Beiträge zu alptraum/ego.wunde

Man wartet

11 Oktober, 2017 (06:41) | | alptraum/ego.wunde, ego.t/error.welt | Kommentieren

Sie liegt auf den tod sagt man &
man liegt nachts wach & denkt
wie es sich wohl an fühlt das auf
den tod liegen

Man liegt & fühlt sich schon mal
probe weise tot: atem an halten
bis der schweiß aus bricht der schnell
richtig kalt ist

Sie liegt da & man kann händchen
halten & man denkt: händchen
halten das geht gar nicht jetzt
& hält sich fest

Man liegt nicht man sitzt & wagt
kaum zu atmen & hat eine eis
stirn & hat angst: ob sie wohl angst
hat – man wartet

Beitrag vom 11 Oktober, 2017 (06:41) | Autor: Walther | Rubrik: alptraum/ego.wunde, ego.t/error.welt | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Kastanien II

26 September, 2017 (07:27) | | alptraum/ego.wunde, netz@uge.nblick, terra/adern/fluss.linien | Kommentieren

Ihm war, als würde er sie aus dem Feuer holen:
Sie glühten warm in seiner Hand. Er sah und staunte.
Ein ferner Glanz von Sonne, der ein Flüstern raunte,
Lag vor ihm: In der Tasche klackte es verstohlen.

Er würde sie in einer schönen Schüssel bergen –
Als Ahnung und Versprechen, eines Jahres Früchte,
Symbol von Wiederkommen, Jugend, Lüste, Süchte:
Der Tod schickt Winter, Alter, Krankheit, seine Schergen.

Er griff zum Mantelkragen, zog den Schal noch enger.
Sein Schatten ging gebeugt, als trüg er schwere Lasten.
Die Schwermut ist ein eitler böser Hoffnungsfänger.

Die Kälte biss ihm in sein Herz und ließ ihn hasten.
Die Schritte und die Atemzüge wurden länger:
Ihm war, als würden Eisesfinger nach ihm tasten.

Beitrag vom 26 September, 2017 (07:27) | Autor: Walther | Rubrik: alptraum/ego.wunde, netz@uge.nblick, terra/adern/fluss.linien | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Placebo

20 August, 2017 (11:30) | | alptraum/ego.wunde, ego.t/error.welt, terrere est humanum? | Kommentieren

Reich mir ein placebo
die plätzchen liegen mir im magen
sauer stößt mir auf was
berichtet wird aus herren ländern

Wo dämonen hausen &
vampire die im blut baden
& an den zitzen saugen
bis sie rand leer sind

Ich brauch eine betäubungs
spritze – ziel mittig in die
dart scheibe das bringt die
meisten punkte: the winner

Takes it all“ – auch das schlauch
boot vor Libyen sinkt ohne
dass die ratten ersaufen
Europa ist bloß eine insel

Der un seligen kein Atlantis
Zeus hat sie zu schanden geritten
als er den großen macker spielte:
ein reich für ein placebo

Beitrag vom 20 August, 2017 (11:30) | Autor: Walther | Rubrik: alptraum/ego.wunde, ego.t/error.welt, terrere est humanum? | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Im Grau des halben Tags

12 Mai, 2017 (15:54) | | alptraum/ego.wunde, herz & lenden, netz@uge.nblick | Kommentieren

Im Grau des halben Tags

Die Worte sinken in die weichen Kissen.
Dort, wo du lagst, verschwinden sie im Warmen.
Die Hoffnung wog so leicht in deinen Armen.
Ich weiß, ich werde beides sehr vermissen.

Die Vögel üben sich in Feindalarmen.
Man sieht den Milan weiße Fahnen hissen,
Die beiden Krähen jagen ihn verbissen:
Sie kennen mit dem Nestraub kein Erbarmen.

Im Grau des halben Tags kommt Angst in Schüben,
Da selbst die Mücken vor dem Stich verrecken.
Das Fenster in die Welt beginnt zu trüben:

Als sich die Sterne hinterm Mond verstecken,
Muss ich das Traurigsein erst wieder üben
Und weiß nicht mehr, wie‘s geht, das Wunden-Lecken.

