Beiträge zu terrere est humanum?

Ich spreche leise Worte in den Wind.

3 Februar, 2011 (21:05) | | terrere est humanum? | 2 Kommentare

Ich spreche leise Worte in den Wind.
Er trägt sie in die Weiten, bläst durch Blätter,
Durch Häuserschluchten: Niemand kommt als Retter.
Sie reisen zeitlos, suchen Dich, mein Kind.

Sie wollen Dir viel sagen; alle Wetter,
Die Sonne, bleichen, die gesprochen sind,
Um Dich zu heilen, die ich, taub und blind,
Von mir vertrieb. Kein Brüllen, kein Geschmetter,

Nicht Zorn und Wut sind’s, die sie bringen,
Sie sollen, was verloren ist, bezwingen,
Sie bitten, dass Du mir vergibst. Verzeih!

Das rufen sie Dir zu. Es ist ein Flehen:
Ich kann, ich will, ich muss Dich wieder sehen,
Erst wenn Du wieder nah bist, bin ich frei!

Beitrag vom 3 Februar, 2011 (21:05) | Autor: Walther | Rubrik: terrere est humanum? | Beitrag drucken Beitrag drucken | (2) Kommentare


Geschützt: Israelis und Palästinenser – Oh, Ihr Mütter der Israelis (4)

2 Februar, 2011 (10:01) | | terrere est humanum? | Um die Kommentare zu sehen, musst du dein Passwort eingeben.

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Beitrag vom 2 Februar, 2011 (10:01) | Autor: Hans Juergen John | Rubrik: terrere est humanum? | Beitrag drucken Beitrag drucken | Um die Kommentare zu sehen, musst du dein Passwort eingeben.


Israelis und Palästinenser – Oh, Ihr Kinder der Palästinenser (2.3)

31 Januar, 2011 (23:05) | | terrere est humanum? | Kommentieren

Oh, Ihr Kinder der Palästinenser. Was wird geschehen? Der Krieg zerstört und der Frieden baut auf.

Oh, Ihr Kinder der Palästinenser. Sicher habt Ihr einmal Fussball gespielt oder dabei zugesehen. Wohl alle Menschen lieben dieses Spiel, das immer wieder von neuem begeistert. Der Ball ist dabei sehr wichtig. Stellt Euch vor, Ihr rennt dem runden Leder barfuss mit einigen anderen Kindern hinterher. Es kommt ein grosser Junge vorbei. Er nimmt den Ball, der ihm geradewegs vor die Füsse rollt und gibt ihn nicht wieder her. Was tut Ihr?

Oh, Ihr Kinder der Palästinenser. Was wird geschehen? Der Krieg zerstört und der Frieden baut auf.

Seit Jahrtausenden spielt sich diese Szene immer wieder in allen Variationen ab. Egal, ob es um Essen, Trinken, einen Ball, ein Stück Land, Geld, Gold oder persönliche Beziehungen geht. Das Spiel kann lustig, unterhaltsam oder grausam sein, es kann Fussball, Krieg, Partnerschaft, Kampf um Freiheit oder Besitz heissen, es beschäftigt uns, unsere Vorfahren genauso und es wird später unsere Kinder und Kindeskinder in seinen Bann ziehen. So ist es wichtig, darüber nur ein paar Minuten eines langen, langen Lebens nachzudenken.

Oh, Ihr Kinder der Palästinenser. Was wird geschehen? Der Krieg zerstört und der Frieden baut auf.

Oh, Ihr Kinder der Palästinenser. Der fremde Junge ist stark, das sieht man ihm an. Er hält den Ball in seinen Händen und er gibt ihn nicht her. Er ist sich seiner Stärke bewusst und selbstsicher. Eigentlich scheint er sympathisch und geheimnisvoll zugleich zu sein und Ihr könntet gute Freunde werden, wenn, ja wenn er Euch den Ball nicht weggenommen hätte. Ihr fühlt, dass Ihr im Recht seid. Ihr denkt: Der Fremde ist zwar stark, doch er scheint alleine zu sein. Wer von den Zuschauern zu ihm halten wird ist noch unklar.

Der fremde Junge ist mutig. Das sollte Eure Achtung und Bewunderung herausfordern. Doch er hat gegen die Regeln verstossen. Ihr seid in der Mehrheit und wollt weiter spielen. Also umzingelt Ihr den fremden Jungen und den Ball und Ihr seid entschlossen, ihm den Ball wegzunehmen, notfalls mit Gewalt.

Oh, Ihr Kinder der Palästinenser. Was wird geschehen? Der Krieg zerstört und der Frieden baut auf.

© 2011 Hans-Jürgen John

Hans-Jürgen John wurde 1967 in Ulm geboren. Nach Stationen in Marseille, Tübingen und wiederholt in Ulm, lebt er jetzt zeitweise in der Schweiz. Auf seiner Homepage www.johntext.de – Literatur, die helfen möchte – lässt sich die Entwicklung vom blossen Geschichtenerzählen zu der Beschäftigung mit dem, was Menschen umtreibt, ihre Sorgen und Hoffnungen miterleben.
Beitrag vom 31 Januar, 2011 (23:05) | Autor: Hans Juergen John | Rubrik: terrere est humanum? | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Geschützt: Israelis und Palästinenser – Oh, Ihr Mütter der Israelis (3)

30 Januar, 2011 (15:21) | | terrere est humanum? | Um die Kommentare zu sehen, musst du dein Passwort eingeben.

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Beitrag vom 30 Januar, 2011 (15:21) | Autor: Hans Juergen John | Rubrik: terrere est humanum? | Beitrag drucken Beitrag drucken | Um die Kommentare zu sehen, musst du dein Passwort eingeben.


es ist

29 Januar, 2011 (20:09) | | terrere est humanum? | Kommentieren

(1)

als ob die welt an ihren rändern schliefe
als ob sie nach verändern riefe
wie sie durch das weltall taumelt

wie wenn der mond in eine welle tauchte
wie wenn er auf die schnelle fauchte
als er an der schwerkraft baumelt

(2)

als ob sich freiheit neue wege suchte
als ob sie eine reise buchte
da sich alle zeiten wenden

wie wenn jetzt die tyrannen gingen
wie wenn sie höllenfeuer fingen
weil die alten zeiten enden

(3)

als ob die welt an ihren rändern riefe
als ob sie nicht mehr ruhig schliefe
lautlos ihre kreise zieht

wie wenn der halbmond sich jetzt endlich rundete
wie wenn er nichts mehr duldend stundete
laut die angst der menschen flieht

Beitrag vom 29 Januar, 2011 (20:09) | Autor: Walther | Rubrik: terrere est humanum? | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Israelis und Palästinenser – Oh, Ihr Kinder der Palästinenser (2.2)

29 Januar, 2011 (08:38) | | terrere est humanum? | Kommentieren

Oh, Ihr Kinder der Palästinenser. Was wird geschehen? Der Krieg zerstört und der Frieden baut auf.

Wisst Ihr wie schön es ist, sich am Abend auf die Schule zu freuen, weil Ihr dort eure Freunde treffen werdet, mit denen ihr am Nachmittag gespielt und gezankt und Euch wieder versöhnt habt?

Oh, Ihr Kinder der Palästinenser! Was wird geschehen? Der Krieg zerstört und der Frieden baut auf.

Fühlt Ihr wie herrlich es ist, wenn Eure Mutter des Abends an Eure Betten kommt und Euch eine Gutenachtgeschichte erzählt und Ihr bittet und bettelt, dass sie noch eine erzählen möchte, weil Ihr doch noch überhaupt nicht müde seid?
Könnt Ihr Euch vorstellen, wie Ihr des Morgens von Eurer Mutter mit dem Ruf: „Es ist Zeit aufzustehen, das Frühstück ist fertig“ geweckt werdet und es nach ein paar Minuten heisst: „Wenn Du jetzt nicht kommst, mein kleiner Liebling, wirst Du den Schulbus verpassen.“

Könnt Ihr Eure Mutter hören, wenn sie Euch tadelt, weil Ihr auf dem Nachhauseweg getrödelt habt und zu spät zum Mittagessen kommt?

Oh, Ihr Kinder der Palästinenser! Was wird geschehen? Der Krieg zerstört und der Frieden baut auf.

Wie schön wäre es, wenn Ihr aufsteht und ins Bad geht und den Wasserhahn öffnet, um Euch die Zähne zu putzen und Eure Schwester klopft schon ungeduldig an die Türe, weil sie auch spät dran ist?
Wie wunderbar ist es, wenn Ihr Euch dann an den gedeckten Frühstücktisch setzt. Papa liest in der Morgenzeitung. Ab und zu verschwindet seine Tasse Kaffee hinter der Zeitung und kehrt auf die Untertasse zurück, als wäre sie nie fort gewesen. Es gibt Schinken und Speck und Butter und Croissants und Brot und Käse und Ihr wisst gar nicht, wo mit dem Essen und dem Geniessen anfangen und Ihr seid noch satt vom Abendessen.

