Beiträge zu beautiful people

liaison part II

15 Februar, 2012 (17:13) | | beautiful people, lug & trug | Kommentieren

hey dude you look awesome den
kragen hochgezogen die haare matt
gegelt als hubschrauberlandeplatz

there’s no pet like m“ipad
die finger blättern wild schau sie
rotieren das seidenschälchen kaskadiert

tattoos & der nasenring sagt nichts
was er am besten kann & das stundenlang
no question about it zeigt an dass

davidoff cool water nicht immer
cool ist sondern abturnt felgenaufschwung
& sei es geistig high potentials

werden durch hr* assesst hier
hilft kein elevator pitch es geht
um die tough guys“ challenge

schau nicht so tränig darling
dein mundwinkel zuckt wie wenn auf crack
deine work life balance needs some

adjustment du läufst wohl aus dem ruder
baby die after work party hielt mehr
als sie versprach & das danach

war ein one night stand auf ecstasy

_______________________
*hr = human resources

Beitrag vom 15 Februar, 2012 (17:13) | Autor: Walther | Rubrik: beautiful people, lug & trug | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Circulus vitiosus

12 Januar, 2012 (20:06) | | beautiful people, labyrinth/wort.gewebt. | Kommentieren

Ich denke gerne, dass ich denke,
Und das geht immer so im Kreis.
Ich denke, dass ich gar nichts weiß,
Wenn ich es auf mein Denken lenke,

Mein ganzes Sinnen, und will wissen,
Was wir denn alles wissen müssen,
Damit zu diesen Zirkelschlüssen,
Die eine Ewigkeit verschlissen,

Vertrödelt haben, etwas käme,
Das Ähnlichkeit mit jenem hätte,
Was man als die Erkenntnis kennt.

Wenn man sich nicht so wichtig nähme,
Geläng der Ausstieg aus der Kette
Dem, der nicht um sich selber rennt.

Beitrag vom 12 Januar, 2012 (20:06) | Autor: Walther | Rubrik: beautiful people, labyrinth/wort.gewebt. | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Warnhinweis für Neue Jahre

2 Januar, 2012 (20:56) | | beautiful people, lug & trug | Kommentieren

Das immer Neue Jahr trägt in sich die Geschenke
Des Bisher-nicht-Gesehen, des Noch-Unbekannt.
Und wenn das letzte Feuerwerk dann abgebrannt
Ist, geht der erste Höhenflug durch eine Senke.

Das Leben fährt sich doch von selber, ist die Denke
Des Bruder Leichtfuß, dummer Zwilling von Verstand
Und guter Planung. Wer ist nicht im Kreis gerannt,
Der falschen Fahne folgend, deren Rumgeschwenke

Den klaren Blick vernebelt wie der eine Sekt
Zuviel am Ende einer Nacht? Ja, das Erwachen
Wird meistens schrecklich, wo man sich auch bettete!

Nur einmal kurz die Süße reinen Glücks geleckt,
Bleibt für den Rest der Zeit so gar nichts mehr zum Lachen:
Wie schnell ist nichts mehr übrig, das noch rettete!

Beitrag vom 2 Januar, 2012 (20:56) | Autor: Walther | Rubrik: beautiful people, lug & trug | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Gefangen gegangen

3 Dezember, 2011 (17:50) | | beautiful people | Kommentieren

Zum Tod von Christa Wolf

Du trafst auf Himmel, die sich einfach teilten;
Die Trauermauer ohne Dauer sprach
Sich in den Wind der Liebe, sagte: Ach,
Du Schönster, geh jetzt nicht! Und es enteilten

Die schwarzen Vögel zweifach nicht, sie blieben,
Verdeckten Himmel und verhießen Nacht:
Du hieltest Wacht. Du schriebst von kalter Macht.
Du hießt uns lachen und das Dennoch lieben.

Es ist ein kurzer Glanz durchs Land gegangen,
Momente jenseits Gier- und Neidverlangen:
Ein heller Strahl im drögen Einheitsgrau.

Du hast zum Abschied nochmals kurz gewunken,
Schon ist der letzte Vorhang leis gesunken.
Wie’s weitergeht, sag, wusstest Du’s genau?

Beitrag vom 3 Dezember, 2011 (17:50) | Autor: Walther | Rubrik: beautiful people | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


es bleibt nicht, wie es ist

2 Dezember, 2011 (08:56) | | beautiful people | Kommentieren

nur wer bleibt, schreibt,
denn wie es bleibt,
ist es nicht,

ach, margarete, gretchen
am spinnrade der staaten
und sand in deren getriebe.

indem der himmel
ein geteilter ist,
teilt er sich mit

auf erden, der himmel,
irden ersehnter und also
bezweifelt zweigeteilt.

kassandra, nun bist du verstummt
und singst doch in mir
von meinem land nirgends: der DDR.

für christa w.

Beitrag vom 2 Dezember, 2011 (08:56) | Autor: Jörg Meyer (oegyr) | Rubrik: beautiful people | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Dead and shut

18 Oktober, 2011 (14:49) | | beautiful people, haut.falten/masken.wahn, lug & trug | Kommentieren

A hamm“ring bolted me and made me shiver,
There was an anger in my heart so cruel:
A fire could be started without fuel.
Destruction was the produce to deliver!

You played your cards and played them pretty cool.
The words you said had made me shake and quiver,
My soul was full in turmoil like a river
That rallied after snowmelt with no rule

And swallowed all the landscape in its ride!
I looked in icy eyes so dark of treason
Which were a mirror to your steely pride

And asked for arguments and reason
For what you did to me that stirred my blood
And made me wish these eyes were dead and shut.

