Beiträge im Monat September, 2017

Kastanien III

27 September, 2017 (16:20) | | beautiful people, netz@uge.nblick, zugvögel/wind.bahnen | Kommentieren

Als Kinder bauten sie gern Schiffchen oder Männer
Aus diesen brauen runden Früchten, die sie fanden,
Wenn sie sie suchten. Wo die großen Bäume standen,
Da waren Kinder. Durch die Blätter kickten Kenner,

Die Kapseln flogen, brachen auf; ein lautes Schreien,
Ein Freudenkreischen und auch manches Streiten:
Das wilde Treiben würde Freuden vorbereiten:
Da mitzutun, den Steifsten konnte es befreien.

Der Mann tat mit und mischte sich schnell unters Tollen,
Gesicht gerötet und die Brille schief vor Augen,
Ging er, laut lachend, mit den Wilden in die Vollen,

Als wollte er die Jugend nochmals in sich saugen:
Vielleicht hat er das Leichte nacherleben wollen,
Doch dazu würde selbst das Glück des Spiels kaum taugen.

Beitrag vom 27 September, 2017 (16:20) | Autor: Walther | Rubrik: beautiful people, netz@uge.nblick, zugvögel/wind.bahnen | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Kastanien II

26 September, 2017 (07:27) | | alptraum/ego.wunde, netz@uge.nblick, terra/adern/fluss.linien | Kommentieren

Ihm war, als würde er sie aus dem Feuer holen:
Sie glühten warm in seiner Hand. Er sah und staunte.
Ein ferner Glanz von Sonne, der ein Flüstern raunte,
Lag vor ihm: In der Tasche klackte es verstohlen.

Er würde sie in einer schönen Schüssel bergen –
Als Ahnung und Versprechen, eines Jahres Früchte,
Symbol von Wiederkommen, Jugend, Lüste, Süchte:
Der Tod schickt Winter, Alter, Krankheit, seine Schergen.

Er griff zum Mantelkragen, zog den Schal noch enger.
Sein Schatten ging gebeugt, als trüg er schwere Lasten.
Die Schwermut ist ein eitler böser Hoffnungsfänger.

Die Kälte biss ihm in sein Herz und ließ ihn hasten.
Die Schritte und die Atemzüge wurden länger:
Ihm war, als würden Eisesfinger nach ihm tasten.

Beitrag vom 26 September, 2017 (07:27) | Autor: Walther | Rubrik: alptraum/ego.wunde, netz@uge.nblick, terra/adern/fluss.linien | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Kastanien

25 September, 2017 (08:50) | | terra/adern/fluss.linien, zugvögel/wind.bahnen | Kommentieren

Schon dunkelte der frühe Herbst durch Nebelfeuchte:
Still sprach der fahle Mond Gebete für die Wärme.
Ein kalter Stich fuhr durch die sommermüden Därme,
Als aus dem Dickicht laut ein Igelkind entfleuchte.

Der spitze Ruf des Kauzes weckte Krähenschwärme,
Die müde in den Kronen ruhten: Floh die Beute,
Die er doch jagte? Winterwarnung war’s! Der dräute
Und drohte: Leben wehrte ihm mit dem Gelärme.

Der Mann schlug seinen Mantelkragen hoch und eilte
Dem Schatten hinterher, der vor ihm Faxen machte.
Es schien, als ob er an der Kreuzung kurz verweilte.

Er dachte an den Tag und an die Nacht. Er lachte,
Als sich sein Schatten mit dem schwarzen Baum verkeilte.
Dann stand er da. Er las sie auf, ganz sanft und sachte.

Beitrag vom 25 September, 2017 (08:50) | Autor: Walther | Rubrik: terra/adern/fluss.linien, zugvögel/wind.bahnen | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Dein blick

11 September, 2017 (06:42) | | blut.bahnen/rauschen, herz & lenden, rausch (zustände) | Kommentieren

Dein blick schmeichelt verjüngt
macht stark: die iris mit ihren grauen
grünen blauen sprengseln verwirrt
mich die pupille wird weit als wolle

Sie mich auf saugen – ich habe
kapituliert die waffen gestreckt nah
bist du dein atem streichelt mein
ohr läppchen & dein auge schaut

Mein auge & beide sehen wie die
lider flattern die wimpern zittern &
die hände nicht mehr wissen was
sie tun: dein blick ist entrückt &

Dein blick schweigt das wort liebe
in meinen: ich kanns hören

Beitrag vom 11 September, 2017 (06:42) | Autor: Walther | Rubrik: blut.bahnen/rauschen, herz & lenden, rausch (zustände) | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


fuga à due voces

9 September, 2017 (02:11) | | rausch (zustände) | Kommentieren

oh ja, ich sang dir meinen kontrapu[ck/nk]t
in den schlitz, in das sehnen.
zweistimmig war ich, im kontradickt,
ich schrieb es in fut und fuga.



und sahest du mich so singen,
du hättest mich nicht ge- und erhört.
du bliebest im schweigen, das weib,
das mir die wäsche wäscht, gut’s mir zu tun.

das mir das mitternachtsmahl gekocht,
allein, du schwiegest weise all meinen
worten, denn die lassen sich nicht
braten im kreis einer pfanne,

wo jetzt das ei-gewusst des schweines
denaturiert oder der kühe,
die ihr haupt senken den schlächtern
wie ich dir hin.

oh ja, ich sang dir vom grabe,
vom balde das tröstende lied.
und wenn nicht, doch dann von den fenstern
den öffnenden klick.

(170907)

Beitrag vom 9 September, 2017 (02:11) | Autor: Jörg Meyer (oegyr) | Rubrik: rausch (zustände) | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


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