fuga à due voces

9 September, 2017 (02:11) | | rausch (zustände) | Kommentieren

oh ja, ich sang dir meinen kontrapu[ck/nk]t
in den schlitz, in das sehnen.
zweistimmig war ich, im kontradickt,
ich schrieb es in fut und fuga.



und sahest du mich so singen,
du hättest mich nicht ge- und erhört.
du bliebest im schweigen, das weib,
das mir die wäsche wäscht, gut’s mir zu tun.

das mir das mitternachtsmahl gekocht,
allein, du schwiegest weise all meinen
worten, denn die lassen sich nicht
braten im kreis einer pfanne,

wo jetzt das ei-gewusst des schweines
denaturiert oder der kühe,
die ihr haupt senken den schlächtern
wie ich dir hin.

oh ja, ich sang dir vom grabe,
vom balde das tröstende lied.
und wenn nicht, doch dann von den fenstern
den öffnenden klick.

(170907)

Beitrag vom 9 September, 2017 (02:11) | Autor: Jörg Meyer (oegyr) | Rubrik: rausch (zustände) | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


wohin ich ging

19 August, 2017 (00:31) | | herz & lenden | Kommentieren

woher ich komm’, will ich nicht hin,
auch nicht, wohin ich geh’ und ging.
ich bleibe stehen und halt’ in’
am orte, wo ich nicht mehr bin.

wohin ich streb’, ist mir entgangen,
es war mal was wie utopie,
der’n dichterwortes schweres bangen
war leicht verheißen, doch mir nie.

woher kommt’s sehnen nach dem nicht,
wohin will dieses volle herz
euch ausergießen sein gedicht,
wo wiegt es lichtend schwer wie erz?

wohin will all das traute gehen,
wem ist sein ziel einst zu ersehen?
und wo wird dem erliegen stehen
ein grab, in das wir, ach, verwehen?

(170818)

Beitrag vom 19 August, 2017 (00:31) | Autor: Jörg Meyer (oegyr) | Rubrik: herz & lenden | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


keine(r) da

12 Mai, 2017 (03:16) | | ego.t/error.welt, herz & lenden, hyper pixels, terrere est humanum? | 1 Kommentar

keine da, keiner war,
nur ich, der mir glich.
jede liebt, jeder lebt,
doch ich nicht

„not for me“

nur noch ich, der liebte,
blieb allein und schrieb,
was ich sagte wie beklagte,
was mir schien, wie einst in wien

„not for me“

freud’ auf deiner couch,
statt dass mich knautscht
und darauf knutschte,
wo ich verpfuschte

„not for me“

liebe lang und unverwandt,
im traum und raum verlangt,
fällt mir leicht und nicht mehr schwer,
denn ich komm’ vom leiden her

„not for me“

wie wird das enden, aus den händen?
sand aus der zerbroch’nen uhr,
im glas noch allererster schwur,
dass ich werd’s anders wenden

„not for me“

keine(r) da, die mitempfände,
was mir fehlt und meinem mangel,
was ich schrieb an alle wände
meiner zelle und im wandel

„not for me“



(hannover: 170430, kiel: 170512)

Beitrag vom 12 Mai, 2017 (03:16) | Autor: Jörg Meyer (oegyr) | Rubrik: ego.t/error.welt, herz & lenden, hyper pixels, terrere est humanum? | Beitrag drucken Beitrag drucken | (1) Kommentar


anderland 15

4 März, 2017 (02:45) | | lug & trug | Kommentieren

sonettes unverstand

hallo, ihr leser, ich bin ein sonett.
mein dichter sagt, ich sei die „seine“ form
und damit sei „seit damals“, was ihn rett’t
ins hinten – ehedem – statt in das vorn.

allein, was ich gesagt, sich nicht erschließt
beim lesen meiner verse ins gehör.
dahin hinaus mein alzgeheimnis schießt
und reimt, doch schwört darauf nicht, dass ich schwör’.

ich bin also ein bisschen immer lüge
im vorerst unverstand’nen einverstand.
ich breite dennoch meiner federn flügel,

auf dass mein dichter mich noch einmal lese
und korrigierte meiner küsten land
auf seiner karte, über der er schwebte.

(170303)

Link & zu anderen anderländern

Beitrag vom 4 März, 2017 (02:45) | Autor: Jörg Meyer (oegyr) | Rubrik: lug & trug | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


murot de la mort

22 November, 2016 (02:31) | | ego.t/error.welt | Kommentieren

das leben finden wir ernst erst,
wenn wir gestorben sind –
jedes gedicht ein nahtoderlebnis.

mit meiner ehemals geliebten,
ihre nylonstrümpfe haben laufmaschen,
auf die ich auf dem sofa schaue,

schaue ich tausendundersten „tatort“:
wir tauschen bedenken am drehbuch
aus, hatten vorher beim asiaten gesund gegessen.

