Freitags gehe ich zu ihr IV

24 Juni, 2015 (20:49) | | tage-bau | 1 Kommentar

Ihr Lieben, vor einigen Jahren habe ich hier die ersten drei Teile zum Text ‚Freitags gehe ich zu ihr‘ eingestellt. Nun sind aus aktuellem Anlass wieder ein paar Folgetexte entstanden. Hier die Nr. IV. Noch nicht ganz im Feinschliff. Aber ich wollte mich ja tagebuchmäßig mit dem beteiligen, womit ich mich zurzeit beschäftigt…was mir so durch den Kopf geht – und mit euch wieder zusammen arbeiten…(Es kommen ansonsten ganz verschiedene Themen …).

IV

April 2015, Jahre später. Dienstag.
Frau T. telefoniert mich an, erkundigt sich nach Frau I., vermutet, dass ich noch immer Kontakt habe. Mein Kontakt ist, antworte ich, in den vergangenen Jahren zusammengeschrumpft. Das letzte Mal habe ich die alte Dame vor anderthalb Jahren angeschaut. In der Zwischenzeit umrahmten uns selbst viele Sterbende. Der enge Familienkreis, Pflege über Jahre, Organisationsbedarf, Wohnungsauflösung… und das gleiche steht uns bei meiner Mutter bevor. Immerhin ist sie gerade 93 geworden und hatte im vergangenen Dezember Wasser in der Lunge.
Ab und zu, sage ich, rufe ich die hilfsbereite Nachbarin an und frage, ob Frau I. noch lebt. Da sie keine Kinder hat, wer wird mich verständigen? Das dauert gewöhnlich, da die Nachbarin gerne verreist oder tagsüber liebt, in eine anmutige Gegend radeln. Nur zuhause, das ist sie selten. Dann aber versorgt sie, und das seit mindestens 10 Jahren, die Wäsche von Frau I., mit der sie nicht einmal verwandt ist – so wie sie früher für sie eingekauft hat, Woche für Woche. Es gibt also doch diese irdisch gewordenen Engel. Wenn ich Frau oder Herrn Nachbar endlich erreicht habe, um nicht unvorhergesehen hineinzuplatzen, mache ich mich auf, nehme wie gewohnt den Türschlüssel aus dem Korb mit den unechten, verblassten Hortensien und trete ein. Wenn sie es noch sehen könnte, die liebe Frau I., es würde ihr weh tun. Sie hat den echten Blumenduft so geliebt. Der Schlüssel wartet seit etwa 10 Jahren im Korb. Wann es erstmals war, ich hab‘ es vergessen.
Das alles erzähle ich folgerichtig Frau T. und erinnere, wie ratlos ich vor anderthalb Jahren fortgeblieben bin, als ich versucht hatte, Frau I. wieder vorzulesen. Kurze Texte und Loewe-Balladen, die sie in Jugendtagen mochte, und dass sie aus ihrem unklaren Dämmern nicht mehr aufwachte. Ein andermal hatte mich eine Frau vom Pflegedienst ungehalten vertrieben, und ich war umsonst über die Autobahn angereist: „Jetzt können Sie nicht…“
Wecken aus wohltuendem Schlaf, der langsames Sterben über Jahre abkürzen kann, möchte ich nicht. Das überlasse ich den Pflegern. All‘ diese Unwägbarkeiten, die Frage der Glücksache, mein häusliches Alltagsleben, dazu eine gewisse Bequemlichkeit führten dazu, dass ich mich immer schwerer entschließen konnte, meine Besuche wieder aufzunehmen.
Im vergangenen Jahr war ich nicht einmal an ihrem Geburtstag erschienen.
Früher hatten wir noch zu mehreren, sich nun selbst einladenden Gästen, am Bett der Kranken mit ihr Sekt getrunken, und einmal hatte ich ein ganzes Blech Apfelkuchen gebacken für die vielen Menschen, die gar nicht mehr kamen. Hier am Bett blieb die Zeit stehen, für das Irdische wie das Überirdische, nirgendwo gehörte Frau I. mehr so ganz hin.
Doch war sie mir in den Vergangenheits-Jahren immer drängender in den Sinn gekommen, erst recht die Frage, ob sie noch lebt. Mindestens fünf Mal hatte ich die Traueranzeigen der Lokalzeitung, auch das Internet nach einem klaren Abschied durchsucht, unsicher, ob bei einer mittlerweile von den meisten vergessenen alten Lady eine Annonce noch erscheinen würde.
„Ich kann auch nicht kommen“, sagt Frau T., „…leide ja an der gleichen Augenkrankheit wie Frau I., Makula-Probleme… mein Kopf denkt noch gut, aber ich kann meinen kranken Mann nicht allein lassen…“ Nun aber, erinnert Frau T., wird sie bald 100!
„Ich weiß“, sage ich, habe es schon vor Monaten ausgerechnet. Ein Jahrhundert! Seit vielleicht 15 Jahren wächst die Pflebedürftigkeit wie ein Gespenst, die Laken des Todes sind immer schwerer aufzuhalten, mit Flügelfedern haben sie sich mit ihr auf einen D-Zug geschwungen, der irgendwohin in die Nacht rast – oder in fremdes Licht.
„Sie war eine angesehene Frau der Stadt“, Frau T. Stimme wird heller, höher, bedeutungsschwanger. Ich merke, dass sie an eine Würdigung, an ein Zeitungsportrait denkt, ob zum 100.Geburtstag oder wenn es endlich soweit ist. „Ich habe viel aufgeräumt, weggeworfen“, sagt sie. „Aber alles, was ich von Frau I. besitze, hebe ich auf.“
Sie blieb ihr immer verbunden, wenn sie auch seit Jahren nicht hin ging.
Früher, erzählt sie, habe sie noch angerufen, sich erkundigt, wie es ihr geht. Dann aber habe sie nicht mehr hören wollen, wie es mit dem Augenlicht von Frau I. so zügig bergab ging; schließlich sah sie ihre eigene Zukunft in dunklen Schatten sich spiegeln.
Makula bleibt Makula. Das wird nicht mehr besser.