Beitrag vom 12 Mai, 2017 (15:54) | Autor: Walther | Rubrik: alptraum/ego.wunde, herz & lenden, netz@uge.nblick | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Mit diesen vierzehn zeilen

6 März, 2017 (08:49) | | alptraum/ego.wunde, netz@uge.nblick, zugvögel/wind.bahnen | Kommentieren

Drum spreche ich mit diesen vierzehn zeilen
in eine welt die nicht versteht was ich
versteh weil sich die zeiten stets verkeilen
dass sie zerbricht & schreit so fürchterlich

Die kleine welt die in der kapsel springt
& aus ihr samt um früchtchen aus zu treiben –
ich höre wie der frühling singt & klingt
will meine hände an einander reiben

Als schon der sommerwind den lenz verbrennt
gewitter rasen durch die felder: golden
entleiben ähren sich – der winter kennt

Den herbst & keine rast & weißen tod
& in den gärten dorren blüten dolden
ich steh & sage hier von meiner not

Beitrag vom 6 März, 2017 (08:49) | Autor: Walther | Rubrik: alptraum/ego.wunde, netz@uge.nblick, zugvögel/wind.bahnen | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Hör auf zu fragen: Warum ich?

26 Februar, 2017 (19:30) | | alptraum/ego.wunde | Kommentieren

Sich selbst zu bemitleiden, hilft so gar nix, da sind halt bessere Strategien gefragt.

Zunächst setze ich mich hin und schreibe mir einen Brief, in dem ich mich sieze und selbstbemitleide. Ich schwelge in Sätzen wie: „Die Schilderung Ihres Geschicks hat mich zutiefst erschüttert.“ und „Noch nie zuvor habe ich von einem derart unglaublichen Missgeschick in einem Leben gehört.“; mit „Bitte nehmen Sie den Ausdruck meines tiefsten Mitgefühls entgegen.“ beende ich mein Klagelied.

Sodann nagle ich noch einige meiner Wünsche fest, indem ich aufliste, dass ich mir vornehme, tanzen zu gehen, ausdauernd zu schwimmen, ans Meer zu fahren, zu vergeben, Sonne zu tanken, Brunch zu frühstücken, auszumisten, Menschen zuzuhören, mich glücklich zu verlieben, mehr zu lachen und zu schreiben, tagelang ohne Computer und zufrieden zu sein.

Die Liste füge ich dem Brief hinzu, klebe mit Geduld und Spucke eine Marke drauf und werfe alles mitten in den Fluss des Lebens.

Beitrag vom 26 Februar, 2017 (19:30) | Autor: Kathrin Drescher | Rubrik: alptraum/ego.wunde | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Man sollte speien

15 November, 2016 (14:03) | | alptraum/ego.wunde, terrere est humanum? | Kommentieren

Man sollte speien viel mehr sollt man kotzen
die lippen wund genetzt mit magen saft
denn sterben ist nicht ehrbar sagen haft
man möchte dabei viel mehr hirn schleim rotzen

Wenn in der stirne eine scharte klafft
& fliegen schwärme in den kugel fotzen
& augen sitzen die nur leblos glotzen
verrecken wäre nichts als sippen haft

Gespräche führn wir laufend in palästen
es klingen silber löffel teller tassen
die all die essens schätze mund fein fassen

Wenn an Aleppos telegraphen ästen
nur blut verschmierte graue fahnen hängen
& kinder hungernd sich durch gassen zwängen

Beitrag vom 15 November, 2016 (14:03) | Autor: Walther | Rubrik: alptraum/ego.wunde, terrere est humanum? | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


nein/eleven/fifteen

11 September, 2016 (03:58) | | alptraum/ego.wunde, rausch (zustände), terrere est humanum? | Kommentieren

wie babylon gestürzt, die herrschend türme,
sah ich das einst vor 15 dieser jahren.
es war, als wär’ das ende der gewürme
aus himmlischem der heere finstrest scharen.

ich war damals auf seiten attentäter,
dem letzen allah.ruf, dem sehr verbunden.
doch wusste ich, als davon vielmehr später
die nachricht sich verdichtet und bekunden

war „ground zero“, wie ich ihn erdichtet,
ein schmerz, verheerung und das schlimme grauen.
ich wusste, wo ein schwarzes sich belichtet,

und war in babylon, im turm, vertrauen,
dass sich ein sturz und ebenso erhebt,
was stirbt, sich umso grausamst wied’ erlebt.

