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Man wartet

11 Oktober, 2017 (06:41) | | alptraum/ego.wunde, ego.t/error.welt | Kommentieren

Sie liegt auf den tod sagt man &
man liegt nachts wach & denkt
wie es sich wohl an fühlt das auf
den tod liegen

Man liegt & fühlt sich schon mal
probe weise tot: atem an halten
bis der schweiß aus bricht der schnell
richtig kalt ist

Sie liegt da & man kann händchen
halten & man denkt: händchen
halten das geht gar nicht jetzt
& hält sich fest

Man liegt nicht man sitzt & wagt
kaum zu atmen & hat eine eis
stirn & hat angst: ob sie wohl angst
hat – man wartet

Beitrag vom 11 Oktober, 2017 (06:41) | Autor: Walther | Rubrik: alptraum/ego.wunde, ego.t/error.welt | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Tragisches Herbstereignis mit Mann und Hund

10 Oktober, 2017 (15:48) | | labyrinth/wort.gewebt., netz@uge.nblick, terra/adern/fluss.linien | Kommentieren

Ein Blatt löst sich vom Ast. Es schwebt. Es fällt.
War es der Wind, der es geknickt hat, war’s
Die Müdigkeit, die Folge des Katarrhs
Des Mannes, der die Hundeleine hält?

Der Hund blieb stehen, um den Baum zu ehren.
Ein Beinchen heben. Zeitung lesen, schnüffeln.
Und nach den Damen riechen, nicht nach Trüffeln.
Revier markieren, nicht die Blase leeren.

Das Blatt, allein gelassen, taumelt, weiß
Nicht recht, wo es denn landen soll: Da bei
Den anderen, den vielen, die schon liegen?

Doch es entschließt sich, vorher abzubiegen.
Dem Mann und seinem Hund ist’s einerlei.
Der Hund macht drauf. Der Mann entfernt den Scheiß.

Beitrag vom 10 Oktober, 2017 (15:48) | Autor: Walther | Rubrik: labyrinth/wort.gewebt., netz@uge.nblick, terra/adern/fluss.linien | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Heiter bis tödlich

10 Oktober, 2017 (08:52) | | ego.t/error.welt, haut.falten/masken.wahn, labyrinth/wort.gewebt. | Kommentieren

Die charta hat sich entäußert
& ist auf ab stand gegangen:
leichter drunter durch beim –
lambada

Die letzte karte gespielt
& sich selbst über trump(f)t:
raketen mikado an erde –
bis es kracht

Einer hatte carte blanche
& keiner gute karten:
das navi führt in die irre – total
vergoogelt

Als brettchen kommt das menü
& is(s)t vor dem kopf:
mit stäbchen oder besteck – gräte
bleibt gräte

Beitrag vom 10 Oktober, 2017 (08:52) | Autor: Walther | Rubrik: ego.t/error.welt, haut.falten/masken.wahn, labyrinth/wort.gewebt. | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Kastanien III

27 September, 2017 (16:20) | | beautiful people, netz@uge.nblick, zugvögel/wind.bahnen | Kommentieren

Als Kinder bauten sie gern Schiffchen oder Männer
Aus diesen brauen runden Früchten, die sie fanden,
Wenn sie sie suchten. Wo die großen Bäume standen,
Da waren Kinder. Durch die Blätter kickten Kenner,

Die Kapseln flogen, brachen auf; ein lautes Schreien,
Ein Freudenkreischen und auch manches Streiten:
Das wilde Treiben würde Freuden vorbereiten:
Da mitzutun, den Steifsten konnte es befreien.

Der Mann tat mit und mischte sich schnell unters Tollen,
Gesicht gerötet und die Brille schief vor Augen,
Ging er, laut lachend, mit den Wilden in die Vollen,

Als wollte er die Jugend nochmals in sich saugen:
Vielleicht hat er das Leichte nacherleben wollen,
Doch dazu würde selbst das Glück des Spiels kaum taugen.

Beitrag vom 27 September, 2017 (16:20) | Autor: Walther | Rubrik: beautiful people, netz@uge.nblick, zugvögel/wind.bahnen | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Kastanien II

26 September, 2017 (07:27) | | alptraum/ego.wunde, netz@uge.nblick, terra/adern/fluss.linien | Kommentieren

Ihm war, als würde er sie aus dem Feuer holen:
Sie glühten warm in seiner Hand. Er sah und staunte.
Ein ferner Glanz von Sonne, der ein Flüstern raunte,
Lag vor ihm: In der Tasche klackte es verstohlen.

