Hör auf zu fragen: Warum ich?

26 Februar, 2017 (19:30) | | alptraum/ego.wunde | Kommentieren

Sich selbst zu bemitleiden, hilft so gar nix, da sind halt bessere Strategien gefragt.

Zunächst setze ich mich hin und schreibe mir einen Brief, in dem ich mich sieze und selbstbemitleide. Ich schwelge in Sätzen wie: „Die Schilderung Ihres Geschicks hat mich zutiefst erschüttert.“ und „Noch nie zuvor habe ich von einem derart unglaublichen Missgeschick in einem Leben gehört.“; mit „Bitte nehmen Sie den Ausdruck meines tiefsten Mitgefühls entgegen.“ beende ich mein Klagelied.

Sodann nagle ich noch einige meiner Wünsche fest, indem ich aufliste, dass ich mir vornehme, tanzen zu gehen, ausdauernd zu schwimmen, ans Meer zu fahren, zu vergeben, Sonne zu tanken, Brunch zu frühstücken, auszumisten, Menschen zuzuhören, mich glücklich zu verlieben, mehr zu lachen und zu schreiben, tagelang ohne Computer und zufrieden zu sein.

Die Liste füge ich dem Brief hinzu, klebe mit Geduld und Spucke eine Marke drauf und werfe alles mitten in den Fluss des Lebens.

Beitrag vom 26 Februar, 2017 (19:30) | Autor: Kathrin Drescher | Rubrik: alptraum/ego.wunde | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Wo die Angst ist, ist der Weg

21 Februar, 2017 (15:56) | | goldener schnitt | Kommentieren

Immer meiner Angst nach, ich kann den Weg gar nicht verfehlen.

Beitrag vom 21 Februar, 2017 (15:56) | Autor: Kathrin Drescher | Rubrik: goldener schnitt | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Was ist ein Mensch?

29 Oktober, 2016 (11:08) | | beautiful people | Kommentieren

Ein Covjek, vielleicht ein Super-Covjek?
Ein Teufelskerl, von Gott gelenkt?
Ein Schelm, ein Komiker, der Böses denkt?
Ein Bild mit großen Lippen
zum Essen, Sprechen oder Küssen?

Einer, dessen Seele sich im Sonnengeflecht
unter’m Herzen regt?
Oder einer, der unter grauem Himmel
stets Sonne im Herzen trägt? –

Und – ach was, ok – ein Auto fährt auf seinem Weg.

Beitrag vom 29 Oktober, 2016 (11:08) | Autor: Kathrin Drescher | Rubrik: beautiful people | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Erfolgsgutschein

2 Januar, 2016 (17:45) | | netz@uge.nblick | Kommentieren

„Hier, ‚Erfolgsgutschein‘!“ – „Gegen wen’e?“

Beitrag vom 2 Januar, 2016 (17:45) | Autor: Kathrin Drescher | Rubrik: netz@uge.nblick | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


zeitreise

11 Februar, 2013 (10:26) | | zugvögel/wind.bahnen | Kommentieren

„Arelegia! Alles aussteigen bitte!“

Beitrag vom 11 Februar, 2013 (10:26) | Autor: Kathrin Drescher | Rubrik: zugvögel/wind.bahnen | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


purpur haiku

23 April, 2012 (19:58) | | zahlenfolge.n@tur.net | Kommentieren

bild zum haiku

glöcklein winzigzart,
purpurn und kariert, setzen
meinen Lenz schachmatt.

Beitrag vom 23 April, 2012 (19:58) | Autor: Kathrin Drescher | Rubrik: zahlenfolge.n@tur.net | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


liebesknochen

26 Oktober, 2010 (19:18) | | zahlenfolge.n@tur.net | Kommentieren

der liebesknochen ist zerdrückt, genossen
hab ich süssen duft wie krospen bruch,
bevor ein klumpen krimskram mich verdrossen
hat; verklebt zerzettelt ist, was spruch-

reif schien dahin, jetzt unentzifferbares.
der satz vom grunde, gründlich, unbegründet,
der tiefe grund im grunde, bisher war es
ein grundlos wort voll gründlichkeit und sünde.

ich wandle ohne freud in zettels gossen
zum jungfernbrunnen lach’nder augenherzen,
und kichern muss ich angesichts der possen.

ich mag nichts reimgemachtes mehr ergattern
in resten alter melodien aus terzen.
bis neue zettelei zerteilt metaphern.