ögyr liest’s

Beitrag vom 11 September, 2016 (03:58) | Autor: Jörg Meyer (oegyr) | Rubrik: alptraum/ego.wunde, rausch (zustände), terrere est humanum? | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


das unbehauste kind

2 August, 2016 (08:02) | | alptraum/ego.wunde, ego.t/error.welt, rausch (zustände) | 1 Kommentar

es war einmal ein kind,
das hatte so viel haus,
dass es unbehaust war.
es schritt durch die räume,
die wohl erträumt waren,
sah aber nur die leere,
nicht deren eingerichtetheit.

es war einmal ein kind,
das eben dort erwachsen wurde,
aber doch blieb dieses
unbehauste kind. nachts
lag es wach und schlief
am wirren tag der häuser, die
unterm dach, aber unbedacht waren.

das unbehauste kind - skizze

es war einmal ein kind,
das keine märchen kannte.
nur dieses, das man ihm erzählet hatte:
es war das märchen von dem kind,
das keine märchen kannte,
sondern solche schrieb,
wie man sie ihm erzählet hatte.

es war einmal ein kind,
das danach müde wurde
am tag und folgend in der nacht
des lebens wie des sterbens.
und so starb es nicht
und lebte gleichwohl nicht,
sondern starb, indem es lebte.

ögyr liest’s

Beitrag vom 2 August, 2016 (08:02) | Autor: Jörg Meyer (oegyr) | Rubrik: alptraum/ego.wunde, ego.t/error.welt, rausch (zustände) | Beitrag drucken Beitrag drucken | (1) Kommentar


es gibt keine richtigen lyrix im falschen leben

23 Januar, 2016 (04:54) | | alptraum/ego.wunde | Kommentieren

außer: „say goodbye to lethargy, save the world with this melody“ (bernadette la hengst)

so will ich singen, falschen vers euch dichten,
aus resten meines sangs sonett noch machen
und seiner strenge dennoch ganz verzichten,
beim dichten all dem schichten uns eins lachen.

werd’ sagen, auserzählt, euch von den versen,
von schwierigkeit, aus mir heraus zu schweigen.
ich könnte euch ja eh nichts mehr verbergen,
vielleicht, wohin sich mein gedicht würd’ weisen

und euch dahinter, traute meines lichts.
das linkt und reimt schon wieder auf „des wichts“,
gekommen wörterwelten auf den grund,

der macht sonettes reimen jetzt gesund,
und krank auch, was ich nahe des verzichts
noch bin in mitten meinem des gedichts.

ögyr liest’s

Beitrag vom 23 Januar, 2016 (04:54) | Autor: Jörg Meyer (oegyr) | Rubrik: alptraum/ego.wunde | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


kommt!

5 September, 2015 (02:50) | | alptraum/ego.wunde | Kommentieren

woher auch immer ihr gekommen seid,
von meiner schreibtischtäterschaft begrüß’
ich euch. denn hier auch ist ein mittenleid,
ein wohl gebettetes, das sagt sich tschüß

all der zufriedenheit, die wohl kartoffeln
noch wachsen lässt in deutschem blut und boden.
bevor ich demlei bin und eingewoben,
schlüpf’ ich in meine warmen filzpantoffeln.

denn ich bin auch nicht besser als die hasser,
weil ich ja auch nichts tu’, nur tränen weine
in meine dichtung, die nicht hält die wasser,

in denen ihr ertrinkt. doch geb’ ich meine
bereite kunst euch preis, dass ihr euch kauft
davon vielleicht von meiner tür den knauf.