Beitrag vom 18 Oktober, 2011 (14:49) | Autor: Walther | Rubrik: beautiful people, haut.falten/masken.wahn, lug & trug | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Sonett mit vorgehaltenem Spiegel

2 September, 2011 (14:50) | | beautiful people, haut.falten/masken.wahn, lug & trug | 4 Kommentare

Ich rate mir, mich nicht im Spiegel zu betrachten:
Dort könnt ich sehen, was ich gar nicht sehen will.
Ich schweige mich beim Kämmen an, sag nichts, bin still
Und mühe mich vergeblich ab, nicht zu beachten,

Was mir brutal ins Auge springt: die neuen Falten,
Die Tränensäcke und das viele Weiß im Bart.
Der Bube, der dort starrt, der war mal jung und smart.
Jetzt kann er, flucht er, bald nicht mehr das Wasser halten.

Ich dusche mich schon heiß, der Spiegel soll beschlagen,
Damit, wenn ich den Bauch forsch in die Hose zwing,
Sich die Erkenntnis selbst enthebt und rasch die Fragen,

Warum ich, nicht mehr jung, die großen Sprüche schwing,
Vertagt, bis ich sie doch nicht mehr vertagen kann:
Erwachsen sein wär an der Zeit. Man stirbt als Mann.

Beitrag vom 2 September, 2011 (14:50) | Autor: Walther | Rubrik: beautiful people, haut.falten/masken.wahn, lug & trug | Beitrag drucken Beitrag drucken | (4) Kommentare


Schleiertanz

25 August, 2011 (16:02) | | beautiful people, lug & trug | Kommentieren

Du spanntest Deinen roten Samtvorhang
Mir gerne über meine müden Augen.
Sie aus den tiefen Höhlen auszusaugen:
Du lachtest lauthals, als es Dir gelang.

Erzähle nicht, Du wolltest nicht betrügen:
Verbrämung gibt der Wahrheit selten Schwung,
Sie dient als Milchglas der Erinnerung
Und hilft beim elenden sich selbst Belügen.

Längst war vergangen das, was für uns sprach:
Die Wünsche hängen oftmals Träumen nach
Und können den Verfall doch nicht bezwingen.

Du tanzt vor mir den gleichen Schleiertanz:
Ihm fehlen Jugendschmelz und alter Glanz.
Verlorenes kannst Du so nicht erringen.

Beitrag vom 25 August, 2011 (16:02) | Autor: Walther | Rubrik: beautiful people, lug & trug | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Beiläufig

14 August, 2011 (19:06) | | beautiful people, haut.falten/masken.wahn | 5 Kommentare

Der Tod ist eine Beiläufigkeit, er geschieht sozusagen beim Laufen. Beim Auslaufen. Beim Ablaufen. Beim Hinlaufen. Beim Weglaufen. Laufend eben.
Da setzt das Herz aus. Der Kopf aus. Das Licht aus. Egal, ob stehend, liegend, sitzend. Es ist ein einziges Ausatmen. Wenn es dazu noch reicht.
Und es bleiben ein paar zurück auf den Laufbändern. Hin und her. Rechts und links. Hoch und tief. Rauf und runter.
Eine Träne stiehlt sich in Augenwinkel. In Blickwinkel. Macht trüb. Vernebelt.
Beim Grablegen ist es oft so kalt, dass die Nasen laufen. Geschneuze. Geschluchze. Die eine Träne bekommt Gesellschaft. Soll ja nicht so allein sein.
Es halten sich Hände, die vorher nichts gehalten haben, nicht mal die leeren Versprechen. Der Sarg ist nicht leer, aber die Augen.
Danach verläuft sich das, was gekommen ist. Jeder strebt seinem Ende zu. Die Richtungen sind verschieden. und wie sie auch schlendern, gehen, eilen, laufen, rennen, hasten: sie kommen alle da an, nämlich hier.
Lass sie laufen, Bruder. Wenn es soweit ist, werden sie’s erfahren. Ganz beiläufig.

Nico Fuchs gewidmet – lieben Dank für den Anstoß!

Beitrag vom 14 August, 2011 (19:06) | Autor: Walther | Rubrik: beautiful people, haut.falten/masken.wahn | Beitrag drucken Beitrag drucken | (5) Kommentare


Erst gestern

7 Juni, 2011 (20:49) | | beautiful people, lug & trug | Kommentieren

Erst gestern sprachst Du von der ganzen Menschheit,
Wie sie vor sich und Hass zu schützen sei.
Schon heute ist Dir alles einerlei.
Du nimmst die Axt, das Feuerzeug, das Holzscheit;

Du zündest Höllenfeuer an, bereit,
Den Du als Feind benannt, ganz auszubrennen.
Du willst ihn nicht einmal mehr menschlich nennen,
Zertrittst ihn als gemeine Kleinigkeit.

So wenig bleibt von Deinen großen Sprüchen,
Von Frieden, Liebe, Güte, Seelenheil:
Verendet ist der hohe Flug in Flüchen,

Und wie der Aufschwung ist der Absturz steil.
Zugrunde geht Dein Credo an den Brüchen,
Die Dich durchziehn: Gibs zu, Dich macht das geil!

Beitrag vom 7 Juni, 2011 (20:49) | Autor: Walther | Rubrik: beautiful people, lug & trug | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


treff mit herrn t.

