Skalli

11 Oktober, 2009 (14:54) | | zahlenfolge.n@tur.net | 4 Kommentare

Skalli

„vom Wolf, der der Sonne folgt“

Beitrag vom 11 Oktober, 2009 (14:54) | Autor: Kathrin Drescher | Rubrik: zahlenfolge.n@tur.net | Beitrag drucken Beitrag drucken | (4) Kommentare


Auf Sprottenjagd

2 Oktober, 2009 (10:01) | | tage-bau | Kommentieren

Die auftauende Eisdecke des Boddens gleicht einem zerschlissenen Leinentuch. Der Frühlingswind hat das Eis gesprengt und schiebt nun die sperrigen Eisschollen auf den flachen Uferstreifen. An den offenen Löchern angeln Bene und Larat Sprotten, jene kleinen Fische, die bereits auf ein rotes Läppchen anbeißen. In dem klaren Wasser ist sichtbar, wie ein grätiges Fischchen auf den am Grund hüpfenden Angelhaken zuschwimmt.
„Fischlein, probier‘ mal, wie das schmeckt!“ ruft Bene, übers Eisloch gebeugt, und: „Hm, ein feiner Happen, das gibt’s sonst nirgends, nicht im See noch im Fluß und auch nicht im Meer. Nur zu, Sprotte! Nimm Dir den Leckerbissen!“
Als habe Benes Zuspruch geholfen, schnappt sich das Fischchen den roten Lappen. Und schon liegt es auf dem Eis neben den anderen, die auf Benes Lockrufe hereingefallen sind.
„Da, sie hören auf mich!“, sagt Bene, als wieder ein Fischchen anbeißt.
„Bringst du’s mir auch bei?“, Larat holt seine leere Angelschnur aus dem Wasser.
„Klar, sprich mir einfach nach: „Fischlein, probier‘ mal, wie das schmeckt! Hm, ein feiner Happen, das gibt’s sonst nirgends, nicht im See noch im Fluß und auch nicht im Meer. Nur zu, Sprotte! Nimm Dir den Leckerbissen!“
Larat wiederholt es und wirft die Schnur ins Wasser, dabei schließt er die Augen, um sich den Spruch einzuprägen –
Beinahe wäre er ins Wasser gefallen, und er schreit: „Es hat sich losgerissen.“
Bene rennt zu ihm hin, beugt sich tief über’s Eisloch und murmelt: „Schnell, wiederhole: So, hast genascht und bist davon geschwommen! Erzählst du deinen Leuten von dem leckerem Köder? Sag der Familie nur wie appetitlich der rote Lappen im Wasser am Eisloch schmeckt. Mach ihnen den Mund wässrig, dass sie selber das schmackhafte Läppchen erhaschen wollen.“
Larat wiederholt Wort für Wort, was Bene ihm vorsagt.
„Ach, wir werden hier doch nichts mehr fangen“, wendet er dann niedergeschlagen ein. „Ich habe bestimmt alle Fische verjagt!“
„Was denkst du bloß!“ gibt Bene zurück. „Die Sprotten werden in Scharen zu dir kommen, du wirst gar nicht so schnell die Schnur auswerfen können.“
Larat blickt ihn ungläubig an, Bene lächelt verschmitzt: „Weißt du nicht, was für Prahlhänse diese Fischlein sind? Das frei gekommene Fischlein schimpft natürlich sehr auf dich. Aber wenn es einen Bekannten trifft, erzählt es ihm nicht, dass es schon am Haken gezappelt hat. Es wird sich im Gegenteil grosstun, dass es fast den ganzen Köder vertilgt habe. Und das berichtet es jedem, der es hören will.“
Larat wirft die Angel wieder aus, seine Zweifel, ob Benes Sprüche helfen, schwinden sofort. Kaum dass der Angelhaken ins Eisloch eintaucht, zappelt ein Fischlein daran. Nach einer kurzen Weile häufen sich auf dem Eis die Sprotten, die naiv den prahlerischen Reden ihres heldenhaften Heimkehrers glaubten.

Aus: Der Flug des Adlers (Skizze, Eichenmädchen)

*Farbliche Ähnlichkeiten oder gar inhaltliche Übereinstimmungen mit Parteien und Koalitionen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt! ;-)

Beitrag vom 2 Oktober, 2009 (10:01) | Autor: Kathrin Drescher | Rubrik: tage-bau | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Baumeister Aule VII (Skizze, Eichenmädchen)

21 September, 2009 (23:04) | | tage-bau | 3 Kommentare

Die alte Schammen-Oma steht im Festzelt und wechselt reihum ein paar scherzhafte Worte. Kinder werden ihr entgegen gehoben, sie küßt und segnet auch den kleinsten Wurm. Callais Panmahd-‚On ist eine gute Heilerin, der die Leiden und Ängste unter den Dächern ihres Weilers bekannt sind. Das Gesicht der Greisin wirkt fein und gelassen. Sie hat jene gütigen und weisen Züge, die man oft bei den Schammen-Omas vorfindet, und die drum die Dämonen nicht vermuten lassen, und mit welcher Kraft sie ihnen entgegnen, wenn sie diese aus den Kranken verjagen. Callais wird mit allen Dämonen fertig. Einmal sollen ihr die Dämonen einen Streich gespielt haben, als sie im Hain der Schammen-Oma vor aller Augen eine Frau zu einer Zwergin schrumpfen ließen, bis sie unter die Hecke paßte. Durch ihr unerschrockenes Eingreifen und ihr beherztes Anrufen der Mütter aber brachte Callais, unter den fassungslosen Augen der Anwesenden, die Frau wieder auf ihre natürliche Größe zurück.

Beitrag vom 21 September, 2009 (23:04) | Autor: Kathrin Drescher | Rubrik: tage-bau | Beitrag drucken Beitrag drucken | (3) Kommentare


Chicken Soup. Notes from Bottom

12 September, 2009 (19:24) | | suppenküche | Kommentieren

You can say the Jesus Prayer from now till doomsday, but if you don’t realize that the only thing that counts in the religious life is detachment, I don’t see how you’ll ever even move an inch.