Beitrag vom 22 November, 2016 (02:31) | Autor: Jörg Meyer (oegyr) | Rubrik: ego.t/error.welt | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


nur ein wink

12 November, 2016 (04:44) | | ego.t/error.welt | Kommentieren

nur ein wink aus deinen händen,
nur ein wort auf deinen lippen
macht mich stark: aus allen ländern,
allen küsten, deren rippen

brach gelegen, jetzt ein port
gemacht, von dem wir aufgebrochen.
auch das skelett an fleisches ort,
wo’s klappert, dem wir anverflochten

als mensch und menschen einverstanden,
dass einer nicht des and’ren wolf,
doch sei ein hilf’ dem angelanden
an förden, buchten oder golf.

und ist’s auch, dass sie uns benennen
und hämen uns als gutgemensch:
es bleibt ein rest in dem bekennen:
ein kuss ist’s jenseits ihrer schänd’,

ein anvertrauen jeden tag
und auch in nacht, die schlimm verschlafen,
wo manchen noch am herzen lag,
was tickt durch facebooks telegrafen

nur als ein „like“. doch solches „like“
müsst’ allen sein, verwundeten,
den totgesagten, dass nicht schweigt
ein jeder so bekundeten

an eig’nen leidesliedern nur.
dass vielmehr wir und all’ versehrte
die hand uns reichten zu dem schwur:
WIR SIND, DIE KÄMPFEN UMS BEGEHRTE!

das ist der wink, den uns der wind,
geschicht’ und gegenwart … die hand
gereicht, dass wir sind taub und blind
nicht mehr für dieses NEUE LAND.

Beitrag vom 12 November, 2016 (04:44) | Autor: Jörg Meyer (oegyr) | Rubrik: ego.t/error.welt | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


sweet herbst sixteen (4-7/14 sonetten)

30 Oktober, 2016 (04:13) | | hyper pixels, rausch (zustände) | 1 Kommentar

(14 (letzte) sonette)

4

ach, nach vier woch’n fällt das laub jetzt wirklich,
liegt leichenbunt auf allen meinen straßen,
da bin ich – solchem einerlei – versprech’ mich
und schau mich an im spiegel meiner strafen.

die leg’ ich selbst mir auf und an, gewand
der nacht, in t-shirt und der unterhose
am schreibtisch, wo mich tasten wiederfand
im denken, schreiben, fühlen, wichsen – lose.

nocheinmal diese strenge form, korsett,
verweigernd, feiert hier doch das sonett
im reimgeschwind sein fröhlich urgeständ.

als könnt’s nicht anders, leibt es noch als schaf
und hat noch vor ein zehnfach sich verschwend’,
bevor ich drüber buchgestäbe brach.

5

es muss sich so vollenden: noch die fünfte
sonettensymphonie. denn während ich
bekifft saß auf der party gestern, hüpfte
ein seifenfläschchen in die zeilenpflicht.

aus rosen wie der liebe unverstand
war es erblüht. und wie ich’s daraus goss
in meine scribble-scrabbelnd dichterhand,
war’s duftend, was aus solchem ich genoss.

sonett_handseife_rose_web

es war auf der toilette eines weibchens,
wo sitzen muss der mann und nicht versprüht,
was aus ihm rinnt, dies trüb vergilbte schleichen,

das schwarz bis licht und weiß an ihr verglüht.
ich wasch’ mich, bärig bärtig in der maske,
ich weiß, dass ich bei ihr nicht lange raste.

6

am folgetag nach dieser nacht-imago
entschlüpf’ ich dem kokon als blätterfalter.
ich flüg’le kurz, dann brennend wie schiwago
an seiner lara schwerster brand-verwalter:

ein omar und sharif der antipowa.
ich träumte scharf und „om!“ von hollywoods,
von kriegen, frieden, russland und der shoa,
denn es war herbst und alle ohne schutz –

ein deutscher herbst wie sieben und auch siebzig,
ein fall wie im november neu und achtzig,
und ein vergehen wie das welke blatt,

das über straßen weht und keine ampel,
nicht ihre farben kennt, nur das gehampel,
das jedes wort, das ich gedichtet, hat.

7

auf halbzeit nun und in die blaue pause
schreibt reimend immer noch mein ich – und wischt
die wohlgefall’nen verse in die jause,
in eichenlaub und derb geschnitzten tisch.

denn ich erlaube mir noch einmal laub,
gefallenes nach frühling zu besingen.
in den gewinden meiner schrägen schraub’,
zieh’ ich register allen orgelklingens.

es wird absurd, wie das so nette kettet
den einen an den and’ren heimend vers.
es muss ein abschied sein, und der verzettelt:

hier ist der alt verweg’nen form ein herbst.
ich geb’ ihm meine blätter zum verwelken,
reim’ längst schon nicht mehr rein in solche kälten.