21 Mai, 2011 (02:25) | | beautiful people | Kommentieren

als ich herrn t. zuletzt traf,
hatte er ordentlich fell auf den rippen,
in seinen taschen ewigen schlaf
und „elfenbeinernes“ zwischen den lippen.

als herr t. neulich von mir ging,
sang er torkelnde lieder mir zur strafe
vom gewesen, vom werden und auch vom bin,
wo ich nie war, aber bereits meine sprache.

Beitrag vom 21 Mai, 2011 (02:25) | Autor: Jörg Meyer (oegyr) | Rubrik: beautiful people | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


13. Stock

14 Mai, 2011 (19:26) | | beautiful people, lug & trug | Kommentieren

Das Karnickel im Hartgras
vor dem Hilton Bonnet Creek
oder vor den Toren Roms

der 13. Stock fehlt in Orlando
wenn der Hurrikan zuschlägt
bleibt ein Auge trocken

Betroffene zählen
die Kugeln im Smith & Wesson
was für ein Kaliber

wenn silikonverstärkte
Blondinen an der Bar
vorüberstöckeln denkt Mann

mit der Hose beschlagen die
Sonnenbrillen anderen
geht das Messer in der Rocktasche auf

Wettbewerbsverzerrungen sind
Teil des Kapitalismus
auf dem Golfplatz macht das

Holz das Handicap
Bälle sind ausreichend in der
Luft das Spektakel

in den Universal Studios
erreicht seinen Scheitelpunkt
auf der Achterbahn

Kinder sind zugelassen
beim Tabledance mit
abgeklebten Nippeln

Nero hätte seine helle Freude
auf den Keys und in Miami
brennen schon die Lichter

Beitrag vom 14 Mai, 2011 (19:26) | Autor: Walther | Rubrik: beautiful people, lug & trug | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Schau!

19 April, 2011 (16:34) | | beautiful people, lug & trug | 2 Kommentare

Der Himmel wäscht sich wieder einmal lau,
Und Winde streicheln sich und Ding und alle.
Der Frühling öffnet seine Hoffnungsfalle,
Und nicht nur Augen strahlen grün in blau.

Es zwängen sich in engste Kleider Dralle,
Für die nur weite taugten. Grau in grau
War gestern, heute ist das Leben: Schau!
Der Ernst ging mit dem Schnee. Dass man gefalle,

Nur das scheint wichtig: Neues Leben jetzt!
Es wird die Welt auf Neuanfang gesetzt!
Der Tod ist tot, es wird nicht mehr gestorben!

Die Illusion ist en passent erworben:
Fassade ist die Schönheit und verdorben,
Fürs Schlachten sind die Messer längst gewetzt.

Beitrag vom 19 April, 2011 (16:34) | Autor: Walther | Rubrik: beautiful people, lug & trug | Beitrag drucken Beitrag drucken | (2) Kommentare


wollen wir mal

27 Februar, 2011 (13:13) | | beautiful people, lug & trug | Kommentieren

wollen wir mal heute die tage
der immermehrbürger zählen
kalorien anfangs

später zu fettzellen übergehen
und zu festverzinslichem
pauschalurlaube all inclusive

flugmeilenschlachten
angerichtet mit ozonlöchern
die speisung der fünf plus fünf milliarden

so die spreizung der kleinen finger
mit der des ölpreishedgings
vergleichend die sonne putzen

die downloads verramschen
und dem egoshooter heiligen
geflügelwurst ist angesagt

doppelwhopper zu bigmäcs
sei die parole transfette
transmedial transferiert

bildung durch einbildung
z.ersetzend die welterklärung
aufgabe des markenartikelmarketings

begreifen werden wir nichts
die zechen zahlen die ungebornen
aus der genbankpipette

Beitrag vom 27 Februar, 2011 (13:13) | Autor: Walther | Rubrik: beautiful people, lug & trug | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Gestatten, Tafelritter

23 Februar, 2011 (20:08) | | beautiful people, lug & trug | Kommentieren

Gestatten, lieber Freund und Tafelritter:
Die Welt ist fern von Ehr und Ritterschaft.
Der Egotrip hat beides weggerafft:
Der Zeiten Stand ist dreckig, rau und bitter.

Den Kreuzzug führen sie mit voller Kraft:
Sie weiden sich am zeternden Gezitter.
Sie kommen über dich wie ein Gewitter:
Gelobt ist nur, was ganz Zerstörung schafft.

Vergebens suchst du noch nach reiner Minne:
Geschenkt hängt alles heute von der Zinne,
Wo es der Pöbel voller Lust begafft.

Der Barde reimte einst in edlem Sinne:
Das Gute dieser Welt im Lied gerinne!
Geblieben ist davon nur leerer Flitter.

Beitrag vom 23 Februar, 2011 (20:08) | Autor: Walther | Rubrik: beautiful people, lug & trug | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Eine Randerscheinung

11 Februar, 2011 (14:57) | | beautiful people | Kommentieren

Du fragst dich, wenn du an den Rändern stehst,
Was drängt sie in die übervolle Mitte,
In der sich jeder ihrer Trippelschritte
In Qual verwandelt und Geschiebe, gehst

In Ruhe deines Wegs: In deine Schnitte
Mit Käse beißt du, während du verstehst,
Weshalb du dich nicht in das Zentrum flehst,
Wo andre sich laut malträtieren, Tritte

Die Hühneraugen plätten, Schweißgeruch
Die Nase quält, und schlechter Atem wabert.
Sich vorzudrängen birgt oft mehr an Fluch

Als Segen. Dauernd wird man zugelabert.
Du lächelst, und Du isst Dein Frühstücksbrot:
Die Welt ist, wie sie ist, und doch im Lot.