When speaking of detachment, desirelessness. or the „cessation from all hankerings“, there we are, right in the middle: The very first book that once sparked me for spirituality, is Salinger’s novel about Franny and Zooey, the two youngest members of a jewish-irish family from New York city. The following synopsis, which includes two quotes, might tell you of what is figured to religion in this modern „Zen tale“.

Franny is an undergraduate and actress, who is depicted reading the book: The Way of a Pilgrim, which contributes to an emotional breakdown. Zooey, her brother, five years older than Franny, is an actor too.
He visits Franny’s in her room and they talk about her dreams, the religion seminar professor that hates her, and acting. Franny shows him the pilgrim book, which tells how a Russian wanderer learns to take the prayer to a point where it becomes unconscious, almost like a heartbeat, ultimately leading to spiritual enlightenment.

But Zooey totally questions that reciting of a prayer and leaves the room.
… if it’s the religious life you want, you ought to know right now that you’re missing out on every single goddam religious action that’s going on around this house. You don’t even have sense enough to drink when somebody brings you a cup of consecrated chicken soup– […] Even if you went out and searched the whole world for a master –some guru, some holy man–to tell you how to say your Jesus Prayer properly, what good would it do you?

A little later Zooey calls Franny by phone, they continue to talk, and remembering the Fat Lady in their audiences, he shares with Franny some words of wisdom that their eldest brother, Seymour, once gave him:

The only thing you can do now, the only religious thing you can do, is act. […] I don’t care where an actor acts. It can be in summer stock, it can be over a radio, it can be over television, it can be in a goddam Broadway theatre, complete with the most fashionable, most well-fed, most sunburned-looking audience you can imagine. But I’ll tell you a terrible secret– Are you listening to me? There isn’t anyone out there who isn’t Seymour’s Fat Lady. That includes your Professor Tupper, buddy. And all his goddam cousins by the dozens. There isn’t anyone anywhere that isn’t Seymour’s Fat Lady. Don’t you know that? Don’t you know that goddam secret yet? And don’t you know–listen to me, now–don’t you know who that Fat Lady really is? . . . Ah, buddy. Ah, buddy. It’s Christ Himself. Christ Himself, buddy.

(C) Kathrin Drescher, (aus: „Notes from Bottom“ vom 22.12.2008)

Beitrag vom 12 September, 2009 (19:24) | Autor: Kathrin Drescher | Rubrik: suppenküche | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Baumeister Aule. VI (Skizze, Eichenmädchen)

29 August, 2009 (22:25) | | tage-bau | 4 Kommentare

Im Winter ist es still hier oben. Das Abendrot verzaubert die wenigen Spaziergänger, die von den Wällen hinab auf die Erper Siedlung schauen. Manchmal übt die Burhager Jugend vor der Weihe die alten Gesänge. Dabei singen sie auch die heilige Feier nach den Riten. Die lebhaften Stimmen des quirligen Volks schwingen auf und ab zu dem Klang der großen Trommel. Inmitten der Gräber eine geradezu unbeschwerte Verbindung zwischen Jugend und Tod. Das eherne Trommeln und der Wohlklang der Stimmen entheben mich meiner Sorgen. Das leichte Wippen der Reihentänze wirkt wohltuend, mich überkommt ein Gefühl der Leichtigkeit. Am Firmament schwebt ein einzelner Wolkentupfer im strahlenden Glanz der Wintersonne.

Als ich zurückkehre in meine Hütte, fühle ich mich im Einklang mit dieser Erde und verbunden mit den Siedlern im Durerland. In solchen Zuständen empfinde ich die Nähe derer, die dort weit weg im hinter den Hügeln leben. Oft geschieht es, dass ich spontan von diesen Menschen träume oder ein anderes Zeichen erhalte. Die ersehnte Nachricht des Gutsbesitzers jedoch kommt nicht, und die Durer aus der Ron lassen mir ausrichten, sie können im Winter nichts schicken. Die Rückkehr nach Mikuna ist zur Existenzfrage geworden, eine Entscheidung wird fällig. Eines Nachts verspreche ich mir: Was auch immer geschieht, ich werde nicht aufgeben, ich werde bleiben.

Beitrag vom 29 August, 2009 (22:25) | Autor: Kathrin Drescher | Rubrik: tage-bau | Beitrag drucken Beitrag drucken | (4) Kommentare


Baumeister Aule. V (Skizze, Eichenmädchen)

26 August, 2009 (20:46) | | tage-bau | Kommentieren

Am Hag, in der Nähe der Hütte, die ich bewohne, liegt der Hain. Manchmal, vor Sonnenuntergang gehe ich hinüber, durchquere das Buchenwäldchen hinter dem Hainwall. Die Wurzeln der Buchen gründen in den Gräbern aus der Vorzeit. Auf der Rückseite des Hains befinden sich die jüngeren Grabgärten mit einem weiträumigen Ausblick auf den Erper Burhag.

Der Hain ist eine Zuflucht der Menschen, wenn sie die Nähe ihrer Ahnen suchen. Es finden sich wenige Priester unten in der Vorsiedlung und wenige kleine Bethäuser. Da gibt es den Ratstempel, es gibt das Badehaus, es gab den Kranichtempel, als kleines Bethaus, bevor mit dem Sonnentempelbau begonnen wurde, und es gibt den Tempel der Mütter, der auf dem Hügel gegenüber vom Erper Burhag liegt. Die Siedler in den Auen an der Erp versuchen mit allen Mitteln, die Schwelle zwischen den Welten offenzuhalten.