(für karl)

Beitrag vom 26 Oktober, 2010 (19:18) | Autor: Kathrin Drescher | Rubrik: zahlenfolge.n@tur.net | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


skizze: so nett das lieben

22 Oktober, 2010 (14:44) | | herz & lenden | Kommentieren

der liebesknochen ist zerdrückt, genossen
hab ich krospen bruch, und süssen duft
bevor der klebrige rest mich hat verdrossen
als gekleister in grad gekaufter kluft.

Beitrag vom 22 Oktober, 2010 (14:44) | Autor: Kathrin Drescher | Rubrik: herz & lenden | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Jena. Paradies (Skizze, „eiskönigin“)

18 Oktober, 2010 (10:25) | | tage-bau | Kommentieren

Sie stand allein und reglos an ihrem Pult, das sanfte Licht der schwindenden Abendsonne beleuchtete ihr konzentriertes Gesicht.
Schön war sie und wir sahen fasziniert auf ihre schlanke straffe Gestalt im hellen Leinen, das ihre weichen Rundungen nicht verbarg. Bis ihr jenseitiger Blick uns traf und bis in die tiefsten Winkel unserer Herzen hinein Furcht senkte. Denn ihre Augen blickten tief leer, wie tot und ohne eine jede Regung nur nach innen gerichtet.

Beitrag vom 18 Oktober, 2010 (10:25) | Autor: Kathrin Drescher | Rubrik: tage-bau | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Jwdtäten – gepunktet. Jwds lyrisches bekenntnis.

17 Oktober, 2010 (14:07) | | tage-bau | Kommentieren

ich wandere in der worte welt
sitze an den sätzen des alltags
vergebens
als punkt zählt poesie

Beitrag vom 17 Oktober, 2010 (14:07) | Autor: Kathrin Drescher | Rubrik: tage-bau | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Poetizität

17 Oktober, 2010 (10:32) | | tage-bau | Kommentieren

„Auf einmal die Einsicht, dass es sich in Kunst auch immer um Sehnsucht handelt,
handeln muss! Dass Sehnsucht, wo sie fehlt, die Kunst nicht ist.“ (oegyr)

„Göttliche Traurigkeit“ kommt mir da in den Sinn, eine „Sehnsucht“,
die ich in meinem Leben nicht mehr missen möchte.
Denn „Im Anfang war die Symbiose.“

Doch was ist mit Schönheit?
Kennt die Postmoderne wie noch die Antike das Geheimnis der Proportion?

Vielleicht als Sehnsucht ihren Ausdruck
im Spiel der „abweichenden“ Metaphern findet,
erweckt sie zumindest die Faszination der Anderen.

Denn wir wissen nicht, „… wie man die Liebe macht.“ (zürn)

Wenn aber Sehnsucht auf die Proportionen eines Könners trifft,
vollendet sich ein Werk in Schönheit, die Viele berührt.

Es wohnt Magie darin.

„Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne…“ (hesse)

***
Jwd sagt sich:

„ich wandere in der worte welt
sitze an den sätzen des alltags
vergebens
als punkt zählt poesie“

Beitrag vom 17 Oktober, 2010 (10:32) | Autor: Kathrin Drescher | Rubrik: tage-bau | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


kommt ein Wanderer aus Bayern und stellt fest:

6 Juli, 2010 (12:02) | | tage-bau | Kommentieren

in Thüringen

werden die Hühner gestreichelt,
wachsen die Kirschen auf den Bäumen
und Götterspeise gibt’s im Imbiss.

Beitrag vom 6 Juli, 2010 (12:02) | Autor: Kathrin Drescher | Rubrik: tage-bau | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Skalli III

16 April, 2010 (16:36) | | netz@uge.nblick | Kommentieren

Von der Dunkelheit, die auch Licht ist.