Er würde sie in einer schönen Schüssel bergen –
Als Ahnung und Versprechen, eines Jahres Früchte,
Symbol von Wiederkommen, Jugend, Lüste, Süchte:
Der Tod schickt Winter, Alter, Krankheit, seine Schergen.

Er griff zum Mantelkragen, zog den Schal noch enger.
Sein Schatten ging gebeugt, als trüg er schwere Lasten.
Die Schwermut ist ein eitler böser Hoffnungsfänger.

Die Kälte biss ihm in sein Herz und ließ ihn hasten.
Die Schritte und die Atemzüge wurden länger:
Ihm war, als würden Eisesfinger nach ihm tasten.

Beitrag vom 26 September, 2017 (07:27) | Autor: Walther | Rubrik: alptraum/ego.wunde, netz@uge.nblick, terra/adern/fluss.linien | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Kastanien

25 September, 2017 (08:50) | | terra/adern/fluss.linien, zugvögel/wind.bahnen | Kommentieren

Schon dunkelte der frühe Herbst durch Nebelfeuchte:
Still sprach der fahle Mond Gebete für die Wärme.
Ein kalter Stich fuhr durch die sommermüden Därme,
Als aus dem Dickicht laut ein Igelkind entfleuchte.

Der spitze Ruf des Kauzes weckte Krähenschwärme,
Die müde in den Kronen ruhten: Floh die Beute,
Die er doch jagte? Winterwarnung war’s! Der dräute
Und drohte: Leben wehrte ihm mit dem Gelärme.

Der Mann schlug seinen Mantelkragen hoch und eilte
Dem Schatten hinterher, der vor ihm Faxen machte.
Es schien, als ob er an der Kreuzung kurz verweilte.

Er dachte an den Tag und an die Nacht. Er lachte,
Als sich sein Schatten mit dem schwarzen Baum verkeilte.
Dann stand er da. Er las sie auf, ganz sanft und sachte.

Beitrag vom 25 September, 2017 (08:50) | Autor: Walther | Rubrik: terra/adern/fluss.linien, zugvögel/wind.bahnen | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Dein blick

11 September, 2017 (06:42) | | blut.bahnen/rauschen, herz & lenden, rausch (zustände) | Kommentieren

Dein blick schmeichelt verjüngt
macht stark: die iris mit ihren grauen
grünen blauen sprengseln verwirrt
mich die pupille wird weit als wolle

Sie mich auf saugen – ich habe
kapituliert die waffen gestreckt nah
bist du dein atem streichelt mein
ohr läppchen & dein auge schaut

Mein auge & beide sehen wie die
lider flattern die wimpern zittern &
die hände nicht mehr wissen was
sie tun: dein blick ist entrückt &

Dein blick schweigt das wort liebe
in meinen: ich kanns hören

Beitrag vom 11 September, 2017 (06:42) | Autor: Walther | Rubrik: blut.bahnen/rauschen, herz & lenden, rausch (zustände) | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


fuga à due voces

9 September, 2017 (02:11) | | rausch (zustände) | Kommentieren

oh ja, ich sang dir meinen kontrapu[ck/nk]t
in den schlitz, in das sehnen.
zweistimmig war ich, im kontradickt,
ich schrieb es in fut und fuga.



und sahest du mich so singen,
du hättest mich nicht ge- und erhört.
du bliebest im schweigen, das weib,
das mir die wäsche wäscht, gut’s mir zu tun.

das mir das mitternachtsmahl gekocht,
allein, du schwiegest weise all meinen
worten, denn die lassen sich nicht
braten im kreis einer pfanne,

wo jetzt das ei-gewusst des schweines
denaturiert oder der kühe,
die ihr haupt senken den schlächtern
wie ich dir hin.

oh ja, ich sang dir vom grabe,
vom balde das tröstende lied.
und wenn nicht, doch dann von den fenstern
den öffnenden klick.