Beitrag vom 26 August, 2009 (20:46) | Autor: Kathrin Drescher | Rubrik: tage-bau | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Baumeister Aule. IV (Skizze, Eichenmädchen)

23 August, 2009 (19:23) | | tage-bau | 2 Kommentare

Mir liegt die Frage des Überlebens buchstäblich im Magen, wie eine riesige quellende Masse. Kommt der ersehnte Auftrag nicht zustande, werde ich zurückgehen müssen. Doch will ich hier im Durerland leben und um keinen Preis dieses Leben aufgeben. Das ungewisse Warten zerrt täglich an meinen Nerven, Geduld war nie meine Stärke.
Im Durerland aber haben die Menschen Zeit.

In Mukina, einem Ort des Handels am Orakel von Bildyn, sprechen ständig Menschen miteinander. Sie haben die gleichen Bedürfnisse und Wünsche, dennoch verstehen sie sich nicht. Sie scheinen nur einen geringen Teil des anderen wahrzunehmen, das Wesen des anderen erleben sie nicht. Es ist, als wenn es in einer anderen Zeit lebte.
Was ist, wenn die Zeit der anderen mit unserer eigenen nichts zu tun hat, keineswegs gleich läuft. Ist sie etwa sehr stark verlangsamt? Oder steht sie still? Lässt sich Zeit gemeinsam erleben? Um einander als Wirklichkeit wahrzunehmen? Vielleicht gilt es, sich zu verlangsamen und zu verharren, um eine Verbindung einzugehen?

Der Genuss von Wein verlangsamt und vereinfacht das Sehen. Die eigentlichen Zustände treten klar hervor. Beziehungen zu Menschen und zu Dingen bekommen ihren Rang. Die Stille der Abgeschiedenheit eines Landgutes fördert die Verlangsamung. Nichts lenkt ab, nichts stört. In der Natur herrschen andere Gesetze als die der Menschen. Sibil sieht in ihnen Wesenheiten, die einen Namen haben und die in der Lage sind, dem Menschen Kräfte zu geben, oder zu nehmen.

to be continued

Beitrag vom 23 August, 2009 (19:23) | Autor: Kathrin Drescher | Rubrik: tage-bau | Beitrag drucken Beitrag drucken | (2) Kommentare


Baumeister Aule III (Skizze, Eichenmädchen)

15 August, 2009 (22:12) | | tage-bau | 1 Kommentar

Lange Zeit kommt keine Antwort. Eigentlich passiert nichts. Der Winter naht. Es wird kalt und still im Burhag über der Erp. Diese Ruhe läutet im ganzen Durerland den Stillstand der Natur, die Erstarrung des Winters ein. Es ist wie ein endgültiges Ausatmen der Natur nach dem Drängen des Frühlings und der Leidenschaft des Sommers. Der Himmel zeigt sich verhüllt hinter feinen Bahnen von Dunst am Tag und abends erglänzt er in einem matten Gold, um dann kupfern und tief rostfarben im Westen zu vergehen. Die Abende nehme ich Abschied vom Erper Burhag. Bei Einbruch der Dämmerung gehe ich zur Terrasse am Eingang des Hagsaals, dann zu dem Platz am Brunnen oder zu den Linden hinter der großen Halle und schaue hinunter auf die Siedlung am Burhag und auf die Erp, die still, braun, wie Erde, in ihrem Bett dahinfliesst. Manchmal stehen die Burhagwachen neben mir und betrachten wie ich gebannt dieses Schauspiel dämmrigen Himmelsglühens. Macht all die kupfergoldene Pracht trunken, bringt einen die große Stille zur Andacht zurück.

to be continued

Beitrag vom 15 August, 2009 (22:12) | Autor: Kathrin Drescher | Rubrik: tage-bau | Beitrag drucken Beitrag drucken | (1) Kommentar


Baumeister Aule. II (Skizze, Eichenmädchen)

12 August, 2009 (22:36) | | tage-bau | 3 Kommentare

Ich bin voller Stimmen, ich sehne mich nach der Stille in einem Hain. Ich wandere aus den Niederungen die Schräge hoch. Auf dem Kammpfad wandere ich bis zur Bachquelle in den Hügeln, von dort aus steige ich tiefer hinab in den Grund.
Am Mittag weilte ich noch hinter den dichten Mauern des Burhags, hier pilgere ich auf einem sonnigen Weg zwischen knorrigen Apfelbäumen. Die Weiden entlang des Flusses führen zu verträumten Weilern. Manche stehen direkt an den Weiden. Niedrige Schlehenbüsche umgeben die Heidewiesen vor den Häusern mit den wuchtigen Reeddächern und stattlichen Ziergiebeln. Andere Häuser liegen versteckt hinter Bäumen. Allmählich öffnet sich das Gelände nach Südwesten, wo ich hinter den leicht geschwungenen Hügeln das weitgestreckte Sommerland weiß.

Von dem Weg führen ein paar Apfelbäume hoch zu Weilern und Höfen, die inmitten von Gärten und Anbaufeldern liegen. Jeder der kleinen verwachsenen Bäume trägt tiefe Äste schwer beladen mit Früchten. Unter der Krone ist das dürre Gestrüpp weggehackt. Die schwarzfarbene Krume glänzt in der Sonne. Eine Schafherde döst im Schatten der Bäume. Einzelne Tupfer von Sommerblumen begrenzen die Felder. Dazwischen wieder ein Weiler inmitten eines Gartens mit niedrigen Apfelbäumen, Schlehenbüschen und wilder Kirsche. Die Axt eines Hausherrn, der gleichmäßig Holz hackt und die Vogelstimmen aus den Bäumen schläfern mich ein. Der Duft von würzigen Kräutern aus den wild wuchernden Heidegärten vermischt sich mit dem Geruch von Heu und Schafdung. Der Duft von Wasser, das auf sonnenheißem Boden verdampft, macht Durst und lässt mich von einem sprudelnden Bergquell träumen.