Beitrag vom 11 Februar, 2011 (14:57) | Autor: Walther | Rubrik: beautiful people | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Spieglein, Spieglein, an der Wand

9 Februar, 2011 (20:17) | | beautiful people | Kommentieren

Imaginiert betrachte ich mich selber,
Fühl mich als Welpen, bin doch alter Hund.
Dem Nachgesang noch ungeborner Kälber,
Dem spür ich nach mit halbem Ohr wie Mund.

Und dabei wundre ich mich allenthalben:
Die Hälften sind nicht passend ohne Grund.
Es helfen weder Wunder noch die Salben:
Die Kreise, die ich kreise, sind nicht rund.

Ich weise über mich, kein Lorbeerkranz
Will welken auf der edlen Denkerstirne:
Am besten tanze ich den Totentanz.
Es lachen sich die Löcher in Gehirne:

Da in den Spiegeln springt der Mummenschanz,
Und, was ein Engel schien, grinst breit als Dirne.

Beitrag vom 9 Februar, 2011 (20:17) | Autor: Walther | Rubrik: beautiful people | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Auch ich war in Kreuzberg

1 November, 2010 (23:57) | | beautiful people, tage-bau | Kommentieren

 
Durch Kreuzberg schlendernd
überhole ich
dunkelhäutigen Bruder mit Schwester
Sie schleudern Puppen an den Haaren um sich
hinterm glücklich lächelnden Papa
Auf dem Bürgersteig radeln zwei türkische Halbstarke
Einer fährt lachend auf mich los, ich lächle auch
Er biegt ab
Teigtaschen türkisch
Die Köchin hinterm Tresen backt und backt
Die meisten Gäste sprechen ihre Sprache
doch sie versteht auch deutsch
Die Kellnerin fragt, als ich am Tresen bestelle:
Wo sitztz sie?
(Wo sitzen sie)
Zwei Frauen bestellen auf deutsch
reden miteinander slawisch
Hermannplatz kaputte Leute
Einer umarmt seinen Hund als wärs der beste Freund
Tauben überall
sie sitzen auch wie Schmuck auf den beiden Figuren aus Metall
in der Platzmitte

Türkische Süßigkeiten locken
Dürüm fett und süß
Ich will gleich bezahlen
‚Nachher!‘
sagt der Wirt
‚Wenns nicht schmeckt dann nicht‘
Türkinnen gehen vorbei wie Tulpen
mit Kopftuch, schlank oft bunt

Beitrag vom 1 November, 2010 (23:57) | Autor: Hartmut Sörgel | Rubrik: beautiful people, tage-bau | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Herbst in Kreuzberg 1

8 Oktober, 2010 (01:05) | | beautiful people | Kommentieren

Herbst.
Mit zwei wunderschönen Spätsommertagen hat er sich bei uns eingeschmeichelt um dann die große Geburtstagparty zum Fünfzigsten in Groß Kreutz buchstäblich ins Wasser fallen zu lassen. Nun sind Kreuzbergern beengte Raumverhältnisse nicht gänzlich unbekannt. Zwei Feuerschalen im Hof und üppige feste und flüssige Speise sorgten für Wärme, Tische und Stühle wurden zusammen geschoben und dann wurde kräftig gefeiert, Herbstregen hin – Herbstregen her.
Am nächsten Morgen in Berlin für die Heimkehrer die große Überraschung: Die Kreuzberger kamen nicht mehr nach Hause. Kreuzberg war umzingelt, zumindest Teile davon. Umzingelt von Marathonläufern, die heutzutage im Kreis laufen statt von Marathon nach Athen. Zwischen den Pulks von hechelnden Läufern mit glasigen Augen ist kein Durchkommen. Die eine ist von der anderen Straßenseite so weit entfernt wie vom Mond. Es regnet immer noch. Keine Zuschauer am Straßenrand, keine Sambatrommeln, keine Erfrischungen aus der Kühltasche. Nur Regen und kein Durchkommen.
Am Lausitzer Platz bietet ein Café den unglücklichen Heimkehrern Frühstück an, ein früher Gast sitzt unter der Markise, von der es in stetig wachsende Pfützen tropft. Im Café ist es lausig kalt, aber der Kaffee ist schön heiß.
Gegenüber die Kirche. Architekten sind hier im Vorstand, Lehrer, Ärzte, ein Staatsekretär. Sie kommen in die Gottesdienste und mit ihnen die Harzvierer, die Alkis und die Junkies. Hier predigt auch schon mal ein Rabbi oder ein orthodoxer Erzpriester und im angeschlossenen Raum der Stille finden wir im ausgelegten Gästebuch Gebete an Gott und Gebete an Allah.
Nach dem Gottesdienst füllt sich das Café, die Bedienung bekommt Verstärkung.
Gegen Mittag dann ein erneuter Versuch, den Marathonring zu durchbrechen. Der Regen scheint zu Glanzleistungen beflügelt zu haben: weit und breit niemand, der an das Höchstleistungsevent erinnern könnte. Die Straßen sind leergefegt. In den Pfützen spiegeln sich die mit flammend rotem Weinlaub herausgeputzten Brandwände.
Herbst eben. Sommer war gestern.

Beitrag vom 8 Oktober, 2010 (01:05) | Autor: Elvira Surrmann | Rubrik: beautiful people | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Zählen

30 September, 2010 (23:22) | | beautiful people | Kommentieren

 
Spreetunnel für Zähler?

