Der Hagel und der Schaden

15 August, 2013 (11:53) | | tage-bau | Kommentieren

Auf (fast) alles ist der Mensch eingerichtet. Hochzeiten, Todesfälle, dazwischen etwas Regen oder Sonnenschein. Die versalzene Suppe ist ebenso auf der Warteliste unseres Erwartungshorizontes zu finden wie die Fata Morgana in der klirrenden Hitze der Sahara, der kilometerlange Stau auf der Autobahn oder die Freundin, die Schluss macht.

Seltsamerweise rechnen die Meisten mit dem Schlimmen und Schlimmsten, um nicht überrascht zu werden. Scheint die Sonne aus einem hellblauen Himmel, schauen wir schon nach dem kleinsten Anzeichen von Wölkchen. Trifft uns dagegen das Glück, sind wir wirklich überwältigt, können kaum daran glauben und machen es je nach Stimmung kaputt oder kosten es aus.

Eine neue Bekanntschaft, die das Potenzial hat zu einer dauerhaften Beziehung zu werden? Entweder sind wir der Meinung, wir hätten das Glück nicht verdient oder wir sind überzeugt, dass es uns zusteht – beides extreme Einstellungen, in deren Folge wir übermütig verzweifelt oder übermütig glücklich sind und unsere Handlungen zuweilen – bewusst oder unbewusst – daran ausrichten dieses Übermass wieder ins rechte Lot zu bringen.
Bei all den möglichen Ereignissen unterscheiden wir nach oft und nach selten wiederkehrendem Geschehen. Wieso sich auf einen Tsunami in den Alpen einrichten? Oder wieso sollte man sich weigern, im Meer schwimmen zu gehen, weil es mit verschwindend geringer Wahrscheinlichkeit einen Herzinfarkt geben könnte?

Wer hätte also gedacht und angenommen, dass nach einem wunderschönen Abend im Musical Mamma Mia im SI-Centrum Stuttgart der nächste Tag, ein Sonntag in Tübingen, eine böse Überraschung bereithalten könnte?

Tübingen ist Umweltzonenstadt. Ohne die grüne Plakette auf der Windschutzscheibe, die ausweist, dass der jeweilige Wagen die Abgasnormen einhält und erfüllt, gibt es keine Erlaubnis zur Ein- oder Durchfahrt der Innenstadt. Mit dem Wagen aus der Schweiz bleibt am Sonntag also nur die Parkmöglichkeit am Rande des Städtchens.

Tübingen ist ein schönes Studentenstädtchen. Der Neckar lädt an diesem Sonntagnachmittag zum Stocherkahnfahren ein oder zu einem Spaziergang oder einer Velotour entlang seiner kaum erkennbaren Strömung. Ein wunderschöner sonniger Sonntagnachmittag. Bald zeigt sich eine dunkle Wolkenfront. Ein Gewitter vermutlich. Kein Grund zur Sorge. Der Wagen ist ja nur noch etwa einen Kilometer entfernt.

Was dann kam, lässt sich am besten auf einem der zahlreichen und eindrücklichsten Youtube-Videos zu diesem Hagelwetter vom 28.07.2013 in all seiner erschreckenden Zerstörungsgewalt zeigen. Davor verblasst die eigene Erinnerung und eine weitere Ausführung persönlicher Erlebnisse dieses Tages wird redundant.

Youtube-Video vom Hagelunwetter am 28.07.2013

© 2013 Hans-Jürgen John

Hans ist Hans John (@rafaelofirst) auf Twitter und Hans.John.16 auf Facebook. Hans bloggt auf www.johntext.de und www.tage-bau.de .

Beitrag vom 15 August, 2013 (11:53) | Autor: Hans Juergen John | Rubrik: tage-bau | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Fremdenfeindlichkeit oder Fremdenvorsicht

4 April, 2013 (09:24) | | tage-bau | 1 Kommentar

Man begegnet ihr überall. Der Fremdenfeindlichkeit. In der Erziehung, auf den Straßen, in den Medien, als Mittel zum Zweck in der Politik, als ureigenen instinktiven Verteidigungsmechanismus und bei Zuwanderungsdiskussionen, wenn die Wertschöpfung scheinbar in Gefahr gerät.
Zusammengefasst und reduziert auf das Wesentliche handelt es sich um ein zwischenmenschliches Problem. Unbekanntes trifft auf unser Ego und wird vorsichtig bis feindselig beäugt – bevor es uns schaden kann.

Ich stelle mir vor, wie vor Jahrhunderten und Jahrtausenden gewaltbereite, fremde Horden in die Lebensgemeinschaft friedlicher Bürger einfielen und deren Hab und Gut zerstörten, Todesangst hervorriefen und damit den Grundstein zur Fremdenfeindlichkeit heute legten.

Was sagt unser allgegenwärtiger Ratgeber Wikipedia dazu?

Fremdenfeindlichkeit, gelegentlich auch Xenophobie (gr. ξενοÏ?οβία „Fremdenangst“, von ξένοÏ? xénos „Fremder“ und Ï?οβία phobia „Angst“, „Furcht“), bezeichnet eine ablehnende, ausgrenzende oder feindliche Haltung gegenüber Personen oder Gruppen (siehe auch Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit), die als andersartig gesehen werden. Dabei kann die Ablehnung mit echten, vermeintlichen oder angeblichen sozialen, religiösen, ökonomischen, kulturellen oder ethnischen Unterschieden begründet werden.

O.k., so genau wollte ich das nun auch wieder nicht wissen. Die wohlformulierte, wissenstriefende, fachlich fundierte Meinung kommt klar und kalt und ohne Emotionen daher. Das ist wohl auch notwendig. Emotionen werden verwendet, um Stimmungen für oder gegen etwas zu machen. Um objektiv etwas beurteilen zu können, braucht es klare Gedanken und Worte.

Wie war denn das also noch einmal? Unsere Urvorfahren waren schon sesshaft und planten ein erfülltes und gemächliches Leben auf der Grundlage von Ackerbau und Viehzucht und dann kamen ein paar vagabundierende Räuber und nahmen ihnen kurz vor dem Winter die Ernte des ganzen Sommers ab. Solche Ereignisse, auch wenn sie nur als verharmlosendes Beispiel daherkommen, – die Wirklichkeit war sehr viel brutaler – lassen verstehen, wieso wir Fremdem gegenüber misstrauisch bis feindlich eingestellt sind.

Was wir kennen – Menschen, die unsere Sprache sprechen, unsere Hautfarbe haben, uns ähnlich sehen und gleiche Sitten und Gebräuche pflegen – können wir einschätzen. Sie sind uns vertraut. Wir können damit umgehen. Das Andersartige lässt uns vorsichtig werden und wir bauen ihm eine höhere Hürde, bis es unser Vertrauen gewinnt als anderen.

Jeder Mensch ist mit der Möglichkeit des Vertrauens, der Liebe und auch des Hasses und des Misstrauens ausgestattet. Wie ein Akademiker beim Einsortieren seiner Buchlektüre stehen auch wir vor den Regalen unseres Verhaltens. Alles Fremde – das können Menschen sein, die Asyl suchen oder einfach der Unbekannte auf der Straße – legen wir unter der Rubrik Vorsicht oder Misstrauen oder fremd und feindlich ab.

Und doch muss man uns zugute halten, dass wir schnell Vertrauen fassen und diese Kategorisierung umstellen können. Wir sind lernfähig. Wegen ein paar Asylanten, die Straftaten begehen verurteilen wir nicht alle pauschal. Fremdenfeindlichkeit ist eigentlich Fremdenvorsicht.

Sehen wir uns die Sache genauer an. Die Asylanten flüchten – ob vor wirtschaftlicher Not oder politischer Verfolgung ist dem Christen in uns erst einmal egal. Sie sind fremd in ihrem Heimatland oder fühlen sich so dort. Gibt es einen stärkeren Grund, ihnen unsere Hilfe und unsere Hände zu reichen? Wohl kaum. Letztlich fühlen wir uns wohl, wenn wir helfen dürfen. Eigentlich haben wir ein schlechtes Gewissen, weil es uns gut geht. Es zwickt uns, wenn wir die Hungernden in Afrika sehen oder die Opfer der wiederkehrenden Naturkatastrophen auf den Philippinen. Wir sind froh zumindest den wenigen helfen zu können, die es bis an unsere Grenzen schaffen.

Es soll schon Länder geben, die Asylanträge nicht mehr in ihren Botschaften annehmen. Wenn uns die Angst dazu verführt, uns einzumauern in unserem Reichtum und unsere Hände nicht mehr Mitgefühl und Nahrungsmittel verteilen, sondern Hass transportieren, dann schämen wir uns für uns.

© 2013 Hans-Jürgen John

Beitrag vom 4 April, 2013 (09:24) | Autor: Hans Juergen John | Rubrik: tage-bau | Beitrag drucken Beitrag drucken | (1) Kommentar


Jeder kann ein Held sein!

27 Februar, 2013 (08:59) | | tage-bau | Kommentieren

Was haben Sylvester Stallone, Chuck Norris, Will Smith, Steven Seagal, Bruce Willis und Jean-Claude van Damme gemeinsam? Klar, sie machen Filme, sind populär und bekannt wie die berühmten bunten Hunde. Für unsere Unterhaltung retten sie immer wieder mal ihre Ehre und Menschenleben. Sie bewahren ganze Städte vor der Willkür von Terroristen und retten sogar die Welt vor Zerstörung und Vernichtung.

Doch schalten wir den Fernseher ab oder verlassen wir das Kino, sind sie ausgeblendet. Wir sind wieder in unserer Welt, unserer Wirklichkeit, in der diese Helden der Leinwand nur Filmschauspieler sind und womöglich in ihrem ganzen Leben nicht einen Menschen vor dem Tod gerettet haben. Helden der Leinwand.

Wer möchte nicht selbst einmal ein Held sein, Großes vollbringen und sich aus dem Alltag hervorheben? Doch wie soll das gehen, ohne den Beruf zu wechseln und Feuerwehrmann, Arzt oder Polizist zu werden?