Beitrag vom 16 April, 2010 (16:36) | Autor: Kathrin Drescher | Rubrik: netz@uge.nblick | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Sestine

13 April, 2010 (13:10) | | zahlenfolge.n@tur.net | Kommentieren

Gezählt wird eins bis sechs und umgekehrt verdreht, dann um die sechs bis eins zurück –
Ach was, das Labyrinth poetischer Fleißarbeit bleibt liegen, denn die Liebe ist ein Kiesel, der in der Sonne lacht,
und die Sestine inmitten der Mauerblümchen lächelt verschmitzt direkt ins Auge.

Beitrag vom 13 April, 2010 (13:10) | Autor: Kathrin Drescher | Rubrik: zahlenfolge.n@tur.net | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Taw

19 Februar, 2010 (01:08) | | zahlenfolge.n@tur.net | 3 Kommentare

Beitrag vom 19 Februar, 2010 (01:08) | Autor: Kathrin Drescher | Rubrik: zahlenfolge.n@tur.net | Beitrag drucken Beitrag drucken | (3) Kommentare


Saving Unica Zürn

21 Dezember, 2009 (23:56) | | beautiful people | 1 Kommentar

The first time I „met“ this female author was 1989 in the West german State library seeing a cover with a beautyful melancholic drawing of her. I stood there with this small book in my hands and I couldn’t stop reading her story „The Man of Jasmine“. Since this magic moment I’m completely in love with her incredible poetical writing. Her „Imago“ is so a mysterious streaming between the lines, it always feels like to listen the native voice of a child. Or it feels like the theory of „female writing“ starts to be wonderful alive with her writing.
What I need to say is, that this woman died early. Nobody clearly knows the circumstances of her death, maybe it was an accidence or even from suicide. Otherwise the very strong imaginating of her anagrammes at least seemed to bring her into alot of madness. Sometimes she decided by herself to live in a institution.
In the end I don’t care this stuff in her bio. Her story „The Man of Jasmine“ for me always works as an strong and unforgettable impression. My own writing to express my „Imago“ even seems mostly formed by her.

Saving Unica Zürn

–>>> more about Unica Zürn and a small galery of her drawings
Unica Zürn: Drawings from the 1960s. Katalog. Ubu Gallery, New York 2005

Beitrag vom 21 Dezember, 2009 (23:56) | Autor: Kathrin Drescher | Rubrik: beautiful people | Beitrag drucken Beitrag drucken | (1) Kommentar


Yodh – The Infinite Point

20 Dezember, 2009 (23:21) | | goldener schnitt | 1 Kommentar

„J“ is the tenth letter in the modern Latin alphabet; it was the last of the 26 letters to be added.

But Yodh, also spelled Yud or Yod, is the tenth letter of the Semitic alphabet. The tenth shall be holy; as the decimal nature of reality.

But I am a worm and not a man, scorned by men and despised by the people.
All who see me mock me; they hurl insults, shaking their heads:
He trusts in Adonai; let Adonai rescue him. Let him deliver him, since he delights in him.

As Yodh is the smallest letter, much kabbalistic and mystical significance is attached to it. The secret of this point is the power of the Infinite to contain finite phenomena within Himself and express them to apparent external reality. This initial point, the essential power of the Yodh, is the „little that holds much.“

I am poured out like water, and all my bones are out of joint. My heart has turned to wax; it has melted away within me.
My strength is dried up like a potsherd, and my tongue sticks to the roof of my mouth; you lay me in the dust of death.

According to the Gospel of Matthew Jesus mentioned it during the Antithesis of the Law when he says: „One Yodh or one tittle shall in no wise pass from the law, till all be fulfilled.“ Yodh was often overlooked by scribes because of its size and position as a mater lectiones.

Dogs have surrounded me; a band of evil men has encircled me, they have pierced my hands and my feet.
I can count all my bones; people stare and gloat over me.
They divide my garments among them and cast lots for my clothing.