Ein Mann
Fahrrad tragend
kommt die Treppe hoch
Ein anderer
geht auf den Tunnel zu
und fragt:
Haben sie die Stufen gezählt?´
´Nein, habe ich nicht.´
Schade
mich interessiert
ob genauso viel Stufen hinauf –
wie auf der anderen Seite
hinabführen.
´Sooft ich hier schon
rauf und runter
gezählt habe ich noch nie!´
sagt der Radler.
´Jetzt gehe ich in den Tunnel
und werde
das Geheimnis
lüften´
sagt der
der es
wissen
will

Beitrag vom 30 September, 2010 (23:22) | Autor: Hartmut Sörgel | Rubrik: beautiful people | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Schöne Worte

27 September, 2010 (18:15) | | beautiful people | Kommentieren


Sonntagsbrunch in der Kneipe
             Es gibt Eisbein
                             mit Allerlei
                                   Eine Frau lädt sich 
                                          Klöße, 
                                                Rotkohl
                                                   und so weiter
                                                  auf den Teller

                                                   Sie sagt:
                                    Und wat sachte icke denn?
                                  Denne sachte icke:
                            Nu hör aba ma uff!

                     Mit wem redet sie?
           Ermahnt sie 
       sich selbst, 
            nicht noch mehr
                 auf den Teller
                         zu packen?
Beitrag vom 27 September, 2010 (18:15) | Autor: Hartmut Sörgel | Rubrik: beautiful people | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Ehegatten

21 September, 2010 (20:51) | | beautiful people | Kommentieren

Du brichst laut in mein Leben ein
Und willst mich kurz mal so befreien,
Als wäre man erst frei zu zweien:
Der freie Mensch ist stets allein!

Du willst die Solitüde entweihen,
Mit der ich mich umgeb; zum Schrein
Hab ich sie mir erhoben: Sein
Kann ohnehin nur der verzeihen,

Wer sich am Seidenfaden hat!
Sich selbst ist man der beste Schatten,
Da ist kein Streit, das Dasein glatt!

Die Andre lange um sich hatten,
Der Zweisamkeit sind sie rasch satt
Geworden. Oder Ehegatten.

Beitrag vom 21 September, 2010 (20:51) | Autor: Walther | Rubrik: beautiful people | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Sommer in Kreuzberg IX

20 September, 2010 (21:01) | | beautiful people, lesung karlsruhe | Kommentieren

Es regnet.
Nach einer kurzen, heftigen Sonnenliebschaft tändelt der Sommer jetzt mit dem Herbst.
Hugo ficht das nicht an.
Hugo führt nicht nur die kleinste Kneipe Berlins mit dicht gedrängten vier Stehplätzen, sondern auch die schönste Handdruckerei Berlins, in der er die kostbaren Werke Kreuzberger Künstler auf ebenso kostbares Papier bringt, eine angeschlossene Galerie mit immer wieder überraschenden Ausstellungen und, wie es sich für Kreuzberg gehört, einen Keller. Keinen tiefen Keller, sondern einen im Souterrain mit schmalen Fensterstreifen an der Wand gleich unter der Decke. Es gibt Kellerkneipen, Kellergalerien, Wellnesstempel, Bioläden und Fahrradwerkstätten in Kellerläden, die noch in den Siebzigern in der Regel als Kohlen- und Kartoffellager und häufig als Trödelläden genutzt wurden.
In einem dieser Souterrainkeller im Hinterhof in einem ehemaligen Fabrikgebäude lagert Hugo Papier, Farbe und alle anderen Utensilien, die in einer Druckerei als regelmäßiger Nachschub benötigt werden.
Hugo hat in ebendiesen Keller zum Filmabend mit Erbensuppe eingeladen. Eintritt: 2â?¬ 50 Pfennig. Titel des Films: Wir Kellerkinder, Deutschland 1959, mit Wolfgang Neuss und Karin Baal. Es kamen die Eingeladenen und ein paar Zuschauer mehr, Stühle mussten heran geschleppt werden, frische Luft gab’s im Regen unterm Sonnenschirm, die Erbsensuppe schmeckte köstlich, eine Zuschauerin hatte Kuchen beigesteuert, andere Wein, Brot, Süßkram. Der Tontechniker hatte mit der Technik zu kämpfen, schließlich begann die Vorführung.
Die Alten, die gekommen waren, kannten den Film oder nicht, aber sie kannten die Stimmung. Erstaunlich, wie schnell Geschichte wieder in die Gegenwart geholt werden kann. Ja, so haben wir uns gefühlt. Nach dem Krieg war nicht Frieden, sondern Nach-Krieg.
Die Jungen, die gekommen waren, kannten den Film nicht. Sie kannten auch nicht die Stimmung. Sie konnten lachen und staunen. Das war Wolfgang Neuss? So war der mal? Und Karin Baal. Wer war das?
Vor zu viel Nässe schützte der Sonnenschirm die anschließenden Gespräche, sie drehen sich um den Film, um Erfahrungen, auch die aktuellen.
Kann man das nicht wiederholen? Filme im kleinen Kreis. Gespräche anschließend, locker, ohne Moderation, damit man nicht allein bleiben muss mit der Begegnung auf der Leinwand? Eine schüchterne Anfrage, was alles soll Hugo sonst noch stemmen? Eine scherzhafte Antwort, dann war das heute die Eröffnung des Kellerkinos. Scherz? Wer weiß.
Drei ganz junge Zuschauerinnen waren gekommen. Schülerinnen, eine Woche Ferien in Berlin. Für sie war alles fremd, der Film, die Menschen, die Kellerlocation, der Hinterhof.
An ihrem letzten Tag vor der Abreise befragt, was sie als die eindrucksvollste oder schönste Erinnerung mit nach Hause nehmen, antworteten sie ohne zu zögern, das bei Hugo. Das bei Hugo? Sie hatten sich in die hinterste Ecke gedrückt. Nur miteinander gekichert und getuschelt, später nie davon gesprochen. Das bei Hugo?
Ja, war die Antwort, das war cool, weil so alle zusammen waren, die jungen und die alten und es kein Unterschied war, wie sie miteinander geredet haben. Voll cool war das.