„Ich werde wieder hingehen“, sage ich, erkläre, dass ich telefonieren muss, bis die Nachbarin ihr Rad,
die Einkaufstaschen abgestellt, die Besuche getätigt hat und beim Telefonläuten abnehmen kann.
Es dauert etwa eine Woche. Sie ist erst den Tag zuvor aus einem Frühlingsurlaub in Tirol zurück gekommen. „Es ist alles wie immer“, sagt sie, „der Schlüssel unter den lila Hortensien. Sie trinkt, isst ihren Brei, sogar große Portionen, aber schläft jetzt meistens…“

Als ich die Tür öffne, liegt die alte Dame durchsichtig und zusammengesunken in ihren blumengemusterten Kissen. Blumen, die sie so geliebt hat, füllen den ganzen Wäscheschrank aus. Der Körper ist mager geworden, aber sie erkennt mich sofort.
Am Fußende bestaunen mich ein Krankenpfleger und die Krankengymnastin.
„Niemand kommt mehr hierher“´, sagen sie erleichtert. „Endlich…“.
Da weiß ich, von nun an werde ich jede Woche kommen – wenn ich nicht gerade verreist bin – und bis zum Schluss.

Nächste Woche werde ich meinen Gartenflieder abschneiden, den violetten und ihr ihren Lieblingsduft in die Wohnung stellen. Damals hat sie mit mir noch geschimpft, weil ich nicht schnell genug die schmalhohe Stilvase fand

Angelika Zöllner

Beitrag vom 24 Juni, 2015 (20:49) | Autor: Angelika Zoellner | Rubrik: tage-bau | Beitrag drucken Beitrag drucken | (1) Kommentar


Wollte mich mal wieder melden

13 Juni, 2012 (16:09) | | tage-bau | Kommentieren

Angelika Zöllner

das kinderkarussell

es war ein märcheneinmaleins
das drehte sich in funkelträumen
es wohnt in einem kinderherz
das mag nichts glückliches versäumen

ein königlicher hoch zu ross
reist durch das lebensab und -auf
er liebt den ganzen menschentross
und freiheit weht ihm um den knauf

es schwingt und dudelt musiziert
trali trala und simsala
kommt quietschfidel hereinspaziert
mit glockenklang und trumbara

und Cinderella holt das kleid
aus sonnenduft und sternenband
schmückt sich so manches kinderleid
mit ihrem märchenträumeland

ob sie die glaspantoffel sucht
welch zwergenlist hat sie versteckt
die engel läuten wohlbekannt –
mit ihrem flügelschutz entdeckt

sie bald den herzensplatz zum leben
und springt auf ihre füße eben… .

(Assisi, Italien – an der Kirche Santa Maria degli Angeli)

Beitrag vom 13 Juni, 2012 (16:09) | Autor: Angelika Zoellner | Rubrik: tage-bau | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


1980

8 Juni, 2009 (09:26) | | goldener schnitt | Kommentieren

Nach acht Jahren Schweigepause wagte ich mich wieder daran, das Schreiben von einem Gedicht auszuprobieren. Die Gedanken dazu sperrte ich in meinen Kopf. Ich erzählte niemand etwas davon, lief auf meinen Schuhsohlen unsicher in den größeren Buchhandlungen herum, starrte die Seiten sog. „moderner Lyrik“ an und wusste, ich würde dem Trend, abgebrochene Zeilen zu üben, mich anpassen müssen.
All zu gut erinnerte ich mich daran, warum ich vor diesen acht Pausenjahren in eine schriftstellerische Stille verfiel. Ich hatte eine umfangreichere Herzensblüte mit abendlicher Gefühlsseligkeit und überfrachteten Altreimen an die „Horen“, eine der wichtigsten zeitgenössischen Literaturzeitungen geschickt.
Die Antwort der Redaktion hatte meine künftigen Produktionen einstweilen in ein finsteres Aus geschoben.
„Schön, sehr schön“, hatten sie klar geantwortet. Aber – es wäre „vor hundert Jahren so schön“ gewesen. Nicht heutzutage. Und – sie hatten Recht.
Zuhause suchte ich mir ein besonderes Papier aus einer hinteren Schublade heraus und dachte eine Ansammlung von Grübelminuten nach, an welchem Objekt ich diese modisch abgebrochenen Zeilen üben oder versuchen sollte.