Die Weltgesundheitsorganisation WHO schätzt, dass es weltweit circa 1 Million Selbsttötungen pro Jahr gibt. Die Zahl der Suizidversuche wird 10 bis 20 mal höher eingeschätzt. Quelle: Wikipedia

Wo liegen die Gründe? Die existenziellen Grundbedürfnisse sind zumindest hier in Europa weitestgehend gedeckt. Die meisten Menschen hier haben Wohnung, Essen und Kleidung. Der Kampf ums tägliche Brot ist kein Kampf mehr wie vor Jahrzehnten und Jahrhunderten und Jahrtausenden. Die Dinge, die unseren Lebenswillen täglich herausfordern und trainieren sollen fallen weg.

Wir sind zu Menschen auf der Suche nach dem Sinn geworden. Die einen finden ihn im Glauben, die anderen in der Liebe zu einem Partner, den dritten genügt die Sorge um die Familie, um die eigene Existenz jeden Tag von Neuem zu bejahen. Wieder andere sind sich selbst genug und kämen nie auf die Idee dem Tod die Arbeit abzunehmen und an sich selbst Hand anzulegen.

Und doch kann jeder von uns so einfach seinem Leben eine Wendung, einen Sinn geben, wenn die Probleme überhand zu nehmen drohen und wir nicht weiter wissen und wollen.

Die Menschheit hat sich auf diesem Planeten nur aus einem Grunde gegen die anderen Arten durchgesetzt. Menschen haben die Möglichkeit Mitgefühl zu empfinden. Anderen zu helfen gibt vielen mehr Lebensqualität, als wenn sie nur sich selbst als Gegenüber hätten.

Nun gibt es jedes Jahr in Deutschland circa 10.000 Fälle von Leukämie. In vielen Fällen hilft nur noch eine Knochenmarkspende. Es ist sehr leicht, sich registrieren zu lassen. Infos bietet zum Beispiel die Webseite des ZDF.

Wenn sie also auf der Suche nach einem Halt im Leben sind, wäre das eine Möglichkeit ihrem Leben einen Sinn zu geben. Sie können mit einfachsten Mitteln das Leben eines Menschen retten! Damit stellen sie die ganzen Filmstars auf der Leinwand in den Schatten. Ist bekannt, welcher von den Genannten sich als Knochenmarkspender registrieren ließ?

Es gibt nichts schöneres, als anderen Menschen zu helfen! Als Bruder eines Selbstmörders würde ich mir nie das Leben nehmen, denn ich weiss, wie viel Leid damit über die Angehörigen kommt. Entdecken Sie das Potential in sich anderen zu helfen. Es gibt viele Möglichkeiten Gutes zu tun. Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag!

© 2013 Hans-Jürgen John

Beitrag vom 27 Februar, 2013 (08:59) | Autor: Hans Juergen John | Rubrik: tage-bau | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Ein Gedicht … man merkt es kaum!

16 Januar, 2013 (08:49) | | tage-bau | Kommentieren

Ich liebe diese Frau. Doch das kann ich nicht sagen
Das wäre wie Orangen. Nach Athen tragen.

Ich träume von ihr. Und sehe ich sie hier.
Dann tut mein Herz weh. Bis in in den kleinen Zeh.

Was soll ich nur tun? Was soll ich nur machen?
Mich mit der 45er erschiessen? Wäre wie Gold in Blei giessen.

Ich liebe diese Frau. Doch ich werds niemals nie sagen.
Das Alter mahnt mich. Dies Reh ist kein Wild.

So trinke ich nun seit drei Tagen. Zuviel vom Roten am Abend.
Ich giesse ihn wie Wasser hinunter. Und denke vergnügt: Land unter.

Zu Tode saufen werde ich mich. Und ist es vorbei so erhoffe ich mir.
Verliere ich nur was mir gebührt. Und das ist das Fräulein zur Hochzeit entführt.

Die Trauer kommt vorher, der Tod danach. Ich mache meinem Namen nur Kummer und Schmach.
Und ist es vorbei, ich zähle die Tage. Werd ich mich an der ewigen Ruhe laben.

Was soll ich nur tun? Was soll ich nur machen?
Der Tod ist einer von diesen Sachen. Herbeigesehnt und aufgeschoben.
Er verspricht so viel. Das Leben, die Mühe und den Tag aufgehoben.

Der Rote er wirkt schon. Die Zeilen verschwimmen.
Ich bins nicht gewohnt. In diesem See kann nur ein Schwimmer gewinnen.
Und bin ich dann dort oben. Werd ich machen und erproben.
Wie es ist im ewigen Himmel. Ich fürchte ein riesiges Gewimmel.

Und reimt sich nicht alles. So macht das nichts aus.
Ich bin nun müde und gehe nach Haus. Die Worte drängten und mussten hinaus.
Nun stehen sie dort draussen in der Kälte Wind. Ich fürchte ich werde des Wahnsinns Kind.

Der letzte lösche dann das Licht. Einer unserer Ahnen entzündete es für die im Auge lahmen.
Die Entdeckung des Feuers brachte uns um den Schlaf. Seitdem dünkt uns der Nachbar böse oder blökend als Schaf.

Doch schauen wir mal genauer hin. Schlafentzug! Schon macht der Wahnsinn Sinn.
Drum bette sich wer klug will erscheinen. Schon zu früher Stunde und nach dem Nachtgruss in die Runde auf Federn oder seine eigenen Pfunde!

© 2013 Hans-Jürgen John

Beitrag vom 16 Januar, 2013 (08:49) | Autor: Hans Juergen John | Rubrik: tage-bau | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Die Lüge neben der Wahrheit und der Klarheit

10 Juni, 2012 (04:27) | | tage-bau | Kommentieren

Die Wahrheit und die Klarheit. Die gingen einmal zusammen zur Lüge. Gemeinsam sind wir stark! Fühlten und dachten sie ohne Argwohn. Der Lüge werden wir es schon zeigen! Gerade vor der Dönerbude in Berlin-Mitte sahen sie sie wieder. Die Wohlbekannte und so wenig Geschätzte und doch so oft Bemühte. „Dönerfleisch ist das Beste überhaupt! Es kommt gleich nach Filet. Manche meinen noch davor!“ Sagte der Ladenbesitzer und ließ die Hackfleischrechnung zusammengefaltet unter den Hunderteuroscheinen in der Kasse verschwinden. „Wirklich? Das ahnte ich schon immer! Was so gut schmeckt, muss gesund sein!“ Sagte der Kunde, streifte das Fladenbrot in seiner Hand, den Salat mit der Joghurtsoße und der vermuteten Fleischfüllung darunter mit hungrigem und zufriedenem Blick, bezahlte, dankte und ging hinaus in das Schneetreiben, welches der redaktionseigene Wetterfrosch am Morgen noch als Sonnenschein bei 27 Graden angekündigt hatte.

„Sollte ich meiner Frau heute Blumen bringen? Oder nimmt sie dann erst recht einen Seitensprung an?“ Alles konnte richtig oder falsch ausgelegt werden, hatte erst einmal das gutmütige Vertrauen die Beziehung verlassen. Der gut aussehende, bestgekleidete Mittfünfziger entschloss sich, bei seiner Sekretärin vorbeizusehen. Zuvor würde er noch seinen besten Freund anrufen, um sich für alle Fälle ein Alibi zu besorgen.
Die Klarheit und die Wahrheit waren sprachlos. Wie konnten sie der Lüge gegenüber bestehen? Die Lüge war dermaßen aktiv, attraktiv und allgegenwärtig. Sie versprach Vorteile, wo von Ehrlichkeiten und Direktheiten nur Langeweile ausging. Die Lüge war die kecke Blondine unter den ruhigen, anständigen Brünetten. Immer auf dem Sprung. Immer bereit, interessierte Männerblicke auf sich zu ziehen und zu binden. Die Lüge war der Bodybuilder mit den Muskelblähungen. Mehr Schein als Sein und doch so attraktiv, dass es der Wahrheit und der Klarheit die Neidglut bis unter die Haarwurzeln trieb.

„Und doch“, die Wahrheit hob den beweisenden Zeigefinger, „was wären wir ohne unser Gegenteil, die Lüge? Sie begleitet uns und wir ziehen mit ihr umher. Mitunter verwechselt man uns mit ihr. Und es sind gewaltige Anstrengungen nötig, um uns von ihr zu trennen, kamen wir ihr zu nahe.“

„Richtig“, die Klarheit nickte begeistert. „Die Lüge hat eine wichtige Aufgabe. Sie zeigt den ehrlichen Menschen die unreifen und hilfebedürftigen Mitmenschen. Es ist, als würde die Lüge die Menschen, die sie benutzen und sich von ihr begleiten lassen wie mit Farbe markieren. Unehrliche Menschen versuchen, jede neue Unwahrheit im Augenblick der Entdeckung mit dem entlarvenden Mantel einer weiteren Lüge zu bedecken. Sie heben sich gegen ihre Umgebung wie der Mohn in der Heide ab. Unverwechselbar. Gefangen in ihrer Welt, die sie sich wortreich und nervös teils mit rauchgeschwängerten Worten erschaffen und dabei durstig und sehnsüchtig auf die labende Wahrheit schielen, die geduldig unerreichbar und unscheinbar um ihren geraden Lebensweg weiß und ihn geht.“

Die Wahrheit wiegte nachdenklich den Kopf. „Wenn die Lüge den Menschen so viel Schlechtes bringt. Wieso kann sie dann trotzdem überall Fuß fassen, wie das Unkraut neben der Kartoffel gedeiht, ja sie noch überwuchern möchte?“
Die Klarheit nickte geduldig. „Auch der Wind kennt weder gut noch schlecht, weder nützlich noch überflüssig. Er transportiert alle Samen. Doch gäbe es das Unkraut nicht. Wir würden die Nutzpflanzen weniger lieben. Gäbe es die Lüge nicht, wer käme auf die Idee uns, die direkte Wahrheit und die unbestechliche Klarheit einzuladen, als gern gesehene Gäste willkommen zu heißen und zu schätzen? Die Nacht braucht den Tag, um sichtbar zu werden. Das Licht braucht die Gegenstände, auf die es treffen darf, um jede Fläche und jede Farbe in Helligkeit zu baden. Wir brauchen die Lüge in unserem Schatten, um mit Wohlwollen von guten Menschen gerufen zu werden. Wasser verdunstet ohne die Hitze des Feuers nicht. So schätzen wir die Lüge kaum. Doch wären wir ohne sie so unvollständig wie die Vergangenheit ohne die Zukunft. So sinnlos wie das Leben ohne den Tod. So wertlos wie die Gesundheit, ohne die allgegenwärtig drohende Krankheit.