ögyr liest’s

Beitrag vom 5 September, 2015 (02:50) | Autor: Jörg Meyer (oegyr) | Rubrik: alptraum/ego.wunde | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Ein fach so

4 Juli, 2015 (21:45) | | alptraum/ego.wunde, terra/adern/fluss.linien | Kommentieren

Der tod hat seine sense geschärft:
ein fröhliches mähen bei fast 40
grad & 95 prozent luft feuchte

Die tages zeitung als sterbe tafel:
man fühlt sich schlecht weil man
am leben bleibt atmet & schwitzt

Ein fach so als sei das selbst verständlich

Ich schlage ein kreuz weil ichs mit
kreuz habe spende einer kerze schein
obgleich voll inhaltlich protestant

Vorsichts halber google ich nach
holz särgen fried wäldern urnen &
lokalen mit geeigneten neben räumen

Ein fach so als sei das nicht verständlich

Wenn einer stirbt

Beitrag vom 4 Juli, 2015 (21:45) | Autor: Walther | Rubrik: alptraum/ego.wunde, terra/adern/fluss.linien | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


lange schwere krankheit poesie

24 Juni, 2015 (05:12) | | alptraum/ego.wunde | Kommentieren

nach langer schwerer krankheit jüngst verstorben,
wird’s auch von mir, dem dichter, einstmals heißen.
nur niemand weiß dann, wessen ich verdorben,
zur lebezeit war anverwandt dem scheißen

auf alles, was nicht niet- und wörterfest,
in das elysium schon eingezogen
als das, was du mit mir erörtertest,
worin ich dich mit jedem vers betrogen.

und sei gewiss, wie doch gesund ich bin,
von mir ist manches weiter noch zu lesen,
denn noch tropft mir das wort vom bärt’gen kinn.

ich sei, so träumt’s mir nachts, ein unverwesen,
der wiedergänger meines reims gewinn
und darin wie die gleichen ungeschehen.

ögyr liest’s

Beitrag vom 24 Juni, 2015 (05:12) | Autor: Jörg Meyer (oegyr) | Rubrik: alptraum/ego.wunde | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Laufschritt

21 Juni, 2015 (18:15) | | alptraum/ego.wunde, lug & trug, netz@uge.nblick | Kommentieren

Die Brache lag im Winterwind so blass
Und tot; die Krähen nickten drüber hin.
Am Himmel ballte sich ein Grau. Im Sinn,
Im Augenblick war nichts. Das Regennass

Zerplatzte in der Furchen Bahn. Der Donner
Verfolgte Blitz um Blitz ganz atemlos,
Und eine kahle Eiche schien jetzt riesengroß.
Er rumpelte fast wie ein Dreißigtonner,

Der auf der schlechten Straße Leerfahrt fuhr.
Ich nickte mit den Krähen still im Takt
Und floh die kalten lauten Tropfen nur.

Nein, es war nicht die Angst, die mich gepackt
Hat: In den Laufschritt schickte mich die Tat,
Die mir die Erde nahm, auf die ich trat.

Beitrag vom 21 Juni, 2015 (18:15) | Autor: Walther | Rubrik: alptraum/ego.wunde, lug & trug, netz@uge.nblick | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Seiten für zeiten

24 Mai, 2015 (16:53) | | alptraum/ego.wunde, herz & lenden, labyrinth/wort.gewebt., lug & trug | 1 Kommentar

Es ist zeitig zeit geworden ab
schiede ab scheiden seiten
wechsel bäder warm geduscht

Sprich nicht wörtlich sinniere
sinn gemäß deiner ist ab
gekupfert – du hast dich für

Ein paar silberlinge versilbert &
als pfennig fuchser gemausert
die haus maus kann das mausen

Nicht lassen der käse ist dir
leber wurst war zeuge als du
falsch zeugnis redetest um

Dem rede fluss bahn zu geben
deine schwell werte schwollen
Wie deine einbildung bildete –

Mein bilder sturm ist halb
seitig gelähmt als du mich um
geblättert hast seiten für zeiten

Beitrag vom 24 Mai, 2015 (16:53) | Autor: Walther | Rubrik: alptraum/ego.wunde, herz & lenden, labyrinth/wort.gewebt., lug & trug | Beitrag drucken Beitrag drucken | (1) Kommentar


mein weinen um die utopie

15 Januar, 2015 (04:30) | | alptraum/ego.wunde | 1 Kommentar

denn ich bewein’ ja nicht die gegenwart,
zwar auch, doch dass wir nichtmalmehr erscheinen,
in fried’ zu sein mit uns’rer menschenart,
dass wir statt zu umarmen und umbeinen,

armeen gegen dich und mich errecken.
kein einverstand herrscht, nur die teilend macht
den ausbeutern wir halten hin, verstecken,
was uns vereint, wo wir uns ausgelacht,

nicht sie, die uns die kriege aufgezwungen.
doch wären wir gemeinsam kämpfend front,
wir hätten uns von ihnen ausbedungen,

dass mensch wär’ mensch, dem feind ein güt’ger freund,
den übermorgen morgenröt’ besonnt,
wo beide wir sind endlich unumzäunt.