Oh, Ihr Kinder der Palästinenser! Was wird geschehen? Der Krieg zerstört und der Frieden baut auf.

© 2011 Hans-Jürgen John

Beitrag vom 29 Januar, 2011 (08:38) | Autor: Hans Juergen John | Rubrik: terrere est humanum? | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Geschützt: Israelis und Palästinenser – Oh, Ihr Mütter der Israelis (2)

28 Januar, 2011 (09:19) | | terrere est humanum? | Um die Kommentare zu sehen, musst du dein Passwort eingeben.

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Beitrag vom 28 Januar, 2011 (09:19) | Autor: Hans Juergen John | Rubrik: terrere est humanum? | Beitrag drucken Beitrag drucken | Um die Kommentare zu sehen, musst du dein Passwort eingeben.


Israelis und Palästinenser – Oh, Ihr Kinder der Palästinenser (2.1)

27 Januar, 2011 (20:46) | | terrere est humanum? | Kommentieren

Oh, Ihr Kinder der Palästinenser! Was wird geschehen? Der Krieg zerstört und der Frieden baut auf.

Ich denke an Euch wie ein Vater an seine Kinder. Ich bin stolz auf Euren Mut und ich sehe Eure Zukunft ohne Sorge. Ihr seid in der glücklichen Lage, die Ereignisse der Vergangenheit zu überblicken und Ihr werdet Euer Verhalten nach den Zielen der Zukunft richten.
Oh, Ihr Kinder der Palästinenser. Ich habe einige von Euch im Fernsehen gesehen. Ich sah Euch wie die Welt Euch sieht. Steine werfend. Das macht mich sehr traurig. Ich verurteile Euch nicht. Ich spüre und verstehe, dass Ihr Hoffnungen habt und Wünsche und Ziele. Jeder Mensch braucht seine Freiheit wie die Luft zum Atmen.

Wenn ich an Euch denke, frage ich mich wie meine Kindheit war. Mein Vater war sehr streng mit uns. Er sagte immer: „Geld kommt und geht, aber was Du gelernt hast kann Dir niemand mehr wegnehmen“. Ich war schlecht in der Schule und wollte nicht lernen. Als ich gerade einmal fünfzehn Jahre alt war, stieg ich des Nachts aus dem Fenster meines Zimmers und wollte in die weite Welt aufbrechen. Ich kam bis nach Marseille in Frankreich. Ich lebte auf der Strasse, fand keine Arbeit und bettelte. Ich lernte Menschen kennen, die schon lange obdachlos waren, Menschen mit Vergangenheit aber ohne Zukunft, weil ohne Hoffnung und den Glauben an sich selbst.

Nach drei Monaten kam ich in eine Polizeikontrolle und mein Vater brachte mich wieder nach Hause. Ich war sehr stolz und hätte es nie zugegeben: Ich war sehr froh wieder zuhause zu sein und in die Schule gehen zu dürfen und ich nutzte meine neue Chance und lernte von nun an mit Eifer und Fleiss. Ich hatte auf die Lebenserfahrung meines Vaters nicht hören wollen und machte den Umweg über die eigene, schmerzliche Erfahrung.
Oh, Ihr Kinder der Palästinenser. Auch für Euch ist es schwer, Ratschläge von anderen anzunehmen. Ich kann es gut verstehen. Ihr wollt Eure Erfahrungen selbst machen.

Oh, Ihr Kinder der Palästinenser. Was wird geschehen? Der Krieg zerstört und der Frieden baut auf.

© 2011 Hans-Jürgen John

Beitrag vom 27 Januar, 2011 (20:46) | Autor: Hans Juergen John | Rubrik: terrere est humanum? | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Geschützt: Israelis und Palästinenser – Oh, Ihr Mütter der Israelis (1)

25 Januar, 2011 (20:52) | | terrere est humanum? | Um die Kommentare zu sehen, musst du dein Passwort eingeben.

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Beitrag vom 25 Januar, 2011 (20:52) | Autor: Hans Juergen John | Rubrik: terrere est humanum? | Beitrag drucken Beitrag drucken | Um die Kommentare zu sehen, musst du dein Passwort eingeben.


Israelis und Palästinenser – Oh, Ihr Mütter der Israelis

9 Januar, 2011 (02:58) | | terrere est humanum? | Kommentieren

– lektoriert von der Literatur-Agentur Axel Poldner, Berlin –

Die Gnade der Geburt

Ich lebe in der westlichen Welt und heute. Schon oft habe ich an die Gnade meiner Geburt gedacht. Was wäre, wenn ich in einem der Armenhäuser Afrikas geboren worden wäre? Was wäre, wenn ich nicht heute leben würde, sondern einige Jahrhunderte früher? Im dunklen Mittelalter etwa, als die Menschen unter der Pest litten? Oder in der Zukunft mit allen Auswirkungen des Handelns vorangegangener Generationen.
Was wäre, wennâ?¦ Solche Gedankenspiele erinnern mich immer wieder daran, dass ich in einer Zeit des Friedens leben darf und auch, dass alles, was heute selbstverständlich scheint, eine Errungenschaft ist, die wir den Generationen vor uns verdanken. Dass ich täglich genug zu essen habe und einen medizinischen Rundumschutz genieße. Dass ich des Nachts ohne Angst durch die Städte spazieren kann, wenn ich will. Dass ich Fehler machen darf und Zeit habe, daraus zu lernen, ohne dass es mich die Freiheit oder gar das Leben kostet.

Schmerz war ein guter Denkanstoß

Vor einigen Tagen habe ich abends eine Fernsehsendung gesehen. Ein kurzer Rückblick auf das Jahr 1967. Ich war sofort interessiert. Wohl auch, weil ich in diesem Jahr geboren wurde. Es ging um den Sechstagekrieg zwischen Israel und einigen arabischen Staaten. Ich dachte nur: „Ach, so lange währt der Konflikt dort unten schon?“, und schmierte mir ein Butterbrot.
Einige Tage später schlug ich mir heftig das Knie an und schrie auf. Der eigene Schmerz tut immer am meisten weh. Dabei ging mir durch den Kopf: Was wäre, wenn ich Jahrzehnte diesen Schmerz tagtäglich erleiden müsste? Und wie viel Leid müssen Menschen wohl um sich und andere im Krieg ertragen?
Weitere zwei Tage später fiel mir plötzlich auf, dass zwischen Israel und den Palästinensern tatsächlich seit Jahrzehnten ein Konflikt schwelt, immer wieder ausbricht, von Waffenstillständen und Friedensverhandlungen vorübergehend beruhigt wird und erneut ausbricht.
Augenblicklich spürte ich eine heftige Abneigung, mich weiter mit diesem Thema auseinander zu setzen. Wie viele Staaten haben schon ihre Gesandten geschickt? Wie oft glaubte man an einen Erfolg und Frieden, nur um dann miterleben zu müssen, dass der Konflikt weiter eskalierte?
Und wer hat denn nun Recht? Wem soll Recht gegeben werden? Oder muss man abwarten, wer mit dem Recht des Stärkeren die Bedingungen diktiert?
Ich bin es leid, weiter in den Nachrichten von Selbstmordanschlägen und Raketen und dem damit verbundenen Leid zu hören.

Der Krieg zerstört und der Frieden baut auf.

Ich stelle mir vor, dass, solange es Konflikte zwischen Bevölkerungsgruppen und Religionen gibt, dieser Konfliktvirus immer und überall auf der Welt weitergetragen wird und damit jede Friedenszeit zur bloßen Übergangszeit zwischen Kriegen degradiert. Doch wer hat es in der Hand, zwischen den Israelis und den Palästinensern zu schlichten? Wohl nur sie selbst.
Zwei Eisblöcke veranschaulichen für mich das Verhältnis von Israelis zu Palästinensern. Beide glauben, nicht friedlich nebeneinander existieren zu können. So werden sie sich weiter aneinander reiben, bis sie schließlich zerbrechen. Starre Positionen bedeuten Konfrontation. Und Konfrontation bedeutet menschliches Leid. Also lasst uns das Eis schmelzen!
Auf beiden Seiten befinden sich Menschen, Kinder, Frauen und Männer. Also beschließe ich, jedem Familienteil zu schreiben. Insgesamt also sechs Briefe. Ich spreche ihre Sprache nicht. Aber die Sprache, in der ich schreibe, versteht jedes Kind und jede Mutter und jeder Vater. So beginne ich meinen ersten Brief an die Mütter der Israelis unter dem Titel:

Oh, Ihr Mütter der Israelis (1)