Beitrag vom 20 September, 2010 (21:01) | Autor: Elvira Surrmann | Rubrik: beautiful people, lesung karlsruhe | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Ich oder Es!

7 September, 2010 (19:34) | | beautiful people | Kommentieren

Gestern traf ich – richtig! – mich.
Es erschreckte tief mein Ich.
Schließlich war ich auf der Suche
Nach demselben. Ich verfluche

Noch den Tag und diese Frage,
Wegen der ich mich so plage,
Während Schlaf und Traum des Nachts.
Mitten drin, das Es, mein Ich, erwacht’s:

Könnt den Freud im Ofen grillen!
Es, nein, ich, will auch mal chillen:
Helfen wirklich nur noch Pillen?
Habe ich denn keinen Willen?

Doch Es plagt auch untertags,
Meint im Ernst, ich, nein, Es!, mag’s!
Das sei nur ein Seelenknacks,
Den zu heilen, wär ein Klacks!

Gerne würd ich drauf verzichten,
Keinen Unsinn mehr zu dichten,
Würde mich dazu verpflichten,
Sinniges nur zu verrichten!

Keine Chance! Dieses Es
Macht den Max, ist frech und kess.
Ich geb’s auf, verstecke mich,
Vor dem Es in meinem Ich.

Beitrag vom 7 September, 2010 (19:34) | Autor: Walther | Rubrik: beautiful people | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Sommer in Kreuzberg VIII

30 August, 2010 (11:57) | | beautiful people | Kommentieren

Sommer – Sonne – Blumen.
Auch der Kreuzberger liebt Blumen.
Nur wenige Kreuzberger haben einen Garten.
Also gehen sie auf die Straße.
Da gibt es kleinste Areale, die man durch geschickte Umzäunung von Füßen, Pfoten, Rollstühlen, Kinderwagen, Fahrrädern und Rentnerkarren frei halten kann: die Baumscheiben. Kleinste Reste sichtbarer Erdkrume zwischen Bürgersteigpflaster und Fahrdammasphalt.
ßberall wird gehämmert, gesägt, werden Pflöcke in die Erde gerammt, Blumenerde wird angehäufelt, Sitzbänke designt, Drähte gespannt und Schilder angenagelt: „Betreten verboten“. Nach ein paar Sonnentagen und einigen Eimerladungen Wasser grünt und blüht es: Bärlauch, Storchenschnabel, Stockrosen – was das Samentütchen hergibt.
Bis der Gärtner in den Urlaub fährt. Nehmen wir Herrn W. zum Beispiel. Er fuhr für sieben Tage an die türkische Riviera.
Eine Busladung Touristen lässt sich, dankbar, den engen Bussitzen und den Witzen des Reiseführers entronnen zu sein, auf dem Bänkchen seines Baumscheibengärtchens in der Sonne nieder und staunt über die Naturliebe der Kreuzberger, bis das Bänkchen sich samt Besatzung leise zur Seite neigt und sanft in die Blütenpracht sinkt. Die Touristen sind froh, dass sich kein Besitzer zeigt, bedauern die geknickte Pracht und folgen dem Reiseführer brav zum Marheineckeplatz. Die abgeknickten Pflanzen welken still vor sich hin.
Hat Herr W. vergessen, seine Nachbarin um eine gelegentliche Wassergabe zu bitten? Oder hat sie jetzt endlich die Gelegenheit, ihm heimzuzahlen, dass er die Spuren nächtlicher Sauftouren auch auf ihrem Fußabtreter hinterlässt? War es einfach nur zu heiß und zu trocken? Haben sich die Pflanzen nicht von den Touristen erholt? Hat sich die Töle aus dem Nachbarhaus nicht an das Verbotsschild gehalten? Wie dem auch sei. Nach seiner Rückkehr starrt Herr W. entsetzt auf seine braun verdorrten Pflanzen und das demolierte Bänkchen.
Um seinen Wiedersehensschmerz zu betäuben, lässt er sich vom Wirt seiner Stammkneipe trösten. Dann von der Bedienung seiner zweiten Stammkneipe. Dann besucht er ein paar Kneipen, die er sonst noch kennt, und als er gegen Morgen nach Hause torkelt, stolpert er über ein Stück Draht, mit dem er das Bänkchen befestigt hatte, und überzieht die Baumscheibe mit der übel riechenden Erinnerung an die nächtlichen Tröstungen. Er hat es eilig, in seine Wohnung zu kommen, sieht aber zu dieser Tageszeit nicht mehr so gut, fingert in der Jackentasche nach seiner Brille, sinkt ermüdet auf die Fußmatte der Nachbarin. Kopfschüttelnd betrachtet er den nassen Fleck auf seiner Hose, der sich beharrlich ausdehnt.
Anne, Katrin, Lisa, Jens und Martin haben es da besser, sie fahren niemals gemeinsam in Urlaub. Die WG der Alleinerziehenden hat eine Mehrbaumscheibe umzäunt und einen Minispielplatz daraus gemacht. Jens hat einen Bruder, der Tischler ist, der hat beim Zaun geholfen und Lisas Mutter hat früher in einer Gärtnerei gearbeitet und Tipps gegeben, mit dem Rindenmulch zum Beispiel.
Konrad, der älteste Sohn von Katrin, hat das Schild gemalt: eine große rote Blume mit der Aufschrift „bite nich betrehten“.
Die Touristen staunen über die Originalität der Kreuzberger.
Aber bei aller Liebe zur Natur – nichts geht dem Kreuzberger über seine persönliche Freiheit und den Kampf darum führt er in stiller Verbissenheit.
Hat er jemanden darum gebeten, Stockrosen auf den Mittelstreifen an der Kottbusser Straße zu pflanzen? Hat ihn jemand gefragt, ob er damit einverstanden ist? Lila Stockrosen, nachdem sich im Frühjahr hier schon diese albernen Krokusse wie die Ratten am Kanal vermehrt haben? Mit ausholenden Schritten und kräftigem Auftreten verteidigt er seine Freiheit, wenn er den Grünstreifen überquert.
Das Gartenbauamt respektiert die Freiheitsliebe des Kreuzbergers, wie man am Südstern sehen kann.
Ein schmaler Rasenstreifen trennt hier Geh- und Radweg voneinander. Der Rasenstreifen trug in allerkürzester Zeit die Male des Kreuzberger Freiheitskampfes: Trampelpfade kreuz und quer.
Ein – vermutlich aus Schwaben eingewanderter – Mitarbeiter des Gartenbauamtes unterstützte den Freiheitskampf und ließ saubere, drei Schritte lange Wege zwischen Geh- und Radweg anlegen und asphaltieren.
Es ist zu erwarten, dass im kommenden Jahr naturliebende Kreuzberger auf dem verbliebenen Rasen einen Balkon bauen und darauf Tomaten und Stockrosen ziehen und in lauen Sommernächten feiern.

