Antlitz, von einer solchen Mutter träumend, ihrer Liebe, ihrer Fürsorge. Nach kurzer Zeit begannen Schneeflocken durch die Fensteröffnungen zu tanzen. Sie verfingen sich im Haar der beiden reglosen Personen.

Vater klopfte an die Tür seines Rivalen. Als sich diese ein wenig öffnete rief er hinein: „Ist Peter bei Dir? Ist der Junge bei euch?“ Der neue Mann seiner Frau stieß Vater gegen die Brust, so dass er sich mit dem Hosenboden auf die Gasse setzte. „Billiger Trick, Mann. Deine Frau lebt jetzt hier. Und da bleibt sie. Dein Sohn geht uns nichts an.“ Da wandelte Vater mit rastlosem Blick durch die Straßen der Stadt, bis die Sonne den Zenit überquerte und Dunkelheit die Herrschaft über die Erde gewann. Sein Blick ging gen Himmel, wo er am Turm des Schlosses ein Licht gewahrte. Ein Licht, das seinen Blick gewaltig anzog, wie das Antlitz einer wunderschönen Frau, von dem sich ein Blick nicht mehr abwendet, bis sie ihm gewahr wird und es der Anstand gebietet.
So ging Vater durch das Tor des Schlosses, das sich für ihn öffnete, die lückenhafte Wendeltreppe hinauf, bis in das Wachzimmer. Dort erblickte er seinen Sohn, den Kopf auf den Schoß eines jungen Weibes gebettet, die wohl vor ihrer Spindel eingeschlafen war, beide vom körnigen Schnee bepudert, reglos, als ob sie in vollkommener Zufriedenheit erfroren wären.
Ohne zu Zögern schüttelte Vater seinen Sohn, dessen Kopf weich wie Kautschuk hin und her schwankte, er murmelte etwas, die blauen Lippen bebten, sein Körper war kalt wie Eis, steif wie ein Stock, benötigte Wärme, die ihm der Winter ausgesaugt hatte.
Vater legte die junge Frau auf den Boden, sie fühlte sich warm an, lebendig, schlief aber so fest wie nur irgendein Lebewesen schlafen konnte, zerbrach ihre Spindel, zerschmetterte den Stuhl, auf dem sie gesessen hatte und entzündete mit dem Holz ein Feuer.

Vater legte seinen Sohn neben das lodernde Holz, er nahm das Weib hoch, wollte es auf die andere Seite legen, doch ihre Schönheit zog ihn in seinen Bann, so wie das Licht des Turmes vor kurzer Zeit. Er bestaunte ihre rötlichen Brauen über den geschlossenen Augen, die Nase, das geschmeidige Harr und seine Lippen näherten sich den rosigen Wangen, berührten sie fast, hielten inne. Eine Sternschnuppe segelte vor einer Fensteröffnung herab.

Da lachte Vater und drückte der jungen Frau einen Kuss auf die Wange. Sie schlug die Augen auf und flüsterte: „Mein Prinz.“
Noch einige Zeit saßen die drei umschlungen am Feuer, da beginnen die Dielen des Bodens zu brennen. Erschrocken flüchten sie.

Auf dem höchsten Hügel der Stadt steht seitdem eine Ruine. Man erzählt sich, im Schloss habe eine Prinzessin seit vielen Jahren geschlafen und sie wurde von einem Händler und dessen Sohn geweckt, am gleichen Tag, als dem Händler die Frau fortlief, fand er die schönste Prinzessin, deren ganzer Stolz ein kleiner, schlauer Junge geworden war.

Beitrag vom 7 Juni, 2007 (12:53) | Autor: adminxx1 | Rubrik: goldener schnitt | Beitrag drucken Beitrag drucken | (3) Kommentare


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