Oh, Ihr Mütter der Israelis. Was ist geschehen? Der Krieg zerstört und der Frieden baut auf.
Ich denke an Euch wie ein Sohn an seine Mutter. Und ich weine und ich bin ich stolz auf Euch und ich bin voll der Sorge und voll der Hoffnung.
Oh, Ihr Mütter der Israelis. Denkt Ihr ab und zu an Eure Mütter? Und fühlt manchmal, wie sie gefühlt haben müssen? Wie sie sich Gedanken um Euch gemacht haben, von klein auf, über Jahre und Jahrzehnte? Wie Eure Mütter über Euch gewacht haben, wie es nur liebende Mütter können? Und denkt Ihr manchmal daran, wie sie sich um Euch gesorgt haben müssen?
Egal, wie Mütter heißen, egal, welche Hautfarbe oder Religion sie haben oder welche Sprache sie sprechen. Alle Mütter wollen das Beste für Ihre Kinder! Was ist das Beste für Eure Kinder? Das herauszufinden war und ist Eure Aufgabe!
Oh, Ihr Mütter der Israelis. Ich bin stolz auf Euch. Auf Euren Schultern lastet die ganze Vergangenheit , die Hoffnung und die ganze Zukunft Eures Volkes. Ihr brecht nicht unter dieser Last zusammen wie zuweilen der Ast eines Apfelbaumes unter seinen Früchten. Ihr gleicht vielmehr dem unverrückbaren Bergrücken, der viele Bäume trägt.
Oh, Ihr Mütter Israels, Ihr seid stark. Je mehr Euch das Schicksal auferlegt, je grösser die Last für Euch wird, umso kräftiger seid Ihr. Eure Kraft reicht für Euch, Eure Kinder und deren Kindeskinder bis weit in die Zukunft des Volkes Israel. Eure Männer schauen Euch an und schöpfen Hoffnung für Ihr Tagwerk. Eure Kinder lauschen Euren Worten und lernen täglich von Eurem Beispiel. Ihr seid die Vorbilder ganzer Generationen in Vergangenheit und Zukunft. Eure Töchter eifern Euch nach und warten und freuen sich auf Euer Lob. Eure Söhne versuchen, in Ihren zukünftigen Ehefrauen Eure Liebe und Güte zu entdecken. Wie jeder Mensch sich immer wieder dankbar der wärmenden und Leben spendenden Sonne zuwendet, so seid Ihr der Mittelpunkt Eurer Familien.

Oh, Ihr Mütter der Israelis (2)

Oh, Ihr Mütter Israels. Ich spreche zu Euch, so wie ein Durstiger in der Wüste um Wasser bittet. Ich spreche zu Euch, wie der Bettler am Wegesrand, der ohne eine kleine Gabe vielleicht verhungert, für Euer Mitleid aber ein Leben lang dankbar sein wird. Ich spreche zu Euch, wie Eure Kinder später zu Euch sprechen werden, wenn Ihr meine Worte nicht hört. Ich spreche zu Euch wie ein Sohn zu seiner Mutter.
Wisst Ihr, wie glückliche Kinder aufwachsen, die sich des Abends vor dem Einschlafen keine Sorgen um den nächsten Tag machen müssen? Wisst Ihr, wie glückliche Kinder aufwachsen, die keine Angst haben müssen vor den sorgenvollen Gesprächen der Eltern über Krieg und Hass? Glückliche Kinder, die unbesorgt im Freien spielen und die bei Kondensstreifen am Himmel an Urlaubsflüge denken und nicht an Raketen. Wisst Ihr, wie glückliche Kinder aufwachsen, die sich als Traumberuf für später Arzt oder Model aussuchen und nicht Kampfpilot oder Panzerfahrerin?
Oh, Ihr Mütter der Israelis. Ich fühle mit Euch wie ein Sohn mit seiner Mutter. Ihr versucht immer die richtigen Entscheidungen zu treffen. Welch schweres Leid ist Eurem Volk über Jahrhunderte hindurch widerfahren. Oh, Ihr Mütter Israels. Eure Vorfahren wurden verfolgt, vertrieben, gedemütigt und ermordet. Es gibt nichts, womit diese Schuld zu tilgen oder zu vergessen wäre.

Oh, Ihr Mütter der Israelis (3)

Es gibt Dinge auf dieser Welt, die kann der Einzelne nicht oder nur schwer beeinflussen. Das Wetter gehört dazu, die Naturgewalten zeigen uns immer wieder, wie klein und abhängig wir sind von der Schöpfung und der Erde. Auf die Umstände, die wir leicht durch unser Verhalten steuern können, sollten wir deshalb umso mehr unsere Aufmerksamkeit richten.
Oh, Ihr Mütter der Israelis. Schaut Euch die Pflanzen an, schaut Euch die Bäume an. Ist der Boden schlecht, so verdirbt die Ernte. Ist das Wasser schlecht, so verdorrt die Ernte.
Der Boden muss getränkt , muss vorbereitet und gepflügt werden. Oh, Ihr Mütter der Israelis. Ihr gebietet nicht über den Sturm oder den Wind oder die Sonne oder die Wassermassen. Doch düngt Ihr den Boden gut und gebt ihm zu trinken, so wird die Ernte wohl gelingen.

Oh, Ihr Mütter der Israelis. Wenn Ihr Eure Kinder nährt, was gebt Ihr Ihnen mit der Muttermilch? Wenn Eure Kinder Hunger haben, womit füllt Ihr Ihnen den Teller? Wenn Eure Kinder Durst haben, was gebt Ihr Ihnen außer Wasser? Essen und Trinken allein genügen keinem Kind, um aufzuwachsen. Es braucht Fürsorge und Liebe. Erwachsene tun oft so, als wären ihnen diese Dinge nicht mehr wichtig. Das ist falsch, aber keine unheilbare Krankheit.
Oh, Ihr Mütter Israels. Womit füttert Ihr Eure Kinder? Sind es die Tränen der Vergangenheit? Sind es die Sorgen der Gegenwart? Füttert Ihr Eure Kinder mit der Hoffnung auf eine Zukunft in Frieden?
Oh, Ihr Mütter Israels. Ich rede von Dingen, die Ihr längst selber wisst. Füttert Ihr Eure Kinder mit dem Hass und der Angst, so wird diese Saat im Krieg aufgehen. Füttert Ihr Eure Kinder mit Liebe, Vergebung und Hoffnung, so wird diese Ernte in Frieden aufgehen. Ihr seid fest in Eurer Tradition, in Eurem Glauben, in Euren Familien und damit im Leben verwurzelt. Ihr trotzt allen Widrigkeiten wie der Kaktus in der Wüste der Hitze, der Sonne und den Sandstürmen. Doch anders als der Kaktus, anders als der unverrückbare Bergrücken, seid Ihr von der Schöpfung mit der Gabe der Vernunft, der Gabe der emotionalen Intelligenz ausgestattet.
Oh, Ihr Mütter der Israelis. Denkt Ihr an die Zukunft Eurer Kinder, so denkt Ihr nicht an die Oase in der Wüste, die von Sandmassen bedroht wird. Denkt Ihr an die Zukunft Eurer Kinder, so seht Ihr sie glücklich in einem Land aufwachsen, dessen Grenzen nicht von Nachbarstaaten bedroht werden. Ein Land, das durch die Liebe seiner Bewohner getragen wird. Ein Land, das für seine Gastfreundschaft gerühmt wird und für seinen Friedenswillen. Ein Land, das sein Brot und sein Wasser mit den Hungernden und Durstigen teilt.

Oh, Ihr Mütter der Israelis (4)

Oh, Ihr Mütter der Israelis. Ich empfinde für Euch wie ich für meine Mutter empfinde. Meine Mutter war eine geduldige Frau. Sie konnte weinen und sie konnte lachen. Sie gab zuerst den Kindern zu essen und nahm dann den Rest. Sie hatte Pläne. Doch sie schenkte ihre Zukunft uns Kindern. Und als die Kinder aus dem Haus waren, als sie mir und meinen Geschwistern Ihre Liebe mitgegeben hatte wie die Bäuerin den Samen im Feld gleichmäßig verteilt, als sie ihre Pläne hätte verwirklichen können, da fällte sie das Leben so wie der Herbststurm manchen alten Baum.
Oh, Ihr Mütter Israels. Schaut auf Eure Kinder. Seht in diese Augen, die Euch vertrauen. So wie Eure Kinder, so vertrauen Euch viele Familien, die verstreut in der ganzen Welt leben. Ihr habt eine Aufgabe. Voller Vertrauen in Euch sehen jüdische Familien aus aller Welt auf Israel. So wie Ihr Euch nach freundlichen, liebenden, gehorsamen und fleißigen Kindern sehnt, so wünschen sich Eure Brüder und Schwestern auf der ganzen Welt dauerhaften Frieden für Israel. Ihr seid der Schlüssel zum Leben Eurer Kinder, Ihr tragt den Schlüssel zum Frieden in Euch.
Oh, Ihr Mütter der Israelis. Was soll ich Euch sagen? Ihr wisst um die Lösung aller Konflikte. Ein Streit ist nichts anderes als ein Satz nur mit dem einen Wort „Ich“, unvollendet. Ein Frieden, der mit Waffen erkämpft wurde, ist so viel wert wie ein Verwundeter für die Feldarbeit. Ein Frieden, der erkämpft wurde, sät Hass in die Herzen der Unterlegenen und kommt mit den bewaffneten Kindern der Unterlegenen zurück.
Oh, Ihr Mütter Israels. Mit Geburten kennt Ihr Euch aus. Krieg gebiert keinen dauerhaften Frieden für Eure Nachkommen. Ein Frieden, der auf dem Leid anderer aufbaut, ist so viel wert wie das Leben eines weinenden, zweijährigen Kindes neben seinen erschossenen Eltern.