(170907)

Beitrag vom 9 September, 2017 (02:11) | Autor: Jörg Meyer (oegyr) | Rubrik: rausch (zustände) | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Placebo

20 August, 2017 (11:30) | | alptraum/ego.wunde, ego.t/error.welt, terrere est humanum? | Kommentieren

Reich mir ein placebo
die plätzchen liegen mir im magen
sauer stößt mir auf was
berichtet wird aus herren ländern

Wo dämonen hausen &
vampire die im blut baden
& an den zitzen saugen
bis sie rand leer sind

Ich brauch eine betäubungs
spritze – ziel mittig in die
dart scheibe das bringt die
meisten punkte: the winner

Takes it all“ – auch das schlauch
boot vor Libyen sinkt ohne
dass die ratten ersaufen
Europa ist bloß eine insel

Der un seligen kein Atlantis
Zeus hat sie zu schanden geritten
als er den großen macker spielte:
ein reich für ein placebo

Beitrag vom 20 August, 2017 (11:30) | Autor: Walther | Rubrik: alptraum/ego.wunde, ego.t/error.welt, terrere est humanum? | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


wohin ich ging

19 August, 2017 (00:31) | | herz & lenden | Kommentieren

woher ich komm’, will ich nicht hin,
auch nicht, wohin ich geh’ und ging.
ich bleibe stehen und halt’ in’
am orte, wo ich nicht mehr bin.

wohin ich streb’, ist mir entgangen,
es war mal was wie utopie,
der’n dichterwortes schweres bangen
war leicht verheißen, doch mir nie.

woher kommt’s sehnen nach dem nicht,
wohin will dieses volle herz
euch ausergießen sein gedicht,
wo wiegt es lichtend schwer wie erz?

wohin will all das traute gehen,
wem ist sein ziel einst zu ersehen?
und wo wird dem erliegen stehen
ein grab, in das wir, ach, verwehen?

(170818)

Beitrag vom 19 August, 2017 (00:31) | Autor: Jörg Meyer (oegyr) | Rubrik: herz & lenden | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Im auge nicht & niemals

4 August, 2017 (17:47) | | herz & lenden, netz@uge.nblick | Kommentieren

Im auge nicht & niemals

 

Magst du meine hand in deine
nehmen – meine finger sind klamm
& schmerzen seit heut morgen

Du hörst mich unausgesprochen
& lächelst kluges ein verstehen:
dann beschwingst du mich & tanzt

Deine hand führt uns auf dem
dunklen weg den die sichel aus
dem nacht himmel schneidet

Wir kehren uns einander zu:
es ist nicht zu fassen warum wir
nicht altern – im herz nicht

Im auge nicht & niemals

Beitrag vom 4 August, 2017 (17:47) | Autor: Walther | Rubrik: herz & lenden, netz@uge.nblick | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Paris, Texas

2 Juni, 2017 (11:36) | | ego.t/error.welt, lug & trug, terra/adern/fluss.linien | Kommentieren

Paris, TX

by Walther

Sometimes, no, mostly, you are fucked if the guy who runs office isn’t the brightest candle on the planet. Could be we got such a moment currently. Point is that Paris lies in Texas, London in Ohio, Berlin in New Hampshire and Wisconsin, and Rome in Georgia.

“The World is one.”

Even if you still believe that an extra USA sun burns the small rest of your brain in or out of your skull when standing in the center of Paris, TX, around high-noon time after a shoot-out at the O.K. corral – the bud in the notorious redneck bar is still as bad as it was last time. Steak and Ketchup is on sale. Sides are limited to fries, ice salad with vinegar dressing only. Thousand islands are down-under.

Go figure, Donald. It’s about time.

 

Übersetzt:

Paris, Texas

Kommentar von Walther

Manchmal, nein, meistens, steckt man in der Scheiße, wenn der Mensch, der dich regiert, nicht das hellste Licht auf der Welt ist. Sieht so aus, dass wir gerade diese Lage haben. Tatsache ist, dass Paris in Texas liegt, London in Ohio, Berlin in New Hampshire oder Wisconsin und Rom in Georgia.

„The World is one.“ (Die Welt ist eins).

Sogar wenn Du glauben sollest, eine spezielle US-Sonne würde Dir den kleinen Hirnrest aus oder in Deinem Schädel verbrennen, wenn Du auf dem Marktplatz in Paris, Texas, stehst, 12 Uhr mittags, nach dem Shoot-out im OK-Corral – das Budweiser ist so mistig wie das letzte Mal auch in der versifften Redneck-Kneipe. Steak und Ketchup gibt’s grade billiger. Als Beilagen sind nur Fritten auf der Karte, Eissalat bloß mit Essig und Öl. Thousand Islands sind bereits untergegangen.

Mach Dich vom Acker, Donald. Es ist höchste Zeit.