Mein Großvater zog mir durch den Sinn. Er hatte sich erst vor vier Wochen aus dem Leben verabschiedet. Ich hatte ihn mehr als geliebt, bewundert und – ich hatte noch nicht sehr viel Erfahrung mit dem Tod von Menschen gehabt.
Ich schrieb und schrieb, es strömte ein sich wie von selbst dehnendes Wortmeer aus meiner Erinnerung – wie er es fertig gebracht hatte, in dem gesamten 1000-jährigen Reich standzuhalten und kein Mitglied der NSDAP zu werden. Dabei war dies für den geschäftsführenden Direktor einer Kleinfabrik gar nicht so einfach gewesen.
„Ich werde es mir überlegen,“ hatte er refrainmäßig den sich wiederholenden Politanfragen geantwortet – und blieb bis zum Schluss: Nichtmitglied.
Ich sandte meinen Worterguss kurzerhand an eine dieser Literaturzeitungen, eine Zeilengeschwulst, zu der ich schon lang‘ nicht mehr stehen würde.
Der Großvater jedoch muss einen Eindruck hinterlassen haben, auch wenn ich mein Gedicht bald vergessen hatte.

Ein Jahr später zog ich die Nachricht aus meinem klappernden Briefkasten. Mein erstes Gedicht würde abgedruckt.
Ich fand mich in der Zeitung neben Hans-Jürgen Heise und Karl Krolow wieder, die ich damals noch gar nicht kannte.

Beitrag vom 8 Juni, 2009 (09:26) | Autor: Angelika Zoellner | Rubrik: goldener schnitt | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Pubertät – na und

25 März, 2009 (11:00) | | tage-bau | Kommentieren

(2.2.1- beutilful people)

Aus dem noch unveröffentlichten Buch-Manuskript … im Rohbau steht es.

Ich versuche mal, einen Kleinteil – Kapitel 4 – herauszukopieren.
Weiß nicht, ob das geht. Ihr dürft am Stil ruhig meckern… (brauche gerade was Heiteres zum Abschliessen, obwohl ich meinen philosophischen Roman endlich fertig schreiben sollte). Ich muss mir eh jemand zum Probelesen suchen…

Angelika

4

Ein Dreivierteljahr später.
An diesem schönen und lauen Sommerabend, der Liebespaare zu gefühlvollen Entschlüssen oder Poeten zu stimmungsvollen Gedichten verleiten könnte, komme ich leider wieder zu nichts.
Hier im Haus ist der Bär los. Seit einer Stunde mindestens ist das Telefon blockiert und nicht zu gebrauchen. Unser erwachsener Tischlersohn Milan, inzwischen ausgewachsene 28 Jahre alt, dauerstrapaziert es anstatt wie sonst in lockerer Feierabendstimmung mit irgendwem Nettes auszugehen.
Er hat Ehekrise, der arme Kerl. Seit einer Woche. Und findet natürlich alles zum…. !
Deswegen übernachtet er auch wieder bei uns.
Nahezu jeden Abend wirft er nun sein sauer verdientes Geld aus Ärger in Diskotheken und Kneipen herum. Früher hatte er als solide für den Lebensunterhalt einer Kleinfamilie sich abrackernder Ehemann und Papa für derlei kaum Zeit übrig.
Während er in den letzten Wochen müde und schweißtreibend nach Feierabend eine neue Wohnung für seine Familie bis ins Kleinste umbaute und einfach nicht rechtzeitig zum geplanten Umzugstermin mit ihr fertig wurde, türmten sich die häuslichen Wolken zu einem unüberwindlichen Riesengebirge, bis sie explodierten.
Seine Frau brannte durch, angespannt auf Grund dieser desolaten Baulage oder warum auch immer – und ausgerechnet mit einem „Traummann plus Segelohren“, beschrieb Milan wütend.
„Wo hat sie ihn denn kennen gelernt?“
„Na, im Baumarkt!“
„Baumarkt?“
„Sie sollte bloß Schrauben holen…!“
„Schrauben?“
„Naja, der Tünnes hat sie eben charmant durch die unübersichtlichen Regale geführt…“
Arvid und Fynn biegen sich im Chor vor Lachen, bis ihnen endlich einfällt, dass Milans Seelenleben doch schwer verletzt ist.

Während ich etwa eine Stunde später über den erotischen Touch von Schrauben und Nägeln nachdenke, läuft im Wohnzimmer die ausgeliehene CD von der Freundin des Zweitältesten mit einer von Beethovens schmelzenden Geigenromanzen. Arvid, im Gesicht manchmal aussehend, als sei er altem Adel entliehen, hat sich neuerdings mit einer etwas im Wind fegenden Künstlermähne umgeben. Vielleicht nicht einmal ganz unpassend zu seiner derzeitigen weißen Herrschaftlichkeit – einem reinweißen Hemd-und-Hosen-Outfit.
Er sitzt aufrecht am Klavier und lässt die Hände spielen, versucht sich gerade kompositorisch in einer Begleitung besagter Romanze und bearbeitet, gleichzeitig zu den malerischen CD-Klängen, phantasievoll die Tasten.
Mon Cheri, der Rhythmus ist wirklich nicht – na ja – nicht ganz exakt; ach, ich weiß die Antwort schon ohne zu fragen.
„Macht doch nichts“. Wer ist auch schon Beethoven.
Arvid spielt, wie auch sonst häufig im Leben, seinen eigenen Rhythmus.
Ich ahne endlich, leider um Jahrzehnte zu spät, welch künstlerisch anmutenden Versuche schon unseren Vater zusammen zucken ließen und zu wenig Nachsicht verleiteten.
Er lebt nicht mehr – ich bin ziemlich sicher, er schaut zu – und leiste viel Abbitte.