← 1-3

Beitrag vom 30 Oktober, 2016 (04:13) | Autor: Jörg Meyer (oegyr) | Rubrik: hyper pixels, rausch (zustände) | Beitrag drucken Beitrag drucken | (1) Kommentar


sweet herbst sixteen (1-3/14 sonetten)

25 September, 2016 (07:55) | | herz & lenden | 1 Kommentar

1

ich habe zweifel an gewählter form,
sonett ist alt, ist gestrig. überhaupt:
warum die strenge hier im teenie.dorm,
wenn alten bäumen fällt ihr nacktes laub?

ja, hab’ erkenntnis, wenn ich solches dichte,
wie die kastanien fall’n aus ihrer frucht.
denn mein gewinn ist, wessen ich verzichte,
begeb’ ich mich in solcher silben flucht.

beschränkung setze etwas frei wie dampf,
lehr’n mich, die vormals selbiges versuchten.
mir scheint es manchmal nur wie zitternd kampf,

wenn verse mir gelingen unter krusten
und blätter werden nach dem schreiben grau,
wie stein gesandt der adressierten frau.

2

noch einmal sixteen, dieses junge alter,
wo man noch sprach ins ungereimt vereinte.
es war der pop, der rock, der jazz und punk,
ein unverzagen, das mir längst abhanden.

jetzt bin ich meiner texte hausverwalter,
ein dichter, der archive nachts beweinte.
mein blog verzeichnet skizzen anverwandt,
weiß um die lyrics und ihr so zu schanden.

doch leer bleibt solche form und wie die blätter
fall’n sie zu früh, ach ja, wie jedes jahr
und in dem unberechenbaren wetter.

ich suche nach dem letzten reim – ja klar –
und finde ihn, das ist gewiss, in not.
und weiß doch: er ist der gedichtet’ tod.

3

erwähnten, den kastanien, sagt man nach,
dass ihre stund’ zu früh gekommen sei:
sie welken neuerdings im sommerschlaf,
und winter wird sie nicht erwecken. blei

sei’n sie, ein abgestürbnis wie der text,
den hingestorb’ne dichter auf sie dichten.
und weil es reimt, es ist doch wie verhext,
wenn letzte früchte fall’n in schoß solch’ wichten.

dass dichten sich auf wichte reimte, ist
hier allbekannt, ein sich verzehrend’ groove.
es fräge sich nur, wessen ich du bist.

sei’s, was dich küssend wort aus sich erschuf
od’ nur, wo fröhlich wissenschaft sich breitet.
doch wie auch immer: wort ist dir bereitet.

ögyr liest’s

Beitrag vom 25 September, 2016 (07:55) | Autor: Jörg Meyer (oegyr) | Rubrik: herz & lenden | Beitrag drucken Beitrag drucken | (1) Kommentar


nein/eleven/fifteen

11 September, 2016 (03:58) | | alptraum/ego.wunde, rausch (zustände), terrere est humanum? | Kommentieren

wie babylon gestürzt, die herrschend türme,
sah ich das einst vor 15 dieser jahren.
es war, als wär’ das ende der gewürme
aus himmlischem der heere finstrest scharen.

ich war damals auf seiten attentäter,
dem letzen allah.ruf, dem sehr verbunden.
doch wusste ich, als davon vielmehr später
die nachricht sich verdichtet und bekunden

war „ground zero“, wie ich ihn erdichtet,
ein schmerz, verheerung und das schlimme grauen.
ich wusste, wo ein schwarzes sich belichtet,

und war in babylon, im turm, vertrauen,
dass sich ein sturz und ebenso erhebt,
was stirbt, sich umso grausamst wied’ erlebt.

ögyr liest’s

Beitrag vom 11 September, 2016 (03:58) | Autor: Jörg Meyer (oegyr) | Rubrik: alptraum/ego.wunde, rausch (zustände), terrere est humanum? | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


das unbehauste kind

2 August, 2016 (08:02) | | alptraum/ego.wunde, ego.t/error.welt, rausch (zustände) | 1 Kommentar

es war einmal ein kind,
das hatte so viel haus,
dass es unbehaust war.
es schritt durch die räume,
die wohl erträumt waren,
sah aber nur die leere,
nicht deren eingerichtetheit.

es war einmal ein kind,
das eben dort erwachsen wurde,
aber doch blieb dieses
unbehauste kind. nachts
lag es wach und schlief
am wirren tag der häuser, die
unterm dach, aber unbedacht waren.

das unbehauste kind - skizze

es war einmal ein kind,
das keine märchen kannte.
nur dieses, das man ihm erzählet hatte:
es war das märchen von dem kind,
das keine märchen kannte,
sondern solche schrieb,
wie man sie ihm erzählet hatte.

es war einmal ein kind,
das danach müde wurde
am tag und folgend in der nacht
des lebens wie des sterbens.
und so starb es nicht
und lebte gleichwohl nicht,
sondern starb, indem es lebte.