Beitrag vom 2 Juni, 2017 (11:36) | Autor: Walther | Rubrik: ego.t/error.welt, lug & trug, terra/adern/fluss.linien | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Im Grau des halben Tags

12 Mai, 2017 (15:54) | | alptraum/ego.wunde, herz & lenden, netz@uge.nblick | Kommentieren

Im Grau des halben Tags

Die Worte sinken in die weichen Kissen.
Dort, wo du lagst, verschwinden sie im Warmen.
Die Hoffnung wog so leicht in deinen Armen.
Ich weiß, ich werde beides sehr vermissen.

Die Vögel üben sich in Feindalarmen.
Man sieht den Milan weiße Fahnen hissen,
Die beiden Krähen jagen ihn verbissen:
Sie kennen mit dem Nestraub kein Erbarmen.

Im Grau des halben Tags kommt Angst in Schüben,
Da selbst die Mücken vor dem Stich verrecken.
Das Fenster in die Welt beginnt zu trüben:

Als sich die Sterne hinterm Mond verstecken,
Muss ich das Traurigsein erst wieder üben
Und weiß nicht mehr, wie‘s geht, das Wunden-Lecken.

Beitrag vom 12 Mai, 2017 (15:54) | Autor: Walther | Rubrik: alptraum/ego.wunde, herz & lenden, netz@uge.nblick | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


keine(r) da

12 Mai, 2017 (03:16) | | ego.t/error.welt, herz & lenden, hyper pixels, terrere est humanum? | 1 Kommentar

keine da, keiner war,
nur ich, der mir glich.
jede liebt, jeder lebt,
doch ich nicht

„not for me“

nur noch ich, der liebte,
blieb allein und schrieb,
was ich sagte wie beklagte,
was mir schien, wie einst in wien

„not for me“

freud’ auf deiner couch,
statt dass mich knautscht
und darauf knutschte,
wo ich verpfuschte

„not for me“

liebe lang und unverwandt,
im traum und raum verlangt,
fällt mir leicht und nicht mehr schwer,
denn ich komm’ vom leiden her

„not for me“

wie wird das enden, aus den händen?
sand aus der zerbroch’nen uhr,
im glas noch allererster schwur,
dass ich werd’s anders wenden

„not for me“

keine(r) da, die mitempfände,
was mir fehlt und meinem mangel,
was ich schrieb an alle wände
meiner zelle und im wandel

„not for me“



(hannover: 170430, kiel: 170512)

Beitrag vom 12 Mai, 2017 (03:16) | Autor: Jörg Meyer (oegyr) | Rubrik: ego.t/error.welt, herz & lenden, hyper pixels, terrere est humanum? | Beitrag drucken Beitrag drucken | (1) Kommentar


Mit diesen vierzehn zeilen

6 März, 2017 (08:49) | | alptraum/ego.wunde, netz@uge.nblick, zugvögel/wind.bahnen | Kommentieren

Drum spreche ich mit diesen vierzehn zeilen
in eine welt die nicht versteht was ich
versteh weil sich die zeiten stets verkeilen
dass sie zerbricht & schreit so fürchterlich

Die kleine welt die in der kapsel springt
& aus ihr samt um früchtchen aus zu treiben –
ich höre wie der frühling singt & klingt
will meine hände an einander reiben

Als schon der sommerwind den lenz verbrennt
gewitter rasen durch die felder: golden
entleiben ähren sich – der winter kennt

Den herbst & keine rast & weißen tod
& in den gärten dorren blüten dolden
ich steh & sage hier von meiner not

Beitrag vom 6 März, 2017 (08:49) | Autor: Walther | Rubrik: alptraum/ego.wunde, netz@uge.nblick, zugvögel/wind.bahnen | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


anderland 15

4 März, 2017 (02:45) | | lug & trug | Kommentieren

sonettes unverstand

hallo, ihr leser, ich bin ein sonett.
mein dichter sagt, ich sei die „seine“ form
und damit sei „seit damals“, was ihn rett’t
ins hinten – ehedem – statt in das vorn.

allein, was ich gesagt, sich nicht erschließt
beim lesen meiner verse ins gehör.
dahin hinaus mein alzgeheimnis schießt
und reimt, doch schwört darauf nicht, dass ich schwör’.

ich bin also ein bisschen immer lüge
im vorerst unverstand’nen einverstand.
ich breite dennoch meiner federn flügel,

auf dass mein dichter mich noch einmal lese
und korrigierte meiner küsten land
auf seiner karte, über der er schwebte.

(170303)

Link & zu anderen anderländern

Beitrag vom 4 März, 2017 (02:45) | Autor: Jörg Meyer (oegyr) | Rubrik: lug & trug | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Hör auf zu fragen: Warum ich?