Die sonnenverwöhnte Gegend heißt Hügelland. Meine Trinkflasche bietet Wasser aus der Bachquelle, das erquickt wie ein Kräutertrank. Zwischen den Hügeln sehe ich schon die Langen Häuser des Kranichs stehen, nahe am Hain, unter dessen altehrwürdigen Eichen ich zu innerer Stille finden werde.

to be continued

Beitrag vom 12 August, 2009 (22:36) | Autor: Kathrin Drescher | Rubrik: tage-bau | Beitrag drucken Beitrag drucken | (3) Kommentare


Breakfast

15 November, 2008 (19:55) | | herz & lenden, tage-bau | Kommentieren

note from this morning:
Just coming back from the bakery behind the house, eating a few Spritzkuchen. They are delicious! They look almost crispy but they’re very soft to touch. I could eat them almost daily for breakfast.


(Tip: um das Bild in Originalgröße zu sehen, ins Bild klicken.)

Beitrag vom 15 November, 2008 (19:55) | Autor: Kathrin Drescher | Rubrik: herz & lenden, tage-bau | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Lesefehler

15 Oktober, 2008 (12:45) | | terrere est humanum? | Kommentieren

Dreijährige trifft Amt als lebende Göttin in Nepal an.

Beitrag vom 15 Oktober, 2008 (12:45) | Autor: Kathrin Drescher | Rubrik: terrere est humanum? | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


The Hero’s Journey?

31 August, 2008 (09:16) | | terrere est humanum? | Kommentieren

Grace, do you know, why scottish kids learn in their schools „Don’t trust a Campbell!“?

Ok ok, no, it’s true, we’re pretty glad to know this site, where we had the last year such inspiring experiences.
The most, that this site is from the beginning a place full of voices from overall of the world.

Yeah, we know, sometimes (by contests etc.) we have to realise, it’s still a site only for US people. But that’s at
least not the point. The spirit of this site is international.

And yep, I wasn’t alot here the last weeks, but that’s just an other story. Hm, ok, I guess I thought to need a
strong focus on my own projects.

Ha, one of my current project’s is a book. As with the last weeks writing on the part about an ancient copper
smith, I was much on the search in the myths to get a pic of him.

But I came to a site about Georgia, just that little country in the Caucasus Mountains, which is now in all world
papers because a war conflict in there.

Well, they had in the beginning of the metallurgy a whole dynasty of smiths, and probably they have found the
oldest ancestors of us, but –

What can I say? Forget about these excellent sword smiths, about Medea from Kolchis, about the whole
Odyssey myth and Prometheus in the Caucasus? Forget about writing a book? About lucid Bodhi trees?

And yes, I stopped all my searching and prewriting, only to follow day by day on that site some shocking news.
It needed these days only a few war facts to open my eyes about an entire war game.

We’re not talking anymore about the oil background and Barack Obama already is what’s to call a popular figure
– yes, he seems a man with integrity -, but if the next leader of your country is gonna to be an other warlord
or a peacelord at least in my eyes doesn’t counts alot for the current situation.

Oh, we wish your land to get into the highest office someone who is being able to focus on the well-being of
humanity and our planet, and a real democratic head, but really, we need an entire headteam for a united world,
that leadership can’t be one lands highest office and really not a lucid kid from under an enlighting tree.

Grace, your blog is a great one, don’t get me wrong, thank you! I’m just trying here to get somehow back some
voice, some contenance, my trust in the goodness of the things.

Beitrag vom 31 August, 2008 (09:16) | Autor: Kathrin Drescher | Rubrik: terrere est humanum? | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Baumeister Aule. (Skizze, Eichenmädchen)

13 Juni, 2008 (09:38) | | tage-bau | Kommentieren

Ich sitze auf der Veranda der Sibil, schaue hinaus über die Hügel, wie viele andere vor mir auch schon an dieser Stelle geschaut haben. Ich lebe in einem Haus, an dessen Stelle von jeher Menschen gelebt und ihre Zeichen gesetzt haben. Unter diesem Haus sind die Pfostenlöcher von einer Reihe von Häusern. Dicht an ihre alten Grundrisse ist immer wieder das neuere Haus aufgebaut worden, in einer nie abreißenden Folge von Arbeiten, deren vorläufig letzte ich ausführe. Monca’al ist ein Ort voller Kräfte und spürbarer Spannungen. Es ist ein Ort voller Leben und Zeichen, die unterschwellig immer vorhanden und in Augenblicken der Hellsichtigkeit klar zu Tage treten.

Aus den gleichen Quellen haben in grauer Vorzeit Duren und Wonier getrunken, lange bevor Asier und dann Calliter Monca’al übernahmen und lange bevor ich meinen Durst hier stille. Welche Kraft treibt Menschen, von Geschlecht zu Geschlecht immer wieder ihre Sehnsüchte an dieser Stelle zu verdichten, zu einem Haus aus festem Stamm werden zu lassen? Was zieht Menschen an, sich auf dieser Stelle anzusiedeln, nicht etwa hundert Schritte weiter nach Norden oder Osten? Besitzt dieser Ort ein dichteres Kraftfeld? Was suche ich an diesem Ort? Sucht der Ort mich?

Dieses verborgene Anwesen gefällt mir, obwohl Einsamkeit eine schläfrige Ruhe fördert, welche die Grenzen zwischen der Wirklichkeit und der Erinnerung an einen Traum verschwimmen lässt. Manchmal erinnere ich mich an einen Traum, in dem Menschen in Monca’al auftreten. Sie haben markante, unverwechselbare Gesichter. Ich könnte sie wiedererkennen, wenn ich ihnen begegnen würde. Eine Frau sieht aus wie Shua-nannah und lebt an dem Fluss am Fuße des Hügels.