Die Menschen können in den Supermarkt der Eigenschaften gehen und wie aus vielen möglichen Verhaltensweisen auswählen. Das Angebot ist groß und überwältigend. Sie werden müde dabei. Zu viele Entscheidungen in zu kurzer Zeit. Und ist die Müdigkeit nicht der Schutz vor zu viel Sensibilität? Eine Gnade, die uns per Schlaf gewährt wird. Gäbe es den Mond nicht mit seiner von Meteoriteneinschlägen zerfurchten, trostlosen Oberfläche, wir würden die Erde, diesen wunderbaren blauen Planeten weniger schätzen. Und so wohnen in uns die selbstlose Liebe neben dem egoistischen Hass, der überflüssige Zorn neben der wertvollen Nachsichtigkeit und die willkommenen Glücksgefühle neben den Nervenzellen, die Pein und Schmerz an das Bewusstsein melden und bisweilen zusammen mit der Ohnmacht ausschalten.“

„Dann lassen wir sie also gewähren, die Unermüdliche. Ohne die Lüge sind wir nichts und ohne uns ist sie weniger.“ Die Klarheit und die Wahrheit nickten ergeben einander zu. „Und den Menschen empfehlen wir unsere Kollegin, die Wahl. Wählen sie die Wahrheit, so wählen sie den Glauben daran mit. So wie der Lügner den Glauben an seine Worte im Gegenüber herbeisehnt, so begleitet er notgedrungen früher oder später sein Spiegelbild, den ehrlichen Menschen über die Wahrheit ohne Vorbehalt und vertrauensvoll zur Klarheit.“

© 2012 Hans-Jürgen John

Beitrag vom 10 Juni, 2012 (04:27) | Autor: Hans Juergen John | Rubrik: tage-bau | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Es war einmal ein Amateur…

28 Februar, 2012 (13:08) | | netz@uge.nblick | Kommentieren

der probierte sich im Homepagebasteln. Nach einem Jahrzehnt in einer dunklen, dunklen Ecke des Internets begann sich plötzlich etwas zu regen. Ein Wurm namens Interesse entdeckte seine Homepage. Dann kam noch einer vorbei und noch einer… Und die neugierigen Interessewürmer verabredeten sich jeden Tag aufs Neue bei seiner Homepage. Diese wurde nun bekannter und bekannter. Doch was machte er? Anstatt seine Seite tagtäglich weiter mit Geschichten zu füllen und so immer neue Interessewürmer anzulocken war er wie gelähmt. Er wusste nicht wie ihm geschah. Der Schock über die plötzliche Aufmerksamkeitsflut war so gross, dass er in eine Schreibstarre verfiel. Nein, andere Dinge konnte er mühelos mit seinen Händen beginnen. Sobald er aber in die Nähe seines Notebooks kam war es vorbei mit jeglicher Fingerbewegung…
So bat er seine Freundin für ihn zu schreiben. Er diktierte und sie schrieb. Und wie er einmal so überlegte was als Nächstes zu schreiben sei, begann seine Freundin im Internet zu surfen. Bald kam sie zu einer Seite, die Homepages einstufte. Sie trug die Seite ihres Freundes ein, dann zwei beliebige andere Seiten und erschrak. Die Interessewürmer liessen sich nicht mehr vertreiben. Sie las dem Amateur die Ergebnisse vor:

CDU.de: 65 points…
Diogenes.ch: 281 points…
Johntext.de: 440 points….

Der Amateur erschrak nun seinerseits. Sie erkannten, dass nun nichts mehr so sein würde wie zuvor, verkauften ihre Homepage und erstanden von dem Geld eine Insel in der Südsee. Und wenn sie nicht gestorben sind, so lieben sie sich noch heute…

© 2012 Hans-Jürgen John

Beitrag vom 28 Februar, 2012 (13:08) | Autor: Hans Juergen John | Rubrik: netz@uge.nblick | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Weihnachten – Besinnung, Rückblick und Aussicht

25 Dezember, 2011 (16:27) | | tage-bau | 3 Kommentare

Weihnachten ist für mich über die bloße religiöse Bedeutung hinaus immer auch ein tagelanger Moment der Besinnung. Entgegen der allgemein üblichen Verhaltensweise gehe ich in mich und nicht unter die Familie.

Ich möchte mich recht herzlich bei allen Tage(auf)bauern für all die Jahre bei Euch und unter Euch bedanken.

Ich kann mich noch erinnern, wie glücklich ich war, als ich im Januar 2001 von Euch aufgenommen wurde. Eine Gemeinschaft der Schreibenden mit Themen so bunt wie ein Schottenrock. Und ich durfte dazu gehören.

Mein Schreiben war fortan nicht nur von Themen, sondern auch von meiner persönlichen Befindlichkeit getragen. Das konnte ich immer nie ganz trennen. Womöglich gab es die eine oder den anderen, die mit mir oder an meinen Texten litten. Schreiben war für mich immer auch Bewältigung. Nie kam jemand und hat einen dicken Punkt – vor meinen Schreibstil oder meine Thematiken – gesetzt. Immer war da Respekt vor dem anderen im Spiel. Das schätze ich bis heute am tage-bau und den Menschen, die ihn tragen und ausmachen…

Und immer war ich als Schreibender auf der Suche…. Wer weiss, wohin mich diese Reise noch führen wird. Das aktuelle Projekt von Johntext „Give a HELPING HAND“ ist so ein Pfeiler, den ich auf dieser Suche errichtet habe. Ich hoffe, er wird manchen Menschen – und nicht nur den Schriftstellern – Schutz, Orientierung und Ansporn sein. Ansporn, Mitmenschen mit dem Mittel des Wortes zu helfen.
Was ist das Sandkorn in der Wüste? Für alle Zeiten ein Sandkorn. Erst als Werkzeug hat es eine Aufgabe, ein Ziel, eine Bestimmung. Nimmt sich der Wind seiner an, so begibt es sich auf eine Reise. Nimmt sich das Wasser seiner an, so stellt es sich als Samen heraus und wird zur Pflanze. Kommt es in ein Getriebe, so kann es bremsen, Entwicklungen steuern.
Ähnliches kann für Worte gelten. Alleine ihre Existenz bewirkt nichts. Auf die Zusammenhänge kommt es an.

Für meine schriftstellerische Weiterentwicklung im letzten Jahr geht mein Dank an Axel Poldner. Es ist mir, als wäre da ein Mensch in mein Leben getreten und hätte durch seine Gegenwart mir Ruhe und Richtung beim Schreiben gegeben.

Ich fühle Ruhe und Kraft in mir. Die Ruhe und Kraft, die Axel Poldner schon vor mir vielen anderen Autoren für ihr Werk vermittelt und gegeben hat.

So macht also bitte hier beim Tage-bau weiter und stellt die Worte in Zusammenhänge und adaptiert diese Zusammenhänge mit Wohlwollen und Kritik in Euer Leben.
Was wären die Worte hier ohne Euch, liebe Tagebau -Freunde und -Leser.

Euer Hans-Jürgen John

Beitrag vom 25 Dezember, 2011 (16:27) | Autor: Hans Juergen John | Rubrik: tage-bau | Beitrag drucken Beitrag drucken | (3) Kommentare


What you are left with

19 September, 2011 (14:23) | | tage-bau | Kommentieren

Look at the time.
Have you ever watched a clock?
Try to stop it with the power of your thoughts.

Look at money. It comes and goes.
And if more remains than leaves you, you can be proud, but still you will leave it behind at the end of life.

Look at your children. The born and the unborn. They pass along to their children for centuries what you have taught them.

So choose wisely. Do you desire more time and money for yourself? Time does not obey you and money leaves you.
Look at your ancestors. They chose you.

© 2011 Hans-Jürgen John

Hans-Jürgen John wurde 1967 in Ulm geboren. Nach Stationen in Marseille, Tübingen und wiederholt in Ulm, lebt er jetzt zeitweise in der Schweiz. Auf seiner Homepage www.johntext.de – Literatur, die helfen möchte – lässt sich die Entwicklung vom blossen Geschichtenerzählen zu der Beschäftigung mit dem, was Menschen umtreibt, ihre Sorgen und Hoffnungen miterleben.
Beitrag vom 19 September, 2011 (14:23) | Autor: Hans Juergen John | Rubrik: tage-bau | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Geschützt: Israelis und Palästinenser – Oh, Ihr Mütter der Israelis (8)

29 April, 2011 (18:07) | | terrere est humanum? | Um die Kommentare zu sehen, musst du dein Passwort eingeben.

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Beitrag vom 29 April, 2011 (18:07) | Autor: Hans Juergen John | Rubrik: terrere est humanum? | Beitrag drucken Beitrag drucken | Um die Kommentare zu sehen, musst du dein Passwort eingeben.


Geschützt: Israelis und Palästinenser – Oh, Ihr Mütter der Israelis (7)

24 April, 2011 (00:57) | | tage-bau | Um die Kommentare zu sehen, musst du dein Passwort eingeben.

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Beitrag vom 24 April, 2011 (00:57) | Autor: Hans Juergen John | Rubrik: tage-bau | Beitrag drucken Beitrag drucken | Um die Kommentare zu sehen, musst du dein Passwort eingeben.