26 Februar, 2017 (19:30) | | alptraum/ego.wunde | Kommentieren

Sich selbst zu bemitleiden, hilft so gar nix, da sind halt bessere Strategien gefragt.

Zunächst setze ich mich hin und schreibe mir einen Brief, in dem ich mich sieze und selbstbemitleide. Ich schwelge in Sätzen wie: „Die Schilderung Ihres Geschicks hat mich zutiefst erschüttert.“ und „Noch nie zuvor habe ich von einem derart unglaublichen Missgeschick in einem Leben gehört.“; mit „Bitte nehmen Sie den Ausdruck meines tiefsten Mitgefühls entgegen.“ beende ich mein Klagelied.

Sodann nagle ich noch einige meiner Wünsche fest, indem ich aufliste, dass ich mir vornehme, tanzen zu gehen, ausdauernd zu schwimmen, ans Meer zu fahren, zu vergeben, Sonne zu tanken, Brunch zu frühstücken, auszumisten, Menschen zuzuhören, mich glücklich zu verlieben, mehr zu lachen und zu schreiben, tagelang ohne Computer und zufrieden zu sein.

Die Liste füge ich dem Brief hinzu, klebe mit Geduld und Spucke eine Marke drauf und werfe alles mitten in den Fluss des Lebens.

Beitrag vom 26 Februar, 2017 (19:30) | Autor: Kathrin Drescher | Rubrik: alptraum/ego.wunde | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Wo die Angst ist, ist der Weg

21 Februar, 2017 (15:56) | | goldener schnitt | Kommentieren

Immer meiner Angst nach, ich kann den Weg gar nicht verfehlen.

Beitrag vom 21 Februar, 2017 (15:56) | Autor: Kathrin Drescher | Rubrik: goldener schnitt | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Es möge schneien

14 Dezember, 2016 (15:07) | | netz@uge.nblick, terra/adern/fluss.linien, terrere est humanum? | Kommentieren

Man könnte jetzt „Aleppo!“schreien.
Man könnte es auch einfach lassen.
Wir können uns das nicht verzeihen
Und müssten uns dafür wohl hassen.

Stattdessen geht das Bomben weiter.
Es wird geschossen und gestorben.
Der Himmel ist schön blau und heiter.
Für Weihnachten wird stark geworben.

Man könnt sich an die Nase fassen
Und könnte „Nieder Putin!“ schreien.
Wir werden es geschehen lassen
Und wünschen uns, es möge schneien.

Beitrag vom 14 Dezember, 2016 (15:07) | Autor: Walther | Rubrik: netz@uge.nblick, terra/adern/fluss.linien, terrere est humanum? | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Hand reichung

25 November, 2016 (15:43) | | beautiful people, ego.t/error.welt, labyrinth/wort.gewebt. | Kommentieren

Dem gestern die hand reichung an
gedeihen lassen – unter weg
lassen von drums & drans

Der fort schritt ist eine transe
eine transition form wechselnd eine haar
lose häutung von vielen kleinen
zähnchen mit ab rieb & ab
reibung –

Rück schritte haben gender
wahn sinn in gebäck – packung an
backung dicht geschnürte
korsette & strapse & seiden
strümpfe unterm freuchten schritt:

Wahres ist unbar
wer schreibt vergeht
wer bleibt ist ein treppen
witz ohne geschichts
buch

Dem meuchel morgen knöcherne
fingerchen kalte kuppen hand
schuh los händchen hin
halten – &:

Reichs mir mein liebchen
ich führ dich zum tanze
zwick dir ins grübchen
& geh dann aufs ganze

Beitrag vom 25 November, 2016 (15:43) | Autor: Walther | Rubrik: beautiful people, ego.t/error.welt, labyrinth/wort.gewebt. | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


murot de la mort

22 November, 2016 (02:31) | | ego.t/error.welt | Kommentieren

das leben finden wir ernst erst,
wenn wir gestorben sind –
jedes gedicht ein nahtoderlebnis.

mit meiner ehemals geliebten,
ihre nylonstrümpfe haben laufmaschen,
auf die ich auf dem sofa schaue,

schaue ich tausendundersten „tatort“:
wir tauschen bedenken am drehbuch
aus, hatten vorher beim asiaten gesund gegessen.