Ich habe eine Ravenna Sippe in der Nähe besucht. Ich ritt zu ihnen, genau nach der Rolle, die sie mir einst geschickt hatten. Am Ende eines felsigen Waldweges, den man nur zu Fuß gehen kann, fand ich ihren kleinen Hof, tief im Wald. Sie leben entfernt von jeder Siedlung in idyllischer Wildnis. Hinter dichten Bäumen verborgen suchen sie sicher die tief in ihrer Seele verborgene Mär vom Leben an reinen Quellen, der Stille und der nächtlichen Finsternis, die man nur mit einem Öllämpchen aufhellen kann. Ihr Mädchen jedoch geht zu den Priesterinnen in den Hain, jeden Tag, bei jedem Wetter, etwa sechs Meilen zu Fuß, hin und wieder zurück.

Ich bin froh, wieder auf der Veranda zu sein. Ich bilde mir ein, eine wohltuende Energie walte in diesem Haus, eine Spannung, die mich in Kürze wieder aufstellt, wenn ich wie heute erschöpft zurückkomme. Die Höhenluft ist von einer Reinheit, die ich nicht kannte, und Atmen ist ein Vergnügen. Der Wind trägt je nach Richtung Düfte von Lavendel, Kastanienholz, und immer wieder das herbe Parfüm der Eichen, die neben meinem Fenster stehen. Selbst der Felsen, aus dessen Schichten Wasser quillt, duftet nach Ton und Erde.

Im Frühjahr, als ich in Monca’al ankam, leuchtete tief unter mir alles gelb von scharf duftendem Ginster. In den verfilzten Büschen unterhalb meines Fensters blüht im Sommer der Jasmin, Rosmarin und wilder Fenchel.

to be continued

Beitrag vom 13 Juni, 2008 (09:38) | Autor: Kathrin Drescher | Rubrik: tage-bau | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Heute gelesen

11 Juni, 2008 (10:54) | | tage-bau | Kommentieren

Der Oberarm eines anderen Menschens schmerzt. Anteil genommen.

Beitrag vom 11 Juni, 2008 (10:54) | Autor: Kathrin Drescher | Rubrik: tage-bau | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Searching for a kind world?

7 Juni, 2008 (23:52) | | beautiful people | Kommentieren

„Renovation and morality: Does one sometimes look after houses more than around people? Does one listen to sufferings of the things rather, tries it to heal rather? If people make dust because they change because they ferment who listens to them? Who invests in them?“ (U. Schick, „tagebau“, May 25, 2008)

Some people love horses, cats and dogs; or country houses, trying to save them, when they are getting to be old..

Some love people. Hm, yes, its true, I love old people. I mean, there is this moment, when they talk to you with a fine smile to tell you this little story, which means a whole life. And you totally forget the time and yourself in such moments.

My friend, who is a poet, made an update of her short bio and I just found out that she decided (instead to study after her graduation) to start by a social project for homeless people and prisoners.
She wrote to this decision for a life, that she was very impressed by Birgitta Wolfs book „Briefwechsel mit Gefangenen“ and could contact her to know the first real steps to this project.

All I can say is that her poetry is a sensible dream of words and has a smart deepness which seems to come from her life experiences; she is one of my favs among my „writing collegues“ and a friend, who really cares about us.

„They Shoot Horses, Don’t They?“ R.I.P. Sydney Pollack
—————————————————–
love is a pebble which is laughing in the sun

Beitrag vom 7 Juni, 2008 (23:52) | Autor: Kathrin Drescher | Rubrik: beautiful people | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Die Siedler am Waldfluss (Skizze IV, Eichenmädchen)

1 März, 2008 (00:53) | | tage-bau | Kommentieren

|-1-||-2-||-3-||-4-|

before… Nie hätte Bentiu geahnt, dass es unter der Sonne ein solches Wesen gab. Sie bewegte sich leicht wie eine Antilope, das Haar wehte im Wind, es schien so rotblond, dass es kupfern schimmerte, ihre Augen leuchteten türkis, und als sie lächelte, war ihr klares Gesicht von einem tiefen strahlenden Glanz erfüllt.
Ihre Hand war leicht wie ein Vogel als sie die seine nahm, ihn zu einem weiteren Baum führte, und ihm bezeigte, diesen dürfe er nehmen. Vor dem anderen, größeren erhob sie in Anbetung die Arme zur Sonne.
Alles war leicht zu verstehen, er konnte nun selbst sehen, dass der alte Baumriese der Göttin zugeeignet war und nicht angetastet werden durfte. Er verbeugte sich vor dem Mädchen und dem Baum und wurde mit einem erneuten Lächeln beschenkt.
Trotz seiner Verwirrung gelang es ihm, sie davon abzuhalten, zu gehen. Er lud sie ein an sein Feuer, holte Brot hervor und den Fisch, den er gefangen und am Abend zuvor geräuchert hatte. Sie dankte, sie aß, und die ganze Zeit tanzten ihre Hände in langen graziösen Sätzen.
Bentiu begann zu erzählen, die Worte kamen ihm wie von selbst. Er sprach in knappen Sätzen vom Krieg, berichtete von der brennenden Bootswerft, vom Vater und seiner Fürsorge. Er sprach und sprach und wusste, das sie alles verstand. Er schämte sich für seine Tränen, bis er sah, dass auch ihr die Tränen in den Augen standen.
Er dachte auf einmal an ihre Haut, noch nie hatte er etwas Ähnliches gesehen. Sie war bronzefarben; sehr hell, mit einem Schimmer von Gold. Er wollte ihr über die Wange streichen, er wagte es, und sie lächelte wieder. Dann geschah es.

to be continued […]

Die Siedler am Waldfluss (Skizze V, Eichenmädchen)

(C) Kathrin Drescher

Beitrag vom 1 März, 2008 (00:53) | Autor: Kathrin Drescher | Rubrik: tage-bau | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Banalität – Banality

16 Februar, 2008 (01:27) | | tage-bau | Kommentieren

Banality

Live is profane:
The beginning is love.
But it ends with the death.
Between them
lies the résumé.