Den richtigen Literatur-Agenten finden

20 April, 2011 (20:31) | | tage-bau | 1 Kommentar

Bei fast einer Million an Verlage eingereichten Manuskripten braucht der Autor von heute und morgen auf dem Weg zum Erfolg mehr denn je einen Wettbewerbsvorteil. Neben anderen kümmert sich der Wahlberliner Axel Poldner um Autoren, die dies erkannt haben.
Nun fahre ich regelmäßig mit der Bahn von der Schweiz nach Deutschland. Ich genieße die Zugfahrt, widme mich dem Schreiben und der Beschäftigung mit den Mitreisenden oder der Landschaft.

Ich bin ein Mensch, der mehrfach hinterfragt. Ich stehe vor dem Fahrkartenautomaten und überlege jedes Mal von Neuem, ob ich erster oder zweiter Klasse fahren soll. Das mag manchem müßig erscheinen, hat aber den Vorteil, dass ich im Laufe der Zeit beide Kategorien kennen gelernt habe und so weiß, worüber ich spreche und schreibe.
Nun ist ein vernunftbegabter Mensch in dieser angebotsüberfrachteten Welt dazu gehalten, abzuwägen. Das individuelle, persönliche Bedürfnismuster soll und darf im Alltag nicht untergehen. Maßgeschneiderte Angebote stehen hoch im Kurs. So verfuhr ich auch bei der Auswahl meines Literatur-Agenten.

Zunächst schickte ich ein, zwei Texte zur Lektorierung ein. Ein spannender E-Mail-Wechsel ergab sich, bis ich merkte, dass ich neben der reinen Dienstleistung, wie sie im Verlagsgeschäft gang und gäbe ist, etwas Zusätzliches bekam: Hoppla, da bemüht sich ein Mensch um mich, versucht meine Schwächen und Stärken auszuloten, bestärkt mich in letzteren und kümmert sich um erstere. Er sieht den Menschen in mir, setzt mehr Vertrauen in mich, als der Selbstzweifel mir früher erlaubte, und schreibt über den Erfolg bereits, wenn meine Augen ihn noch nicht erkannt haben. Dann registriere ich, wie viel Kraft in jeder E-Mail dieses Menschen liegt, der so vielen anderen bereits zur Buchveröffentlichung verholfen hat.
Die Abwägung am Fahrkartenschalter erfolgt bei mir in etwa nach der Devise: Ist mir der Aufpreis zur ersten Klasse die Gemütlichkeit, Ruhe und Quasi-Sitzplatzgarantie wert oder tut es auch eine fünfstündige Reise in der zweiten Klasse, eingepfercht zwischen lärmenden Kindern, Wochenendpendlern und dem Geruch eingeschlafener Füße?

Das Abwägen beim Fahrkartenkauf kam mir nach den ersten Kontakten mit dem Literatur-Agenten nie in den Sinn. Wenn man durchschriebene Nächte, Marlboro oder Camel ohne Filter im Hunderterpack, Bangen, Hoffen und Schreiben für den großen Wurf rechnet, dann gehe ich bei der Wahl des Literatur-Agenten keine Kompromisse mehr ein: erste Klasse.
Nach Sichtung der verschiedenen Agenten am Literaturmarkt fiel mein Interesse auf Axel Poldner. Jahrzehntelange Erfahrungen mit Autoren und Verlagen sowie Filmproduktionsgesellschaften, sowie deren Begleitung schnurstracks zum Erfolg – sogar mit Erstlingsautoren – gaben den Ausschlag.

Natürlich ist zunächst einmal jedes Fohlen ein Hoffnungsträger. Ob daraus später ein überragendes Dressur- oder Springpferd wird, ist ungewiss. Ein Teil ist angelegt, ein Teil lässt sich antrainieren.
Das trifft ähnlich auf Autoren zu. Wenige schaffen den Durchbruch an die Spitze der Bücherpyramide, auch wenn sie den richtigen Literatur-Agenten haben. Da spielen eine Vielzahl von Elementen hinein. Allein Essig und Öl geben noch keinen Griechischen Salat. Die Zutaten bedürfen den richtigen (Bei-)Mischungen. Ein Zuviel kann ein Zuwenig sein. Ein Zuwenig kommt selten allein.

Die Wahl des richtigen Literatur-Agenten ist wichtig und kann ausschlaggebend sein. Der Agent vermittelt zwischen Autor und Verlag oder Filmproduktion. Ein pflichtbewusster Literatur-Agent versucht seine Autoren unter den unzähligen anderen Autoren hervorzuheben – dies geschieht durch deren Werke, aber ebenso wichtig ist, dass er deren Wettbewerbsfähigkeit am Markt durch Übernahme wichtiger Verlagsarbeiten entscheidend verbessert. Kurz: Ein Agent, der sich gut in die Sichtweise der Verlage hineinversetzen kann, muss her.

Hat ein echter Verlag – auf die sogenannten Bezahlverlage mag hier nicht eingegangen werden – die Wahl zwischen einem hoffnungsvollen Autor und dessen unlektoriertem Buch und einem ebenso potenten Autor und dessen bereits fertig lektoriertem Buch, so wird der Verlag im Zweifelsfall doch auf den Autor zugehen, dessen Agent ein bereits lektoriertes Buch vorlegen kann.

Anders als beim Fahrkartenautomaten musste ich keinen Moment überlegen, ob erste oder zweite Wahl – wichtige Entscheidungen treffen sich leicht. Ich bin sicher, ich habe gut gewählt.
So wie ich, haben viele andere die Qual der Wahl. Manche würden das Glück oder den Erfolg nicht einmal erkennen, wenn sie anklopfen und durch den Türspion sichtbar werden. Andere nehmen Vernunft und Intuition als kostenlose Ratgeber und tun das Richtige.

© 2011 Hans-Jürgen John

Hans-Jürgen John wurde 1967 in Ulm geboren. Nach Stationen in Marseille, Tübingen und wiederholt in Ulm, lebt er jetzt zeitweise in der Schweiz. Auf seiner Homepage www.johntext.de – Literatur, die helfen möchte – lässt sich die Entwicklung vom blossen Geschichtenerzählen zu der Beschäftigung mit dem, was Menschen umtreibt, ihre Sorgen und Hoffnungen miterleben.
Beitrag vom 20 April, 2011 (20:31) | Autor: Hans Juergen John | Rubrik: tage-bau | Beitrag drucken Beitrag drucken | (1) Kommentar


Geschützt: Israelis und Palästinenser – Oh, Ihr Mütter der Israelis (6)

9 Februar, 2011 (23:08) | | terrere est humanum? | Um die Kommentare zu sehen, musst du dein Passwort eingeben.

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Beitrag vom 9 Februar, 2011 (23:08) | Autor: Hans Juergen John | Rubrik: terrere est humanum? | Beitrag drucken Beitrag drucken | Um die Kommentare zu sehen, musst du dein Passwort eingeben.


Israelis und Palästinenser – Oh, Ihr Kinder der Palästinenser (2.4)

6 Februar, 2011 (20:59) | | terrere est humanum? | Kommentieren

Oh, Ihr Kinder der Palästinenser. Wo waren wir stehen geblieben? Ja richtig. Ihr spielt Fussball und ein fremder Junge nimmt Euch den Ball weg.

Für mich als Zuschauer ist klar: Der Junge ist gross und stark und Ihr seid in der Mehrheit. Ich frage mich, wieso dieser Junge dieses Risiko eingeht?
Zuvor sah ich ihn bei den Zuschauern. Er war nur einer von vielen. Fühlt er sich unbeachtet, allein und möchte er Eure Aufmerksamkeit erregen? Das hat er sicher geschafft. Zuvor war der Ball im Mittelpunkt. Aller Augen waren auf das runde Leder geheftet. Ihr ranntet hinter ihm her, als wäre er etwas Besonderes, und wolltet ein Tor machen.
Nun, da der fremde Junge den Ball in seinen Händen hält steht auch er im Mittelpunkt. War das seine Absicht? Was will er? Möchte er Euch den Ball wegnehmen oder nur mitspielen? Wer ist er? Steht er alleine in der Welt und sucht er Freunde? Was ist ihm in der Vergangenheit geschehen?

Oh, Ihr Kinder der Palästinenser. Was wird geschehen? Der Krieg zerstört und der Frieden baut auf.

Jetzt seid Ihr am Zug. Es ist wie beim Spiel der Könige, dem Schach. Er hat in Euer Spiel eingegriffen, hat Euch eine wichtige Figur abgenommen, Euch wohl mit Schachmatt gedroht und nun werdet Ihr reagieren. Beim Schach geht es um Sieg oder Niederlage. Wer möchte schon nach einem Remis, einem Unentschieden, die Schachfiguren einpacken und nach Hause gehen?
Genauso wie beim Schach geht es beim Fussball darum zu siegen und möglichst viele Bälle im gegnerischen Tor zu platzieren. Und es geht um Fairness. Niemand möchte den anderen Spieler absichtlich so schwer verletzen, dass dieser ausfällt. Es geht darum, immer wieder dieses Spiel spielen zu dürfen, immer wieder dieses Adrenalin zu fühlen und die Freude an der Bewegung und der strategischen Vorgehensweise.

Oh, Ihr Kinder der Palästinenser. Was wird geschehen? Der Krieg zerstört und der Frieden baut auf.

Der starke Junge steht da mit dem Ball in den Händen, um den es geht. Er wartet auf Eure Reaktion. Was sagt Euch der nächste Gedanke, das nächste Gefühl? Ihr wollt dem Fremden den Ball abnehmen. Das Recht des Stärkeren spricht in Euch: Los, lasst ihn uns verprügeln und weiterspielen. Solche Gefühle und Gedanken haben das Äberleben des Menschen über Jahrtausende gegen hungrige und angriffslustige Tiere und konkurrierende Menschengruppen gesichert. Seitdem ist viel Zeit vergangen.