Neben meinem Winzigzimmer dröhnt geräuschbetont und zeitgemäß eine weitere coole Musik. Ich habe es mir seit dem Auszug der Tochter Tonia nach 20 enggedrängten Jahren in einer Schlafzimmerecke endlich genehmigt und gemütlich gemacht.
Techno-Varianten, hartgesottener Rhythmus, klar hämmernde Takte. Die Anlage des dritten Sohnes, Fynn. Sie überschlägt sich heiß mit den klassischen und den kreativen Klängen.
Ich beneide mit angehaltenem Atem den noch aushäusigen Gregor und würde am liebsten auf der Stelle – für diesen Abend zumindest – ausziehen.
Für gebeutelte Elternohren ist es nicht mehr zum Aushalten.
Ich öffne freiheitsdurstig das Fenster und würde sie am liebsten hinauslassen – sämtliche Unterschiedlichkeiten an Klangfarben, Lautmalereien und Ton-Vielfältigkeiten.
Während eine frischere Abendluft angenehm einströmt, versuche ich, den inneren Humor anzuzünden und an meiner Geduld zu basteln.
Plötzlich geht mir durch den Kopf, wie eine Frau, deren Namen ich vergessen habe, in einer heißstaubigen Wüstenlandschaft ihrer Umgebung trotzte, indem sie ein ganzes Buch schrieb.
Soll ich jetzt wirklich losdonnern und ärgerliche Stimmung in der Familie ausstreuen? Nachsichtslos die verdiente, wie ich zumindest meine, mütterliche Abendruhe erbitten?
Ich könnte auch versuchen – – – eine Art Glosse – – – über dieses Alter zu schreiben.
„Think it positiv“, habe ich einmal in einem Schnupperseminar einer NLP-Einführung gelernt. Bewege dich, als seist du glücklich.
Ich suche den Ordner heraus und blättere. Was bedeutet überhaupt noch einmal NLP…
Meine Augen bleiben an einem Zitat hängen:
„Was immer du tun kannst oder erträumst…, beginne es. Kühnheit besitzt Genie, Macht und magische Kraft. Beginne es jetzt.“ Goethe.
Aha, denke ich. Der alte Goethe hat doch zu den verrücktesten Situationen etwas gewusst.
Ich entscheide mich also, kühn oder todesmutig, für „positives Arbeiten und Denken“ und öffne den PC.

Beitrag vom 25 März, 2009 (11:00) | Autor: Angelika Zoellner | Rubrik: tage-bau | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Beautiful people…frei nach Wilhelm, dem Buschen

2 März, 2009 (21:54) | | beautiful people | Kommentieren

Brief an einen Börsen-Verlierer….

(fand ich gerade, geschrieben bei der historischen Nemax-Baisse…)

1

Lieber X-ius, welche Schmach,
Mir doch fast das Herze brach,
als ich las von deinem Greinen,
Börsenkummer kann vereinen – –

Aktien blieben an dem langen,
Dürren Ast des Baumes hangen,
Dividenden werden dünner,
Ihr Gesang wird immer bänger,
Legen noch ein Euro-Ei
Und dann kommt der Tod herbei.

Herr von Bolte in der Kammer
Hört im Bette diesen Jammer,
Ahnungsvoll tritt er hinaus,
X-ius, du, welch ein Graus!
Fließet aus dem Aug, ihr Tränen,
All mein Aktienhoffen, Sehnen,
Meines Lebens schönster Traum
Hing an diesem Nasdaq-Baum….

Tiefbetrübt und sorgenschwer
Kriegt er jetzt das Messer her,
Nimmt die Toten von den Strängen,
Dass sie so nicht länger hängen…
…Dachte sich so hin und her,
Dass es wohl das Beste wär,
Die Verstorbenen zu ehren
Und ganz einfach aufzuzehren…

Ach, der X-ius weint aufs neu –
Wo ist Weizen jetzt, wo Streu,
Sieh, am Montag oder bald
Geht es wieder aufwärts – halt!
Ein zwei Tage, hipp, hurra “
Knallt die Nasdaq hoch, hurra,
Dann empfehl ich dir, die Leichen
Schnellstens einfach aufzuweichen,
Schmeiss sie raus bei Kursen teuer,
Denn bald kommt das nächste Feuer,
Eh die Zettel ganz verbrennen
Und wir müssen wieder rennen “

2

Mancher gibt sich viele Müh‘
Mit dem schmucken Börsenvieh
Einesteils der Eier wegen
Welche diese Vögel legen;
Zweitens, weil man dann und wann
Ein paar Schnäppchen klauben kann,
Drittens aber nimmt man auch
Saure Gurken zum Gebrauch –

In die Nasdaq, in die Pfühle!
Denn man liegt nicht gerne kühle,
Wacht am Future, Herr von Bolte,
Der doch auch die Taler wollte….
Ach, der Bolte weint auf’s neu
Und der Koch steht auch dabei…
rochen dies und rochen jenes,
„schnell aufs Dach gekrochen“, hieß es,
durch den Schornstein mit Vergnügen
sahen sie die Aktien liegen,
die schon ohne Kopf und Gurgeln
lieblich in der Esse schmurgeln…..