Beitrag vom 22 November, 2016 (02:31) | Autor: Jörg Meyer (oegyr) | Rubrik: ego.t/error.welt | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Man sollte speien

15 November, 2016 (14:03) | | alptraum/ego.wunde, terrere est humanum? | Kommentieren

Man sollte speien viel mehr sollt man kotzen
die lippen wund genetzt mit magen saft
denn sterben ist nicht ehrbar sagen haft
man möchte dabei viel mehr hirn schleim rotzen

Wenn in der stirne eine scharte klafft
& fliegen schwärme in den kugel fotzen
& augen sitzen die nur leblos glotzen
verrecken wäre nichts als sippen haft

Gespräche führn wir laufend in palästen
es klingen silber löffel teller tassen
die all die essens schätze mund fein fassen

Wenn an Aleppos telegraphen ästen
nur blut verschmierte graue fahnen hängen
& kinder hungernd sich durch gassen zwängen

Beitrag vom 15 November, 2016 (14:03) | Autor: Walther | Rubrik: alptraum/ego.wunde, terrere est humanum? | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


nur ein wink

12 November, 2016 (04:44) | | ego.t/error.welt | Kommentieren

nur ein wink aus deinen händen,
nur ein wort auf deinen lippen
macht mich stark: aus allen ländern,
allen küsten, deren rippen

brach gelegen, jetzt ein port
gemacht, von dem wir aufgebrochen.
auch das skelett an fleisches ort,
wo’s klappert, dem wir anverflochten

als mensch und menschen einverstanden,
dass einer nicht des and’ren wolf,
doch sei ein hilf’ dem angelanden
an förden, buchten oder golf.

und ist’s auch, dass sie uns benennen
und hämen uns als gutgemensch:
es bleibt ein rest in dem bekennen:
ein kuss ist’s jenseits ihrer schänd’,

ein anvertrauen jeden tag
und auch in nacht, die schlimm verschlafen,
wo manchen noch am herzen lag,
was tickt durch facebooks telegrafen

nur als ein „like“. doch solches „like“
müsst’ allen sein, verwundeten,
den totgesagten, dass nicht schweigt
ein jeder so bekundeten

an eig’nen leidesliedern nur.
dass vielmehr wir und all’ versehrte
die hand uns reichten zu dem schwur:
WIR SIND, DIE KÄMPFEN UMS BEGEHRTE!

das ist der wink, den uns der wind,
geschicht’ und gegenwart … die hand
gereicht, dass wir sind taub und blind
nicht mehr für dieses NEUE LAND.

Beitrag vom 12 November, 2016 (04:44) | Autor: Jörg Meyer (oegyr) | Rubrik: ego.t/error.welt | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Ich liege und knirsche

31 Oktober, 2016 (10:55) | | ego.t/error.welt, labyrinth/wort.gewebt., lug & trug | Kommentieren

Ich liege hier unter der Schattenmorelle
Und muss mal kurz niesen, denn das falbe Blatt
Verdeckt meine Nase und kitzelt mich matt.
Jetzt brauche ich Durchzug, und das auf die Schnelle!

Ich lieg dort noch immer und an jener Stelle,
An der er mich killte und nachher verscharrte.
Ich liege im Feuchten und warte und warte,
Doch er dreht am Geldhahn und sitzt an der Quelle.

Ich faule und schäume und dreh mich: Die Delle
Kommt von der Verwesung; es fackelt das Grelle
Der Windröschen gehl um die schüttere Kirsche.

Ich lieg da und warte: Die Nacht, der ich harre,
Sie kommt, und ich sehe mich pirschen, die Knarre
Des Wahnsinns am Kopf meines Mörders – ich knirsche.

Beitrag vom 31 Oktober, 2016 (10:55) | Autor: Walther | Rubrik: ego.t/error.welt, labyrinth/wort.gewebt., lug & trug | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


sweet herbst sixteen (4-7/14 sonetten)

30 Oktober, 2016 (04:13) | | hyper pixels, rausch (zustände) | 1 Kommentar

(14 (letzte) sonette)

4

ach, nach vier woch’n fällt das laub jetzt wirklich,
liegt leichenbunt auf allen meinen straßen,
da bin ich – solchem einerlei – versprech’ mich
und schau mich an im spiegel meiner strafen.

die leg’ ich selbst mir auf und an, gewand
der nacht, in t-shirt und der unterhose
am schreibtisch, wo mich tasten wiederfand
im denken, schreiben, fühlen, wichsen – lose.

nocheinmal diese strenge form, korsett,
verweigernd, feiert hier doch das sonett
im reimgeschwind sein fröhlich urgeständ.

als könnt’s nicht anders, leibt es noch als schaf
und hat noch vor ein zehnfach sich verschwend’,
bevor ich drüber buchgestäbe brach.