© 2011 Hans-Jürgen John

Hans-Jürgen John wurde 1967 in Ulm geboren. Nach Stationen in Marseille, Tübingen und wiederholt in Ulm, lebt er jetzt zeitweise in der Schweiz. Auf seiner Homepage www.johntext.de – Literatur, die helfen möchte – lässt sich die Entwicklung vom blossen Geschichtenerzählen zu der Beschäftigung mit dem, was Menschen umtreibt, ihre Sorgen und Hoffnungen miterleben.
Beitrag vom 6 Februar, 2011 (20:59) | Autor: Hans Juergen John | Rubrik: terrere est humanum? | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Geschützt: Israelis und Palästinenser – Oh, Ihr Mütter der Israelis (5)

6 Februar, 2011 (19:58) | | terrere est humanum? | Um die Kommentare zu sehen, musst du dein Passwort eingeben.

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Beitrag vom 6 Februar, 2011 (19:58) | Autor: Hans Juergen John | Rubrik: terrere est humanum? | Beitrag drucken Beitrag drucken | Um die Kommentare zu sehen, musst du dein Passwort eingeben.


Geschützt: Israelis und Palästinenser – Oh, Ihr Mütter der Israelis (4)

2 Februar, 2011 (10:01) | | terrere est humanum? | Um die Kommentare zu sehen, musst du dein Passwort eingeben.

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Beitrag vom 2 Februar, 2011 (10:01) | Autor: Hans Juergen John | Rubrik: terrere est humanum? | Beitrag drucken Beitrag drucken | Um die Kommentare zu sehen, musst du dein Passwort eingeben.


Israelis und Palästinenser – Oh, Ihr Kinder der Palästinenser (2.3)

31 Januar, 2011 (23:05) | | terrere est humanum? | Kommentieren

Oh, Ihr Kinder der Palästinenser. Was wird geschehen? Der Krieg zerstört und der Frieden baut auf.

Oh, Ihr Kinder der Palästinenser. Sicher habt Ihr einmal Fussball gespielt oder dabei zugesehen. Wohl alle Menschen lieben dieses Spiel, das immer wieder von neuem begeistert. Der Ball ist dabei sehr wichtig. Stellt Euch vor, Ihr rennt dem runden Leder barfuss mit einigen anderen Kindern hinterher. Es kommt ein grosser Junge vorbei. Er nimmt den Ball, der ihm geradewegs vor die Füsse rollt und gibt ihn nicht wieder her. Was tut Ihr?

Oh, Ihr Kinder der Palästinenser. Was wird geschehen? Der Krieg zerstört und der Frieden baut auf.

Seit Jahrtausenden spielt sich diese Szene immer wieder in allen Variationen ab. Egal, ob es um Essen, Trinken, einen Ball, ein Stück Land, Geld, Gold oder persönliche Beziehungen geht. Das Spiel kann lustig, unterhaltsam oder grausam sein, es kann Fussball, Krieg, Partnerschaft, Kampf um Freiheit oder Besitz heissen, es beschäftigt uns, unsere Vorfahren genauso und es wird später unsere Kinder und Kindeskinder in seinen Bann ziehen. So ist es wichtig, darüber nur ein paar Minuten eines langen, langen Lebens nachzudenken.

Oh, Ihr Kinder der Palästinenser. Was wird geschehen? Der Krieg zerstört und der Frieden baut auf.

Oh, Ihr Kinder der Palästinenser. Der fremde Junge ist stark, das sieht man ihm an. Er hält den Ball in seinen Händen und er gibt ihn nicht her. Er ist sich seiner Stärke bewusst und selbstsicher. Eigentlich scheint er sympathisch und geheimnisvoll zugleich zu sein und Ihr könntet gute Freunde werden, wenn, ja wenn er Euch den Ball nicht weggenommen hätte. Ihr fühlt, dass Ihr im Recht seid. Ihr denkt: Der Fremde ist zwar stark, doch er scheint alleine zu sein. Wer von den Zuschauern zu ihm halten wird ist noch unklar.

Der fremde Junge ist mutig. Das sollte Eure Achtung und Bewunderung herausfordern. Doch er hat gegen die Regeln verstossen. Ihr seid in der Mehrheit und wollt weiter spielen. Also umzingelt Ihr den fremden Jungen und den Ball und Ihr seid entschlossen, ihm den Ball wegzunehmen, notfalls mit Gewalt.

Oh, Ihr Kinder der Palästinenser. Was wird geschehen? Der Krieg zerstört und der Frieden baut auf.

© 2011 Hans-Jürgen John

Hans-Jürgen John wurde 1967 in Ulm geboren. Nach Stationen in Marseille, Tübingen und wiederholt in Ulm, lebt er jetzt zeitweise in der Schweiz. Auf seiner Homepage www.johntext.de – Literatur, die helfen möchte – lässt sich die Entwicklung vom blossen Geschichtenerzählen zu der Beschäftigung mit dem, was Menschen umtreibt, ihre Sorgen und Hoffnungen miterleben.
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Geschützt: Israelis und Palästinenser – Oh, Ihr Mütter der Israelis (3)

30 Januar, 2011 (15:21) | | terrere est humanum? | Um die Kommentare zu sehen, musst du dein Passwort eingeben.

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Beitrag vom 30 Januar, 2011 (15:21) | Autor: Hans Juergen John | Rubrik: terrere est humanum? | Beitrag drucken Beitrag drucken | Um die Kommentare zu sehen, musst du dein Passwort eingeben.


Israelis und Palästinenser – Oh, Ihr Kinder der Palästinenser (2.2)

29 Januar, 2011 (08:38) | | terrere est humanum? | Kommentieren

Oh, Ihr Kinder der Palästinenser. Was wird geschehen? Der Krieg zerstört und der Frieden baut auf.

Wisst Ihr wie schön es ist, sich am Abend auf die Schule zu freuen, weil Ihr dort eure Freunde treffen werdet, mit denen ihr am Nachmittag gespielt und gezankt und Euch wieder versöhnt habt?

Oh, Ihr Kinder der Palästinenser! Was wird geschehen? Der Krieg zerstört und der Frieden baut auf.

Fühlt Ihr wie herrlich es ist, wenn Eure Mutter des Abends an Eure Betten kommt und Euch eine Gutenachtgeschichte erzählt und Ihr bittet und bettelt, dass sie noch eine erzählen möchte, weil Ihr doch noch überhaupt nicht müde seid?
Könnt Ihr Euch vorstellen, wie Ihr des Morgens von Eurer Mutter mit dem Ruf: „Es ist Zeit aufzustehen, das Frühstück ist fertig“ geweckt werdet und es nach ein paar Minuten heisst: „Wenn Du jetzt nicht kommst, mein kleiner Liebling, wirst Du den Schulbus verpassen.“

Könnt Ihr Eure Mutter hören, wenn sie Euch tadelt, weil Ihr auf dem Nachhauseweg getrödelt habt und zu spät zum Mittagessen kommt?

Oh, Ihr Kinder der Palästinenser! Was wird geschehen? Der Krieg zerstört und der Frieden baut auf.

Wie schön wäre es, wenn Ihr aufsteht und ins Bad geht und den Wasserhahn öffnet, um Euch die Zähne zu putzen und Eure Schwester klopft schon ungeduldig an die Türe, weil sie auch spät dran ist?
Wie wunderbar ist es, wenn Ihr Euch dann an den gedeckten Frühstücktisch setzt. Papa liest in der Morgenzeitung. Ab und zu verschwindet seine Tasse Kaffee hinter der Zeitung und kehrt auf die Untertasse zurück, als wäre sie nie fort gewesen. Es gibt Schinken und Speck und Butter und Croissants und Brot und Käse und Ihr wisst gar nicht, wo mit dem Essen und dem Geniessen anfangen und Ihr seid noch satt vom Abendessen.

Oh, Ihr Kinder der Palästinenser! Was wird geschehen? Der Krieg zerstört und der Frieden baut auf.

© 2011 Hans-Jürgen John

Beitrag vom 29 Januar, 2011 (08:38) | Autor: Hans Juergen John | Rubrik: terrere est humanum? | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Geschützt: Israelis und Palästinenser – Oh, Ihr Mütter der Israelis (2)

28 Januar, 2011 (09:19) | | terrere est humanum? | Um die Kommentare zu sehen, musst du dein Passwort eingeben.

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Israelis und Palästinenser – Oh, Ihr Kinder der Palästinenser (2.1)

27 Januar, 2011 (20:46) | | terrere est humanum? | Kommentieren

Oh, Ihr Kinder der Palästinenser! Was wird geschehen? Der Krieg zerstört und der Frieden baut auf.

Ich denke an Euch wie ein Vater an seine Kinder. Ich bin stolz auf Euren Mut und ich sehe Eure Zukunft ohne Sorge. Ihr seid in der glücklichen Lage, die Ereignisse der Vergangenheit zu überblicken und Ihr werdet Euer Verhalten nach den Zielen der Zukunft richten.
Oh, Ihr Kinder der Palästinenser. Ich habe einige von Euch im Fernsehen gesehen. Ich sah Euch wie die Welt Euch sieht. Steine werfend. Das macht mich sehr traurig. Ich verurteile Euch nicht. Ich spüre und verstehe, dass Ihr Hoffnungen habt und Wünsche und Ziele. Jeder Mensch braucht seine Freiheit wie die Luft zum Atmen.

Wenn ich an Euch denke, frage ich mich wie meine Kindheit war. Mein Vater war sehr streng mit uns. Er sagte immer: „Geld kommt und geht, aber was Du gelernt hast kann Dir niemand mehr wegnehmen“. Ich war schlecht in der Schule und wollte nicht lernen. Als ich gerade einmal fünfzehn Jahre alt war, stieg ich des Nachts aus dem Fenster meines Zimmers und wollte in die weite Welt aufbrechen. Ich kam bis nach Marseille in Frankreich. Ich lebte auf der Strasse, fand keine Arbeit und bettelte. Ich lernte Menschen kennen, die schon lange obdachlos waren, Menschen mit Vergangenheit aber ohne Zukunft, weil ohne Hoffnung und den Glauben an sich selbst.