(unvollendet und keine tiefere Lyrik…)

Beitrag vom 2 März, 2009 (21:54) | Autor: Angelika Zoellner | Rubrik: beautiful people | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Migrationsgedanken.

22 Februar, 2009 (17:57) | | beautiful people, haut.falten/masken.wahn | Kommentieren

Erinnerungen an eine Migration. Afandou/Rhodos-Gummersbach

2003 hatte ich zum ersten Mal Gelegenheit, im Rahmen eines Arbeitsstipendiums auf die Lichtinsel Rhodos zu reisen. Rhodos, die Insel des Sonnengottes Helios. Noch heute heißt im Neugriechischen das Wort „Sonne“ „ilios“, d.h. offensichtlich ist das dortige Sonnenlicht den Menschen noch immer ein Götterwesen geblieben.

Morgens saß ich meist einige Stunden an einem schmalen Tisch vergraben, um an meinem Roman Ideenreiches zu schreiben. Anschließend jedoch, wenn der Körper allmählich Bewegung verlangte, vielleicht auch, wenn der eine oder andere Gestaltungsgedanke oder der Wortstil ins Stocken gerieten, zog ich los durch die bunte Vielfältigkeit der Straßen, hinein in die funkelnden Seitengassen, blinzelte durch Luken in die in heftigen Farben überblühten Hinterhöfe, schaute die geschäftigen Menschen an, auch die kleinen, prall mit den unterschiedlichsten Waren gefüllten Geschäfte, um vor allem Andersartiges als das nur das allgemein Zugängliche für Touristen zu finden.
An einem dieser sommerlichen Nachmittage, sogar mitten im Zentrum, entdeckte ich zu meiner Rechten als Wegweiser ein recht klein geratenes Schild. Fast hätte ich diesen Hinweis, die Aufschrift übersehen, wären mir Namen und Sprachwörter nicht allzu bekannt vorgekommen.
Ich folgte augenblicklich einem Zugang über einen kleinen Hof in ein Winzigmuseum.
Hier zeigte sich gerade eine mit Archiv-Fotos dokumentierte Ausstellung, die mich – sogar mit deutschen Original-Texten der Betroffenen – sofort in den Bann zog:
Erinnerungen an eine Migration – Afandou-Gummersbach. Was für ein Thema!
Das Projekt war gestaltet worden, las ich, von von Prof. Dr. Maria Dietzel-Papakyriakou (Migration research) und Prof. Elke Seeger (Photography-Design)

Als Deutschland in den 60er-Jahren Arbeitskräfte aus dem Ausland suchte, kamen viele Gastarbeiter, wie sie damals hießen, auch aus dem rhodischen Afandou, einem netten ursprünglichen Inselstädtchen, an der Ostküste von Rhodos gelegen. Viele dieser Migranten erreichten damals das Bergische Land und eine besonders große Gruppe offensichtlich die dortige Stadt Gummersbach.
Das war doch nicht allzu weit entfernt von meinem Zuhause. Vom bergischen Wuppertal.

Ein beeindruckendes Stück Zeitgeschichte breitete sich hier aus an den Wänden.
Der Wirtschaftsaufschwung nach dem Krieg hatte in den 50er-Jahren nicht nur Vollbeschäftigung gebracht, sondern einen großen Mehrbedarf an weiteren Hilfskräften. Industrie, Bergwerke und die Baubranche standen in rasanter Weiterentwicklung und im Mittelpunkt des Geschehens.
1955 soll Deutschland in Italien die erste Anlaufstelle für Zusatzkräfte eingerichtet haben. Und nicht lange danach erreichten die ersten sogenannten Gastarbeiter Deutschland.

Von den einheimischen Griechen aus Afandou sollen, vermutet man, phasenweise ein Drittel bis ein Viertel der Bevölkerung sich in Gummersbach aufgehalten haben.
Das Besondere an diesem Migrationszyklus sei, beschreiben die Aussteller, fast alle Migranten sind nach Afandou zurückgekehrt mittlerweile, teilweise erst vor kurzem.
Man nennt dies eine abgeschlossene Migration.