ögyr liest’s

Beitrag vom 15 Januar, 2015 (04:30) | Autor: Jörg Meyer (oegyr) | Rubrik: alptraum/ego.wunde | Beitrag drucken Beitrag drucken | (1) Kommentar


3 weihnukkasonette

20 Dezember, 2014 (00:55) | | alptraum/ego.wunde, rausch (zustände) | 1 Kommentar

tannenbaum

er steht im frühling schüchtern unter bäumen,
die grünen gleich wie er, doch prall’ren blättern.
es herbstet, und es welken solche freuden.
wenn nebel wallen düster um die ecken,

steht er allein im immergrünen kleid,
ein stolzer träger seiner reifen nadeln,
erzählend uns von lichterglanz statt leid,
von fülle, wo sonst dürre äste adeln

die schweren himmel, die sich grau verzweigen
in ihm, der einsam reckt im dunklen walde
sein nadelwerk, dass himmel irdisch bleiben,

auch wenn es winter wird und sich entlaubt
natur und legt sich träumend schlafen balde,
wo uns erweckt, woran er grünend glaubt.

abendstern

er steht so hoch und überm horizont,
auf dass er uns sein glänzen treulich sende
durch alles dunkle, was sonst nichts besonnt.
er kündet von dem anfang allens ende.

so weit in himmeln spricht er uns doch nah,
dass liebe wird und nicht mehr hass der menschen.
sein licht ist, wo mir sehnend trauer war,
und wird die lange nacht erhellt begrenzen.

mit ihm wird tag in allen himmelssphären.
die nacht vertreibt sein abendlicher strahl,
wenn wir nur seinen lichterschein begehren

und schau’n ihn hoffnungsfroh und staunend an,
ob ende uns’re erdverbund’ne qual,
bevor noch unterirdisches begann.

morgenrot

es steht im osten, freude zu verkünden,
und ging doch auf so wundersam erhofft.
dass wir uns froh mit seinem rot verbünden,
ist botschaft, wo uns finsternis ins loch

verbannen will, ins grab, aus dem wir steigen
demselben unverzicht’ und roh entgegen.
wir gehen hin und meiden das vermeiden,
damit wir still nicht steh’n, doch uns bewegen.

siehst du’s? ich ahn’ es schütterschüchtern schon,
erträum’ es schlafvergessen in der nacht,
dass daraus morgen wird und licht belohn’

verdunkelten die stete lichtersuche.
was uns zuvor in düsteres gebracht,
erblüht uns hell gestabt in jenem buche.

ögyr liest’s

Beitrag vom 20 Dezember, 2014 (00:55) | Autor: Jörg Meyer (oegyr) | Rubrik: alptraum/ego.wunde, rausch (zustände) | Beitrag drucken Beitrag drucken | (1) Kommentar


Grimmiges märchen

4 Dezember, 2014 (15:18) | | alptraum/ego.wunde, herz & lenden | 7 Kommentare

Du hast von meinem tellerchen gegessen
& das trocken brot liegen gelassen

Du hast aus meinem becherchen getrunken
& den sekt schal werden lassen

Du hast in meinem bettchen geschlafen
& ich blieb zurück als der tag graute

Du warst meine fee meine elfe
mein schneewittchen mein rosenrot &

Als die geschichte endete
war ich wenigstens tot

Beitrag vom 4 Dezember, 2014 (15:18) | Autor: Walther | Rubrik: alptraum/ego.wunde, herz & lenden | Beitrag drucken Beitrag drucken | (7) Kommentare


Lapidares Geständnis eines Versagers

20 September, 2014 (15:35) | | alptraum/ego.wunde | Kommentieren

Ich wär so gerne die Erinnerung
Von einem Menschen, der ich lieber wäre.
Dann wäre ich ein toller Mensch, ein lieber.
Und nicht so einer, der nur öde nervt.