Nach drei Monaten kam ich in eine Polizeikontrolle und mein Vater brachte mich wieder nach Hause. Ich war sehr stolz und hätte es nie zugegeben: Ich war sehr froh wieder zuhause zu sein und in die Schule gehen zu dürfen und ich nutzte meine neue Chance und lernte von nun an mit Eifer und Fleiss. Ich hatte auf die Lebenserfahrung meines Vaters nicht hören wollen und machte den Umweg über die eigene, schmerzliche Erfahrung.
Oh, Ihr Kinder der Palästinenser. Auch für Euch ist es schwer, Ratschläge von anderen anzunehmen. Ich kann es gut verstehen. Ihr wollt Eure Erfahrungen selbst machen.

Oh, Ihr Kinder der Palästinenser. Was wird geschehen? Der Krieg zerstört und der Frieden baut auf.

© 2011 Hans-Jürgen John

Beitrag vom 27 Januar, 2011 (20:46) | Autor: Hans Juergen John | Rubrik: terrere est humanum? | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Geschützt: Israelis und Palästinenser – Oh, Ihr Mütter der Israelis (1)

25 Januar, 2011 (20:52) | | terrere est humanum? | Um die Kommentare zu sehen, musst du dein Passwort eingeben.

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Israelis und Palästinenser – Oh, Ihr Mütter der Israelis

9 Januar, 2011 (02:58) | | terrere est humanum? | Kommentieren

– lektoriert von der Literatur-Agentur Axel Poldner, Berlin –

Die Gnade der Geburt

Ich lebe in der westlichen Welt und heute. Schon oft habe ich an die Gnade meiner Geburt gedacht. Was wäre, wenn ich in einem der Armenhäuser Afrikas geboren worden wäre? Was wäre, wenn ich nicht heute leben würde, sondern einige Jahrhunderte früher? Im dunklen Mittelalter etwa, als die Menschen unter der Pest litten? Oder in der Zukunft mit allen Auswirkungen des Handelns vorangegangener Generationen.
Was wäre, wennâ?¦ Solche Gedankenspiele erinnern mich immer wieder daran, dass ich in einer Zeit des Friedens leben darf und auch, dass alles, was heute selbstverständlich scheint, eine Errungenschaft ist, die wir den Generationen vor uns verdanken. Dass ich täglich genug zu essen habe und einen medizinischen Rundumschutz genieße. Dass ich des Nachts ohne Angst durch die Städte spazieren kann, wenn ich will. Dass ich Fehler machen darf und Zeit habe, daraus zu lernen, ohne dass es mich die Freiheit oder gar das Leben kostet.

Schmerz war ein guter Denkanstoß

Vor einigen Tagen habe ich abends eine Fernsehsendung gesehen. Ein kurzer Rückblick auf das Jahr 1967. Ich war sofort interessiert. Wohl auch, weil ich in diesem Jahr geboren wurde. Es ging um den Sechstagekrieg zwischen Israel und einigen arabischen Staaten. Ich dachte nur: „Ach, so lange währt der Konflikt dort unten schon?“, und schmierte mir ein Butterbrot.
Einige Tage später schlug ich mir heftig das Knie an und schrie auf. Der eigene Schmerz tut immer am meisten weh. Dabei ging mir durch den Kopf: Was wäre, wenn ich Jahrzehnte diesen Schmerz tagtäglich erleiden müsste? Und wie viel Leid müssen Menschen wohl um sich und andere im Krieg ertragen?
Weitere zwei Tage später fiel mir plötzlich auf, dass zwischen Israel und den Palästinensern tatsächlich seit Jahrzehnten ein Konflikt schwelt, immer wieder ausbricht, von Waffenstillständen und Friedensverhandlungen vorübergehend beruhigt wird und erneut ausbricht.
Augenblicklich spürte ich eine heftige Abneigung, mich weiter mit diesem Thema auseinander zu setzen. Wie viele Staaten haben schon ihre Gesandten geschickt? Wie oft glaubte man an einen Erfolg und Frieden, nur um dann miterleben zu müssen, dass der Konflikt weiter eskalierte?
Und wer hat denn nun Recht? Wem soll Recht gegeben werden? Oder muss man abwarten, wer mit dem Recht des Stärkeren die Bedingungen diktiert?
Ich bin es leid, weiter in den Nachrichten von Selbstmordanschlägen und Raketen und dem damit verbundenen Leid zu hören.

Der Krieg zerstört und der Frieden baut auf.

Ich stelle mir vor, dass, solange es Konflikte zwischen Bevölkerungsgruppen und Religionen gibt, dieser Konfliktvirus immer und überall auf der Welt weitergetragen wird und damit jede Friedenszeit zur bloßen Übergangszeit zwischen Kriegen degradiert. Doch wer hat es in der Hand, zwischen den Israelis und den Palästinensern zu schlichten? Wohl nur sie selbst.
Zwei Eisblöcke veranschaulichen für mich das Verhältnis von Israelis zu Palästinensern. Beide glauben, nicht friedlich nebeneinander existieren zu können. So werden sie sich weiter aneinander reiben, bis sie schließlich zerbrechen. Starre Positionen bedeuten Konfrontation. Und Konfrontation bedeutet menschliches Leid. Also lasst uns das Eis schmelzen!
Auf beiden Seiten befinden sich Menschen, Kinder, Frauen und Männer. Also beschließe ich, jedem Familienteil zu schreiben. Insgesamt also sechs Briefe. Ich spreche ihre Sprache nicht. Aber die Sprache, in der ich schreibe, versteht jedes Kind und jede Mutter und jeder Vater. So beginne ich meinen ersten Brief an die Mütter der Israelis unter dem Titel:

Oh, Ihr Mütter der Israelis (1)

Oh, Ihr Mütter der Israelis. Was ist geschehen? Der Krieg zerstört und der Frieden baut auf.
Ich denke an Euch wie ein Sohn an seine Mutter. Und ich weine und ich bin ich stolz auf Euch und ich bin voll der Sorge und voll der Hoffnung.
Oh, Ihr Mütter der Israelis. Denkt Ihr ab und zu an Eure Mütter? Und fühlt manchmal, wie sie gefühlt haben müssen? Wie sie sich Gedanken um Euch gemacht haben, von klein auf, über Jahre und Jahrzehnte? Wie Eure Mütter über Euch gewacht haben, wie es nur liebende Mütter können? Und denkt Ihr manchmal daran, wie sie sich um Euch gesorgt haben müssen?
Egal, wie Mütter heißen, egal, welche Hautfarbe oder Religion sie haben oder welche Sprache sie sprechen. Alle Mütter wollen das Beste für Ihre Kinder! Was ist das Beste für Eure Kinder? Das herauszufinden war und ist Eure Aufgabe!
Oh, Ihr Mütter der Israelis. Ich bin stolz auf Euch. Auf Euren Schultern lastet die ganze Vergangenheit , die Hoffnung und die ganze Zukunft Eures Volkes. Ihr brecht nicht unter dieser Last zusammen wie zuweilen der Ast eines Apfelbaumes unter seinen Früchten. Ihr gleicht vielmehr dem unverrückbaren Bergrücken, der viele Bäume trägt.
Oh, Ihr Mütter Israels, Ihr seid stark. Je mehr Euch das Schicksal auferlegt, je grösser die Last für Euch wird, umso kräftiger seid Ihr. Eure Kraft reicht für Euch, Eure Kinder und deren Kindeskinder bis weit in die Zukunft des Volkes Israel. Eure Männer schauen Euch an und schöpfen Hoffnung für Ihr Tagwerk. Eure Kinder lauschen Euren Worten und lernen täglich von Eurem Beispiel. Ihr seid die Vorbilder ganzer Generationen in Vergangenheit und Zukunft. Eure Töchter eifern Euch nach und warten und freuen sich auf Euer Lob. Eure Söhne versuchen, in Ihren zukünftigen Ehefrauen Eure Liebe und Güte zu entdecken. Wie jeder Mensch sich immer wieder dankbar der wärmenden und Leben spendenden Sonne zuwendet, so seid Ihr der Mittelpunkt Eurer Familien.

Oh, Ihr Mütter der Israelis (2)

Oh, Ihr Mütter Israels. Ich spreche zu Euch, so wie ein Durstiger in der Wüste um Wasser bittet. Ich spreche zu Euch, wie der Bettler am Wegesrand, der ohne eine kleine Gabe vielleicht verhungert, für Euer Mitleid aber ein Leben lang dankbar sein wird. Ich spreche zu Euch, wie Eure Kinder später zu Euch sprechen werden, wenn Ihr meine Worte nicht hört. Ich spreche zu Euch wie ein Sohn zu seiner Mutter.
Wisst Ihr, wie glückliche Kinder aufwachsen, die sich des Abends vor dem Einschlafen keine Sorgen um den nächsten Tag machen müssen? Wisst Ihr, wie glückliche Kinder aufwachsen, die keine Angst haben müssen vor den sorgenvollen Gesprächen der Eltern über Krieg und Hass? Glückliche Kinder, die unbesorgt im Freien spielen und die bei Kondensstreifen am Himmel an Urlaubsflüge denken und nicht an Raketen. Wisst Ihr, wie glückliche Kinder aufwachsen, die sich als Traumberuf für später Arzt oder Model aussuchen und nicht Kampfpilot oder Panzerfahrerin?
Oh, Ihr Mütter der Israelis. Ich fühle mit Euch wie ein Sohn mit seiner Mutter. Ihr versucht immer die richtigen Entscheidungen zu treffen. Welch schweres Leid ist Eurem Volk über Jahrhunderte hindurch widerfahren. Oh, Ihr Mütter Israels. Eure Vorfahren wurden verfolgt, vertrieben, gedemütigt und ermordet. Es gibt nichts, womit diese Schuld zu tilgen oder zu vergessen wäre.