ögyr liest’s

Beitrag vom 2 August, 2016 (08:02) | Autor: Jörg Meyer (oegyr) | Rubrik: alptraum/ego.wunde, ego.t/error.welt, rausch (zustände) | Beitrag drucken Beitrag drucken | (1) Kommentar


es gibt keine richtigen lyrix im falschen leben

23 Januar, 2016 (04:54) | | alptraum/ego.wunde | Kommentieren

außer: „say goodbye to lethargy, save the world with this melody“ (bernadette la hengst)

so will ich singen, falschen vers euch dichten,
aus resten meines sangs sonett noch machen
und seiner strenge dennoch ganz verzichten,
beim dichten all dem schichten uns eins lachen.

werd’ sagen, auserzählt, euch von den versen,
von schwierigkeit, aus mir heraus zu schweigen.
ich könnte euch ja eh nichts mehr verbergen,
vielleicht, wohin sich mein gedicht würd’ weisen

und euch dahinter, traute meines lichts.
das linkt und reimt schon wieder auf „des wichts“,
gekommen wörterwelten auf den grund,

der macht sonettes reimen jetzt gesund,
und krank auch, was ich nahe des verzichts
noch bin in mitten meinem des gedichts.

ögyr liest’s

Beitrag vom 23 Januar, 2016 (04:54) | Autor: Jörg Meyer (oegyr) | Rubrik: alptraum/ego.wunde | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


an die verständigen

9 Januar, 2016 (06:40) | | beautiful people | Kommentieren

genossen, dass ihr’s wisst, ich rufe nicht
um hilfe und kassib’re kaum die silben.
was steht auch zwischen zeilen im bericht,
ist nur die maßnahm’ gegen das vergilben.

ist ein verzeichnis, wenn man will, vermächtnis,
wüsst’ ich, wovon, woher, ich wäre schlauer
und würde dichten nicht im ton des heftigst,
doch hätte leis’re töne auf der lauer:

dass unverständnis sei schon angelegt
und – wie ich’s gerne nenne – „anverzicht“
wär’, was dich, les- und leserin, bewegt.

denn wisset, wenn ich ruf’ um eure hilfe,
dann reimt’s sich in demselbigen gedicht
wie hier auf hilfe, die der dichten schilfe.

ögyr liest’s

Beitrag vom 9 Januar, 2016 (06:40) | Autor: Jörg Meyer (oegyr) | Rubrik: beautiful people | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


xChorals

25 Dezember, 2015 (04:53) | | rausch (zustände) | Kommentieren

„Herrscher des Himmels, erhöre das Lallen, lass dir die matten Gesänge gefallen, wenn dich dein Zion mit Psalmen erhöht“ (Bach/Picander, Weihnachtsoratorium)

1 das jahr

und war es auch, das jahr zu seinem ende | nicht das beste | so sind zu solchem feste | noch nährend all die reste | was uns erbleibend bände | geretteten der seelen

2 das sinken

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wer sank, sinkt noch und sänke | steht in dieser nacht doch wieder auf | denn siehe, sieht das licht | und schaut zu himmeln ’nauf | wo menschen leuchtet liebe | denn lieb’ ist | manna unsr’rer herzen | das den mensch erhält und nährt

3 das leben

und so geh’ ich aus | dem alten in das neue leben | halt’ mich tapfer | im wind der rauen nächte | fach’ ihn an und wand’re stetig | zu der strohig krippen

4 der widerstand

IMG_6382

darin mein widerstand | heißt noch und jesu zugewandt | glaub’ und lieb’ und hoffnung | denn also hat mein gott geliebet mich mit einverstand | hat herze mein geborgen | wie du mich einst in deiner liebe | und wenn wer greint, dass ich mich bloß ergebe | entgegne ich, dass mich | freundlichkeit und zugewandt nimmer mehr wird lassen

5 die speise

die speise liegt uns vor | und schmecket uns’ren zungen | lippen sind des lobes voll | denn eingeladen sind wir | davon zu uns unseres zu nehmen | vom trank nicht minder, unsrig’ zu beseelen | am tisch gemeinsam

6 der tisch

der tisch ist uns so reich gedeckt | das heil uns hier – und | wir denken dran | dass es auch and’ren mög’ gegeben sein | die wen’ger haben | und mit uns’ren selbiges des leids

7 nachts, im bus

ich fahre heim und sehne | wo kein heim wär’ auf der ew’gen fahrt | da: der mann, verhärmt | doch hebt den finger von der rückbank | spricht und predigt | stumm noch seine hilferufe | ich hör’ sie gleichwohl wie der herr

8 das licht

IMG_6385

es scheint als fast schon vollmond | dieser nacht uns in das herz hinein | so löst es meine fesseln | auch der dichtend form | senkt hoffnung in mein so konform | und weht mir in der regnend nacht | die tränen ins gesicht | als meine, unser aller dieser nächt’gen freude

ögyr liest’s

Beitrag vom 25 Dezember, 2015 (04:53) | Autor: Jörg Meyer (oegyr) | Rubrik: rausch (zustände) | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


von der diaspora

22 Dezember, 2015 (03:33) | | herz & lenden | Kommentieren

„arm bist du nicht ohne geld, arm bist du ohne herz.“ (syrischer flüchtling)

wir alle woll’n jetzt endlich bess’res leben,
das süß’re stück vom fetten sahnekuchen.
doch dafür ist kein nehmen, sondern geben,
ein finden uns nur in dem uns jetzt suchen.

so ist mein herz ein großes, kleinem geist
und eifersüchten manchmal nur gegeben.
denn wie auch immer ihr mich nennet, leist’
ich widerstand auch solchem untergehen.

ich bin nicht arm durch den verlust, doch reicher,
weil mein herz schlägt für dich und immer euch,
es pocht gemeinsam an der pforte. leichter

wird’s mir, wenn ich gewusst, dass der verzicht
auf heimat, bergung tränen macht mir feucht
und meine zunge auch für dies’ gedicht.