5

es muss sich so vollenden: noch die fünfte
sonettensymphonie. denn während ich
bekifft saß auf der party gestern, hüpfte
ein seifenfläschchen in die zeilenpflicht.

aus rosen wie der liebe unverstand
war es erblüht. und wie ich’s daraus goss
in meine scribble-scrabbelnd dichterhand,
war’s duftend, was aus solchem ich genoss.

sonett_handseife_rose_web

es war auf der toilette eines weibchens,
wo sitzen muss der mann und nicht versprüht,
was aus ihm rinnt, dies trüb vergilbte schleichen,

das schwarz bis licht und weiß an ihr verglüht.
ich wasch’ mich, bärig bärtig in der maske,
ich weiß, dass ich bei ihr nicht lange raste.

6

am folgetag nach dieser nacht-imago
entschlüpf’ ich dem kokon als blätterfalter.
ich flüg’le kurz, dann brennend wie schiwago
an seiner lara schwerster brand-verwalter:

ein omar und sharif der antipowa.
ich träumte scharf und „om!“ von hollywoods,
von kriegen, frieden, russland und der shoa,
denn es war herbst und alle ohne schutz –

ein deutscher herbst wie sieben und auch siebzig,
ein fall wie im november neu und achtzig,
und ein vergehen wie das welke blatt,

das über straßen weht und keine ampel,
nicht ihre farben kennt, nur das gehampel,
das jedes wort, das ich gedichtet, hat.

7

auf halbzeit nun und in die blaue pause
schreibt reimend immer noch mein ich – und wischt
die wohlgefall’nen verse in die jause,
in eichenlaub und derb geschnitzten tisch.

denn ich erlaube mir noch einmal laub,
gefallenes nach frühling zu besingen.
in den gewinden meiner schrägen schraub’,
zieh’ ich register allen orgelklingens.

es wird absurd, wie das so nette kettet
den einen an den and’ren heimend vers.
es muss ein abschied sein, und der verzettelt:

hier ist der alt verweg’nen form ein herbst.
ich geb’ ihm meine blätter zum verwelken,
reim’ längst schon nicht mehr rein in solche kälten.

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Beitrag vom 30 Oktober, 2016 (04:13) | Autor: Jörg Meyer (oegyr) | Rubrik: hyper pixels, rausch (zustände) | Beitrag drucken Beitrag drucken | (1) Kommentar


Was ist ein Mensch?

29 Oktober, 2016 (11:08) | | beautiful people | Kommentieren

Ein Covjek, vielleicht ein Super-Covjek?
Ein Teufelskerl, von Gott gelenkt?
Ein Schelm, ein Komiker, der Böses denkt?
Ein Bild mit großen Lippen
zum Essen, Sprechen oder Küssen?

Einer, dessen Seele sich im Sonnengeflecht
unter’m Herzen regt?
Oder einer, der unter grauem Himmel
stets Sonne im Herzen trägt? –

Und – ach was, ok – ein Auto fährt auf seinem Weg.

Beitrag vom 29 Oktober, 2016 (11:08) | Autor: Kathrin Drescher | Rubrik: beautiful people | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Eskapismus baby

25 September, 2016 (18:08) | | beautiful people, ego.t/error.welt, lug & trug | Kommentieren

Sei mein stück eskapismus baby
mein mieses stück exi(s)t(enz) angst
mach auf strahle frau zum grau
brot kauenden otto normalo

Sei der glanz in meiner hütte
in der ich auf den hund gekommen
als drei beiniger kater hause
nach der großen jahr 1.000 sause

Sei die perle meiner krawatten
nadel die ich mir in den wende
hals gestochen trage nach erlösung
röchelnd im blüten weißen hemd

Sei der engel der meiner unschuld
schuld auf seinen flügeln trägt
als ob sie trag bar wäre durch die
unerträgliche schwere des seins

Sei mein stück eskapismus baby
& ein mieses stück selbst verleugnung
dem dessen sand um seinen kopf
langsam durch die zeit uhr fließt

Beitrag vom 25 September, 2016 (18:08) | Autor: Walther | Rubrik: beautiful people, ego.t/error.welt, lug & trug | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


sweet herbst sixteen (1-3/14 sonetten)

25 September, 2016 (07:55) | | herz & lenden | 1 Kommentar

1

ich habe zweifel an gewählter form,
sonett ist alt, ist gestrig. überhaupt:
warum die strenge hier im teenie.dorm,
wenn alten bäumen fällt ihr nacktes laub?

ja, hab’ erkenntnis, wenn ich solches dichte,
wie die kastanien fall’n aus ihrer frucht.
denn mein gewinn ist, wessen ich verzichte,
begeb’ ich mich in solcher silben flucht.

beschränkung setze etwas frei wie dampf,
lehr’n mich, die vormals selbiges versuchten.
mir scheint es manchmal nur wie zitternd kampf,

wenn verse mir gelingen unter krusten
und blätter werden nach dem schreiben grau,
wie stein gesandt der adressierten frau.

