Beiträge zu alptraum/ego.wunde

Los gezogen

26 November, 2012 (21:25) | | alptraum/ego.wunde | Kommentieren

Du stellt dir eine Lebensfrage, die
Dich nahe an den Rand führt des Verstehens:
Ganz aufgewühlt bist du von des Vergehens
Wahrscheinlichkeit und fürchtest dich wie nie.

Man hält vor dich zwei Lose und sagt: Zieh!
Du greifst rasch zu, und, voller stummen Flehens,
Entrollst du das Papier. Der Akt des Drehens
Und Reißens am dünnen Ring, die Blasphemie

Des Fluchs verstummt, als er sich endlich löst,
Lässt dir den Schweiß ins linke Auge rinnen.
Als du die Atemluft hinaus als Seufzer stößt,

Kommt bloß ein Pfeifen, rasselnd, wie von Sinnen.
Du liest, die Angst hat dir das eingeflößt:
Noch nicht! steht da, doch wirst du nicht gewinnen.

Beitrag vom 26 November, 2012 (21:25) | Autor: Walther | Rubrik: alptraum/ego.wunde | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


probeschuss

13 Oktober, 2012 (06:14) | | alptraum/ego.wunde | Kommentieren

(„lern! denk! schieß“, ögyr 1989)

august 1914 nach september 1870
november 1918, 15. januar 1919
november 1989 vor oktober 1990

september 1939 nach november 1938
juni 1941, 20. januar 1942 am wannsee
9. september 2001 und folgende kreuzzüge

herbst 2007
herbst 1977, köln, mogadishu, stammheim
herbst jetzt:

ich ziele über die kimme der geschichte,
scharfgeschützter nobelpreismitträger,
seit 5uhr45 zurückschießend

Beitrag vom 13 Oktober, 2012 (06:14) | Autor: Jörg Meyer (oegyr) | Rubrik: alptraum/ego.wunde | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


nacht gesänge

4 Oktober, 2012 (20:24) | | alptraum/ego.wunde, lug & trug, netz@uge.nblick | Kommentieren

du triffst den barden dort am fenster laden
wo er ein liedchen trällert li la ley
ein vöglein hat was ist denn schon da bey
ins ohr gezwitschert & in schoko laden

gezahlt was dir an herzes schmerzen ey
jey jey das selbige zerbrach die waden
bestrumpft so macht frau das in eskapaden
der aus bruch aus dem schalen einer ley

der barde lächelt zynisch zupft die leyer
damit mit tönen über tönt sie ruhe hat
die arme seel dir geht das auf den seyer

du schlägst des barden nase breyt & platt
& siehst im laden dort am leeren fenster
um rahmt den nachtkrapp tanzen & gespenster

Beitrag vom 4 Oktober, 2012 (20:24) | Autor: Walther | Rubrik: alptraum/ego.wunde, lug & trug, netz@uge.nblick | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


die pest kommt durch die hintertür

30 September, 2012 (17:19) | | alptraum/ego.wunde | Kommentieren

die pest kommt durch die hintertür
ach blieb sie fort die pest
wenn man herein sie lässt
dann kann die gute nichts dafür

die beulen schwilln es schwillt der bauch
der atem geht so schwer
der arme rasselt sehr
& mit dem sterben klappts bald auch

die stirne trägt den schweiß
mit stolz der kopf er platzt ganz heiß
die wickel solln doch kühlen

man kann den tod schon fühlen
& wird im k(r)ampf das bett zerwühlen
dann öffnet sich der steiß

Beitrag vom 30 September, 2012 (17:19) | Autor: Walther | Rubrik: alptraum/ego.wunde | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


winter liebe geherbstet

7 September, 2012 (20:22) | | alptraum/ego.wunde, herz & lenden, netz@uge.nblick | Kommentieren

du trafst in mir die eine wunde saite
die dieser wehe ton zum klingen bringt
& wie der darm in den frequenzen schwingt
die trauer heißen wie ich uns bereite

die statt auf der die liebe lauter singt
& wie ich uns des letzten hemds entkleide
um ruhend da zu liegen wo wir beide
umklammern das was uns zusammen bringt

du sangst wie wenn noch nie gesungen
noch nie geliebt geworden wäre da
bin ich in dir versunken & verklungen

wir waren weit entfernte uns so nah
dann habe ich das tuch ganz ausgewrungen
& ihm den tropfen liebe abgerungen