(@ j&m)

Beitrag vom 22 Dezember, 2015 (03:33) | Autor: Jörg Meyer (oegyr) | Rubrik: herz & lenden | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


die dienste des dienstags

2 Dezember, 2015 (04:02) | | netz@uge.nblick | Kommentieren

… sind aus denen des „i don’t like mondays“ gewonnen | vorausschauend auf die mittwöchnerinnen der | tage des donners | bevor wir frei werden im gebet des | freien tages, schabbat schalom.

denn des dienstags straßen | durch die ich nachts geistere | sind leere kurz vor der mitternacht | am mittwoch ist markt auf den plätzen | voran, die fische frisch liegend auf kälterem eis.

und ich leiste den dienst an meinem | innstetteneinsamen | mache mich auf | den ingrimm zu stolz noch zu mimen,

meine maske : digital.

… sinken aus denen der mönchischen nächte | wo ich, selbige teilend in stunden | minuten nach sekunden | verharre, um zu scharren | mit den füßen im sand und getriebe | öl nicht in mein feuer gießend, doch quarz | ihn zu zerreiben.

denn des dienstes nächte | krankenschwestern, übermüdete feuerwehren | caste ich zu henneckes der nachtarbeit | singe das loblied selbst schlecht bezahlter arbeit | wissend um deren kreuze.

die sie an falscher stelle machen | nachwievorhut ihrer wie meiner selbstausbeutung | produzentinnen des eigenen unglücks | strebend nach glück,

das einst fällt ihnen | ein – und also vor die füße.

ögyr liest’s

Beitrag vom 2 Dezember, 2015 (04:02) | Autor: Jörg Meyer (oegyr) | Rubrik: netz@uge.nblick | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


montagsgespenster

2 Dezember, 2015 (03:53) | | netz@uge.nblick | Kommentieren

„Es machen mir meine Gespenster / Sogar einen Tagesbesuch“ (Heinrich Heine: „Buch der Lieder“, 1827)

es wird nicht mehr hell | ich möchte ein licht anzünden im not for me der himmel | heute, mit schlämmkreide die wände der hölle weißen | nachahmend den cumshot der mutterbrust einst | in meinem rosigen, schielenden gesicht.

oder mit kohlestiften den teufel malen an die wand | skizze eines verlorenen einsamkiters | die feder zum schreiben aus seinen flügeln brechen | denen eines engels.

denn in meiner stadt … | ragen, das dämmern zu fassen, kräne | gerippend in das grau | auch dieses am besten | – oder gerade nicht – | zu vergessenden zweiten tages nach dem schabbat.

gespenster, sagt man, seien manifestationen des | unbewussten | denn von ihnen geweckt, schläft die | vernunft | am tage träumend durch die | nacht.

werd‘ ich mein schweigen darob verlängern | bis es nur noch zwei verse währt?

oder auf nur ein | …wort… | ?

es wird nie mehr dunkel | an solchen montagen, an denen ich | eine dunkelheit lösche | aufs papier | meinen getreuen, weißen, unschuldig, jungmännlichen | gast, der schaut aus den monadenfenstern | meines augenhöhlengleichnisses in mich.

oder mit den kohlen von bogenlampen | tausendere grade celsius heißer als meine | netzdünnhäutigkeit | die nacht erzwingen und den schlaf | der heilig ist den gerechten.

denn in meiner stadt … | singen die schiffe ihre choräle | von abschied und willkommen | tuten die toten matrosen | während ich an ihrer kerze eine zigarette | für sie zündschnüre.

die toten aber, sagt man | ruhen nicht, sie seien vielmehr | tot | offenes grab | kalkgrube | kühltruhe | abtauende wie die gletscher des gedichts.

montags also brech‘ ich mein schweige- | gelübde | schreie auf und an gegen | das und im gedicht.

auf ein wort also | … du, mein montag… | – -?!

ögyr liest’s

Beitrag vom 2 Dezember, 2015 (03:53) | Autor: Jörg Meyer (oegyr) | Rubrik: netz@uge.nblick | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


sturz in große höhe

17 November, 2015 (03:23) | | zahlenfolge.n@tur.net | Kommentieren

ich stürzte zu dir im mir dir verfallen,
im traume war’n verwechselt k’ordinaten.
aus großer höhe sandt’ ich dir mein schallen
und war dir angetastet in den daten.

ich schrie und schrieb und schrei in dem verhallen
von höhlen, denen ich mein fallen fälle
und niedrigkeit, wo ich verberge stallen
mein schäfchensein in anverwandter zelle.

aus großer höhe kam ich zu dir, wallend
ins niedrige der eingezählten zahlen.
ich bin dein größt und möglichst dir gefallend,

ein oder nichts, ein nerv und wiederholer.
aus meiner mitten nicht war’n all die wahlen,
die brannten aus das laub der mich verkohler.