Die so intensiv menschlichen Verbindungen von Deutschen und Griechen haben mittlerweile dazu geführt, dass Gummersbach und Afandou – seit dem Jahr 1990 – Partnerstädte geworden sind.
Gerade in diesem Jahr, 2003, ist vor wenigen Monaten ein örtlicher Platz in der Stadt Gummersbach „Afandou“ genannt worden. Umgekehrt besitzt Afandou schon seit weitaus längerer Zeit einen „Gummersbacher Platz“ und dort, neben einem ausladend schönen südlichen Baum auch ein „Gummersbacher Café“.
Die damaligen Lebens- bzw. Reiseumstände beschreibt Georgios K. im Jahr 1960 so:
„…ich heiratete meine Frau, und es gab keine Arbeit. Was soll ich machen? . … Ich denke, ich gehe …ins Ausland. … fahre nach Athen, nehme den Zug mit drei anderen zusammen…und fahre nach Köln. Ich konnte ein bisschen englisch…vom Gymnasium, was ich dort gelernt habe. Dort, sagen wir mal, sprach niemand englisch, kein Deutscher, nichts….ich sagte: „Leute, ich werde den Zug nehmen, wohin er mich auch bringt.“ …Und da kommt ein Zug, ich stieg ein, er fuhr nach Gummersbach. …Am nächsten Tag war es schön….es war das, was die Deutschen „Bergisches Land“ nennen.“
Firmen werden genannt wie Helmut Richter, Baldus, Steinmüller oder Otto Kind, und mancher Grieche aus Afandou ist im Bergischen Land 15 Jahre und länger an einer Stelle geblieben, auch wenn 12-16 (!) Stunden am Tag gearbeitet wurden.
Wie sich die Alltäglichkeiten mit den zugereisten Griechenkindern in den Schulen während und nach der Migration gestaltet haben, erwähnt die Ausstellung leider nicht.

In den nachfolgenden Tagen beginne ich, mit Anwohnern aus Rhodos-Stadt Gespräche zum ausgestellten Migrationsthema zu suchen, probiere jegliche auch nur kleine Gelegenheit, sofern ich mich in deutsch- oder englischsprachigem Vokabular verständigen kann.
Viele der Älteren sprechen noch leidlich deutsch. Bis zu 60.000, höre ich, sollen alleine in München gewesen sein. Auch wenn ich weiß, wie ungerne Griechen exakt Zahlen- oder Datengrößen beschreiben, würde mich schon die Hälfte dieser ansehnlichen Zahl schwer beeindrucken.
Nun – vielleicht waren es ja tatsächlich so viele.
Eine ältere, natürlich vollständig in schwarz eingekleidete Frau spricht mich beim Bäcker an. Klein und noch flink sucht sie Bohnen und Tomaten zusammen.
Viele Runzellandschaften verschönen ihr Gesicht, machen Leben aus.
Ein freundliches Aufstrahlen, Lächeln:
„Du – aus Deutschland? Ich – aus Heilbronn. Mein Mann dort – schaffe… schaffe, in Fabrik….viele Jahre … nun wir zuhause… Rente…“
Die meisten Griechen waren sehr gerne Deutschlands Gäste, sagen sie dankbar – Köln, Düsseldorf, Karlsruhe, Stuttgart usw. – aber nie vergessen sie ihre Heimaterde, die Wurzeln, die unnachahmliche Schönheit ihres Landes und haben Heimweh, bis sie zurückkommen – freiwillig – spätestens im Alter.
Vom Sich-Heimsehnen klingt es authentisch z.B. in Udo Jürgens bekanntem Song „griechischer Wein:
„Griechischer Wein ist wie das Blut der Erde. …“. Da lauten einige Zeilen:“…und dann erzählten sie mir von grünen Hügeln, Meer und Wind, von alten Häusern und jungen Frauen…“

Ich bin jetzt beschämt, bedrückt, als ich den Songtext nachlese, den ich, zugegebenermaßen, damals in den 70ern eher für eine nebensächliche Schnulze gehalten habe.
Mehr als 10 Jahre früher, 1962, sang schon Conny Froboess bei den Schlagerfestspielen für die italienischen Gastarbeiter in Deutschland:
„Zwei kleine Italiener „…. und die schlichten, einfach erklärenden Worte:“Eine Reise in den Süden ist für andere schick und fein, doch die beiden Italiener möchten gern zuhause sein.“
Sie belegte zwar nur den 6. Platz, aber das Lied breitete sich überall wie ein Wind aus, wurde in jeder Küche schon beim Bügeln populär und rasch in andere Sprachen übersetzt – in englisch, italienisch, niederländisch, französisch….

Zurückgekehrte Griechen hier in Rhodos-Stadt haben bis heutzutage kleine Geschäfte und häufig Tavernen eröffnet. Sie haben ihre in Deutschland verdienten Markstücke zusammengehalten und sie hier für einen Grundstock zum Leben ausgegeben.
Ein Schuster sagt zu mir, „oh, ihr habt diese schöne Industrie“!
Ich vergesse verblüfft das Schmunzeln.
Die Rhodier können hier auf der Insel, die außer ein wenig Landwirtschaft überwiegend nur touristische Möglichkeiten des Geldverdienens bietet, nichts verdienen.
Es stimmt. Keinerlei Industrie verpestet hier die für uns südlich heitere Luft.
Für die Griechen kann sie auch herb sein.
Mit dem Einsatz aller Familienmitglieder suchen sie mitunter, ihre Shops und Tavernen über Wasser zu halten.