Beitrag vom 7 September, 2012 (20:22) | Autor: Walther | Rubrik: alptraum/ego.wunde, herz & lenden, netz@uge.nblick | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


kindisches lied

17 August, 2012 (08:10) | | alptraum/ego.wunde | Kommentieren

ein kummerkasten aus brombeer-
gestrüpp und brennnesselsplitter,
dornengekrönt vom abend-
abschied, der in das

stanniol windstill-
schüchterner see, gerahmt
von astrippbleiche,
mit dem schallstift sein

hoppehoppereiter schreibt.
denn wenn er fällt, dann
schreitet er kimmenwärts,
auf den peu à peu einbruch

der dunkelheit hin-
übergebeugt schon, wie ein
waschweib bückt sich
unter leinenlos und linnen

unartiger, die kehrwöchnernd
einfällt in die kuschend
gewendeten wände meiner xxx-
beinig gebreiteten hütte,

das innerste zum äußersten
zu wringen, das stroh zu besen
zu binden und die spreu
im weizen zu ersticken.

ein welken ächzt dann
zwischen grünem grauen poe
à poe the pitty and the perpenpickel
und prügelt mich zum nachtgebet.

video.poem

Beitrag vom 17 August, 2012 (08:10) | Autor: Jörg Meyer (oegyr) | Rubrik: alptraum/ego.wunde | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


abschiedsgesang

26 Juli, 2012 (20:37) | | alptraum/ego.wunde, netz@uge.nblick | Kommentieren

zum tode von susanne lothar

du trittst aus einem dunkel an das licht
& weißt das bist du nicht
das kannst du niemals sein
du machst dich kleiner kleiner noch als klein

du formst dich um und um
& redest dich um alles legst dich krumm
entkleidest dich bis auf den letzten kern
gelitten zeigst du gern

denn das geschenk war deine umverwandlung
das außen das ein innen
zu sein schien schwebend in der fremden handlung

doch konntest du gewinnen
so ohne den der dich erst ganz gemacht
er musste zu früh gehn dir blieb die nacht

Beitrag vom 26 Juli, 2012 (20:37) | Autor: Walther | Rubrik: alptraum/ego.wunde, netz@uge.nblick | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


weißt du

24 Juli, 2012 (16:32) | | alptraum/ego.wunde, lug & trug, rausch (zustände) | Kommentieren

ach weißt du nein du weißt ja nichts & nichts
hast du verstanden zu verstehn wärs leicht
gewesen hättest du die hand gereicht
du gabst mir eine seite des gesichts

nur die mir abgewandte scharf geschnitten
im licht des abendrots zur nacht gedreht
die wunden offen heilung war verweht
weil uns die bösen teufel ruchlos ritten

die seite mit dem schwarzgestrichnen lid
das hassvoll zuckend in die tränen biss
sie war es die ich vorher immer mied

weil sie mich aus den kühnsten träumen riss
es gäb ein morgen nach dem schwarz der wacht
ich sah es wie du gingst du hast gelacht

Beitrag vom 24 Juli, 2012 (16:32) | Autor: Walther | Rubrik: alptraum/ego.wunde, lug & trug, rausch (zustände) | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


die letzten der laternen

23 Juli, 2012 (14:22) | | alptraum/ego.wunde, terrere est humanum? | Kommentieren

du trittst an dieser schwelle in die nacht
& schwarz umgibt dich wie ein schwerer mantel
die angst umspinnt dich still & die tarantel
weiß sehr genau wann sie dich sticht gedacht

hast du als du dich löstest dies gegrantel
das magst du nicht mehr hören angefacht
von heißer wut hast du dich aufgemacht
& bist gesprungen wie der sparrenfantel

als gäbe dieser irrwitz einen sinn
nun streifst du durch das nichts einsam zu fernen
den ganzen stolz im vorgestreckten kinn

im dunkel blinkt das weiß von kalten sternen
du stürmst schon stolpernd weiter drüber hin
verloschen sind die letzten der laternen