In modern Hebrew, the phrase „tip of the Yodh“ refers to a small and insignificant thing, and someone who „worries about the tip of a Yodh“ is someone who is a „Korinthenkacker“ that means to be picky and meticulous about very small details.

From birth I was cast upon you; from my mother’s womb you have been my Adonai.
Do not be far from me, for trouble is near and there is no-one to help.

In „gematria“, the Hebrew language and Hebrew alphabet, Yodh represents the number ten, and its place in the name of Adonai.

Eli Eli, why have you forsaken me?

Two Yodhs in a row designate the name of HIM and in pointed texts are written with the vowels of Adonai; this is done as well with the Tetragrammaton.

Adonai, deliver my precious life from the power of the dogs.

Yodh is thought to have originated with a pictograph of a hand, Yad in Hebrew.
Yad can also refer to pointer used for Torah reading in Jewish synagogues.

Quote: Psalm 22

Beitrag vom 20 Dezember, 2009 (23:21) | Autor: Kathrin Drescher | Rubrik: goldener schnitt | Beitrag drucken Beitrag drucken | (1) Kommentar


Wellenzittern

16 Dezember, 2009 (23:25) | | suppenküche | 1 Kommentar

WellenzitternDer alte Jäger tritt geräuschlos mit dem Fischspeer heran. Die Jungen blicken gespannt in das Wasserloch, wo der Biber zum Atmen auftauchen muss. Sie verharren in der Stille und warten, aber dann beginnen sie zu frieren.
Mit einmal sticht der Jäger ins Eisloch mit dem Speer: Wildes Plätschern, ein Sprühregen von Tropfen – schon liegt ein Biber auf dem Eis.
Die Jungen stottern, dass sie das Tier gar nicht haben kommen sehen. Der Jäger lächelt. „Es hält auch nur die Nasenlöcher heraus. Das Wasser bewegt sich etwas, das ist alles.“
Der Jäger stellt sich wieder bereit, und diesmal sehen die Jungen kleine Wellen über die Wasserfläche laufen.

Beitrag vom 16 Dezember, 2009 (23:25) | Autor: Kathrin Drescher | Rubrik: suppenküche | Beitrag drucken Beitrag drucken | (1) Kommentar


Astenden

14 Dezember, 2009 (23:57) | | suppenküche | 2 Kommentare

AstendenDie Fischer verteilen sich über den vereisten See. Der alte Jäger aber hält mit den Jungen auf einen mannshohen schneebedeckten Holzhaufen zu. Überall lugen vereiste Astenden hervor, die Jungen ziehen an dem Holz, doch die Äste liegen unbeweglich fest. Rundum die Fischer lachen in gutmütigem Spott und wenden sich wieder ihren Stellen zu.
Der alte Jäger verteilt die Aufgaben. Die Jungen greifen zu den Äxten und beginnen die Eisdecke einzuhacken. Schon schimmert das Seewasser in der Öffnung, an der sie arbeiten. Der Jäger erklimmt derweil den Holzhaufen und zertrümmert auf einen Hieb das Dach der Biberburg.

Beitrag vom 14 Dezember, 2009 (23:57) | Autor: Kathrin Drescher | Rubrik: suppenküche | Beitrag drucken Beitrag drucken | (2) Kommentare


Knochengabeln

11 Dezember, 2009 (23:27) | | suppenküche | Kommentieren

KnochengabelnSie brechen in der Morgendämmerung auf, erreichen ihr Ziel aber am frühen Mittag. Es geht nicht so schnell wie sonst, denn die Fischer stecken in Fellmänteln und tragen Hosen aus Rindsleder. Auch die Jungen sind in Felljacken mit langen Ärmeln und Kapuze gehüllt, um beim Eisfischen nicht festzufrieren.
Viel Gerät brauchen sie nicht zu tragen, nur Körbe, Äxte und etliche Fischspeere aus geradem Holz mit dreizinkigen Knochengabeln und haarscharfen Spitzen. Die Jungen kennen diese langen, dreizackigen Lanzen in den Händen der Fischer während der Notwinter; diesmal sind sie mit dabei und drängen darauf zu erfahren, wie mit den Lanzen gefischt wird. Sie erinnern sich, dass die Fischer damals mitten auf dem Flusseis unter kleinen Zelten lagen, gegen die Kälte schwer in Pelze verpackt. Nun, bald werden sie es selbst erleben.