Oh, Ihr Mütter der Israelis (5)

Oh, Ihr Mütter der Israelis, blickt in die Vergangenheit und schaut Euch in der Gegenwart um und seht in die Zukunft. Ihr seid die Wurzeln Eures Volkes. Ihr entscheidet, welche Pflanzen neben Euch wachsen dürfen. Ihr entscheidet, wer neben Euch wohnen darf. So wie die Bäume des Waldes die Sträucher nicht zu fürchten haben und sie neben sich in ihrem Schatten dulden. Die Mütter Israels dulden die Mütter der Palästinenser neben sich, wenn sie diese nicht zu fürchten haben.

Oh, Ihr Mütter Israels. Meine Gefühle sprechen zu Euch. Ich weiß wenig über Euch. Ich fühle, Ihr seid bereit für den Frieden. Wenn der Hass Menschen in den Selbstmord treibt, brennt der Hass in ihren Angehörigen weiter. Löscht dieses Feuer. Alle Toten haben Mütter. Hört in Euch hinein. Ihr wisst, was zu tun ist.
Oh, Ihr Mütter Israels. Schaut in die Welt. Die Tage der Kriege sind vorbei. Kein Volk möchte durch Angst und Leid gelähmt sein. Sollen weiter Angst und Sorgen Euch, Eure Kinder und deren Kinder leiten? Angst und Sorgen und Hass leiten auch jene, die sich für Eure Feinde halten. Nur der Hunger nach Frieden ist noch grösser als der Hunger nach Vergeltung.
Oh, Ihr Mütter Israels, Ihr wollt das Beste für Eure Kinder. Auch die Mütter der Palästinenser wollen das Beste für Ihre Kinder. So viele Mütter auf allen Seiten, die das Beste wollen. Wen kümmern da noch die dunklen Schatten der Vergangenheit, wenn die Sonne der Zukunft auf eine Welt des gemeinsamen Friedens scheinen kann?

Oh, Ihr Mütter der Israelis (6)

Oh, Ihr Mütter Israels. Ich denke an Euch, wenn ich durch die Städte der westlichen Welt spaziere und Kinder verschiedener Religionen, Hautfarben und Sprachen miteinander spielen, streiten und sich versöhnen sehe.
Oh, Ihr Mütter Israels. Kinder, die für den Krieg, die Gewalt und den Hass geboren werden, sind vergebens auf die Welt gekommen. Schaut Euch um im Heiligen Land. Ihr habt viel erreicht. Doch was hättet Ihr mit der unendlichen Kraft der Liebe und des Friedens erreichen können?
Oh, Ihr Mütter Israels, Ihr habt die Kraft für so viele Schicksalsschläge. Habt Ihr die Kraft für den Frieden? Es ist so leicht zu streiten. Habt Ihr auch die Kraft zur Versöhnung? Hass ist ein Gefühl, das Liebe werden muss, will es erwachsen werden. Habt Ihr den Willen, den Preis für den Frieden zu bezahlen? Der Preis für den Krieg wird mit dem Blut Eurer Kinder bezahlt. Der Frieden ist günstiger, er kostet ein paar gute Worte und ein freundliches Lächeln.
Oh, Ihr Mütter Israels, schaut Eure Kinder an. Schaut in Ihre großen Augen, die Eure Hilfe brauchen, die Euch und Eurem Handeln vertrauen. Schaut in diese Augen, die die Welt noch nicht begreifen.
Oh, Ihr Mütter Israels. Ihr habt es in der Hand, ob die Ernte des Hasses und des Krieges aufgeht. Ihr habt es in der Hand, ob die Saat der Liebe und Versöhnung und des dauerhaften Friedens für Eure Nachkommen aufgeht. So beginnt neu zu säen. Für Überschwemmungen und Stürme und Plagen könnt ihr nichts. Alles andere habt Ihr mit Eurem Glauben an Gott und das Gute in allen Menschen in Eurer Hand.

Oh, Ihr Mütter der Israelis (7)

Oh, Ihr Mütter Israels, beginnt neu zu säen. Lehrt Eure Kinder die Liebe und warnt sie vor dem Auge, das das Auge kostet, und den Zähnen, die mehr Zähne kosten. Sie kosten so viel mehr, als der Handschlag der Versöhnung und die Worte des Ausgleichs.
Lehrt Eure Kinder die Vergebung und warnt sie vor Hass und Vergeltung. Lehrt Eure Kinder die Vorsicht, aber nicht die lähmende Angst. Zeigt Euren Kindern die Völker der Erde, die friedlich zusammenleben, und zeigt Euren Kindern, wie das Böse auf der Welt an Boden verliert, wo Gewalt nicht wachsen kann, weil sie nicht gefüttert wird.
Und habt Ihr Eure Sache gut gemacht und sitzt Ihr im Alter glücklich lächelnd inmitten Eurer Kinder und Enkel und Urenkel, so denkt daran, dass die Sprache der Liebe und des Herzens Euch einst zu Eurem Mann geführt hat und nicht die hässlichen Worte des Hasses. Seht Euch dann Eure Kinder und Enkel und Urenkel an und Ihr werdet wissen, dass die Sprache des Herzens der rechte Weg ist.
Oh, Ihr Mütter der Israelis. Ich fühle die große Kraft Eures Glaubens, der Euer Volk durch die Jahrtausende geführt hat. Die Religion ist für die Menschen da. Sie regelt das Zusammenleben. Zeigt der Welt, wie der Glaube Frieden schafft. Zeigt der Welt, wie der Glaube Waffen existieren lässt, aber ihren Gebrauch überflüssig macht. Liebe braucht den Krieg nicht zur Durchsetzung der Ziele der Menschen.

Oh, Ihr Mütter der Israelis (8)

Oh, Ihr Mütter der Israelis. Grenzen zwischen Menschen fallen überall auf der Welt. Es gibt andere Probleme als Konfrontation. Wollt Ihr Eure Kinder zu Ärzten ausbilden lassen, die Krankheiten bekämpfen? Oder wollt Ihr Eure Kinder zu Kampfpiloten ausbilden lassen, die Eltern töten, deren Häuser mit Bomben zerstören und nur barfüßige, weinende und hungernde Kinder zurücklassen? Zeigt der Welt, dass die Mütter der Israelis und die Mütter der Palästinenser gemeinsam für Ihre Kinder und für den Frieden einstehen.
Oh, Ihr Mütter der Israelis. Wo soll man den Frieden suchen und finden, wenn die Panzer auf allen Wegen ihre tiefen Spuren hinterlassen haben? Oh, Ihr Mütter Israels. Ich weiß die Antwort nicht. Lauscht in Eure Herzen hinein, wo die Liebe für Eure Männer und Eure Kinder und die Liebe für Eure Eltern wohnt.
Oh, Ihr Mütter Israels. Ich schreibe an Euch, weil ich keine Antwort habe, ich sehe den Weg nur bis zur nächsten Straßenecke. Ihr müsst alleine weitergehen.
Oh, Ihr Mütter Israels. Ich verneige mich vor Euch. Ich verneige mich vor Eurer Kraft, vor Eurem Glauben. Ich verneige mich vor Eurer Vergangenheit, ich verneige mich vor Euren Toten und dem Tränenmeer und der Verzweiflung und Kraft der Überlebenden. Ich verneige mich vor Eurer Zukunft und Eurer Weisheit.
Oh, Ihr Mütter Israels. Was ist geschehen? Der Krieg zerstört und der Frieden baut auf.

© 2011 Hans-Jürgen John

Hans ist Hans John (@rafaelofirst) auf Twitter und Hans.John.16 auf Facebook. Hans bloggt auf www.johntext.de und www.tage-bau.de .