Beitrag vom 23 Juli, 2012 (14:22) | Autor: Walther | Rubrik: alptraum/ego.wunde, terrere est humanum? | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


dass dus mit mir wagst

16 Juni, 2012 (13:01) | | alptraum/ego.wunde, herz & lenden | Kommentieren

sag schenkst du mir den letzten atem zug
ich schenke dir mein aller letztes wort
besuch mit dir den letzten dunklen ort
frag bist du mir ja bin ich dir genug

ich möchte mit dir flüchten aus nicht nein
mit dir nur will ich sein & das allein
spazieren gehn im sonnen monden schein
& ein fach end los schmalzig dein halt sein

die zweifel wolln mich unter sich begraben
wir können leicht am welken äußern schaben
& werden nicht ins innre zwei sam dringen

ach sag mir bloß nicht was du denken magst
sag lieber dass dus mit mir mit uns wagst
dies leben irgend wie zu end zu bringen

Beitrag vom 16 Juni, 2012 (13:01) | Autor: Walther | Rubrik: alptraum/ego.wunde, herz & lenden | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


linkes logo

3 Juni, 2012 (04:37) | | alptraum/ego.wunde | Kommentieren

den punkt, den ihr setztet, genossen, hinter den namen,
den pfeil überm i, nach links zwar, aber weisend
wie rückwärts zu wissen und welten, noch ungeklärt,
als wäre die losung „vorwärts!“ älter und schon

vergessen die eltern, gedrückter ins ärmste der armen,
denen ihr brot nicht rot ist, doch nüchtern entgleisend,
derweil ihr kämpftet, darum euch nicht geschert
und teiltet zu solchen opfern der sieger lohn.

ich, einst euer und treuer und trauernd genosse,
applause all jenen beschlüssen der großen partei,
denn denen bin ich und will noch sein ihr sprosse,

dem singen die alten und neuen und kämpfenden lieder
von theorie in der praxis einerlei
verderben, wo wir sind wie dieses wieder.

spoken.poem

Beitrag vom 3 Juni, 2012 (04:37) | Autor: Jörg Meyer (oegyr) | Rubrik: alptraum/ego.wunde | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


„Himmel auf!“ (Silbermond)

26 Mai, 2012 (20:48) | | alptraum/ego.wunde, haut.falten/masken.wahn, rausch (zustände) | Kommentieren

mach den himmel auf gerufen
& auf echo gewartet als gäbs
nicht mehr als einen remix aus
hoffnungslosigkeit aus schatten

boxen dröhnen bass vibes als
wäre leben nichts anderes als
ein bpm spielchen als

drehte sich die welt wie vinyl
scheiben & wäre scratching
das was zu sagen bliebe

gib speed baby lass die drum
beats raus & hau den her.t.z
schlag weg bis ich nichts mehr
spür mach den himmel auf

hey lass uns stagediven die
hände werden uns schon tragen
die wir selbst nicht ertragen

können der base blast soll die
stimme wegmoduliern die sagt
dass die hölle aufgeht wenn

die lichter ausgehn & der himmel
leer ist die base drum ist der
rhythmus der uns tanzen lässt
wann reißt der himmel auf baby

Beitrag vom 26 Mai, 2012 (20:48) | Autor: Walther | Rubrik: alptraum/ego.wunde, haut.falten/masken.wahn, rausch (zustände) | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Unterste Schublade

15 Mai, 2012 (14:51) | | alptraum/ego.wunde, herz & lenden, lug & trug | Kommentieren

Du sagtest diesen einen Satz:
„Komm, geh zur Seite, Schatz, mach Platz,
Weil Neues kommt und Altes endet!“
Ich sah dich an. Nur eine Träne,
Das war es, wie ich hier erwähne.
So rasch hat sich ein Blatt gewendet,

Wird umgeblättert, abgelegt,
Erledigt, einfach weggefegt.
Ich stand und fühlte mich benommen.
Die Worte klangen wie ein Sirren,
So gerne wollte ich mich irren,
Da ist er schon hereingekommen,