Beitrag vom 11 Dezember, 2009 (23:27) | Autor: Kathrin Drescher | Rubrik: suppenküche | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Biberburgen

8 Dezember, 2009 (23:56) | | suppenküche | 1 Kommentar

Biberburgen„Wir werden morgen den See ohne Abfluss leerfischen“, kündigt der Jäger an.
Die Jungen heben den Kopf, diesen See kennen sie von den Pfaden zum Ahornwald. Vor ihren Augen steigt das Bild dieser Landschaft auf: ein türkisblauer See, ringsherum Laubwald, der sich auf den zitternden Wellen widerspiegelt und an einer Seite öffnet, hin zu einer großen Wiese. In der Mitte, unerreichbar, ein mächtiger Haufen Reisig und Stöcke: eine Biberburg.

Beitrag vom 8 Dezember, 2009 (23:56) | Autor: Kathrin Drescher | Rubrik: suppenküche | Beitrag drucken Beitrag drucken | (1) Kommentar


Fischgräten

7 Dezember, 2009 (23:56) | | suppenküche | Kommentieren

FischgrätenDie Hunde liegen im Gras und schauen träge zu, sie haben sich schon den Bauch vollgeschlagen. Bald sind auch die Jungen soweit. Sie rücken als erste vom Feuer ab. Ihnen folgen die Fischer. Der alte Jäger hält am längsten aus. Schließlich streckt auch er sich ins Gras. Er ist beim Essen immer der letzte, denn er isst langsam und mit Bedacht. Zum Abschluss nimmt er sich stets die Fischköpfe vor. Er pult sie sorgfältig auseinander, und dann saugt er die Gräten und Knochen aus. Sie werden so sauber, dass man sie für das Ritual hergeben könnte. Der Jäger behauptet, der Kopf sei das Beste am Fisch, etwas Feineres gäbe es nicht. Die Jungen sind anderer Meinung, sie rücken zur Seite, strecken sich auf dem Boden aus, verschränken die Arme unterm Kopf und schauen in den Himmel.

Beitrag vom 7 Dezember, 2009 (23:56) | Autor: Kathrin Drescher | Rubrik: suppenküche | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Bernsteinfarben

5 Dezember, 2009 (23:55) | | suppenküche | 1 Kommentar

BernsteinfarbenDie Jungen setzen sich auf den Boden neben das Feuer und machen sich über die Suppe her. Der Schweiß strömt ihnen über das Gesicht, und sie haben Tränen in den Augen. Die Suppe ist bernsteingelb und ganz durchsichtig. Obenauf schwimmen dicke Fettaugen, auch ein paar Stückchen Holzkohle, die der Wind hineingeweht hat. Sie riecht wunderbar nach Rauch, die Suppe, und schmeckt nach den Würzblättern.
Zuerst schlürfen die Jungen nur die Brühe mit den Knollen. Die Fischbrocken haben sie herausgenommen und auf die Abdeckung gelegt. Sie kommen erst am Schluss dran. Das Fleisch der Fische ist schneeweiß, gelblich oder rosa. Und alles ist wunderbar zart, es zergeht einem auf der Zunge.

Beitrag vom 5 Dezember, 2009 (23:55) | Autor: Kathrin Drescher | Rubrik: suppenküche | Beitrag drucken Beitrag drucken | (1) Kommentar