ögyr liest’s

(für julija)

Beitrag vom 17 November, 2015 (03:23) | Autor: Jörg Meyer (oegyr) | Rubrik: zahlenfolge.n@tur.net | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


tucson, arizona

20 Oktober, 2015 (01:43) | | herz & lenden | Kommentieren

meine liebe fährt auf mein’m zylinder
fern von mir, die kilometer reißt
sie ab und ist mir meiner wiederfinder.
wir sind, die liebe einverstanden heißt,

ein sommerreifen, abgenutzt, im winter
ausgetauscht in bald für alle wetter.
wir wissen, wo ist das zuvor dahinter,
welch’ gold am hals ist uns der uns verketter.

mit gas fährt uns’res jeepes hingefährt,
als sei symbol das für die hingefahr’nen.
uns ist die weite ferne, was entbehrt

die nähe, wenn sie dem verzückt gebahren
ein wegwärts ist, auch hier noch angekommen,
wo küsse beider sind so uns verronnen.

ögyr liest’s

Beitrag vom 20 Oktober, 2015 (01:43) | Autor: Jörg Meyer (oegyr) | Rubrik: herz & lenden | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


„dann ist dies nicht mein land“

8 Oktober, 2015 (06:44) | | hyper pixels | Kommentieren

(zum 66. „tag der republik“)

es war ja immer meines: gegenüber,
mein land, das fünfundzwanzig so vergangen.
ich war ihm dichtend hin und her hinüber,
ich drückte mich an seine zweifelnd wangen.

jetzt singt die kanzlerin das lobeslied
und gegen tod im mittelmeer dem flüchtling,
halbherzig nur, denn sie parteien blieb
die raute, schütt’re des geräuchert bückling.

sie selber aus dem pastorat geflohen,
wusst’ nicht, wo ist ein hier das mit uns wohnen,
war lang nur eines einheitskanzlers mädchen.

sie kreist in talkshows eiernd um probleme
und sucht verwischt geringeres der schädchen,
wo war sie flüchtig einst, nun die bequeme.

ögyr liest’s

Beitrag vom 8 Oktober, 2015 (06:44) | Autor: Jörg Meyer (oegyr) | Rubrik: hyper pixels | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


schokozigaretten 1970

6 Oktober, 2015 (00:56) | | beautiful people, netz@uge.nblick | 1 Kommentar

wir aßen schlanke schokozigaretten
und schliefen ruhig und träumten sanft vom tage
des nachts in noch behüteten der betten,
denn alles schien uns damals in der waage.

mein erster schultag: jetzt begann der ernst
des lebens, kindern eh’dem kaum verständlich.
denn er beginnt, erst wenn du dich entfernst,
bewohnst die kalte stadt, bist nicht mehr ländlich.

wie fremd sind mir mein ich und die familie
nach fünfundvierzig jahren, halbes leben
später, dreifach fetter mit mir rauchend …

und es rührt mich, diese kinder schauend
an, aus denen sich die zeiten weben:
ist denn das leben nur ein rauchgebilde?

(für meine cousins (sven & jochen) und cousinen (kiki & brita))

ögyr liest’s

Beitrag vom 6 Oktober, 2015 (00:56) | Autor: Jörg Meyer (oegyr) | Rubrik: beautiful people, netz@uge.nblick | Beitrag drucken Beitrag drucken | (1) Kommentar


flurlicht

15 September, 2015 (03:38) | | blut.bahnen/rauschen, labyrinth/wort.gewebt. | Kommentieren

wir werden gehen, sagt man, durch den flur,
den langen, doch am ende sei das licht.
im dunkel, sanft beleuchtet, steht wie schwur
der ruhestuhl modell dem versgedicht.

das leben, ja, beginnet … und es endet
in beigen fluren von den krankenhäusern.
wie man’s auch dreht und kreisend wieder wendet:
wir komm’n und gehen dort … hilft kein beteuern.

flurlicht_web

doch dass das licht am end’ des flurs der nacht
nicht glimmt nur, sondern scheint, ja schreit so hell,
lässt letzten acker wie die saat einst leuchten.

wir gehen langsam und doch, ach, zu schnell
und blieben gern noch, wo wir hin uns scheuchten
vom licht am end’ zurück in anfangs schacht.

(für gf & jf)

ögyr liest’s

Beitrag vom 15 September, 2015 (03:38) | Autor: Jörg Meyer (oegyr) | Rubrik: blut.bahnen/rauschen, labyrinth/wort.gewebt. | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


kommt!