So jung, so schlank, so schön, so rank.
„Auf Wiedersehen, vielen Dank!“
Verschenkte ich die beste Stimme,
Die ich an diesem Tage hatte.
Gedacht hab ich: „Du feige Ratte,
Hast Glück, dass ich Euch nicht vertrimme!“

Beitrag vom 15 Mai, 2012 (14:51) | Autor: Walther | Rubrik: alptraum/ego.wunde, herz & lenden, lug & trug | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Gebrandmarkt

14 März, 2012 (16:45) | | alptraum/ego.wunde, lug & trug, rausch (zustände) | Kommentieren

Du trittst an mich heran, kommst mir zu nah,
Die Hitze, die aus Dir kommt, will verbrennen.
Ich will Dich, muss Dich einen Engel nennen:
Die Hölle wäre es, wärst Du nicht da.

Und doch: Ich scheine Dich nicht zu erkennen,
Ich bin mir fremd, Du wirst mir fremd, und, ja,
Du gehst mir fremd und lässt die Scherben da
Für mich, darauf zu gehen, anzurennen,

Die Wände zu bedauern und die Fragen.
Die Scherben schneiden mich: Mein Blut tropft rot,
Es fließt in Rosenform und möchte sagen,

Wärst Du nur tot, wär’s auch mein Tod! Die Not
Umfasst mich in den Nächten wie an Tagen:
Ich brenne, ich verbrenne ohne Klagen.

Beitrag vom 14 März, 2012 (16:45) | Autor: Walther | Rubrik: alptraum/ego.wunde, lug & trug, rausch (zustände) | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Gäb‘ es nur ein Du

24 Februar, 2012 (12:53) | | alptraum/ego.wunde, herz & lenden, lug & trug | Kommentieren

Ich kleide mich, ich leide mich, umgebe
Die Hülle mit der Leere, Ich zu sein.
Ach, gäb“ es nur ein Du, und es wär mein,
Ich könnte fast noch glauben, dass ich lebe.

Du strahlst mich an und weißt schon, dass ich schwebe,
Umwölkt von falscher Hoffnung, fadem Schein:
Ich wähnte mich so groß, bin elend klein
Und ranke mich an Dir wie eine Rebe

Empor zu lichten Höhen: Sonnenglut
Soll mich verbrennen, weil ich eitel frevle!
In mir ist wahrhaft nichts als böse Brut,

Die ich für Dich versenge und beschwefle:
Du bist es doch, die mich erretten soll!
Es ist vergeblich wohl, mein Maß ist voll.

Beitrag vom 24 Februar, 2012 (12:53) | Autor: Walther | Rubrik: alptraum/ego.wunde, herz & lenden, lug & trug | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


nebulae|kleist

23 November, 2011 (08:01) | | alptraum/ego.wunde | Kommentieren

die vorweggenommene haft
im gedicht. den schrei verstummt
in die wand geritzt.

das trunkene von liebes wegen,
pavillons aus erahnter asche.
die felder des öls, gesalbter, sowjetunion,

und die gitter, verlassene,
ein wahnsinn geplant und
aufschauend, wie wir erziehen

an dem einen strang
gemeinsam zum tode
die erröteten;

erhörend aus uns den letzten
gesang, spürend die tränen
auf den verschwitzten stirnen.

video.poem

Beitrag vom 23 November, 2011 (08:01) | Autor: Jörg Meyer (oegyr) | Rubrik: alptraum/ego.wunde | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


quasi una marcia

15 Oktober, 2011 (12:36) | | alptraum/ego.wunde | 1 Kommentar

„manche sagen, bankraub ist nicht politisch. aber seit wann ist die frage der finanzierung einer politischen organisation keine politische frage? die stadtguerillas in lateinamerika nennen bankraub enteignungsaktionen. er ist politisch richtig, weil er eine enteignungsaktion ist. er ist strategisch richtig, weil er der finanzierung der guerilla dient.“ (ulrike meinhof, 1971)

„und natürlich kann geschossen werden!“ …
und also sprang sie durch das loch der schrift.
so noch muss es licht- und herbster werden
und waffen sollen dichten, nicht nur stift.