Banalität

Das Leben ist profan:
Der Anfang ist Liebe.
Und mit dem Tod hört’s auf.
Dazwischen
liegt der Lebenslauf.

nach Werners Blog im tage-bau vom 11.5.2003 ;-)

Beitrag vom 16 Februar, 2008 (01:27) | Autor: Kathrin Drescher | Rubrik: tage-bau | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Meander Dale (Adam’s bones III)

31 Januar, 2008 (22:36) | | tage-bau | Kommentieren

The shy summer above in the hills looks sallow eyed into the mendale.
A raged beast comes up to the boundlessland between twoflows.
Burns out mouthscarp all the towardmeat in the Half moon.
The brute in Adam’s earth oelgreedy gorges.
My summer in the hills – has tears.

(C) Kathrin Drescher, Halloween 11/2007

MÄANDERTAL
Der scheue Sommer oben in den Hügeln sieht fahlen Blicks ins Menschental.
Ein wüstes Tier steigt auf zum GrenzlosLand zwischen Zweiflüssen.
Brennt mundscharf alles Gegenfleisch im Halbmond aus.
Ölgierig frisst das Vieh in Adams Erde.
Mein Sommer in den Hügeln – weint.

(C) Kathrin Drescher 4/2003 (Bomben auf Bagdad, Adam’s bones III)

Beitrag vom 31 Januar, 2008 (22:36) | Autor: Kathrin Drescher | Rubrik: tage-bau | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


The Garden V

17 Dezember, 2007 (18:38) | | tage-bau | Kommentieren

A little disappointed, I back out of the pool with the upsized life well,
come up to the some further and higher terrace and
find to a deeper corner of the garden.

Beitrag vom 17 Dezember, 2007 (18:38) | Autor: Kathrin Drescher | Rubrik: tage-bau | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Jwd’s Standstill.

16 Dezember, 2007 (20:11) | | terrere est humanum? | Kommentieren

Without me
Put feather to paper
Squeeze the word
In the measure of all things
War is war
And always win
In vain

(C) Kathrin Drescher

Beitrag vom 16 Dezember, 2007 (20:11) | Autor: Kathrin Drescher | Rubrik: terrere est humanum? | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


The Garden IV

14 Dezember, 2007 (20:36) | | tage-bau | Kommentieren


The water from the blood well springs alive and kicking towards me.
Then it runs on the bright red staged trace in a fixed pool.

Beitrag vom 14 Dezember, 2007 (20:36) | Autor: Kathrin Drescher | Rubrik: tage-bau | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


The Garden III

12 Dezember, 2007 (20:51) | | tage-bau | Kommentieren


Softly I leave the spot and tread the close stepped trace
of my ancestors in search of the life’s source.
With wondering eyes I walk into a lush miniature landscape.

Beitrag vom 12 Dezember, 2007 (20:51) | Autor: Kathrin Drescher | Rubrik: tage-bau | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


The Sun dial (Skizze, englisch, Eichenmädchen)

11 Dezember, 2007 (00:37) | | tage-bau | Kommentieren

In those days the Elder was sick to death. O’Schemenn-ma the priestess of the Sun came to her and told her, This is what the Goddess says:
„Set your house in order, because you are going to die; you will not recover.“

The Elder, sad to tears, turned her face to the skylight and prayed to the Sun:
„I beg you, o Goddess, remember how I have walked before you in truth and with a perfect heart, and have done what is good in your eyes.“
And the Elder wept sore.

Before O’Schemenn-ma had left the middle court, the sound of the Goddess came to her: Turn again, and tell the Elder, the Nana of my folk, my children’s, This is what the Sun, our Goddess, says:
„I have heard your prayer, I have seen your tears; behold, I will heal you; on the twelfth day from now you shall go up to My temple. I will add twenty four years to your life. And I will deliver you and this land from the hand of the Elder of your neighboring folk. I will defend this land for my sake and for the sake of your Mother’s.“

Then O’Schemenn-ma came back to the Elder, saying:
„Prepare a poultice of figs.“
They did so and laid it on the boil, and she recovered.

The Elder had asked O’Schemenn-ma:
„What shall be the sign that the Goddess will heal me, and that I shall go up to the wooden temple of the Sun on the twelft day from now?“
O’Schemenn-ma said to her:
„This is the Sun’s sign to you that the Goddess will do what she has promised: Shall the shadow go forward ten steps, or shall it go back ten steps?“
The Elder answered:
„It is a simple matter for the shadow to go forward ten steps; nay, but let the shadow return backward ten steps.“

Then O’Schemenn-ma the priestess cried to the Sun; and the Sun made the shadow go back the ten steps it had gone backward on the plate of a Sun dial, the Ba’al stone in the center of the wooden temple palisade.

to be continued …

Beitrag vom 11 Dezember, 2007 (00:37) | Autor: Kathrin Drescher | Rubrik: tage-bau | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


The Garden II

9 Dezember, 2007 (23:59) | | tage-bau | Kommentieren

My feet tread on their way a hidden open circle round.
Two interwoven circles bond on the spot my walking.
The spell of space and time as felt in the green tunnel
seems to be sealed by that sign to my feet.

Beitrag vom 9 Dezember, 2007 (23:59) | Autor: Kathrin Drescher | Rubrik: tage-bau | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


The Garden I

8 Dezember, 2007 (19:28) | | tage-bau | Kommentieren

An arcane spell captures me.
Everything seems shimmering calm and close.
Attracted to the silent mystery of the garden,
I wander slowly along under
the with exotic plants densely covered arches
to a hidden entrance.