5 September, 2015 (02:50) | | alptraum/ego.wunde | Kommentieren

woher auch immer ihr gekommen seid,
von meiner schreibtischtäterschaft begrüß’
ich euch. denn hier auch ist ein mittenleid,
ein wohl gebettetes, das sagt sich tschüß

all der zufriedenheit, die wohl kartoffeln
noch wachsen lässt in deutschem blut und boden.
bevor ich demlei bin und eingewoben,
schlüpf’ ich in meine warmen filzpantoffeln.

denn ich bin auch nicht besser als die hasser,
weil ich ja auch nichts tu’, nur tränen weine
in meine dichtung, die nicht hält die wasser,

in denen ihr ertrinkt. doch geb’ ich meine
bereite kunst euch preis, dass ihr euch kauft
davon vielleicht von meiner tür den knauf.

ögyr liest’s

Beitrag vom 5 September, 2015 (02:50) | Autor: Jörg Meyer (oegyr) | Rubrik: alptraum/ego.wunde | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


anfangende

19 August, 2015 (03:30) | | lug & trug | Kommentieren

„… sicut erat in principio et nunc et semper …“

vom anbeginn das end’ vor uns’ren augen
dreh’n wir an allen der verschrägten schrauben
seit menschs – so uns – gedenken links herum:
von anbeginn der plumpe sack geht um.

in solchem suchen wir – äh, noch – das loch,
durch das in ewigkeit wir könnten schlüpfen.
oh, hilf’ mir suchen, wo, ach, ist es noch?
und welches von pandosen müsst’ uns lüpfen?

wir öffnen’s nicht, denn in dem anbeginn
macht’s ende stets verspätet’ andr’en sinn …
und unsinn auch, wenn es sich fragt: wer bin

ich unter eu’ren, die ihr mir beginnet?
und wessen end’ als anfang wär’ gewinn
dem, der an seinem anfang schon verschwindet?

[wohl mein bisher theologischstes sonett, wenn auch von der protestantisch-propper-norddeutschen kanzel gezetert – oder auch am ast, auf den ich dichte, sägend: also naturgedicht.]

ögyr liest’s

Beitrag vom 19 August, 2015 (03:30) | Autor: Jörg Meyer (oegyr) | Rubrik: lug & trug | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


gewirrer gewoben

17 August, 2015 (03:14) | | herz & lenden | Kommentieren

wir gingen und wir gehen ins gewitter,
die wirren, die sich lieben, angehinkt
so süß, so salzig, sauer, doch nicht bitter
durch alle netze unbedingt verlinkt.

in ihnen sind wir beide die geschwister,
verfilzte uns’rer rot gewob’nen fäden,
die singen wie die saiten einer zither,
welch’ sich durch uns’re instrumente weben.

wir singen nicht nur, sind das selbe lied:
die pauk’ spielst du und ich im traum trompete.
jetzt wetterleuchten wir, weil nichts uns schied,

denn himmel sind seit je von uns erschwebte,
und zwischen ihnen ist der horizont
so silbrig, grenzenlos – von uns besonnt.

(für julija)

video.poem

Beitrag vom 17 August, 2015 (03:14) | Autor: Jörg Meyer (oegyr) | Rubrik: herz & lenden | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


amselmann.naturgedicht

16 August, 2015 (21:38) | | netz@uge.nblick | Kommentieren

du stolzer amselmann an meinem fenster,
fliegst kurz herein und setzt dich auf den stuhl
des dichters, der noch nestelt die gespenster
und ist dein sand in seiner uhr, die uhl,

die schaut in tiefer nacht nach vögelbeute,
mit großem aug’ und noch mehr lauschend’ ohr,
nach unterschied vom gestern zu dem heute,
nachdem das morgen war schon längst davor.

der amselmann fliegt künftig dir voran.
ich folge nach auf ikarussins flügel,
ein solcher sturzflug hat mich angst und bang

gemacht, dass ich auch deine flügel kürzel,
mach’ stadt, land, fluss daraus zum venushügel
und putze eifrig mir wie er das bürzel.

(für julija)

ögyr liest’s

Beitrag vom 16 August, 2015 (21:38) | Autor: Jörg Meyer (oegyr) | Rubrik: netz@uge.nblick | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


zuckerfee(d)

18 Juli, 2015 (08:38) | | herz & lenden | Kommentieren

zum zuckerfest so süß getanzt
bist du, und ich dir eifernd nach.
der zucker, wie in vers gestanzt,
wird nach(t)getanzt schon in den schlaf.

wir brechen auf das fasten, schlachten
heut nacht’ ein jedes süßgetränk.
denn wohin wir uns reisten, brachten,
ist anvertrauen das geschenk.

wir feiern mit dem in uns fremden
und zücken, zücht’gen uns mit zucker.
mit uns ist tanz und sich verwenden,
die kenn’n musil und mooses brugger.

die mörder, hieß es, unter uns
sind auch das uns im tanz erkennen.
als kennten wir nicht solchen schwund,
baletten deren sich bekennen.

ich bin so zucker meiner zunge
an deiner katz’, die muschi nennt
nur das ballet auch meiner lunge,
ein atem, der den zucker kennt.