nicht nur takte – taktik, strategien
brauchen verse und die buchgestäbe,
nicht nur geschrieben werden darf, geschrie’n
muss werden durch gefängnisgitterstäbe

gegen geld und macht – doch auch mysterien,
die durch reime tropfen in die lache
aus sinn und form und uns den schrei verengen.

machen wir aus löchern unsr’rer sprache
solche, die wir in die wände sprengen
der banken – und auch ihrer ministerien!

quasi una marcia by oegyr

bekennerschreiben, poetologisch, strategiepapiertigernd

ulrike meinhof sitzt in ihrer zelle an ihrer schreibmaschine. sie tippt ein manifest, einen rest von enerviert von dem text, den sie da tippt (weil texte texter selbst noch enervieren, wenn sie sterben – sie und ihre texte durch ihre und in ihren texten.) ansonsten sieht sie sich als verhandlungsunfähig. für die revolution ist sie nicht mehr zuständig. unter den an ihr „real existierenden“ verhältnissen muss es ihr um erhalt gehen. sie ist in einem turm, vollständig isoliert. sie ist eine HÖLDERLINMASCHINE. „das zeug“, das sie schreibt, macht auf gudrun ensslin „einen verlotterten, kaputten eindruck“. revolutionäre unter den auf bloß noch text als lebensentäußerung zusammengeschnurrten bedingungen des textes sind keine guten revolutionäre, weil nur noch der text hirte und damit zelle ist, wogegen es gleichzeitig anzudichten gilt. doppelbelastung statt entlastung durch text. faktische aussetzung der friedenspflicht des textes gegenüber seinem autor: DER TEXT WIRD ZUM TERROR, nach außen wie innen. die bedingungen, unter denen ich dieses sonett tippte, sind andere, komplett andere! die tatsache allerdings, dass ich mich mit den isolationshäftlingen ulrike meinhof und fritz hölderlin gemein machen möchte, wenn auch nur assoziativ und mit den zaunpfählen der hier lediglich imaginierten gitterstäbe winkend, deutet gleichwohl eine zumindest ähnliche situation erzwungener innerer emigration an, die dichtern in und zu sich wie zu dem TEXT nie fremd war und ist. insofern eben die nähe, die der text eigentümlich hat, wenn er sich mit der „gefühlten“ ferne auseinandersetzt, die sich zu den aktuellen sozialen kämpfen („OCCUPY FRANKFURT!“) faktisch ergibt. am schreibtisch kann der dichter nie wirklicher täter sein. was er wiederum nur in der ihm gegebenen form, der sprache, äußern kann. selbst gegenüber seiner sprache ist der dichter jedoch nur stellvertreter. für die verfassung von PAROLEN AUF DEN BANNERN der demonstranten ist und wird er nicht zuständig sein. die revolution zetteln wenn, dann andere an, nicht seine zettel. er kann in sprache nur von der revolution träumen, bestenfalls noch von diesen träumen sprachliches zeugnis ablegen. er kann sich nur allein (wenn nicht sogar nur einsam) gemein machen mit einem kampf, mit dem er sympathisiert, den er aber an anderer front kämpfen muss – an der front seiner geschriebenen sprache, wo er nur sich und damit ihr, also dem TEXT gegenübersteht. sein schrei bleibt stumm in der poetisch durchformten gestalt und situation der schrift. die einzige hoffnung: der text ist immer noch ein gemachter, autonom und daher ebenso feindlich wie freundlich gegenüber sich selbst wie dem, der ihn tippt, spricht und womöglich aus ihm und in ihn DIE PAROLE SCHREIT: „klavki, DER KAMPF GEHT WEITER!“

kommando klavki, kiel, 14. oktober 2011

Beitrag vom 15 Oktober, 2011 (12:36) | Autor: Jörg Meyer (oegyr) | Rubrik: alptraum/ego.wunde | Beitrag drucken Beitrag drucken | (1) Kommentar


Sonett, blockiert

25 September, 2011 (18:14) | | alptraum/ego.wunde | 2 Kommentare

Seit Stunden, sage ich ganz unumwunden,
Versuch ich nun – und tu dies hiermit kund -,
Das mit dem Dichten, und es wird bloß Schund!
Warum wird manchmal in zwei, drei Sekunden

Ein Stück aus Sprache, wild und kunterbunt,
Wie ein Gedankenblitz einfach gefunden,
Beschreibt das, was die Welt gefühlt, empfunden,
Erkannt hat, klar und schön? Ein solcher Fund,

Ein Schatz ist er, man könnte ihn verstecken,
Um ihn ans Licht zu zaubern, wenn der Zweck
Es anzeigt, da zu loben, anzuecken,

Wo beides Not tut! Mir kommt Mist und Dreck
Nur in den Sinn: Die Muse soll verrecken!
Und was ich hier geschrieben hab, schmeißt weg!