Hans-Jürgen John wurde 1967 in Ulm geboren. Nach Stationen in Marseille, Tübingen und wiederholt in Ulm, lebt er jetzt zeitweise in der Schweiz. Auf seiner Homepage www.johntext.de – Literatur, die helfen möchte – lässt sich die Entwicklung vom blossen Geschichtenerzählen zu der Beschäftigung mit dem, was Menschen umtreibt, ihre Sorgen und Hoffnungen miterleben.
Beitrag vom 9 Januar, 2011 (02:58) | Autor: Hans Juergen John | Rubrik: terrere est humanum? | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


dort geht die ewigkeit

1 Januar, 2011 (18:03) | | terrere est humanum? | Kommentieren

für die liebste

„ein molekül auch eurer fühlatome“: *)
du schreibst die großen worte leicht dahin
als wüchse zwischen ihnen jener sinn
der aus der zeit verheerender pogrome

sich fast gemordet vorwärts wälzte in
der langen nacht ersteht das anatome
und der gedanke füllt die felsendome
als wäre das schon sicherer gewinn

so hoffend leg ich offen meine brust
und bette dich und mich darin für immer
so liebend spreche ich in meiner lust

und lege hand auf deiner augen glimmer
damit du nicht das elend sehen musst
dort geht die ewigkeit mit ihr ihr schimmer

*) aus: epilog – so â?¦ von ögyr:
http://www.tyrakus.com/wordpress/?p=5062

Beitrag vom 1 Januar, 2011 (18:03) | Autor: Walther | Rubrik: terrere est humanum? | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


weder noch wolf

4 Dezember, 2010 (05:19) | | terrere est humanum? | Kommentieren

denn der mensch ist dem
vöglein ein wolf,
und die schäflein zählt
er aus in ihr trock’nes.

das ist der katze kern:
der schwarze peter
liegt beim wolf,
dem weder noch widrig.

denn der wolf ist dem
menschlein das wort,
ein entkommen,
dem ankomm“ bekömmlich.

das ist dem wolfe fern,
drei wörtlein im nest,
stroh(feuer) der heimat, die
nannten wir liebe.

denn der vogel ist dem
wolferl das kätzchen
im kampf, auf dem baume,
und flügelt so flirr.

das ist der wolf im
stumm gebellten wort,
ein vogel am ast,
kätzchen der wörtliche grund.

video.poem

(für die sprachforscherin lilly, psychoanalytisch (@ g.day + 10 years))

Beitrag vom 4 Dezember, 2010 (05:19) | Autor: Jörg Meyer (oegyr) | Rubrik: terrere est humanum? | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Wie man vergibt

25 September, 2010 (11:52) | | lesung karlsruhe, terrere est humanum? | Kommentieren

Wenn es um Vergebung geht, fällt mir zuerst die Religion ein. In der Bibel ist die Vergebung der Sünden für die Gläubigen im Verhältnis zu Gott und zu den Mitmenschen geregelt: „Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern (Matthäus 6,12).“
Schlägt man die Tageszeitungen auf, gewinnt man den Eindruck, das Wort „Konfrontation“ ist in der Familie, zwischen gesellschaftlichen Gruppen wie unter Staaten der Vergebung weit vorangestellt.
Wieso ist das so? Die Konfrontation soll scheinbar Vorteile bringen. Jeder möchte sich durchsetzen. Raubüberfälle, Verkehrsunfälle und Familiendramen ziehen sich wie ein roter Faden durch das Tagesgeschehen. Wo bleiben die guten Nachrichten?
Die Medien berichten einseitig, sagen die einen. Die Menschen interessieren sich für negative Nachrichten mehr, sage unter anderem ich, und sie werden damit bedient.
Also beginnen wir beim einzelnen Menschen nach „guten Nachrichten“ wie der Vergebung zu suchen.

Die Vergebung
Haben Sie das auch schon erlebt? Etwas passiert und Sie werden wütend. So richtig wütend. Jemand tut Ihnen unrecht. Womöglich sitzt dieser Jemand am längeren Hebel und Sie können wenig unternehmen. Es gibt wenig schlimmeres als ohnmächtige Wut.
Ich kann mich erinnern, wie es bei mir war. Ein Administrator bei Wikipedia löschte die Seite „Hans-Jürgen John“ unter der Rubrik „Deutsche Schriftsteller“ mit allen Links und den Hinweisen auf meine Geschichten. Nun muss man wissen, dass Wikipedia ein Online-Lexikon ist, das von jederfrau und jedermann lektoriert und ergänzt werden kann.
Da kommt also einer daher und löscht den Hinweis auf die Arbeit von 17 Jahren. An und für sich kein Beinbruch. Doch dann sehe ich, dass das Löschdatum manipuliert ist. Es wurde auf den Januar 2007 rückdatiert. Wohl um eine ansonsten fällige Löschdiskussion in 2010 zu vermeiden.
Die Seite „Hans-Jürgen John“ war in 2010 noch Bestandteil von Wikipedia. Wenn mich jemand für so wichtig hält, dachte ich mir, dass er gleich solche Mittel einsetzt, dann fühle ich mich geehrt und halte den Vorgang immer noch für keinen Beinbruch.
Doch dann stellte ich mir vor, wie eine politische Gruppierung, die eigene Absichten verfolgt, mehrere Admins bei Wikipedia einschleust und so Ihre Sicht der Dinge quer durch alle Bereiche der Lexika durchsetzt. Geschichte könnte so umgeschrieben werden. Peu à peu und kontinuierlich. Kein Problem mittels Fälschung von Löschdaten und Vermeidung von Löschdiskussionen. Jetzt gehe ich auf die Barrikade. Ich beginne mit Buchstaben und Sätzen zu werfen.
Als ich mich vor Jahren beim Tage-bau als Textbauer bewarb und anmeldete, musste ich eine Kopie meines Personalausweises einsenden. Ich schreibe unter meinem Namen im Netz und ich stehe zu dem, was ich schreibe. Jemand, der über Jahre einige Tausend Wikipedia Seiten geändert bzw. gelöscht hat, darf dies unter einem anonymen Benutzernamen tun.
Inzwischen habe ich mich mit mehreren Themen aus der Sparte Lebenshilfe befasst. „Wie man liebt“. „Wie man Probleme löst und Ziele erreicht“. Und jetzt: „Wie man vergibt“.
Das hat mir gezeigt, dass über jeder Sache der Mensch im Vordergrund stehen muss. Es gibt nichts wichtigeres, als den Mitmenschen. Ich habe mich dazu hinreissen lassen, unbedingt die Identität des betreffenden Admins bei Wikipedia herausfinden zu wollen. Alles was ich jetzt im Rückblick sehe ist, dass ich einen Standpunkt hatte und den ohne Rücksicht durchsetzen wollte. Das war und ist falsch. Somit entschuldige ich mich hiermit bei diesem Admin bei Wikipedia und lasse die Sache auf sich beruhen. So sehr ich mich im Recht fühle. Ich bitte um Vergebung.
Das ist nicht leicht, merke ich. Das ist so, als würde man sich tief verbeugen und dem eigenen Schatten ins Gesicht sehen. Noch während man sich verbeugt, wird der Schatten plötzlich länger und länger. Und sobald man sich wieder aufrichtet, ist man wie befreit.

Das Vergessen
Kürzlich sah ich mir mit Freunden ein Geburtstagsvideo an. Es waren zwei Wochen seit der Feier vergangen. Die Menschen darauf lachten und waren fröhlich. Und obwohl ich bei dem Fest dabei war und den Film teilweise mit aufgenommen hatte, waren mir so viele, schöne Szenen dem Gedächtnis entfallen. Das ist wohl einer der Gründe, wieso ich schreibe. Mit einem Sieb als Gedächtnis ist man auf Papier und Bleistift oder das Notebook angewiesen.
Andere wiederum vergessen kaum etwas. Sie haben diese Fähigkeit, sich Menschen, Daten und Geschehnisse zu merken und können diese meist auch zeitlich zuordnen und abrufen. Welch eine Gabe, sage ich, der Vergessliche.
Dann gibt es noch die Ereignisse, die nicht vergessen werden dürfen. Die Erinnerung daran muss in den Köpfen der jungen Generationen wach gehalten werden, um zu verhindern, dass Sie sich wiederholen. Immer wieder denken wir an den Holocaust oder werden daran erinnert. Das ist gut so.
Religionen dienen vielen Menschen als Wegweiser. Sie dienen dem Wohl des Menschen und regeln die Einzelheiten im Miteinander und Zueinander. Religionen sollen kaum zwischen den Menschen stehen und falls die Erinnerung an den Holocaust zukünftige Freundschaften und ein Miteinander verhindert, ja Menschen heute noch gegeneinander aufbringt, dann ist das falsch. Der Blick zurück darf nicht den Blick nach vorne ersetzen.
Im täglichen Leben der Menschen untereinander ist die Vergebung die Mutter des Vergessens. Es mag wohl Zufall sein, dass hier der weibliche und der sachliche Artikel zum Vergleich passen. Die Vergebung, das Vergessen. Die Vergebung ist die Mutter des Vergessens. Erst wenn Sie vergeben können, dürfen Sie vergessen und Ihr Leben unbeschwert weiter führen.
Und ist es nicht so, dass wir im Arbeitsleben vom Alltag umschlungen sind wie von einer Python, deren Kopf sich dem umwundenen Opfer nähert und es hypnotisiert?
Erst im Alter, wenn die Gedanken weniger gehetzt klingen, kommt mit der Ruhe die Vergangenheit vorbei und setzt sich uns gegenüber an den Tisch. Sie isst das Gleiche wie wir, sie begleitet uns überall hin und lässt sich kaum abschütteln.
Bis wir erkennen: Die Vergangenheit ist ein Teil von uns. Sie beginnt uns ein Ereignis nach dem anderen zu servieren. Jeden Streit ohne Versöhnung, jede Ungerechtigkeit, jede Schuld. In manchen Fällen ist es dann zu spät, um um Vergebung und Verzeihung zu bitten. In anderen ist die Hürde, Stolz genannt zu hoch, um sie jetzt noch zu nehmen. Allerhand Ausreden fallen uns ein. Vielleicht ist der Betroffene längst weggezogen oder verstorben. Umso schlimmer. Für uns.
Sie kennen doch sicher diese grossen Vulkane, die zuerst unterirdisch schlummern, bis sich genügend Druck angesammelt hat und sie Asche oder Gestein oft kilometerweit in die Atmosphäre speien. Lassen Sie es bei sich nicht so weit kommen. Dinge, die unerledigt sind, lagern in ihrem Unterbewusstsein und blockieren Ihre Lebenslust. Ihr Bewusstsein serviert Ihnen dann die betreffenden Ereignisse immer wieder – bis Sie Ihre Hausaufgaben gemacht haben.