Beitrag vom 30 August, 2010 (11:57) | Autor: Elvira Surrmann | Rubrik: beautiful people | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


sunflowers

16 August, 2010 (12:54) | | beautiful people | Kommentieren

Dunkle Sommernacht.
Ich weiß von Sonnenblumen
in deinem Zimmer …

Beitrag vom 16 August, 2010 (12:54) | Autor: Ramona Linke | Rubrik: beautiful people | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Sommer in Kreuzberg VII

8 August, 2010 (16:53) | | beautiful people, lesung karlsruhe | Kommentieren

Noch ist es schön warm.
Sommer eben. Aber das kann sich ändern. Der letzte Winter hat es gezeigt.
Die Pole wandern. Wer weiß, wann einer der Pole in Kreuzberg ankommt. Und wie lange er sich dann hier aufhält. Der letzte Winter war ein Vorgeschmack darauf.
Die meisten Kreuzberger halten sich am Sommer fest: Es wird schon nicht so schlimm werden mit dem Winter.
Nur Herr T. nicht.
Herr T. hat ein Antiquariat am Rande von Kreuzberg.
Sein Antiquariat scheint sich nicht von anderen, ähnlichen Bücher- und Kunstklausen zu unterscheiden. Wenn da nicht der Pinguin wäre.
Sie haben richtig gelesen. Ein Pinguin. Ein echter. Ausgestopft.
Wie kommt ein Pinguin nach Kreuzberg?
Ganz einfach. Herr T. hat die Zeichen der Zeit, an denen der gemeine Kreuzberger achtlos vorüber geht, längst erkannt. Herr T. trägt die Ahnung der wandernden Pole schon lange mit sich herum. Was liegt da näher, als sich mit der Tierwelt der Polregionen zu befassen? Als er auf einer Reise einem Plastikpinguin das Fliegen beibringen konnte, war es um ihn geschehen. Den Pinguinen gehörte fortan seine Liebe.
Dann geschah das Unglück: Ein ausgestopfter Pinguin, den er unter dem Arm nach Hause tragen wollte, flog ihm davon. Herr T. war untröstlich. Das muss man sich einmal vorstellen: Nur weil ein Plastikpinguin das Fliegen lernte, war er jetzt dazu verurteilt, allen Pinguinen, ungewollt, das Fliegen beizubringen.
Herr T. ahnte, dass die Verschiebung der Pole enormere Auswirkungen auf das Leben der Menschen und Tiere haben würde, als es sich der gemeine Kreuzberger vorstellen kann und begann zu sammeln: Pinguine aus Plüsch, Papier, Pappe, Porzellan, Holz, Glas, Silber – Pinguine aus allen Materialien, die man sich vorstellen kann. Pinguine auf Bettwäsche, Teppichen, Pullovern und Mützen, Pinguine als Klobürste, Schlüsselanhänger, Blumenvase und Thermoskanne.
Herr T. ist auf die Klimakatastrophe gut vorbereitet, er wird das Geschäft seines Lebens machen, wenn der Südpol in Kreuzberg landet.
Vermutlich wird der Pinguin in seinem Antiquariat, der bisher gut festgebunden ist, dann zum Leben erwachen und andere Pinguine anlocken. Herr T. wird einen Zaun um die Pinguine ziehen und Eintritt nehmen. Wer genug Pinguine gesehen hat, kann ein Andenken mit nach Hause nehmen.
Wir sind sehr gespannt, wie sich die Sache entwickeln wird.
Herr T. wird uns auf dem Laufenden halten. In einer kleinen Schrift, der ein ausgestanzter Pinguin in einem Tütchen beigefügt ist, kann man sich von den Vorgängen überzeugen. Seinen „Ersten Nachrichten aus einem imaginären Museum“ werden hoffentlich bald weitere folgen.