Beitrag vom 25 September, 2011 (18:14) | Autor: Walther | Rubrik: alptraum/ego.wunde | Beitrag drucken Beitrag drucken | (2) Kommentare


Mein Herz

12 September, 2011 (10:26) | | alptraum/ego.wunde, lug & trug | 2 Kommentare

Am frühen Morgen fiel es aus dem Takt.
Es pumpte Blut nicht mehr in meine Adern!
Mit Welt und Zeit schien es – Protest! – zu hadern:
Am falschen Ende war es angepackt!

Der Hades kam mir nah und, wenn ihr fragt,
Besonders gut hat mir das nicht gefallen.
Statt Worte Formen blieb mir nur ein Lallen,
Die Luft war weg, ich habe mich geplagt,

Mich an das Ufer irgendwie zu retten:
Ich hatte Glück und möchte nicht drauf wetten,
Dass mir’s beim nächsten Mal erneut gelingt.

Mein Herz zerriss beinah die schwachen Ketten,
Die uns verankern, wo wir Leben hätten,
Wenn wir es lebten, noch bevor’s verklingt!

Beitrag vom 12 September, 2011 (10:26) | Autor: Walther | Rubrik: alptraum/ego.wunde, lug & trug | Beitrag drucken Beitrag drucken | (2) Kommentare


sonett noch

4 September, 2011 (04:59) | | alptraum/ego.wunde | Kommentieren

„noch, noch, und noch“ (Klavki, „Der Traumzeuge“)

wir singen noch das alte lüsterlied,
wo wir beginnen alt vergang’nes leid.
wir sind die letzten an dem swingerglied,
verzichtend sich ins weh der einigkeit

mit dichtern in der hinverzückten schwebe,
verschwundene an solchem herzeleid,
verwunschene, ein tier in dem gehege,
wo schücht’res ist dem anderen noch zeit.

wir dichten aus verzichten diesen vers
und sind den dichtern orden am revers,
wo helden blind sind, wir indes den leichen.

wir gehen und wir dichten unterwärts
und schauen, nicht in sicht, wem wir erbleichen
und welchem wir uns lichter noch zerschleichen.

Beitrag vom 4 September, 2011 (04:59) | Autor: Jörg Meyer (oegyr) | Rubrik: alptraum/ego.wunde | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Ich gebe Laut

21 Juli, 2011 (21:33) | | alptraum/ego.wunde, lug & trug, zugvögel/wind.bahnen | 11 Kommentare

Ich gebe Laut vom großen Wunderwort,
Wo doch am Straßenrand der Schnitter wartet.
Der Bux ist schon zu Wildgestrüpp entartet.
Der Rote Milan übt den Hasenmord.

Mein Atem streicht die leere Stundentafel,
Der letzte Hoffnungstraum kommt aufs Schafott.
Vom Blasorchester bleibt noch das Fagott.
Die große Absicht war nichts als Geschwafel.

Du zeigst mir wenigstens ein kleines Lächeln,
Das diesen Übergang mit Glanz versieht.
Da will ein leiser Hauch mich zart umfächeln,

Will kühlen, was alsbald ins Licht entflieht.
Ich wollte jetzt die rechte Saite schlagen,
Die eine Antwort hat auf alle Fragen.