Ich lebe tief in der Verbitterung,
Nicht der zu sein – verdrücke eine Zähre -,
Der ich gern wär. Es brennt ein Seelenfieber:
Ich zücke Messer, alle frisch geschärft,

Um mich vom Leben in den Tod zu bringen.
Doch ich bin einer, der nichts ist, nichts kann:
Es bleibt bei dem Versuch. Ein kleines Ritzen,

Kaum tropft mein Blut, hör ich die Englein singen.
Ich bin ein Schwächling und kein echter Mann –
Ich kann mir nicht einmal den Hals aufschlitzen!

Beitrag vom 20 September, 2014 (15:35) | Autor: Walther | Rubrik: alptraum/ego.wunde | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Die mächte der nächte

2 April, 2014 (16:48) | | alptraum/ego.wunde, rausch (zustände) | Kommentieren

Dort draußen herrschen grausige gestalten:
sie hecheln um die häuser böse geifernd
der albtraum schwitzt sich nass & kalt ereifernd
kämpft er sich durch das schicksal & gewalten
Die er niemals besiegen kann sie lauern
im innen wie im außen schnell verhallten
die schritte die imaginiert geballten
gewitter blitzen glichen aus den mauern
Bedrohten geister die niemand gerufen
die keiner forderte zu teufels pakten
die träume die die fäulnis bilder schufen
Zerstieben als die mörder hände packten
was noch an herz & mut war es zerpflückten:
sein atem zug ist hoffnung dem verrückten

Beitrag vom 2 April, 2014 (16:48) | Autor: Walther | Rubrik: alptraum/ego.wunde, rausch (zustände) | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


revolutionärrisch

6 März, 2014 (03:57) | | alptraum/ego.wunde | 1 Kommentar

es gilt, alle verhältnisse umzuwerfen, in denen der mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches wesen ist“ (karl marx)

arsch ist mittwoch wieder donnerstag,
und an den himmelssimsen graut’s schon bieder.
cruise missilend, wie ich sanfter schlief und lag
als dichter nimmer und wohl deshalb wieder.

kein vers zur nacht, nur fotos und die witze
von bill’gen tafeln, sonderangebot:
die sandte uns, den auraochs’nen fritzen
der herr, der ist allein nur unser gott.

wir nennen’s wikiped‘ theodizee,
dies oll’ problem der weitab liebenden,
und sind dabei die küste, nicht die see,

die schönen künste, die verschwiemelten,
als fas.net’s übernächtigtste der narren,
die zogen aus dem dreck des dichters karren.

ögyr liest’s

Beitrag vom 6 März, 2014 (03:57) | Autor: Jörg Meyer (oegyr) | Rubrik: alptraum/ego.wunde | Beitrag drucken Beitrag drucken | (1) Kommentar


Das flüstern ist ein leises

29 Juli, 2013 (18:24) | | alptraum/ego.wunde, ego.t/error.welt | Kommentieren

Das flüstern ist ein leises / der ton klingt wie aus stahl
& jenseits des geleises / hat niemand eine wahl
ich spreche ein versprechen / doch klug ists sicher nicht
die heilung der gebrechen / ist nirgends mehr in sicht

Denn um uns fallen bomben / die städte sind im krieg
das sein in katakomben / ein unglück wird nicht sieg
weil man es dazu betet / ein schrei ist manchmal stumm
Denn wenn die sprache tötet / kommt alles darin um

Du stehst dort auf dem hügel / & schaust ins tal das brennt
ach wüchsen uns nur flügel / gebein das schneller rennt
& blühten unsre gärten / wie einst in unsrer jugend
ach heilten die versehrten / & sprösse neue tugend

Doch bei uns lebt das morden / & tod & schmerz & hass
im süden wie im norden / auf rachsucht ist verlass

Beitrag vom 29 Juli, 2013 (18:24) | Autor: Walther | Rubrik: alptraum/ego.wunde, ego.t/error.welt | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Du stehst dort