1.Regel: Machen Sie den ersten Schritt und legen Sie Streit bei.

Es ist zu Ihrem Vorteil, wenn Sie vergeben. Es kommt zu einer Aussprache, Missverständnisse werden ausgeräumt. Vielleicht hegen Sie einen Groll gegen jemanden, der unberechtigt ist. „To know all ist to forgive all“ – „Alles zu wissen, bedeutet alles zu vergeben“ hat einmal ein weiser Mann gesagt. So oder so. Führen Sie eine Entscheidung herbei.
Was hat denn nun das eingangs erwähnte Vergessen mit Vergebung zu tun? Wenn Sie jede Ungerechtigkeit im Gedächtnis behalten, wird es schwer für Sie zu vergeben. Sie fühlen sich im Recht. Das ist der grösste Hinderungsgrund für die Beilegung von Streit. Das Recht haben wollen, möglichst mit Urkunde und Urteil vom Gericht. Und so wird mit Anwälten und Gutachtern gestritten, bis entweder das Geld ausgeht, die Gegenseite gewinnt oder die letzte Instanz erreicht ist.

Das Verständnis
Die Vergebung ist die Mutter des Vergessens. Unser Kopf ist wieder frei für Neues. Untrennbar zu dieser Familie gehört das Verständnis. Wie soll ich jemanden verstehen, der gegen mich vorgeht, der mich verletzt, der mir schadet? Versetzen Sie sich in Ihr Gegenüber. Wie kommt wohl Ihr Verhalten bei dem anderen an? Egal, ob es sich um Beziehungsstreit, Nachbarschaftskonflikte oder Spannungen zwischen Staaten handelt. Versuchen Sie das Verhalten Ihres Gegenübers zu verstehen und Sie werden Lösungen finden, um Konflikte aufzuweichen.

2.Regel: Versetzen Sie sich in Ihre Mitmenschen und versuchen Sie zu verstehen.

Beitrag vom 25 September, 2010 (11:52) | Autor: Hans Juergen John | Rubrik: lesung karlsruhe, terrere est humanum? | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Man sagt

20 April, 2010 (18:45) | | terrere est humanum? | Kommentieren

Man sagt, der Kritiker, der fischt im Trüben,
Die Worte – seine! – böse, abgefeimt,
Wenn er zerpflücke, was man schreibt und reimt,
Weil Kunst von Können komme und vom Üben!

Er schwärmt vom Rhythmus, der, perfekt getimet,
Den Text nach vorne treibe, weich, in Schüben:
Die armen Dichter will er nicht betrüben!
Viel lieber hätte er sich eingeschleimt,

Er hat es nicht mit Unwahrheit und Lügen:
Vielleicht hat er das Nettsein doch versäumt,
Um seinem Ziel, der Klarheit, zu genügen!

Ein letztes Mal hat er sich aufgebäumt.
Er wird sich in sein Schicksal endlich fügen:
Ein Muster ohne Wert wird weggeräumt.

Beitrag vom 20 April, 2010 (18:45) | Autor: Walther | Rubrik: terrere est humanum? | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Drache, aus!

1 April, 2010 (20:14) | | terrere est humanum? | Kommentieren

Es speit der alte Drache furchtbar Feuer,
Es reitet ihn die Wut, so grenzenlos.
Die Angst, die sich verbreitet, kalt und groß,
Sie ist es selbst, das böse Ungeheuer!

Der Drache führt mit seinem Schwanz den Stoß,
Es bröckelt, als ob’s Sand wär‘, das Gemäuer.
Er malmt die Hauer wie ein Wiederkäuer
Und brüllt, als wär die blanke Hölle los.

Es hilft kein Flehen, Winden, Bitten, Betteln:
Ergreift das Schwert, der Schneide heller Blitz,
Und lasst sie rasen, statt euch zu verzetteln.

Den Drachen greift man an, ganz ohne Witz:
Es sterben ohne Gegenwehr nur Vetteln.
Die Helden rufen: Drache, aus! Jetzt sitz!

Beitrag vom 1 April, 2010 (20:14) | Autor: Walther | Rubrik: terrere est humanum? | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Zu seiner Schlachtbank

24 März, 2010 (19:26) | | lug & trug, terrere est humanum? | Kommentieren

Zu seiner Schlachtbank sollte man es führen,
Das Osterlamm, so zart und weiß und fein.
Da will ein junges Blut vergossen sein.
Es darf das Sterben, fließend, selig spüren.

Hier liegt es jetzt, ganz tot und still und klein.
Man wird es bald zum Festtagsbraten küren.
Man möchte seine Stirne sanft berühren
Und denkt, das ganze Spiel ist hundsgemein.

Der Sonntag ist ein Wandern in Spalieren,
Die blauen Bänder flattern in dem lauen Wind.
An Ostern werden wir das Lamm verlieren,

Der volle Bauch danach bringt Trost geschwind.
So geht es Lämmern, Menschen wie auch Tieren:
Die Freude kommt, wenn sie gegangen sind.

Beitrag vom 24 März, 2010 (19:26) | Autor: Walther | Rubrik: lug & trug, terrere est humanum? | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Wenn man euch lässt

21 März, 2010 (16:33) | | terrere est humanum? | Kommentieren

Die Nacht: Sie strahlt im wilden Sterngefunkel,
Die Kälte setzt sich in den Haaren fest.
Im Hintergrund tost schwarzes kaltes Dunkel:
Ihr müsstet Herren sein, wenn man euch lässt.

Behindert durch ein ständiges Geplänkel,
Das Leben sei ein immerlautes Fest,
Sagt ihr und schlagt euch auf die schlaffen Schenkel:
Ihr könntet Sieger sein, wenn man euch lässt.

Die Sonne überstrahlt den ganzen Dünkel,
Mit dem ihr euch behängt, und auch den Rest
Bescheint sie hell bis in den letzten Winkel:
Ihr dürftet Götter sein, wenn man euch lässt.

Er überhaucht das irdische Gemunkel,
Der fahle Mond, weil ihr das gern vergesst:
Gefährlich unnütz seid ihr wie Furunkel
Und würdet Mörder sein, wenn man euch lässt.

Beitrag vom 21 März, 2010 (16:33) | Autor: Walther | Rubrik: terrere est humanum? | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Zuckerschlecken

6 Februar, 2010 (20:35) | | alptraum/ego.wunde, lug & trug, tage-bau, terrere est humanum? | Kommentieren

Was soll das Geschrei bezwecken?
Sterben nicht die letzten Recken?
Sag es laut und ohne Schmu:
Gutes geht, die Tür fällt zu.

Narr zu sein – kein Zuckerschlecken:
Ehrlichkeit ist am Verrecken.
Wer noch sagt, was er sich denkt,
Wird am nächsten Ast gehenkt.

Den, der’s wagt, laut anzuecken,
Wird man in die Klapse stecken:
Geh mit Gott, geh in den Tod,
Halt den Mund, willst du vom Brot.

Achte drauf, dich zu verstecken,
Züngle nicht beim Ärschelecken:
Nimm nichts ernst, doch zeig es nicht.
Schweigen ist die höchste Pflicht.