Beitrag vom 21 Juli, 2011 (21:33) | Autor: Walther | Rubrik: alptraum/ego.wunde, lug & trug, zugvögel/wind.bahnen | Beitrag drucken Beitrag drucken | (11) Kommentare


grundierung

30 Juni, 2011 (17:11) | | alptraum/ego.wunde, tage-bau | 1 Kommentar

erste vogelstimmen
entfalten
die farben
vertaner zeiten
am ende
aller
durchwachten nacht
meine augen
fest
geschlossen
auf der jagd
nach dem plärren
konfuser gedanken
graffitis
die sich aus
dehnen
in den innenhöfen
heiler welten
erinnerung
an verbranntes papier
und
jasminduft
nach dem regen

Beitrag vom 30 Juni, 2011 (17:11) | Autor: Ramona Linke | Rubrik: alptraum/ego.wunde, tage-bau | Beitrag drucken Beitrag drucken | (1) Kommentar


angeschwemmt

19 März, 2011 (20:05) | | alptraum/ego.wunde, tage-bau | Kommentieren

zwischen schlaf und
traurigkeit
schieben sich die bilder
sepiabraun

zerbrochene stein
laternen
weiszen uns
den weg
durch sämtliche variationen
von schwarz auf
gefächert
zum spröden klang
der windposaunen

versinken ängste
und halbwahrheiten
im kampf
gegen kälte, hunger
und schnee
fällt

von neuem
wiege ich einen
blassen rest
hoffnung
im laken der nacht

Beitrag vom 19 März, 2011 (20:05) | Autor: Ramona Linke | Rubrik: alptraum/ego.wunde, tage-bau | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Gewälzt

6 März, 2011 (20:06) | | alptraum/ego.wunde | Kommentieren

Du sprachst vom Vielgesagten und noch mehr:
Gelangten dir die Worte, die da reiften,
In deinen Sinn, wo sie sich fest versteiften,
Gedankenfluss behindernd sich erst quer

Den Weg verlegten und noch lauter keiften
Als die Hetären nachts? Das Hin und Her
Zerriss die Nacht, den Traum, so folgenschwer,
Wenn die verkeilten Worte Wände streiften –

Ein Hämmern an den Schläfen, früh ergraut:
Die Qualen waren Strafen jenes Boten,
Von dessen Kommen niemand war erbaut!

Man lästerte darüber schwarz in Zoten,
Die Stimme klein, die Seele aufgeraut,
Ganz angstvoll vor den Dingen, die bedrohten.

Beitrag vom 6 März, 2011 (20:06) | Autor: Walther | Rubrik: alptraum/ego.wunde | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


For ever young

22 Februar, 2011 (10:04) | | alptraum/ego.wunde | Kommentieren

Wir sind nicht mehr, was wir schon waren: jung.
Wir altern, wiewohl jung an Lebensjahren,
Und sind noch mehr, was wir doch immer waren:
Für immer jung, befreit? Bereit für Dung

Und Abfall, was uns abfällt, es bleibt liegen.
Dort wird es werden, was wir werden: alt.
Es wird zu Himmel stinken, feucht und kalt.
Es werden sich die Balken nicht mehr biegen,

Die Bretter werden sich zum Sarg verfugen.
Was werden wir, die wir nicht Brücken schlugen
Noch Werte schufen, endlich sein: Allein?

Da kommt er, unser Tag, grad wie gerufen,
Wir nehmen’s Leben unter Pflug und Kufen
Und bleiben, was wir sind: Erschreckend klein.

Beitrag vom 22 Februar, 2011 (10:04) | Autor: Walther | Rubrik: alptraum/ego.wunde | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


gegenwind

10 Februar, 2011 (04:49) | | alptraum/ego.wunde | Kommentieren

die antastbarkeit hat sich in
allmählichkeit verwandelt:
ein indolentes erdulden,
trockengefallene taschentücher.

aus dem haus tretend
wind im gesicht:
nach den tagen der krankheit
erfrischend feindlich.

weht mir die mütz“
vom kopf, ich laufe hinterher
dem hütchenspiel, schwitzend
auf der stirn, welch“

die gefangene krempe
mir trocknet:
geborgen unter meinen augen-
lidern und den alten hüten.