10 Juni, 2013 (20:25) | | alptraum/ego.wunde, herz & lenden, netz@uge.nblick | Kommentieren

Du stehst dort in dem Meer aus Nacht und Schatten:
Der Mond bescheint dich fahl mit seinem Licht.
So überirdisch brennt es, dein Gesicht,
Und mit ihm alles Glück, das wir je hatten.
Ich rufe sie, die vielen Silbersterne:
Sie sollen dich geleiten in das Nichts,
Und mit den zarten Versen des Gedichts
Begleite ich dich in die kalte Ferne.
Das Träumen ist geblieben, und ich mache
Mir einen Spaß daraus, dass ich fast lache,
Wenn ich an deine Wangengrübchen denke!
Du bleibst in mir geborgen, in der Mitte,
Und gehst mit mir so jeden meiner Schritte,
Die ich zu dir als meinem Schicksal lenke.

Beitrag vom 10 Juni, 2013 (20:25) | Autor: Walther | Rubrik: alptraum/ego.wunde, herz & lenden, netz@uge.nblick | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Du stehst dort

26 Mai, 2013 (20:15) | | alptraum/ego.wunde, herz & lenden | Kommentieren

Du stehst dort in dem Meer aus Nacht und Schatten:
Der Mond bescheint dich fahl mit seinem Licht.
So überirdisch brennt es, dein Gesicht,
Und mit ihm alles Glück, das wir je hatten.
Ich rufe sie, die vielen Silbersterne:
Sie sollen dich geleiten in das Nichts,
Und mit den zarten Versen des Gedichts
Begleite ich dich in die Kalte Ferne.
Das Träumen ist geblieben, und ich mache
Mir einen Spaß daraus, dass ich fast lache,
Wenn ich an deine Wangengrübchen denke!
Du bleibst in mir geborgen, in der Mitte,
Und gehst mit mir so jeden meiner Schritte,
Die ich zu dir als meinem Schicksal lenke.

Beitrag vom 26 Mai, 2013 (20:15) | Autor: Walther | Rubrik: alptraum/ego.wunde, herz & lenden | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


die dunkle seite der nacht

8 April, 2013 (14:27) | | alptraum/ego.wunde | Kommentieren

auf der dunklen seite der nacht
die nornen besuchen an der eber
esche da wo das mond licht den
boden berührt

die wechsel spiele mit den parzen
aus fechten & ihnen das haar
reichen das silbrige lange sorgen
geschwängerte

& als gestalten wandelnder die
moiren heim suchen mit ihnen
ein bisschen ringel reihen spielen
zur mitter nacht

so will ich somnam bulant der
buhl schaft angst nach eifern
vom schlaf so trunken & vor
furcht so hell wach

Beitrag vom 8 April, 2013 (14:27) | Autor: Walther | Rubrik: alptraum/ego.wunde | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


ariels (unartiges) sturmlied

30 März, 2013 (06:09) | | alptraum/ego.wunde | Kommentieren

fünf faden tiefer liegt dein vers,
knoch‘ im grab, das aus korall‘ gemacht.
augen dort sind perlen, tief im fels:
fünf faden tief ist nächtens seine pracht,
denn nichts davon wird schwinden,
doch sich verdreh’n alsbald ins schwindeln.
nymphen schlagen dir die letzte stunde:
ficky-di-fuck!
horch! sie singen schon – von deiner wunde.

ögyr faciem fecit

nach William Shakespeare (from Ariel’s Song aus „The Tempest“):

Full fathom five thy father lies;
Of his bones are coral made;
Those are pearls that were his eyes:
Nothing of him that doth fade
But doth suffer a sea-change
Into something rich and strange.
Sea-nymphs hourly ring his knell:
Ding-dong.
Hark! now I hear them, – ding-dong, bell.