Was will dein Geschrei bezwecken:
Enden nicht zuerst die Kecken?
Böses kommt, die Tür geht auf.
Stell dich nicht in seinen Lauf.

Beitrag vom 6 Februar, 2010 (20:35) | Autor: Walther | Rubrik: alptraum/ego.wunde, lug & trug, tage-bau, terrere est humanum? | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


augustmond

12 August, 2009 (17:12) | | terrere est humanum? | 3 Kommentare

langsam ist es
abend geworden
heute war nicht viel
zu schaffen
dennoch
brennende augen
satte gedanken
taube finger auch
von den schnippelbohnen
grün
über den brillenrand
nachbars nussbaum

als ich später
vor der haustür stehe
riecht es nach
herbstfarben

sie lassen meinem
mohnbefleckten weizenfeld
nur noch die stoppeln
dreschen
auf teufelkommraus
so lange bis
sich im mondlicht
erster tau
zwischen die halme
legt

ein stern
glimmt auf
kaum auszumachen
mit brennenden augen
und mein lächeln
schwingt sich
mutig
mit dem nachtwind
auf und

zu dir

Beitrag vom 12 August, 2009 (17:12) | Autor: Ramona Linke | Rubrik: terrere est humanum? | Beitrag drucken Beitrag drucken | (3) Kommentare


Auf dem Weg

21 Mai, 2009 (19:44) | | terrere est humanum? | Kommentieren

An des Tales weiter Flanke
Rundet sich ein schmaler Weg.
Ist es, dass sich mein Gedanke
Den ich schon seit Tagen heg,

Hier verflüchtigt und enthebt?
Ich klag stumm, ich leide, schwanke:
Ist dies Leben schon gelebt?
Drüben steht sie, jene schlanke,

Buche: Zu ihr drängt mein Schritt.
Hier will ich für heute rasten.
Doch die Sorgen rasten mit.
Es muss aufhör’n, dieses Hasten.

Auszeit, um die ich so bitt‘,
Sie soll helfen und entlasten.
Alles, was ich je erstritt,
Auch die Chancen, die verp.r.assten,

Stürzt ins Nichts, die Welt zerfällt.
Birgt der Blick über die Felder,
Der das Aug‘ in Ruhe hält,
Und das Grün der hohen Wälder

Meine Rettung tief in sich?
Frühlingsboten, Glücksvermelder,
Zwitschern, freu’n sich königlich,
Pfeifen auf Verlust und Gelder,

Machen sich ’nen schönen Lenz.
Ich hör zu, tief in Gedanken.
Wer es sehen will, erkennt’s:
Es nützt nichts, mit sich zu zanken.

Beitrag vom 21 Mai, 2009 (19:44) | Autor: Walther | Rubrik: terrere est humanum? | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Orpheus Arm ist so kurz

25 April, 2009 (18:51) | | terrere est humanum? | Kommentieren

Orpheus Arm ist
So kurz heute
Die Zeitkaskaden stürzen
Durch mein Schwarz
Hindurch

Und ich lehne
An dünnen Wänden
Die stöhnend sich beulen
Zum Hades hin
Der Nachen wartet immer

Der Kirschbaum
Hat sich geschüttelt
In kaltem Dunkel
Benetzt im Gras
Schlafen seine Blütenblätter

Als sei rosa
Die Farbe des Lebens
Als sei Tau
Regen
Starre ich ins Umrahmte

Bild des Frühlings
Welch fader Traum
Durchwachter Nacht
Schlafes Bruder
Der Auflöser

Fahlweiß
Verblichen
Liegen da auch schon Magnolienblüten
Drin suhl ich mich
Zwischen Tag und Nacht

Beitrag vom 25 April, 2009 (18:51) | Autor: Walther | Rubrik: terrere est humanum? | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


ohne ein wort

20 März, 2009 (10:03) | | terrere est humanum? | Kommentieren

ungefragt
legst du ihr
die hand auf
den mund
und dich

dermaßen schwer

bis hin
zu jenem atem
los
so viele hände
abgewehrt
ohne zu schreien
schweißgebadet
ausgeharrt
zum morgen hin
nur
leere
traurigkeit

die stiege hinab

ein hauch
kühle

wind im rücken
und grelle sonne

ohne gesicht

Beitrag vom 20 März, 2009 (10:03) | Autor: Ramona Linke | Rubrik: terrere est humanum? | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


nachtfarben

28 Februar, 2009 (15:04) | | terrere est humanum? | Kommentieren

sie legt sich
zweigeteilt
ins kobaltblau
neben ihren zorn
ganz achtsam
unter das scharlachrot
des baldachins
jener grundlosigkeiten
leise
reicht ihr endlichkeit
den schlummertrunk
aus ungesagtem
vergorenem
gestern
wäre grad recht
und warm
schillern regenbogen
zwischen ihren wimpern

Beitrag vom 28 Februar, 2009 (15:04) | Autor: Ramona Linke | Rubrik: terrere est humanum? | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


nebelsud

4 Februar, 2009 (13:27) | | terrere est humanum? | Kommentieren

sie gehen mir
nach
die wenigen
oktoberstunden
mit dir
in schlaflosen nächten
durch vermalte
tage
glaubte ich
gefunden
zu haben
was eigentlich nicht darf
doch schön und gut
nie sollte nichts
zwischen uns
waldgeküsst
auf rotweinlippen
ging
die rechnung
nicht auf
und davon
gekommen
ist keiner
außer ein schmerz
den die sehnsucht
nährt

Beitrag vom 4 Februar, 2009 (13:27) | Autor: Ramona Linke | Rubrik: terrere est humanum? | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Fest im Griff

13 Dezember, 2008 (17:25) | | terrere est humanum? | Kommentieren

Es weihnachtet mit voller Wucht,
ein jeder nach Geschenken sucht “
hetzt herum mit großen Taschen,
um die Schnäppchen zu erhaschen.

Der Winterwald liegt leicht verschneit,
die Tännchen stehen startbereit “
Mensch schafft und kocht, macht klinisch rein,
selbst abends noch bei Kerzenschein.

Von überall tönts „Stille Nacht“,
kaum einer, der im Stress noch lacht “
selbst Oma hält jetzt wacker Schritt,
rackert und wienert tüchtig mit.

Und ist es endlich dann soweit,
Bescherung, Frohe Weihnachtszeit! “
Sind alle fertig mit der Welt,
man Sattsein für Besinnung hält.

Beitrag vom 13 Dezember, 2008 (17:25) | Autor: Ramona Linke | Rubrik: terrere est humanum? | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Flockenwirbel

24 November, 2008 (19:18) | | terrere est humanum? | Kommentieren

In Flocken fällt der Himmel nieder,
lässt staunen dich, macht weich die Welt.
Schaust aus dem Fenster immer wieder “
und der Himmel sinkt hernieder.

Es schwärmt ein Hauch von dunklem Flieder,
der sich zu deinem Traum gesellt “
in Flocken fällt er leicht hernieder,
der einst dich auf den Kopf gestellt.

Beitrag vom 24 November, 2008 (19:18) | Autor: Ramona Linke | Rubrik: terrere est humanum? | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Gedanken (6)

11 November, 2008 (11:12) | | lesung karlsruhe, terrere est humanum? | Kommentieren

Paul ließden fremden Körper über die ferngesteuerte Bahre ins Wasser gleiten. „Ich hätte die Kiemen früher entdecken sollen.“ Er klang bedrückt.
„Danke für die Unterstützung.“ Jo wandte sich an ihre Besatzung, die sich nacheinander zurückzogen. Nur Paul blieb. „Was hätte ich denn tun sollen?“
Der leblose Körper sank auf den Grund des Beckens zu. Sie sah dabei zu und spürte einen Klos in ihrem Hals wachsen.
„Jo? Bitte! Ich hatte doch keine Ahnung, keine Vermutung was diesem Ding gefehlt hat.“
Sie nahm einen tiefen Atemzug und starrte Paul an, „Kannst du nicht wenigstens jetzt aufhören, ihn als Ding zu bezeichnen?“
„Entschuldige bitte. War nichtâ?¦“
„Verschwinde!“
„Aber Jo! Ich â?¦“
„Verschwinde!“, brüllte sie. Paul erschien ihr plötzlich wie ein Parasit, der ihr die Luft zum Atmen raubte.