Beitrag vom 10 Februar, 2011 (04:49) | Autor: Jörg Meyer (oegyr) | Rubrik: alptraum/ego.wunde | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Ein leeres Glas

4 Februar, 2011 (16:58) | | alptraum/ego.wunde | Kommentieren

Ein Stein, der sich von meinem Herzen rollte,
Sprang auf den Tisch, vor dem ich traurig saß.
Verlust und Ängste waren Seelenfraß,
Dem bisher ich stets nur Missachtung zollte:

Nun traf es mich. Das war kein schlechter Spaß,
Nein, bitterernst: Nicht dass sie einfach schmollte
Und sich in einen dunklen Winkel trollte:
Sie war gegangen, fort – ein leeres Glas,

In meinen Händen drehte ich’s am Stiel,
War in Gedanken mit dem Blick zur Decke,
Die – dämmernd grau – wie Schatten auf mich fiel.

Mein Alptraum wartete in einer Ecke.
Für meine Trauer gab es kein Ventil.
Wie Schleim zog durch die Nacht die Zeit als Schnecke.

Beitrag vom 4 Februar, 2011 (16:58) | Autor: Walther | Rubrik: alptraum/ego.wunde | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


So.nett.er Schund

25 Januar, 2011 (21:18) | | alptraum/ego.wunde | Kommentieren

Ich hätt so gerne kräftig drauf geschissen,
Doch diese Welt ist ungerecht, ein Witz:
Ich wünschte mir, es träfe mich der Blitz,
Dann hätte ich vorab ins Gras gebissen,

Und niemand hätte mir mein Werk verrissen!
Nun bin ich fertig und todtraurig, sitz
Am dunklen Fenster: Durch den schmalen Schlitz
Kein Sonnenstrahl sich stiehlt! Und mich vermissen,

Den tiefen Sturz bedauern: Keiner würde
Ein ganz klein wenig Mitleid haben und
Sie mit mir tragen, diese – meine! – Bürde:

Versager stützt man nicht. In dieser Stund
Zerbricht sie, des Sonetters edle Würde,
Vernichtet durch das Urteil: Welch ein Schund!

Beitrag vom 25 Januar, 2011 (21:18) | Autor: Walther | Rubrik: alptraum/ego.wunde | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Nach.t.frage

21 Januar, 2011 (14:43) | | alptraum/ego.wunde | Kommentieren

Wenn sich am leeren Fenster Sonne zeigt,
Kommt da ein Tag, ein guter neuer Morgen?
Geht sie, die Nacht, mit ihr die dunklen Sorgen,
Im schwarzen Tuch, wenn alles stumm ist, schweigt,

Wenn selbst die Dielen sich im Knistern üben?
Das erste Licht, noch fahl, färbt sich schon rot.
Das Blut des Morgens fließt, die Angst ist tot,
Die Hoffnung kommt, erst langsam, dann in Schüben,

Bricht sie sich Bahn, es sinkt die Herzfrequenz.
Das Fenster, dieser Ausschnitt aus dem Leben,
Belebt sich nun, und in der Konsequenz

Will sich die Ahnung zur Gewissheit heben:
Die Frage, die sich stellte, geht als Nacht.
So ferne sie auch scheint: Sie bleibt auf Wacht.

Beitrag vom 21 Januar, 2011 (14:43) | Autor: Walther | Rubrik: alptraum/ego.wunde | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


epilog – so …

1 Januar, 2011 (05:12) | | alptraum/ego.wunde | 1 Kommentar

so war, was hatte ich von mir zu sagen,
vielleicht nicht lesens-, sehens-, hörenswert.
doch wollt“ ein weit’res mal sich in euch wagen
wie auch in mich mein wort, das zarte schwert.

so ist, was senkte sich, nun aufgehoben
in seinem leisen grab aus lauter liebe.
zwar bleibt es in den zwischenraum verschoben,
wo nicht der vers, doch sein dazwischen bliebe.

so wird, was war, aus dem gewes’nen sein,
und möglichkeit entblättert ihren sinn
im großen wort voll demut winzig klein.

mich schilderte, was machte mir symptome,
das wort vom dichterbürger, der ich bin:
ein molekül auch eurer fühlatome.

Beitrag vom 1 Januar, 2011 (05:12) | Autor: Jörg Meyer (oegyr) | Rubrik: alptraum/ego.wunde | Beitrag drucken Beitrag drucken | (1) Kommentar


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