Beitrag vom 8 August, 2010 (16:53) | Autor: Elvira Surrmann | Rubrik: beautiful people, lesung karlsruhe | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Lebensfreude

29 Juli, 2010 (22:01) | | beautiful people | Kommentieren

Denke nicht, dass ich nichts denke,
Wenn ich meine Blicke lenke
Auf das Wogen und das Beben
Jenes Riesenbusens eben!

Das ist, Liebste, nicht der Fall.
Nein, ich habe keinen Knall.
Diese wunderschöne Rundung
Angeschaut dient der Gesundung

Jener Kurzsicht der Pupillen,
Die mit furchtbar teuren Brillen
Andernfalls man sonst bekämpft,
Was die Lebensfreude dämpft!

Echauffier Dich nicht, mein Schatz.
Wir stehn mitten auf dem Platz,
Und der ist, weil Markt ist, voll.
Streiten wär jetzt gar nicht toll.

Beitrag vom 29 Juli, 2010 (22:01) | Autor: Walther | Rubrik: beautiful people | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Sommer in Kreuzberg IV

29 Juli, 2010 (12:32) | | beautiful people | Kommentieren

Es regnet.
Man kann es fast nicht glauben in diesem Sommer. Die Menschen haben sich an die Wärme gewöhnt. Sie sitzen unter Sonnenschirmen in den Cafés und Kneipen, den Shisha-Bars und Restaurants.
Aber jetzt regnet es. Den ganzen Tag über war es bewölkt und schwül.
Unter den alten Platanen auf dem Weg zum Südstern stehen die Fußgänger und Radfahrer und warten plaudernd darauf, dass der Regen nachlässt und sie ihren Weg fortsetzen können.
Im italienischen Feinkostladen in der Graefestraße bestelle ich einen Cappuccino und kleines süßes Gebäck. Ich setze mich an einen der Tische auf dem Gehsteig unter einen Sonnenschirm, auf den es leise tröpfelt. Ich lese. „Herr Gott lässt es regnen in Yerushalayim“ von Peter Will. Der Kreuzberger, der ein Ossi wurde. Schreibt Gedichte und Kurzgeschichten und malt. Wie die Malerpoeten aus den Sechzigern. Auch er: ein Malerpoet. Insofern ist er ein Kreuzberger geblieben.
Für ihn hat es auch geregnet. Nicht in Kreuzberg, sondern in Jerusalem. Er erlebt in der heiligen Stadt das Mit- oder vielleicht besser: das Gegeneinander der mosaischen Religionen und fragt sich: – Ganz offensichtlich arbeitet ihr (der Juden d.V.) gestrenger Herr Gott mit dem anderen Herrn Gott in der Regenfrage zusammen. Oder sind beide einundderselbe Gott? Vielleicht sogar eine Dreieinigkeit von Herrn Gott, Herrn Gott und Herrn Allah?“
In Kreuzberg kann man sich diese Frage nicht stellen. Sie arbeiten zusammen, das ist zu offensichtlich. Wenn es regnet, regnet es für alle. Obwohl es natürlich passieren kann, dass über der Synagoge am Fraenkelufer die Sonne scheint, während es beim Papst in der Lilienthalstraße und über der Moschee am Columbiadamm regnet. Erforscht hat die Hintergründe dafür aus religiöser Sicht noch niemand. Wasser ist Wasser für die Kreuzberger. Jüdische, christliche und muslimische Kinder tummeln sich in den gleichen Schwimmbädern.
Wir sollten Herrn G“tt, Herrn Gott und Herrn Allah nach Kreuzberg in ein Schwimmbad einladen. Vielleicht geschieht dann ein Mirakel. Der heiligen Stadt wäre der Frieden zu gönnen.
Nur – wenn die drei wirklich einer wären, dann würde er voraussichtlich nicht kommen. Seine Sicherheitskräfte würden ihm davon abraten.

Beitrag vom 29 Juli, 2010 (12:32) | Autor: Elvira Surrmann | Rubrik: beautiful people | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Weiteres war nicht vorgesehen

28 Juli, 2010 (20:40) | | beautiful people | Kommentieren

Schön dass wir darüber redeten
Wir hätten einfach schweigen können
Die Uhr versuchte würdevoller
Zu sein bei ihrem Stundenschlagen

Du gehst hast du gesagt die Tür
War im Aufhalten noch nicht geübt
Ich beließ es dabei und dein Po
Wedelte so attraktiv wie immer

Kokettes Haarschütteln ist gut
Für die Rückenmuskulatur sagt
Dein Pilatestrainer mich schaudert
Die Aussicht auf Deine Rückansicht

Man altert beim Leben bedauernd wenn
Das Lächeln festfriert auf Botoxlippen
Und die Nase sich verjüngt genauso wie
Die letzte Gesichtshautspannung die

Wangen bis hinter die Ohren zieht die
Zum Schmucktragen und Hörensagen
Beste Dienste tun es war wirklich schön
Es beim Abwenden bewenden zu lassen

Weiteres war ja auch nicht vorgesehen

Beitrag vom 28 Juli, 2010 (20:40) | Autor: Walther | Rubrik: beautiful people | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


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