Beitrag vom 8 Dezember, 2007 (19:28) | Autor: Kathrin Drescher | Rubrik: tage-bau | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Die Siedler am Waldfluss (Skizze III, Eichenmädchen)

3 Dezember, 2007 (08:20) | | tage-bau | Kommentieren

|-1-||-2-||-3-||-4-|

before… Er zählte die Tage nicht, aber er vermutete, dass mehr ein Mond vergangen war, als er eines Tages einen Entschluss fasste. Er wollte zurückkehren und die Bootswerft wieder aufbauen.
Die Kämpfe der Sippen konnten nicht ewig dauern. Die Zeit hier im Waldland wollte er nutzen, um Holz zu fällen und es zum Trocknen an das Flussufer zu legen.
Nach und nach würde er ein Schilfboot bauen, so klein, dass es sich leicht im Wald verstecken ließ, dort wo der Mahmu-acha in die Bucht direkt vor der Bootswerft mündete.
Er wollte dorthin zurückkehren, um zu versuchen, sich ein Bild zu machen von dem, was geschehen war, wer gesiegt hatte, wie die Bedingungen für die neue Bootswerft aussehen würden.
Er hatte eine gute Auswahl Äxte mitbekommen, außerdem Schleifsteine, und sein Verstand war ruhig an diesem Morgen, da er sich entschloss, zurückzukehren. Er nahm eine Axt und ging zu der größten Buche, die gerade gewachsen war. Sie stand an die hundert Ellen vom Flussufer entfernt.
Im gleichen Augenblick, in dem er die Axt an den Baum setzte, vernahm er einen Ruf. Es schienen Worte, ganz eindeutig menschliche Laute.
Und dann sah er das Mädchen, das aus dem morgendlichen Nebeldunst auftauchte und warnend seine Hände hob.

to be continued […]

Die Siedler am Waldfluss (Skizze IV, Eichenmädchen)

(C) Kathrin Drescher

Beitrag vom 3 Dezember, 2007 (08:20) | Autor: Kathrin Drescher | Rubrik: tage-bau | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Die Siedler am Waldfluss (Skizze II, Eichenmädchen)

1 Dezember, 2007 (23:29) | | tage-bau | Kommentieren

|-1-||-2-||-3-||-4-|

before… Es schmerzte. Sobald Bentiu an die Kämpfe dachte, zog sich alles in ihm zusammen. Monate hatten sie in der Marsch angedauert. Bentiu strengte sich an, die Schreie der Sterbenden nicht mehr zu hören und den Gestank von Blut, Schweiß und Urin nicht mehr zu riechen.
Anfangs verschonten beide Seiten die Bootswerft.
Doch die O’Schemenn-ma ließ bei Bentius Vater viele Boote kaufen, und eines Nachts, inmitten der Kämpfe, bewegte eine Bootsmacht sich heimlich auf dem Fluss an der Werft vorbei auf das stolze Kalba, die Wallstatt der Hirschgöttin zu. Auf den Booten befanden sich die Krieger der O’Schemenn-ma, und in der Dunkelheit überfielen und verwüsteten sie Kalba, die sagenhafte Wallstatt der Nordsippen.

In der frühen Morgenröte an jenem Tag aber hatte der Vater Bentiu geweckt und ihn mit einem der schwereren Boote auf dem Mahmu-acha in das Waldland geschickt.
„Beeil dich, wir brauchen neues Holz“, hatte er zu dem noch schlaftrunkenen Jungen gesagt, der die Eile nicht verstand, aber dankbar war, für einige Tage dem Krieg zu entkommen, der jeden Tag mit der Morgenröte aufs Neue begann.
Gegen Abend ließ Bentiu sein Boot auf den Wellen schaukeln, mit einem langen Seil an einem Baum und einen Anker mitten im Fluss befestigt. Er hatte Angst vor den wilden Tieren, die in der Dunkelheit kommen könnten, um zu trinken, doch seine Sorge war unnötig, es kamen keine Tiere in dieser Nacht, in der der Himmel im Osten rot loderte.
Konnte ich schlafen?, dachte Bentiu. Er wusste es nicht mehr. aber er erinnerte sich, wie er über die Ausrüstung weinte, die der Vater in das Boot geladen hatte; über die geräucherten Hammelkeulen und die großen Brote, über die Haufen von Kleidern und Schuhwerk, über das Salz, die Angelgeräte und den Bogen, die ihn im Waldland am Leben erhalten sollten.
Dann verschmolzen die Tage und Nächte miteinander, in der Erinnerung ebenso, wie sie es in der Wirklichkeit getan hatten. Woran er sich erinnerte, waren die Gefühle, die unerhörte Einsamkeit und die Unschlüssigkeit.
Was sollte er mit seinem Leben anfangen?
Er wurde mutiger im Wald, wagte sich weit in ihn hinein, lernte, kleine Tiere zu schießen. Manchmal, recht oft, hatte er das Gefühl, beobachtet zu werden, einmal glaubte er, ein Lachen zu hören.
Da betete er zur Göttin, dass er nicht verrückt werde.

to be continued […]

Die Siedler am Waldfluss (Skizze III, Eichenmädchen)

(C) Kathrin Drescher

Beitrag vom 1 Dezember, 2007 (23:29) | Autor: Kathrin Drescher | Rubrik: tage-bau | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Jena, Paradies. (Skizze VII)