Zündeldürre

4 Dezember, 2009 (11:07) | | suppenküche | Kommentieren

ZündeldürreWer Feuer machen will, darf nichts übereilen. Die Jungen gehen ganz behutsam zu Werke. Auf das dünne Reisig legen sie ein paar verdorrte Zweige. Darauf kommen etwas kräftigere trockene Äste. Ganz obendrauf packen sie armdicke Scheite kreuzweise übereinander. Zudem stellen sie fest, woher der Wind weht, und schichten das Holz so auf, dass das trockene, zündeldürre Reisig an den Rand zu liegen kommt. Es muss an der dem Wind zugekehrten Seite liegen, da dort auch das Feuer entzündet wird. Dann schlägt die Flamme in das Holz hinein, und das Holz fängt Feuer. Nur bei Windstille ist das Reisig in die Mitte des Haufens zu packen.
Die Brennsteine werden aneinander geschlagen und die entstehenden Funken mit dem Zündschwamm aufgefangen. Es wird gepustet, bis sich die ersten Flämmchen entwickeln. Daran werden ein paar Holzspäne entzündet und an das Reisig gehalten. Das Reisig lodert sofort auf und brennt mit fröhlichem Knistern. Die Flammen lecken am Holz hoch. Da das Feuer so weit ist, ändern sie nichts mehr dran, sondern lassen es ruhig durchbrennen. Erst wenn alles schön brennt, haben sie vor, noch ein Balkenfeuer zu bauen.

Beitrag vom 4 Dezember, 2009 (11:07) | Autor: Kathrin Drescher | Rubrik: suppenküche | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Balkenfeuer

2 Dezember, 2009 (00:06) | | suppenküche | 1 Kommentar

BalkenfeuerUm ein Balkenfeuer für die Nacht hindurch anzulegen, brauchen die Jungen zwei Baumstämme. Je stärker, um so besser. Im tieferen Wald hätten sie längst einfach zwei dicke Bäume herangerollt, aber hier in der Nähe ihrer Siedlung liegen kaum Bäume herum. Doch sie haben bereits auf dem Heimweg vom Angeln geeignetes Holz ganz in der Nähe vom Lager gesehen. Die Jungen ziehen los und holen es.
Zurückgekehrt, schieben sie die Klötze von beiden Seiten an den Holzstoß heran, so dass das Feuer in die Mitte kommt. Fangen die großen trockenen Stämme erst einmal Feuer, so brennen sie langsam mit ruhiger, gleichmäßiger Flamme bis zum Morgen weiter. Sind sie durchgebrannt, braucht die Jungen sie bloß von neuem ins Feuer zu schieben, und wieder brennen sie eine lange Zeit. –

©Text & Bild: Kathrin Drescher

Beitrag vom 2 Dezember, 2009 (00:06) | Autor: Kathrin Drescher | Rubrik: suppenküche | Beitrag drucken Beitrag drucken | (1) Kommentar


Sprottensuppe

28 November, 2009 (23:40) | | suppenküche | Kommentieren

FischsuppeDer Mittag ist herangerückt, die Jungen machen sich daran, eine Fischsuppe zu kochen. Sie gießen Wasser in einen Topf, hängen ihn über dem Feuer auf und werfen etwas Lauch, Würzblätter und -körner ins Wasser, als nächstes die kleinen Fische. Dann warten sie, bis die Sprotten völlig zerkocht sind und seihen die Suppe durch ein Tuch. Die unzerkochten Fischstücken werfen sie den Hunden hin und hängen die Brühe wieder übers Feuer. In dieser Brühe kochen sie jetzt die größeren Fische. Dann wird erneut alles durchgeseiht. Anschließend kochen sie die Köpfe und Schwänze der größten Fische und seihen noch einmal das Ganze durch. Endlich geben sie ein paar essbare mehlige Knollen in die Suppe, und als die gar sind, schütten sie auch die im klaren Wasser ausgespülten Stücken der größten Fische hinzu. Der Rogen und die Leber kommen als letztes in den Topf. Zum Schluss lassen sie aber die Suppe nicht mehr so lange kochen. Dreimal kochen sie alles auf und nehmen dann den Topf vom Feuer. Zugedeckt muss die Suppe noch eine Zeit lang ziehen. Aber dann ist sie fertig.