Beitrag vom 30 März, 2013 (06:09) | Autor: Jörg Meyer (oegyr) | Rubrik: alptraum/ego.wunde | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


abgetreten – amphybrachische hexameter –

12 Februar, 2013 (10:59) | | alptraum/ego.wunde, lug & trug, netz@uge.nblick | Kommentieren

mein leben nimmt endlich ein ende /
das atmen geht nicht mehr behände //
es röchelt die staubige lunge /
es hechelt die hässliche zunge //
ich reib mir die augen die blinden /
und fürchte die sinne sie schwinden //
das sterben ist nur eine wende /
begeb mich in andere hände //
man hört nicht mehr alles gezüngel /
und furzt auf das schale geklüngel //
ich scheiß auf die ehre die sünden /
und muss keine lügen verkünden //
so lieg ich und will nur noch bleiben /
die letzten der worte zu schreiben //
da zuckt es nochmal in den lenden /
ich möchte mein schicksal gleich wenden //
doch winkt schon des lotsen laterne /
mein lieber das hättste jetzt gerne //

Beitrag vom 12 Februar, 2013 (10:59) | Autor: Walther | Rubrik: alptraum/ego.wunde, lug & trug, netz@uge.nblick | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


dritte regel:

5 Februar, 2013 (12:42) | | alptraum/ego.wunde | Kommentieren

„Es gibt ein Mädchen, dem möchte ich die Angst für alle Zeit wegstreicheln.“ (Klavki: „Der Wolkenhändler“)

und frag“ nicht nach dem fraglosen, sondern
beantworte das, was keiner fragte.
sprich nicht, verschweige die losung.
passwort ist: unterseegang – flüsternd.

und rede nicht um das sprechen herum,
nicht umständlich gebrauche die sprache,
sondern den umstand des schweigens.
enthalte dich überhaupt der worte,

es sei denn, du machtest sie neu,
wäre „tod“ nicht eines, das sich
in lebendiges übersetzen ließe, wie als
fahrgast du charon über den fluss.

dritte regel: vergiss die zweite, erinnere
dich erst der ersten – und brich sie:
drei, zwei, eins. sage, singe
wie beim himmel-und-hölle-spiel die kinder,

zähl“ sie auf, die multiple-scheuen kästchen.
kreuze nichts an, kreuze, streiche durch
und dich an. mit weißer tinte schreib“
auf weißem papier: „und ich verschwinde.“

sound

Beitrag vom 5 Februar, 2013 (12:42) | Autor: Jörg Meyer (oegyr) | Rubrik: alptraum/ego.wunde | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


der der ich bin

30 November, 2012 (18:52) | | alptraum/ego.wunde | Kommentieren

der der ich bin der mag verrotten
mag würmern fraß sein sterben
ach tu doch nicht so hart gesotten
bei mir wirst du nichts damit erben
das fell soll mir die sonne gerben

die knochen soll die wüste bleichen
& all mein träumen da versanden
kein wasser meinen mund erreichen
ich bleib auf wenig unverstanden
wie die die ohne wort verschwanden

die gingen ohne anzukommen
& wenn ich tot bin & verlassen
dann frage dich & ihn beklommen
bekommst du jemals ihn zu fassen
was es denn taugt das ganze hassen

das bange zweifeln hilfe schreien
& sag ihm ich werd nicht verzeihen
wir lassen uns nicht mehr entzweien
von uns wird niemand hoffnung leihen
& diese wahrheit so entweihen

Beitrag vom 30 November, 2012 (18:52) | Autor: Walther | Rubrik: alptraum/ego.wunde | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Los gezogen

26 November, 2012 (21:25) | | alptraum/ego.wunde | Kommentieren

Du stellt dir eine Lebensfrage, die
Dich nahe an den Rand führt des Verstehens:
Ganz aufgewühlt bist du von des Vergehens
Wahrscheinlichkeit und fürchtest dich wie nie.

Man hält vor dich zwei Lose und sagt: Zieh!
Du greifst rasch zu, und, voller stummen Flehens,
Entrollst du das Papier. Der Akt des Drehens
Und Reißens am dünnen Ring, die Blasphemie

Des Fluchs verstummt, als er sich endlich löst,
Lässt dir den Schweiß ins linke Auge rinnen.
Als du die Atemluft hinaus als Seufzer stößt,

Kommt bloß ein Pfeifen, rasselnd, wie von Sinnen.
Du liest, die Angst hat dir das eingeflößt:
Noch nicht! steht da, doch wirst du nicht gewinnen.

Beitrag vom 26 November, 2012 (21:25) | Autor: Walther | Rubrik: alptraum/ego.wunde | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


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