Oh, Ihr Mütter der Israelis (3)

Es gibt Dinge auf dieser Welt, die kann der Einzelne nicht oder nur schwer beeinflussen. Das Wetter gehört dazu, die Naturgewalten zeigen uns immer wieder, wie klein und abhängig wir sind von der Schöpfung und der Erde. Auf die Umstände, die wir leicht durch unser Verhalten steuern können, sollten wir deshalb umso mehr unsere Aufmerksamkeit richten.
Oh, Ihr Mütter der Israelis. Schaut Euch die Pflanzen an, schaut Euch die Bäume an. Ist der Boden schlecht, so verdirbt die Ernte. Ist das Wasser schlecht, so verdorrt die Ernte.
Der Boden muss getränkt , muss vorbereitet und gepflügt werden. Oh, Ihr Mütter der Israelis. Ihr gebietet nicht über den Sturm oder den Wind oder die Sonne oder die Wassermassen. Doch düngt Ihr den Boden gut und gebt ihm zu trinken, so wird die Ernte wohl gelingen.

Oh, Ihr Mütter der Israelis. Wenn Ihr Eure Kinder nährt, was gebt Ihr Ihnen mit der Muttermilch? Wenn Eure Kinder Hunger haben, womit füllt Ihr Ihnen den Teller? Wenn Eure Kinder Durst haben, was gebt Ihr Ihnen außer Wasser? Essen und Trinken allein genügen keinem Kind, um aufzuwachsen. Es braucht Fürsorge und Liebe. Erwachsene tun oft so, als wären ihnen diese Dinge nicht mehr wichtig. Das ist falsch, aber keine unheilbare Krankheit.
Oh, Ihr Mütter Israels. Womit füttert Ihr Eure Kinder? Sind es die Tränen der Vergangenheit? Sind es die Sorgen der Gegenwart? Füttert Ihr Eure Kinder mit der Hoffnung auf eine Zukunft in Frieden?
Oh, Ihr Mütter Israels. Ich rede von Dingen, die Ihr längst selber wisst. Füttert Ihr Eure Kinder mit dem Hass und der Angst, so wird diese Saat im Krieg aufgehen. Füttert Ihr Eure Kinder mit Liebe, Vergebung und Hoffnung, so wird diese Ernte in Frieden aufgehen. Ihr seid fest in Eurer Tradition, in Eurem Glauben, in Euren Familien und damit im Leben verwurzelt. Ihr trotzt allen Widrigkeiten wie der Kaktus in der Wüste der Hitze, der Sonne und den Sandstürmen. Doch anders als der Kaktus, anders als der unverrückbare Bergrücken, seid Ihr von der Schöpfung mit der Gabe der Vernunft, der Gabe der emotionalen Intelligenz ausgestattet.
Oh, Ihr Mütter der Israelis. Denkt Ihr an die Zukunft Eurer Kinder, so denkt Ihr nicht an die Oase in der Wüste, die von Sandmassen bedroht wird. Denkt Ihr an die Zukunft Eurer Kinder, so seht Ihr sie glücklich in einem Land aufwachsen, dessen Grenzen nicht von Nachbarstaaten bedroht werden. Ein Land, das durch die Liebe seiner Bewohner getragen wird. Ein Land, das für seine Gastfreundschaft gerühmt wird und für seinen Friedenswillen. Ein Land, das sein Brot und sein Wasser mit den Hungernden und Durstigen teilt.

Oh, Ihr Mütter der Israelis (4)

Oh, Ihr Mütter der Israelis. Ich empfinde für Euch wie ich für meine Mutter empfinde. Meine Mutter war eine geduldige Frau. Sie konnte weinen und sie konnte lachen. Sie gab zuerst den Kindern zu essen und nahm dann den Rest. Sie hatte Pläne. Doch sie schenkte ihre Zukunft uns Kindern. Und als die Kinder aus dem Haus waren, als sie mir und meinen Geschwistern Ihre Liebe mitgegeben hatte wie die Bäuerin den Samen im Feld gleichmäßig verteilt, als sie ihre Pläne hätte verwirklichen können, da fällte sie das Leben so wie der Herbststurm manchen alten Baum.
Oh, Ihr Mütter Israels. Schaut auf Eure Kinder. Seht in diese Augen, die Euch vertrauen. So wie Eure Kinder, so vertrauen Euch viele Familien, die verstreut in der ganzen Welt leben. Ihr habt eine Aufgabe. Voller Vertrauen in Euch sehen jüdische Familien aus aller Welt auf Israel. So wie Ihr Euch nach freundlichen, liebenden, gehorsamen und fleißigen Kindern sehnt, so wünschen sich Eure Brüder und Schwestern auf der ganzen Welt dauerhaften Frieden für Israel. Ihr seid der Schlüssel zum Leben Eurer Kinder, Ihr tragt den Schlüssel zum Frieden in Euch.
Oh, Ihr Mütter der Israelis. Was soll ich Euch sagen? Ihr wisst um die Lösung aller Konflikte. Ein Streit ist nichts anderes als ein Satz nur mit dem einen Wort „Ich“, unvollendet. Ein Frieden, der mit Waffen erkämpft wurde, ist so viel wert wie ein Verwundeter für die Feldarbeit. Ein Frieden, der erkämpft wurde, sät Hass in die Herzen der Unterlegenen und kommt mit den bewaffneten Kindern der Unterlegenen zurück.
Oh, Ihr Mütter Israels. Mit Geburten kennt Ihr Euch aus. Krieg gebiert keinen dauerhaften Frieden für Eure Nachkommen. Ein Frieden, der auf dem Leid anderer aufbaut, ist so viel wert wie das Leben eines weinenden, zweijährigen Kindes neben seinen erschossenen Eltern.

Oh, Ihr Mütter der Israelis (5)

Oh, Ihr Mütter der Israelis, blickt in die Vergangenheit und schaut Euch in der Gegenwart um und seht in die Zukunft. Ihr seid die Wurzeln Eures Volkes. Ihr entscheidet, welche Pflanzen neben Euch wachsen dürfen. Ihr entscheidet, wer neben Euch wohnen darf. So wie die Bäume des Waldes die Sträucher nicht zu fürchten haben und sie neben sich in ihrem Schatten dulden. Die Mütter Israels dulden die Mütter der Palästinenser neben sich, wenn sie diese nicht zu fürchten haben.

Oh, Ihr Mütter Israels. Meine Gefühle sprechen zu Euch. Ich weiß wenig über Euch. Ich fühle, Ihr seid bereit für den Frieden. Wenn der Hass Menschen in den Selbstmord treibt, brennt der Hass in ihren Angehörigen weiter. Löscht dieses Feuer. Alle Toten haben Mütter. Hört in Euch hinein. Ihr wisst, was zu tun ist.
Oh, Ihr Mütter Israels. Schaut in die Welt. Die Tage der Kriege sind vorbei. Kein Volk möchte durch Angst und Leid gelähmt sein. Sollen weiter Angst und Sorgen Euch, Eure Kinder und deren Kinder leiten? Angst und Sorgen und Hass leiten auch jene, die sich für Eure Feinde halten. Nur der Hunger nach Frieden ist noch grösser als der Hunger nach Vergeltung.
Oh, Ihr Mütter Israels, Ihr wollt das Beste für Eure Kinder. Auch die Mütter der Palästinenser wollen das Beste für Ihre Kinder. So viele Mütter auf allen Seiten, die das Beste wollen. Wen kümmern da noch die dunklen Schatten der Vergangenheit, wenn die Sonne der Zukunft auf eine Welt des gemeinsamen Friedens scheinen kann?

Oh, Ihr Mütter der Israelis (6)

Oh, Ihr Mütter Israels. Ich denke an Euch, wenn ich durch die Städte der westlichen Welt spaziere und Kinder verschiedener Religionen, Hautfarben und Sprachen miteinander spielen, streiten und sich versöhnen sehe.
Oh, Ihr Mütter Israels. Kinder, die für den Krieg, die Gewalt und den Hass geboren werden, sind vergebens auf die Welt gekommen. Schaut Euch um im Heiligen Land. Ihr habt viel erreicht. Doch was hättet Ihr mit der unendlichen Kraft der Liebe und des Friedens erreichen können?
Oh, Ihr Mütter Israels, Ihr habt die Kraft für so viele Schicksalsschläge. Habt Ihr die Kraft für den Frieden? Es ist so leicht zu streiten. Habt Ihr auch die Kraft zur Versöhnung? Hass ist ein Gefühl, das Liebe werden muss, will es erwachsen werden. Habt Ihr den Willen, den Preis für den Frieden zu bezahlen? Der Preis für den Krieg wird mit dem Blut Eurer Kinder bezahlt. Der Frieden ist günstiger, er kostet ein paar gute Worte und ein freundliches Lächeln.
Oh, Ihr Mütter Israels, schaut Eure Kinder an. Schaut in Ihre großen Augen, die Eure Hilfe brauchen, die Euch und Eurem Handeln vertrauen. Schaut in diese Augen, die die Welt noch nicht begreifen.
Oh, Ihr Mütter Israels. Ihr habt es in der Hand, ob die Ernte des Hasses und des Krieges aufgeht. Ihr habt es in der Hand, ob die Saat der Liebe und Versöhnung und des dauerhaften Friedens für Eure Nachkommen aufgeht. So beginnt neu zu säen. Für Überschwemmungen und Stürme und Plagen könnt ihr nichts. Alles andere habt Ihr mit Eurem Glauben an Gott und das Gute in allen Menschen in Eurer Hand.