2

noch einmal sixteen, dieses junge alter,
wo man noch sprach ins ungereimt vereinte.
es war der pop, der rock, der jazz und punk,
ein unverzagen, das mir längst abhanden.

jetzt bin ich meiner texte hausverwalter,
ein dichter, der archive nachts beweinte.
mein blog verzeichnet skizzen anverwandt,
weiß um die lyrics und ihr so zu schanden.

doch leer bleibt solche form und wie die blätter
fall’n sie zu früh, ach ja, wie jedes jahr
und in dem unberechenbaren wetter.

ich suche nach dem letzten reim – ja klar –
und finde ihn, das ist gewiss, in not.
und weiß doch: er ist der gedichtet’ tod.

3

erwähnten, den kastanien, sagt man nach,
dass ihre stund’ zu früh gekommen sei:
sie welken neuerdings im sommerschlaf,
und winter wird sie nicht erwecken. blei

sei’n sie, ein abgestürbnis wie der text,
den hingestorb’ne dichter auf sie dichten.
und weil es reimt, es ist doch wie verhext,
wenn letzte früchte fall’n in schoß solch’ wichten.

dass dichten sich auf wichte reimte, ist
hier allbekannt, ein sich verzehrend’ groove.
es fräge sich nur, wessen ich du bist.

sei’s, was dich küssend wort aus sich erschuf
od’ nur, wo fröhlich wissenschaft sich breitet.
doch wie auch immer: wort ist dir bereitet.

ögyr liest’s

Beitrag vom 25 September, 2016 (07:55) | Autor: Jörg Meyer (oegyr) | Rubrik: herz & lenden | Beitrag drucken Beitrag drucken | (1) Kommentar


Du mensch raubst mir die guten worte

12 September, 2016 (13:41) | | ego.t/error.welt, haut.falten/masken.wahn, labyrinth/wort.gewebt. | Kommentieren

Gott sprach: du mensch raubst mir die guten worte
du bist der teufel wohl in menschs gestalt
du sengst & brennst & opferst dich gewalt
es gibt durch dich nur noch die höllen orte

Wo tonnen fallen aus den fahlen himmeln
& ratten sich auf leeren straßen treffen
um menschens kindern pfeifend nach zu äffen
die in den keller höhlen räudig schimmeln

In schwarzen fliegen blasen wund starr taumeln
ihr wasser aus verschmierten lachen saufen –
am dach first schlaffe graue fahnen baumeln

Die eisen stäbe greifen aus ruinen
nach mond & sternen schatten wesen laufen
den brot laib an sich tragend durch die minen

Beitrag vom 12 September, 2016 (13:41) | Autor: Walther | Rubrik: ego.t/error.welt, haut.falten/masken.wahn, labyrinth/wort.gewebt. | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


nein/eleven/fifteen

11 September, 2016 (03:58) | | alptraum/ego.wunde, rausch (zustände), terrere est humanum? | Kommentieren

wie babylon gestürzt, die herrschend türme,
sah ich das einst vor 15 dieser jahren.
es war, als wär’ das ende der gewürme
aus himmlischem der heere finstrest scharen.

ich war damals auf seiten attentäter,
dem letzen allah.ruf, dem sehr verbunden.
doch wusste ich, als davon vielmehr später
die nachricht sich verdichtet und bekunden

war „ground zero“, wie ich ihn erdichtet,
ein schmerz, verheerung und das schlimme grauen.
ich wusste, wo ein schwarzes sich belichtet,

und war in babylon, im turm, vertrauen,
dass sich ein sturz und ebenso erhebt,
was stirbt, sich umso grausamst wied’ erlebt.

ögyr liest’s

Beitrag vom 11 September, 2016 (03:58) | Autor: Jörg Meyer (oegyr) | Rubrik: alptraum/ego.wunde, rausch (zustände), terrere est humanum? | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


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