video.poem

Beitrag vom 18 Juli, 2015 (08:38) | Autor: Jörg Meyer (oegyr) | Rubrik: herz & lenden | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


die ballade von der haltbaren backpflaume

1 Juli, 2015 (06:08) | | rausch (zustände) | Kommentieren

eine backpflaume bekümmerte sich,
daß sie so schrumplig sei.
sie sprach: sehet, das bin ich,
die backpflaume eklig – tanderadei.

und es feixten die frischen pflaumen,
die prallen und frühherbstgefärbten.
hämisch war jener pflaumen raunen
und schäbig die blicke der sonnengegerbten.

da kam ein mehlweißer bäcker vorbei.
der pflückte die reifen pflaumen
und machte kuchen daraus für gierige gaumen,
schnitt eine jede entzwei – tanderadei.

die prallen pflaumen wurden gefressen.
die backpflaume hingegen
wurde nicht gebacken, sondern vergessen
und blieb, schrumplig zwar, aber am leben.

die backpflaume schrumpelte weiter,
sogar ihr kern begann zu ergrauen.
da sagte sie sich: wenn ich auch scheiter,
so bleib ich doch unter den pflaumen.

und sie blieb und faltig und haltbar
und war guter dinge dabei.
und weil’s noch lang nicht so weit war,
schrumpelte sie, als sei’s einerlei – tanderadei.

(ögyr liest’s aus der backfischpflaume)

Beitrag vom 1 Juli, 2015 (06:08) | Autor: Jörg Meyer (oegyr) | Rubrik: rausch (zustände) | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


lange schwere krankheit poesie

24 Juni, 2015 (05:12) | | alptraum/ego.wunde | Kommentieren

nach langer schwerer krankheit jüngst verstorben,
wird’s auch von mir, dem dichter, einstmals heißen.
nur niemand weiß dann, wessen ich verdorben,
zur lebezeit war anverwandt dem scheißen

auf alles, was nicht niet- und wörterfest,
in das elysium schon eingezogen
als das, was du mit mir erörtertest,
worin ich dich mit jedem vers betrogen.

und sei gewiss, wie doch gesund ich bin,
von mir ist manches weiter noch zu lesen,
denn noch tropft mir das wort vom bärt’gen kinn.

ich sei, so träumt’s mir nachts, ein unverwesen,
der wiedergänger meines reims gewinn
und darin wie die gleichen ungeschehen.

ögyr liest’s

Beitrag vom 24 Juni, 2015 (05:12) | Autor: Jörg Meyer (oegyr) | Rubrik: alptraum/ego.wunde | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


die blüten auf die kleider malen

17 Juni, 2015 (00:24) | | haut.falten/masken.wahn | 1 Kommentar

die blüten malst du auf die grauen kleider,
die weiber werden schöner, doch noch nicht
so schön wie du und auch dein hungerleider
im hemd, zu eng, zu weit für das gedicht.

denn blüten muss man blühen, nicht nur sagen,
wird reifen bis zur frucht, die ich erahnt
in meinem knospend streben und mich fragen,
was mich (und auch mein kleid) seit dir verwarnt.

mein hemd doch lieber helles bunt als schwarz,
hawaii grüßend auch am ostseestrand?
ich schlüpf’ hinein und wie die blüten wart’,

was wird aus mir in deines blickes kleid.
wer bin ich dort? verkleidet dir verwandt
und letzter meiner schwarz geklagten art.

(für julija)

ögyr liest’s

Beitrag vom 17 Juni, 2015 (00:24) | Autor: Jörg Meyer (oegyr) | Rubrik: haut.falten/masken.wahn | Beitrag drucken Beitrag drucken | (1) Kommentar


rear window

27 Mai, 2015 (01:46) | | rausch (zustände) | Kommentieren

im glas des fensters rechts der balkon / auf den nie einer tritt, keine blätter gesehen / außer in die sonnenbrille blinzelnd; links: / wie du blühst, stille frucht / leib. das brot ist voll / kornknirscht am morgen, frisch noch / beim schnitt, erinnert das geräusch des / mähdreschers, wenn er die halme legt // im heu noch das gras / öffnet die fenster / dass wir entwichen / heimlich die heimchen zirpen oder / eine straßenbahn fährt vorbei // station auf die zwölf / haltestelle ich den wecker auf fünfzwanzig / bilde mir den morgen, an dem du / schon erwachtest.

gedichte, sagst du, seien wie sekt. was wir aber brauchen, sagst du, sind zwei liter selters am tag.

mit dem glas in die fenster der fenster / geschaut damals / gelauscht den (ge-) räuschen der liebe, an die wände gepresst // es scheint, sagte ich, als sprache und schwirren, schwitzen wie insekten / ich hatte den kolben am pleuel / zündschnur an den kerzen / schwor dem herzen / reimte die rimshots // und die mädchen warfen die haare zurück / im sturz der geisterbahnen // senkten den kopf und lächelten / wie jetzt du / entsatz im fenster / im glas vorm balkon.

ögyr liest’s

Beitrag vom 27 Mai, 2015 (01:46) | Autor: Jörg Meyer (oegyr) | Rubrik: rausch (zustände) | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


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