©Text & Bild: Kathrin Drescher

Beitrag vom 28 November, 2009 (23:40) | Autor: Kathrin Drescher | Rubrik: suppenküche | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Avalon

9 November, 2009 (18:08) | | goldener schnitt | 3 Kommentare

Avalon
„von Inseln,
auf denen
Apfelbäume
der Sonne
nachwinken“

Beitrag vom 9 November, 2009 (18:08) | Autor: Kathrin Drescher | Rubrik: goldener schnitt | Beitrag drucken Beitrag drucken | (3) Kommentare


Skalli II

16 Oktober, 2009 (00:42) | | goldener schnitt | 4 Kommentare

Skalli

„vom Wolf, der
der Sonne folgt
in die schützende Flut“

oder einfach: „der Himmel daheim“

Beitrag vom 16 Oktober, 2009 (00:42) | Autor: Kathrin Drescher | Rubrik: goldener schnitt | Beitrag drucken Beitrag drucken | (4) Kommentare


Opferfleisch

13 Oktober, 2009 (00:20) | | tage-bau | Kommentieren

Bene sieht sich während der Fahrt nach den Uferfelsen um; da ist der Goll Gwen, die Steinerne Frau. Der Sage nach stand an dieser Stelle früher einmal ein Fischerdorf. Einst während eines Winters trieb der Wind einen der Fischer auf einer Scholle ins offene Meer hinaus. Seine Frau wartete Tag und Nacht an dem felsigen Ufer auf ihn. Keinerlei Bitten konnten sie dazu bewegen, in das Dorf zurückzukehren. Der Mann kam nie mehr heim, die trauernde Frau aber verwandelte sich zu Stein.
Makklath hält sein Gespann an und bedeutet Bene, auch zu halten. Er steht vom Schlitten auf und kommt auf Bene zu, in der Hand ein Stück gefrorenes Fleisch. Bene knurrt plötzlich der Magen, er hat seit der Frühe noch nichts gegessen.
Makklath hockt sich neben Bene. Er zieht sein Messer heraus, schneidet etwas Fleisch ab und reicht es Bene. Den Rest schneidet er in kleine Stücke: „Das ist für die Steinerne, die es uns vielfach zurückgibt.“
Er stellt sich hin; das Gesicht dem Felsen zugewandt, murmelt er Opfersprüche. Die Hunde wittern das Fleisch und lauschen ihrem Herrn. Dann vergräbt Makklath die Fleischstücken im Schnee und tritt die Stelle fest.
Kaum ist des alten Fischers Gespann losgefahren, ziehen Benes Hunde heftig an der Leine. Von dem jähen Ruck fällt Bene vom Schlitten und schlägt lang hin aufs Eis. Auf einmal geraten die Hunde durcheinander und drängen sich wirr zusammen. Der umgekippte Schlitten schleift hinter dem verkeilten Knäuel her.
Makklath hört den Lärm und dreht sich um. Er stoppt sein Gespann, stürzt mitten in den verkeilten Hundehaufen und knallt mit der Peitsche hinein. Bene schreit er an:
„Ah, du Nichtsnutz! Kannst noch nicht mal Hunde lenken! Was lernst du überhaupt im Tempel?“
Bene hilft schweigend, das Gespann zu entwirren. Die Schelte des Alten kränkt ihn. Als er sich wieder auf den Schlitten setzt, ruft er Makklath zu:
„Das war wegen dem eingebuddelten Fleisch.“
„Was sagst du da?“ Den alten Fischer packt die Wut. „Das eingebuddelte Fleisch! Wie sprichst du denn vom heiligen Opfer! Und so einer geht in den Tempel!“
„Im Tempel lernen wir so etwas nicht“, antwortet Bene. „Im Gegenteil, Tassiach sagt, dass es die Gil Golls nicht gibt. Sowieso haben die Hunde das Fleisch schon aufgefressen.“
„Untersteh dich, so zu reden!“ schreit Makklath. „Oder willst du Unglück auf unsere Fischer heraufbeschwören?
Bene treibt die Hunde an, holt Makklath ein und sagt schuldbewusst: „Vergraben wir doch noch etwas Fleisch. Ich kann das machen.“ Makklath lächelt freundlich.
„Nein, lass mal. Sie hat das Opfer erhalten.“ Bene verwundert sich. Mit eigenen Augen hat er doch gesehen, wie die Hunde das Fleisch verschlangen. Wann konnte sie das Opfer erhalten haben? Bene schaut sich um: Über dem Ufereis ragt, leicht vorgebeugt, die steinerne Gwen und blickt auf das weite Meer hinaus.