Ich schaue an einem noch vor sich hin schweigenden Mittag durch das Fenster in eine Gartentaverne.
Aufrecht auf ihrem schlichten Holzstuhl sitzt dort eine emsig vor sich hin arbeitende Großmutter, wenn nicht Urgroßmutter. Noch in herkömmlicher Tracht bereitet sie für den Abend die Bohnen- und Auberginenberge zu, die mir schon den frischen Duft der hausgemachten Moussaka in den Mund ziehen.
Ich schlendere durch die Hinterstraßen der aus dem Mittelalter übrig gebliebenen „alten Stadt“. Ca. 5000 Griechen sollen hier wohnen, die sich vor dem Abendtreiben noch überwiegend in ihren Häusern verstecken.
Gar nicht allzu weit entfernt stehe ich jetzt in einer Parallelstraße der obligatorischen Touristenmeile. Eben noch die reichlich kostspieligen Auslagen in der Hauptgeschäftsstraße – und nun, wenige Webbiegungen weiter: Die Armut.
Diese Nebengassen sind vergleichsweise leer, ohne viel Atem.
Manch einer hat für die Saison offensichtlich eins seiner Zimmer, mitunter auch nur eine Einzelecke der vollgetürmten Wohnung umfunktioniert, um im Sommer etwas hinzu zu verdienen.
Im Hintergrund wird mit den Kindern Lesen geübt, werden Familienthemen temperamentvoll diskutiert oder mit der halb erwachsenen Tochter eben noch schnell das dicht mit malerischen Dingen bestückte Sofa abgeräumt.
Vom selbstgebackenen Donut bis zu selbst geernteten Kräuterdüften in Plastiktüten wird eine Menge an netten Kleinigkeiten angeboten. Ich kaufe zum Niedrigpreis zu viel Origano, man kann es nicht ausschlagen, kaue auf einem merkwürdigen Donut herum, vielleicht von vorgestern und mustere den dickbäuchigen Jungen, der aussieht, als lebte er vom Resteessen dieser hausgebackenen, eher amerikanisch anmutenden Teile.
Findet man die Fährte hierher, gibt man lieber sein Geld den Armen anstatt einzelnen, mitunter schon recht dreisten Starverkäufern auf den Haupttouristenstraßen.
Und doch sollte man nicht vergessen, sie alle müssen auch für den touristenleeren Winter
mitverdienen.
Die Rhodier sind gewohnt, in den sieben ertragreichen Sommermonaten – von Anfang April bis einschl. Ende Oktober – von morgens früh an bis zu 13-16 Stunden durchzuarbeiten. Dies selbstverständlich auch an den sich mit Menschenmengen bevölkernden Wochenenden.
Den Älteren steht die Erschöpfung am Abend klar in den Augen, oft auch im Rücken.
So wundert es nicht, in der Ausstellung von einem Migranten aus Afandou ganz sachlich zu lesen, dass er in Deutschland, 1962, von morgens 4.oo oft bis abends 21. / 23.oo gearbeitet hat. Er beklagt sich nicht: „Man ist mit Freude zur Arbeit gegangen, weil man wusste, im Winter oder Sommer…auch wenn es schüttet…man kriegt sein Geld.“
Führungskräfte der Fordwerke in Köln berichteten in den Siebzigern öffentlich, sie nähmen lieber Ausländer für manche Arbeiten an als Einheimische. Besonders galt dies für die Schicht- und Fliessbandarbeit.

Angelika Zöllner, 2009.

Beitrag vom 22 Februar, 2009 (17:57) | Autor: Angelika Zoellner | Rubrik: beautiful people, haut.falten/masken.wahn | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Unpoetisch

23 Mai, 2008 (11:49) | | tage-bau | Kommentieren

trommelt mir seit Wochen die Renoviera im Kopf. Geräusch auf Geräusche drehen mir Krauslocken, Dauermigräne und immerzu Widerspenstiges.
Da ‚muss man durch‘, sagen manche. Und wir auch. Beim Dauerputzen ruiniere ich mir wieder mit Betonsplittern den gerade erst ausgeheilten Operationsfinger. Auch bei den Nachbarn hab‘ ich nämlich minutiöse Piksteilchen aufgeschaufelt – auf eine Serie von Kehrschippen. Sie, die Leute, haben zwar nicht so ein bäuerlich schönes Dachziegelland wie wir demnächst und auch ihre Weißwände müssen noch nicht wieder in Frischfarben gesetzt werden. Dafür mussten sie ’schon zweimal den Staub vom Geländer putzen‘, unseren nämlich.

Beitrag vom 23 Mai, 2008 (11:49) | Autor: Angelika Zoellner | Rubrik: tage-bau | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Italiensommer

28 März, 2008 (19:26) | | tage-bau | Kommentieren

am cafétisch

wir wippen die südliche leichte
mit den fussspitzen
und rühren sonnenlichter
im caffee


in den strassen der ton der weite
gefasst in die schmalheit des augs
bewegungsbunte klingelei
wie sie dahinziehen “ in wogenwellenmeeren
und doch die ungezählten einzelstimmen von
hoffnungen und vielen menschen-ichs


alltag verbleicht
in kaum erinnerte tage
flieht schnellflügelig hinter dachdächern
und horizontengefügen davon
bürden sind chancenlos


gewichtlose träumereien
tänzeln perlfiguren
mit den sonnenstrahlen
der wind hofiert die oleanderblüten
erfindet liebes-impromptus


das lehnen am sommersommer
und klingenden
tagen


unbeschwertes
das bleibt.