30 November, 2007 (22:21) | | tage-bau | Kommentieren

|-1-||-2-||-3-||-4-||-5-||-6-||-7-|

before… Klemmer habe sich das so nicht vorgestellt: „Es graust ihn vor ihr.“ unterbricht die Dozentin die amourösen Schwingungen im Raum. „Er will nur noch aus dieser Falle fort und rennt raus aus der Wohnung. Erika aber hatte gehofft,“ – Magdas metallisch spröde Stimme wird jetzt silberhell – „er würde sich aus Liebe weigern, ihre masochistischen Forderungen zu erfüllen.“
Das saß. Die mitschreibende Audience sieht einhellig zu der kleinen drahtigen Dozentin hinter der Kanzel. Diese fährt unbeirrt fort: „Nun hat sie ihn verloren. In ihrem Gefühlssturm wirft sich Erika auf ihre im Bett liegende Mutter und überhäuft sie mit Küssen. Die Mutter wehrt sich und schlägt um sich, aber Erika lässt nicht locker: **Sie schlingt sich, wie Efeu um ein altes Haus, um diese Mutter, die gewiss kein gemütliches altes Haus ist. Erika saugt und nagt an diesem großen Leib herum, als wollte sie gleich noch einmal hineinkriechen, sich darin zu verbergen. Erika gesteht der Mutter ihre Liebe, und die Mutter keucht das Gegenteil, nämlich, dass sie ihr Kind ebenfalls liebe
Anne scharrt nervös mit den Füßen unter der Bank. Sie hebt die Hand, zum Zeichen, das sie etwas sagen will. Magda gibt ihr sogleich das Wort: „Ok, Anne, du bist dran.“, und lächelt ruhig wie immer.
Liza, der Rabe, Magda und Elena, das ganze Seminar schauen jetzt sie an. Doch sie hält an sich. Sie spürt den Blick des Mädchens mit dem Madonnengesicht. Sehr gerade, sehr aufmerksam sind diese dunklen sanften Augen auf sie gerichtet. Direkt unter die Haut geht ihr das; „Genau!“ denkt sie, atmet leicht aus, beisst sich auf die Lippen und beginnt ihren Disput.

**Zitat aus: Elfriede Jelinek: „Die Klavierspielerin“

to be continued …

Jena, Paradies VIII

(C) Kathrin Drescher

Beitrag vom 30 November, 2007 (22:21) | Autor: Kathrin Drescher | Rubrik: tage-bau | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Jena, Paradies. (Skizze VI)

22 November, 2007 (19:59) | | tage-bau | Kommentieren

|-1-||-2-||-3-||-4-||-5-||-6-|

before… „Ausländisch jauchzend schraubt sich ein Mann in eine Frau.“
Annes Blick wendet sich unwillkürlich zu einem dunklen Männergesicht in der hinteren Bank: „Warum starrt mich dieser Muselmann mit seinen sanften großen Augen die ganze Zeit so an? Er macht mich noch ganz wuschig mit seinem unverhüllt hungrigen Blick.“
Sie kreuzt sacht aber bestimmt die Arme über ihrer Brust. Er schaut ihr ernst und nachdenklich ins Gesicht, nickt leicht mit dem Kopf. Sie grüßt zurück, mit einem kleinen Lächeln: Da saß offenbar ein Rabe, der soeben würdevoll seine Flügel schloss.

Weder jener Rabe noch Anne ahnen in dem Moment, dass er sie bald darauf in einem ihrer menstrualen Träume in den Eingang eines Zirkuswagens ziehen würde, um sie niederzuküssen und mit ihr, irgendwie, und so kurz vor ihrem Aufwachen, in einem unendlich dunklen Raum tief und weich zu versinken.

Klemmer habe sich das so nicht vorgestellt: „Es graust ihn vor ihr.“ unterbricht die Dozentin die amourösen Schwingungen im Raum. „Er will nur noch aus dieser Falle fort und rennt raus aus der Wohnung. Erika aber hatte gehofft,“ – Magdas metallisch spröde Stimme wird jetzt silberhell – „er würde sich aus Liebe weigern, ihre masochistischen Forderungen zu erfüllen.“

to be continued …

Jena, Paradies VII

(C) Kathrin Drescher

Beitrag vom 22 November, 2007 (19:59) | Autor: Kathrin Drescher | Rubrik: tage-bau | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Jena, Paradies. (Skizze V)

2 November, 2007 (22:45) | | tage-bau | Kommentieren

|-1-||-2-||-3-||-4-||-5-||-6-|

before… „Erika, die Heideblume.“ liest Magda vor.
Leises Lachen ertönt aus der hinteren Bankreihe. Magda schaut kurz auf. Sieht in sehr aufmerksame Gesichter vor ihr. Sie fährt fort:
„Von dieser Blume hat diese Frau den Namen. Ihrer Mutter schwebte vorgeburtlich etwas Scheues und Zartes dabei vor Augen. Als sie dann den aus ihrem Leib hervorschießenden Lehmklumpen betrachtete, ging sie sofort daran, ohne Rücksicht ihn zurechtzuhauen, um Reinheit und Feinheit zu erhalten. Dort ein Stück weg und dort auch noch…“
Anne setzt sich auf einmal sehr gerade auf. Elena äugt vorsichtig, nur so schräg aus den Augenwinkeln, hinüber zu ihr, und wieder zurück zu Magda.
„Jetzt ist Erika endlich fertig zurechtgezartet,“ liest diese, entzückt von dem Ausdruck, etwas beschwingter, „nun soll sie den Wagen der Musik in die Spur heben und auf der Stelle zu künsteln anfangen“. Mit dem Zitat „Eine weltbekannte Pianistin, das wäre Mutters Ideal…“ endet sie und fragt, wer die Diskussion eröffnet.
Suchende Blicke umher; in der Sitzreihe gegenüber hebt sich endlich eine Hand.
„Erikas Mutter ist alleinstehend,“ erklärt eine ältere Brünette mit nüchterner Stimme. „und sondert sich von anderen Menschen hochmütig ab. Sie wollte aus ihrer Tochter ein Wunderkind machen, und dafür sollte Erika sich vom Leben außerhalb der Kunst und der eigenen vier Wände möglichst fernhalten.“ Die Frau schaut auffordernd in die Runde, doch es folgt kein weiteres Statement.
„Ja. Eine fröhliche, erwartungsvolle Kindheit war das nicht!“ fasst Magda kurz zusammen und liest weiter vor. Das schnurrig-graziöse Spiel ihrer Stimme trifft mit Bravour den kühl-ironischen Charme des Jelinekschen Erzähltons.

to be continued …

Jena, Paradies VI

(C) Kathrin Drescher

Beitrag vom 2 November, 2007 (22:45) | Autor: Kathrin Drescher | Rubrik: tage-bau | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Idee: Enno E. Peter & Sabrina Ortmann

WordPress | Basis Theme: Andreas Viklund & webhosting sources | modified by TyrakusCMS