Aus: Der Flug des Adlers (Skizze, Eichenmädchen)

Beitrag vom 13 Oktober, 2009 (00:20) | Autor: Kathrin Drescher | Rubrik: tage-bau | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Die Erde kann alles

11 Oktober, 2009 (22:33) | | tage-bau | Kommentieren

Den Fang bringen Bene und Larat zur Schammen-Oma, bis jene eines Tages zugibt, sie habe genug von den Fischchen.
„Lasst uns einen Gemüsegarten anlegen“, schlägt sie den Jungen vor.
Für den Gemüsegarten wird an der Südseite ihres Hags ein Stück Land umgegraben. Auf die Krume schütten sie in zwölf Reihen lockeren Dung von den Viehweiden.
„Das werden Zwiebeln“, sagt die Schammen-Oma, während sie den Samen in den Boden bringt. „Das hier Salat und dies Rüben.“
Damit die hungrigen Dorfhunde die Beete nicht durchwühlen, spannen sie ein altes Fischfangnetz ringsherum.
Jeden Morgen sieht Bene nach, ob der Samen aufgeht. Aber die Krume bleibt schwarz und die Beete leer.
Nach einigen Tagen zweifelt Bene, dass überhaupt etwas aus dem Garten wird. Zudem heißt es bei den Kornbauern, dass an einem steinigen Ort wie Kel Sunt nichts gedeihen könne. Nur der Schmied erklärt mit Bestimmtheit:
„Die Erde kann alles.“
Bene versteht den Sinn dieser Worte nicht. Zunächst denkt er, es sei ein Beiname der Schammen-Oma, aber niemand nennt sie so. Da fängt Bene an, sich die Erde als eine Kornbauerin vorzustellen, die in Kwan’Den nicht weit von Kel Sunt wohnt; die Kornbauern selbst nennen ihre Siedlung „Fruchtbare Erde“.
Doch eines Tages glaubt Bene seinen Augen nicht zu trauen: Aus der schwarzen Krume im Garten lugen zartgrüne Sprossen hervor. Mit angehaltenem Atem blickt er auf dieses junge Grün: Die Sprossen sind nicht dicker als eine Knochennadel. Bene steigt vorsichtig über das Netzgatter und kniet sich neben die Reihen hin. Von seinem Atem zittern die feinen Halme, doch halten sie sich aufrecht.
Mit einem Satz springt Bene über das Gatter zurück und rennt zu Larat. Er klopft an den Türbalken und ruft:
„Larat! Komm! Die Erde hat geholfen!“ „Schrei doch nicht so! Was für eine Erde?“ fragt Larat erschrocken.
Bene sprudelt aufgeregt hervor, dass die ersten Sprossen herausgekommen seien.
Die Schammen-Oma freut sich nicht weniger als Bene und Larat. Nur ihr Alter hindert sie, ebenso wie Larat und Bene um das Beet herumzuhüpfen.
Jeden Tag kommt mehr Grün zum Vorschein, und in Benes Herzen regt sich ein neues, nie gekanntes Gefühl. Es überkommt ihn, seit er die ersten zarten Sprossen erblickt hat. Vor kurzem noch hat er lockeren Dung in den Garten getragen, Beete geradegezogen und winzige Samenkörner in Vertiefungen gesteckt. Und jetzt auf einmal wächst aus diesem Samen in der Ackerkrume ein Halm, ein neues Leben. Bene weiß noch nicht, dass das, was er erlebt, das Gefühl ist, einen kleinen Sieg über die Natur errungen zu haben.

Aus: Der Flug des Adlers (Skizze, Eichenmädchen)

*Farbliche Ähnlichkeiten oder gar inhaltliche Übereinstimmungen mit Parteien und Koalitionen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt! ;-)

Beitrag vom 11 Oktober, 2009 (22:33) | Autor: Kathrin Drescher | Rubrik: tage-bau | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


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