Beitrag vom 28 März, 2008 (19:26) | Autor: Angelika Zoellner | Rubrik: tage-bau | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


[bdn 42] es taut, Maria

19 Januar, 2008 (21:31) | | tage-bau | Kommentieren

gläsern bilden sich perlen auf grasrispen
zu täglichen morgen
farbfeiern und regenbogenstille
weiches spielend in biegendem halm

ach, mancherorts steht das land
totgestorben gedorrt
an den saatecken
ich klopfe am tag an
warte auf die windschwingende melodie
trägt sie antwortharfen oder aschenen sand
asche und salz – taufen sie
auch kristallen den tod?

tonlose intervall-nocturnes
über der erde kein takt
hast nicht „auf wiedersehn“ gerufen ja du
dein lachen summt tupfentöne
hörst du’s so leicht im hof noch
die hüpfschritte von einst
in deine und meine gedanken
als wärn wir kinderglücksfeen
zu besiegen den märchenbösen wolf
er fand das geißlein doch

ich hüte das windschwingen
die antwortharfen den aschenen sand
es taut Maria mit perlglas
auf gräsernen rispen
von dir herzspüren was bleibt
wenn ich deine umrisse zeichne
ins erwachende land.

(f. meine Sandkasten-Freundin Maria, + m.. 36 Jahren, umgebracht aus unbekannten Gründen)

Habe ein altes Gedicht zu [bdn 42] gefunden. Und nun ein neuer Versuch, ganz anders. Nur die Überschrift blieb. Aber vielleicht ändert die sich auch noch. Mit etwas Abstand…

Beitrag vom 19 Januar, 2008 (21:31) | Autor: Angelika Zoellner | Rubrik: tage-bau | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Fröhliche Weihnacht an alle und ein glückliches 2008

19 Dezember, 2007 (09:12) | | tage-bau | Kommentieren

engel –

nachtferne helle
auch am taglichten weg
gehen sie
geflügelt und ungeflügelte
ihr verleisender schritt

kehren sie ein
ein silbererahntes
ein atemton nur
im gleichen raum

nur die kinder-kleinen
und die alten-gesichter mit
weitem gehör
heben ein augenlächeln zu ihnen

erkennen ihr wort
auch das verborgene ihrer
lichtstimmen in den erdleibern
die für zeitlanges abgelegten
zur seite gefalteten
himmelwärtsflügel

flugweisses und engelsstille
wenn’s schweigsam wird
das weihnachtsklingen
verrät ein wenig
vielleicht –

Angelika Zöllner
P.S. Manches liegt gleichzeitig in der Luft…während ich schon den Text einkopiert habe und einfügen will, fällt mein Blick auf Elviras Text – auch sie hat heute das Wort ‚gefaltet‘ benutzt…

Beitrag vom 19 Dezember, 2007 (09:12) | Autor: Angelika Zoellner | Rubrik: tage-bau | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


…bis auf das wort

13 Dezember, 2007 (14:40) | | tage-bau | Kommentieren

immer kehre ich zurück
zu den anfängen
sammle die hülsen vom boden
wer in der vergangenheit lebt
hütet den tod

jung bleibt die seele
hinter den herzwänden
jeder aufbrechende gedanke
erneuert die zukunft

aus fruchtbaren stunden
wächst die gegenwart
in verletzbarer haut
noch schutzlos
bis auf das wort.

Beitrag vom 13 Dezember, 2007 (14:40) | Autor: Angelika Zoellner | Rubrik: tage-bau | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Winkel, Hauptstrasse

8 September, 2007 (23:10) | | tage-bau | Kommentieren

mein uralt schönes festgestandnes haus
grossvaterhaus – das hölzern eingangsrunde tor zur kindheit

der kinder- kirschenbaum
mit nie mehr nachgeschmeckten sommer-reifefrüchten

die alten tiefgefüllten winterkeller
jahrhundertkühl der Geromont’sche lebenswein…
wie festgehaltene sommer auf der zunge

das traubenklar das zauberblühen
von Renates liebgegossenem oleander

das rebenwachsen überm altgemäuer
verklebt so saftig-süss
im herbst die kinderhand

hier hat sich wenig weit die Günderrode totgedichtet
jetzt erst begegne ich in friedhofsgartenecken ihr
verstumme lang an ihren versen
an ihrem schweren leidensbündel-kleid

vielleicht an ihren lebenstraum gelehnt
sitzt auf der wartebank sie wenn ich komme
die ahnen suche umter’m sterbefesten efeu.

(C) Angelika Zöllner geb. Trapp-Geromont

Habe doch das Gedicht zur Kindheit gefunden!!
Vielleicht haben andere auch Texte dazu? Ich war inspiriert von meinem Schreibe-Vorgänger;-)).

LG
Angelika

Beitrag vom 8 September, 2007 (23:10) | Autor: Angelika Zoellner | Rubrik: tage-bau | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


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