Oh, Ihr Mütter der Israelis (7)

Oh, Ihr Mütter Israels, beginnt neu zu säen. Lehrt Eure Kinder die Liebe und warnt sie vor dem Auge, das das Auge kostet, und den Zähnen, die mehr Zähne kosten. Sie kosten so viel mehr, als der Handschlag der Versöhnung und die Worte des Ausgleichs.
Lehrt Eure Kinder die Vergebung und warnt sie vor Hass und Vergeltung. Lehrt Eure Kinder die Vorsicht, aber nicht die lähmende Angst. Zeigt Euren Kindern die Völker der Erde, die friedlich zusammenleben, und zeigt Euren Kindern, wie das Böse auf der Welt an Boden verliert, wo Gewalt nicht wachsen kann, weil sie nicht gefüttert wird.
Und habt Ihr Eure Sache gut gemacht und sitzt Ihr im Alter glücklich lächelnd inmitten Eurer Kinder und Enkel und Urenkel, so denkt daran, dass die Sprache der Liebe und des Herzens Euch einst zu Eurem Mann geführt hat und nicht die hässlichen Worte des Hasses. Seht Euch dann Eure Kinder und Enkel und Urenkel an und Ihr werdet wissen, dass die Sprache des Herzens der rechte Weg ist.
Oh, Ihr Mütter der Israelis. Ich fühle die große Kraft Eures Glaubens, der Euer Volk durch die Jahrtausende geführt hat. Die Religion ist für die Menschen da. Sie regelt das Zusammenleben. Zeigt der Welt, wie der Glaube Frieden schafft. Zeigt der Welt, wie der Glaube Waffen existieren lässt, aber ihren Gebrauch überflüssig macht. Liebe braucht den Krieg nicht zur Durchsetzung der Ziele der Menschen.

Oh, Ihr Mütter der Israelis (8)

Oh, Ihr Mütter der Israelis. Grenzen zwischen Menschen fallen überall auf der Welt. Es gibt andere Probleme als Konfrontation. Wollt Ihr Eure Kinder zu Ärzten ausbilden lassen, die Krankheiten bekämpfen? Oder wollt Ihr Eure Kinder zu Kampfpiloten ausbilden lassen, die Eltern töten, deren Häuser mit Bomben zerstören und nur barfüßige, weinende und hungernde Kinder zurücklassen? Zeigt der Welt, dass die Mütter der Israelis und die Mütter der Palästinenser gemeinsam für Ihre Kinder und für den Frieden einstehen.
Oh, Ihr Mütter der Israelis. Wo soll man den Frieden suchen und finden, wenn die Panzer auf allen Wegen ihre tiefen Spuren hinterlassen haben? Oh, Ihr Mütter Israels. Ich weiß die Antwort nicht. Lauscht in Eure Herzen hinein, wo die Liebe für Eure Männer und Eure Kinder und die Liebe für Eure Eltern wohnt.
Oh, Ihr Mütter Israels. Ich schreibe an Euch, weil ich keine Antwort habe, ich sehe den Weg nur bis zur nächsten Straßenecke. Ihr müsst alleine weitergehen.
Oh, Ihr Mütter Israels. Ich verneige mich vor Euch. Ich verneige mich vor Eurer Kraft, vor Eurem Glauben. Ich verneige mich vor Eurer Vergangenheit, ich verneige mich vor Euren Toten und dem Tränenmeer und der Verzweiflung und Kraft der Überlebenden. Ich verneige mich vor Eurer Zukunft und Eurer Weisheit.
Oh, Ihr Mütter Israels. Was ist geschehen? Der Krieg zerstört und der Frieden baut auf.

© 2011 Hans-Jürgen John

Hans ist Hans John (@rafaelofirst) auf Twitter und Hans.John.16 auf Facebook. Hans bloggt auf www.johntext.de und www.tage-bau.de .

Hans-Jürgen John wurde 1967 in Ulm geboren. Nach Stationen in Marseille, Tübingen und wiederholt in Ulm, lebt er jetzt zeitweise in der Schweiz. Auf seiner Homepage www.johntext.de – Literatur, die helfen möchte – lässt sich die Entwicklung vom blossen Geschichtenerzählen zu der Beschäftigung mit dem, was Menschen umtreibt, ihre Sorgen und Hoffnungen miterleben.
Beitrag vom 9 Januar, 2011 (02:58) | Autor: Hans Juergen John | Rubrik: terrere est humanum? | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Geschützt: Das Märchen vom schönen und guten Mädchen (8)

25 Dezember, 2010 (11:17) | | tage-bau | Um die Kommentare zu sehen, musst du dein Passwort eingeben.

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Beitrag vom 25 Dezember, 2010 (11:17) | Autor: Hans Juergen John | Rubrik: tage-bau | Beitrag drucken Beitrag drucken | Um die Kommentare zu sehen, musst du dein Passwort eingeben.


Geschützt: Das Märchen vom schönen und guten Mädchen (7)

23 Dezember, 2010 (23:26) | | alptraum/ego.wunde | Um die Kommentare zu sehen, musst du dein Passwort eingeben.

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Beitrag vom 23 Dezember, 2010 (23:26) | Autor: Hans Juergen John | Rubrik: alptraum/ego.wunde | Beitrag drucken Beitrag drucken | Um die Kommentare zu sehen, musst du dein Passwort eingeben.


Exklusives Interview mit Julian Assange über Rolle und Funktion von Wikileaks

16 Dezember, 2010 (20:59) | | netz@uge.nblick | 2 Kommentare

Gekürzte Fassung. Ausführliches Interview auf www.johntext.de

I : Herr Assangeâ?¦
A: Julian bitteâ?¦.
I :Julian, wie geht es weiter bei Dir?
A: Das wird sich zeigen. Wir haben immer damit gerechnet, dass die Begleitumstände unserer Arbeit härter würden und haben uns darauf seit langem vorbereitet.
I : Ihr wolltet unter anderem zeigen, dass die amerikanische Regierung dem Volk verschiedene Wahrheiten vorenthält. Bist Du zufrieden?….

A : Wir haben viel erreicht.
I: Wie erklärst Du Dir, dass die sogenannten Whistle Blower (Geheimnisverräter, Anm. des Autors) Dir vertrauen und um die traditionellen Printmedien einen Bogen machen?
A : Die grossen Tageszeitungen haben eine wichtige Aufgabe. Sie zeigen durch die Veröffentlichungen, dass die Meinungsfreiheit über anderen Erwägungen stehtâ?¦.

I : Die Veröffentlichungen zielen grösstenteils in eine Richtung: Die US-Regierung. Wieso jetzt? Der aussenpolitische Schaden ist da. Die einen meinen er sei gering, die anderen sprechen von Vertrauensverlust.
A : Sie müssen sehenâ?¦ wenn eine Regierung wechselt, wird nicht automatisch zugleich auch der gesamte Behördenapparat ausgetauscht.
I : Die Regierung Obama regiert teilweise noch mit den Gefolgsleuten von Bush?
A : Grob formuliert: Ja. Wir haben vor den Veröffentlichungen intern darüber diskutiertâ?¦

A : Du meinst Wikileaks ist nur der Präzedensfall, um das Internet als Bedrohung für die innere und äussere Sicherheit der Staatengemeinschaft zu kennzeichnen? Und um in diesem Fahrwasser so etwas wie eine Internetpolizei zu gründen?
Unsere Existenz und unser Wirken zeigt ja eben, dass es schwer ist, das Internet zu kontrollierenâ?¦.

A : Ersatzbefriedigung ist das Zauberwort.
I : Surrogate?
A : Richtig. Die Menschen sind so weit, dass sie sich mit einer blossen Kopie von allem zufrieden geben. Es geht nicht mehr um den Originalgeschmack, es geht noch nicht einmal mehr um die gesunde Originalerdbeere. Wir geben uns mit irgendwelchen Geschmacksverstärkern zufrieden. Im richtigen Leben wäre Action alla Jackie Chan zu gefährlich. Uns genügt schon der Adrenalinstoss daheim auf dem Sofa, wenn wir uns einen Film anschauen. Obwohl wir wissen, dass alle Szenen gestellt sind. Diese Welt will betrogen werden.
I : Worauf willst Du hinaus? Betrügt Wikileaks seine Fans?
A : Nein. Wir liefern nur, was alle wollenâ?¦.

I : Wikileaks hat also eine ähnliche Funktion wie Erdbeermilch und Actionfilme à la Jackie Chan: Es soll dem Leser oder Konsumenten suggerieren, er wäre schon Teil einer grossen Sache, obwohl er lediglich zuhause am Computer sitzt und liest?
A : So ähnlich.
I : Danke Dir Julian für das fiktive Interview.

© 2010 Hans-Jürgen John

Hans-Jürgen John wurde 1967 in Ulm geboren. Nach Stationen in Marseille, Tübingen und wiederholt in Ulm, lebt er jetzt zeitweise in der Schweiz. Auf seiner Homepage www.johntext.de – Literatur, die helfen möchte – lässt sich die Entwicklung vom blossen Geschichtenerzählen zu der Beschäftigung mit dem, was Menschen umtreibt, ihre Sorgen und Hoffnungen miterleben.
Beitrag vom 16 Dezember, 2010 (20:59) | Autor: Hans Juergen John | Rubrik: netz@uge.nblick | Beitrag drucken Beitrag drucken | (2) Kommentare


Geschützt: Das Märchen vom schönen und guten Mädchen (6)

15 Dezember, 2010 (10:29) | | alptraum/ego.wunde | Um die Kommentare zu sehen, musst du dein Passwort eingeben.

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Beitrag vom 15 Dezember, 2010 (10:29) | Autor: Hans Juergen John | Rubrik: alptraum/ego.wunde | Beitrag drucken Beitrag drucken | Um die Kommentare zu sehen, musst du dein Passwort eingeben.


Geschützt: Das Märchen vom schönen und guten Mädchen (5)

11 Dezember, 2010 (13:12) | | alptraum/ego.wunde | Um die Kommentare zu sehen, musst du dein Passwort eingeben.

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Geschützt: Das Märchen vom schönen und guten Mädchen (4)

5 Dezember, 2010 (14:11) | | alptraum/ego.wunde | Um die Kommentare zu sehen, musst du dein Passwort eingeben.

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Geschützt: Das Märchen vom schönen und guten Mädchen (3)

29 November, 2010 (19:23) | | alptraum/ego.wunde | Um die Kommentare zu sehen, musst du dein Passwort eingeben.

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Geschützt: Das Märchen vom schönen und guten Mädchen (2)

27 November, 2010 (13:13) | | alptraum/ego.wunde | Um die Kommentare zu sehen, musst du dein Passwort eingeben.

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