Endlich war sie allein. Allein mit dem Fremden, den sie zu retten, nicht in der Lage gewesen war. Ohne darauf Einfluss zu nehmen rannen ihr die Tränen übers Gesicht. Sie war doch sonst viel härte im Nehmen. „Verdammt, ich fühle mich so mies. Ich habe dein Leben auf meinem Gewissen.“ Ihr Magen krampfte sich zusammen, als ihr Versagen ihr bewusst wurde. Müde kniete sie sich an den Beckenrand, sah auf den Körper dort unten im Wasser, auf die Spiegelung des Lichtes und wieder auf seinen Körper. Seine Arme trieben leicht angewinkelt auf dem Grund, so dass sie die Kiemen unter den Achseln sehen konnte. Die Öffnungen gingen auf und zu. Es musste sich um eine optische Täuschung handeln. Gebannt starrte sie auf die Kiemenöffnungen. „Ich weißnicht einmal deinen Namen.“ Sie ging seitlich an das Becken heran. Eindeutig konnte sie die Kiementätigkeit erkennen.
„Agimar“, sagte jemand leise zu ihr.
„Du lebst?“ Von unendlicher Erleichterung befallen schloss Jo für einen Augenblick die Augen.
„Langsam kehre ich zurück.“ Nach einem stillen Moment hörte sie, „Danke – Danke für mein Leben!“

Beitrag vom 11 November, 2008 (11:12) | Autor: Angela Planert | Rubrik: lesung karlsruhe, terrere est humanum? | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Gedanken (5)

6 November, 2008 (08:36) | | lesung karlsruhe, terrere est humanum? | Kommentieren

Auf dem fremden Schiff hatte Jos Besatzung zwei Metallplatten im Boden gefunden, nur keine Mechanik, um sie zu öffnen.
„Das ist es.“ Sie konnte das Wasser darunter beinah riechen. „Ein Knopf, eine Fernbedingung, irgendetwas muss es hier doch geben.“ Die Uhr tickte in ihrem Inneren. Sie wusste, viel Zeit blieb nicht, um den Fremden zu retten.
„Das Einzige, was ich gefunden habe, ist das hier. Sieht einem Mikro ähnlich, aber es reagiert auf unsere Sprach vermutlich nicht.“ Einer ihrer Männer wies auf die Wand.
„Auf unsere Spracheâ?¦“, wiederholte Jo. Der Fremde sprach von telepathischen Fähigkeiten. Funktionierte es vielleicht mit Telepathie? In ihren Gedanken schoben sich die beiden Bodenplatten zur Seite – nur in der Realität nicht.
„Wir müssen es manuell öffnen, notfalls mit einem gezielten Sprengsatz“ beschloss Jo.
„Unmöglich, Käpnt!“ Der erste Offizier schüttelte energisch den Kopf. „Dieses unbekannte Metall könnte eine Katastrophe auf unserem Schiff auslösen. Wollen sie das wirklich riskieren?“
„Nein, natürlich nicht.“ Jo war nach einem zornigen Schrei zumute. Mehrmals musste sie ihre Hilflosigkeit hinunterschlucken. Dieser Fremde hatte sie um Hilfe gebeten und sie sah sich nicht in der Lage eine dämliche Luke zu öffnen. Sie legte ihre Hand auf das runde mikroähnliche Gitter an der Wand. Seine Stimme halte in ihren Ohren „Wasser! Bitte, ich muss ins Wasser zurück“
„Käpnt! Ich habe einen blauen Knopf hier unten gefunden!“
Jo drehte sich zu ihrem Offizier um. Die beiden Platten schoben sich kaum hörbar unter dem Boden zur Seite. Licht flackerte auf und beleuchtete kurz darauf ein wassergefülltes Becken von ungefähr zwei mal sechs Metern.
„Ausgezeichnet.“ Hoffentlich war es noch nicht zu spät. Sie nahm ihr Funkgerät zur Hand, „Paul? Bring ihn her.“
„Jo! Es tut mir Leid. Er ist tot.“
„Bring ihn her!“ Jo schloss kurz die Augen. Paul verfügte über dieser unbekannten Lebensform keinerlei Erfahrung. Diese geringe Chance war sie dem Fremden schuldig und wenn dieses Wasserbecken seine letzte Ruhestätte sein sollte.

Beitrag vom 6 November, 2008 (08:36) | Autor: Angela Planert | Rubrik: lesung karlsruhe, terrere est humanum? | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


wie-der zu-fall

5 November, 2008 (14:59) | | terrere est humanum? | Kommentieren

du stehst vor ihr
es ist
als würden welten
verstummen

tausend sonnen
scheinen
zu bersten

wie lange
mag es her sein

es wär“ eine lüge
zu sagen:
du hast dich
nicht verändert

nein
nicht wirklich älter
anders

und noch immer
schmetterlinge
unter dem schnee

in grund und boden
gelächelt
schaut sie dich
an
verlegen
mit hängenden armen

wie lange
es auch her sein mag

komm
lass uns

beginnen

Beitrag vom 5 November, 2008 (14:59) | Autor: Ramona Linke | Rubrik: terrere est humanum? | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Gedanken (4)

2 November, 2008 (12:41) | | lesung karlsruhe, terrere est humanum? | Kommentieren

Das war kein Traum. Dieser Fremde lag im Sterben und suchte, mit welchem Trick auch immer, den Kontakt zu ihr. Es lag allein in ihren Händen den Fremden zu retten. Von diesem Gedanken besessen eilte sie hinaus. Auf dem Frachtschiff musste es Wasser geben. Der Frachtraum! Hatte nicht der erste Offizier behauptet dort Wasserreste gefunden zu haben? Jo spürte die Anspannung in sich wachsen, während sie sich auf dem Weg zu dem fremden Schiff befand. „Ins Wasser zurückâ?¦“ halte die Stimme ihr im Ohr. Menschliches Leben im Wasser? Eine Art Amphibienmensch, der vielleicht sogar über Kiemen verfügte? Der Laserscanner konnte unter diesen Umständen keine bekannte Lebensform definieren. Jo suchte auf dem Schiff nach Hinweisen, nach einem gefüllten Wassertank oder Ähnlichem. Sie holte sich über Funk Unterstützung.
Inzwischen standen ihr fünf Helfer zur Seite, doch keiner fand auch nur einen Anhaltspunkt, der Jos Vermutung bestätigte. Sie musste erneut mit ihm in Kontakt treten.

Paul hantierte hektisch an dem Fremden herum, als Jo die Krankenstation betrat. „Jo, sieh dir das an.“ Paul hob die Hand des Fremden hoch, spreizte die Finger auseinander. Jo stockte der Atem. Sie hatte also Recht gehabt. Zwischen den Fingern entfalteten sich durchsichtige Schwimmhäutchen, ebenso zwischen den ungewöhnlich langen Zehen.
„Wo finde ich das Wasser?“, dabei sah sie in das regungslose Gesicht.
„Wasser? Wieso Wasser? Was soll die Frage?“ Paul fühlte sich angesprochen.
„Ich frage ihn.“
„Ihn?“ Pauls Blick wanderte auf den Fremden, dann wieder in Jos Gesicht zurück. Er nahm sie bei den Schultern. „Seit er hier ist, war er nicht ansprechbar. So faszinierend dieses Ding auch sein mag. Es stirbt!“
„Er ist kein Ding!“ Jo stießPaul zur Seite. Sie nahm die rechte Hand des Fremden. „Ich ahne, deine Kraft geht zu Ende. Aber ohne dich werde ich das Wasser nicht rechtzeitig finden.“ Jo wagte kaum zu atmen. Seine Stimme war vermutlich jetzt ganz leise. Es blieb still.
„Du bist überarbeitet.“ Paul drängte sich vor Jo. „Wir haben alles getan, was in unserer Macht stand. Es ist vorbei.“
„Gar nichts ist vorbei!“ Die Wut über ihre Hilflosigkeit wurde laut, „Er muss ins Wasser zurück. Verstehst du? Er trocknet hier aus!“
„Jo! Ich habe ihn mit Kochsalzlösung versorgtâ?¦“
„Och! Du begreifst gar nichts!“ Sie musste Paul handfeste Beweise liefern. Sie legte ihre Hände auf den Hals des Fremden und strich hinunter bis zum Bauch. Seine Haut fühlte sich ungewohnt, gleichzeitig aber reizvoll an. Erneut legte sie die Hände auf die Schultern und fuhr die Rippen entlang.
„Was tust du da?“ Paul sah sie verdutzt an.
„Irgendwo müssen die â?¦“ Da, endlich hatte sie die Eingänge gefunden. Eine Handbreit unter den Achseln, an der Seite lagen die Öffnungen der Kiemen. „Hier Doktor! Vielleicht begreifst du jetzt, dass er ins Wasser zurück muss.“
„Käptn!“ meldete sich ein Offizier, „Das Frachtschiff hat einen geheimen Raum, aber wir können ihn nicht öffnen.“
„Ich bin unterwegs.“ Jo sah Paul in die Augen. „Wie müssen Zeit gewinnen. Lass Dir was einfallen, aber lass ihn nicht sterben.“

Beitrag vom 2 November, 2008 (12:41) | Autor: Angela Planert | Rubrik: lesung karlsruhe, terrere est humanum? | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


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