Beiträge im Jahr 2014

Weihnachtslied 2014 – für den tage-bau – für alle!!!

23 Dezember, 2014 (19:38) | | Allgemein | Kommentieren

Wir wünschen, dass man uns das lässt:
Ein friedvoll stilles Weihnachtsfest.

Die uns mit Schießen schwer verdrießen,
Sie sollen sich doch selbst erschießen.
Die, die mit Klauen es versauen,
Sie fessle man mit mit Lichtertauen –
Äh -ketten, jedenfalls mit Kerzen,
Mit Weihnachten ist nicht zu scherzen.

Wir wünschen, dass man uns das lässt:
Ein friedvoll stilles Weihnachtsfest.

Wir wünschen uns, daß man sich liebt
Und nicht nur nimmt, sondern mal gibt.
Damit ihrs wisst: die Lieder schallen!
Das Böse ist heut ausgefallen!
Es könnt so bleiben, doch der Wunsch
Ersäuft wohl im Sylvesterpunsch.

Wir wünschen, dass man uns das lässt:
Ein friedvoll stilles Weihnachtsfest.

Wir wünschen uns, daß man sich liebt
Und nicht nur nimmt, sondern mal gibt.

Wir wünschen, dass man uns das lässt:
Ein friedvoll stilles Weihnachtsfest.

Beitrag vom 23 Dezember, 2014 (19:38) | Autor: Walther | Rubrik: Allgemein | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Von Kälbchen und Schäfchen

20 Dezember, 2014 (15:51) | | ego.t/error.welt | Kommentieren

– Ein Ostergedicht zu Weihnachten –

Es dreht sich um das Drehen, mag man glauben:
Das Drehen sei es, Drehen um sich selber.
Wer anders dreht, gehört zur Masse Kälber,
Die man verschnitzelt und die Krumen klauben.

Man ist der Mittelpunkt von dieser Erde,
Und was nichts bringt, das soll im Schrank verstauben:
Wem Mitleid Schlaf und sein Gewissen rauben,
Ist halt ein Opferlämmchen in der Herde.

Dass man erfriert, hört man aus Schatten raunen.
Ein kaltes Herz verschwendet nichts an Fühlen.
Wer ganz verschüchtert fragt, erfährt Erstaunen:

Das sei der falsche Platz zum Mütchen Kühlen.
Wer sich in Ichsucht bettet wie in Daunen,
Muss sich zuvor durch fremdes Elend wühlen.

Beitrag vom 20 Dezember, 2014 (15:51) | Autor: Walther | Rubrik: ego.t/error.welt | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


3 weihnukkasonette

20 Dezember, 2014 (00:55) | | alptraum/ego.wunde, rausch (zustände) | 1 Kommentar

tannenbaum

er steht im frühling schüchtern unter bäumen,
die grünen gleich wie er, doch prall’ren blättern.
es herbstet, und es welken solche freuden.
wenn nebel wallen düster um die ecken,

steht er allein im immergrünen kleid,
ein stolzer träger seiner reifen nadeln,
erzählend uns von lichterglanz statt leid,
von fülle, wo sonst dürre äste adeln

die schweren himmel, die sich grau verzweigen
in ihm, der einsam reckt im dunklen walde
sein nadelwerk, dass himmel irdisch bleiben,

auch wenn es winter wird und sich entlaubt
natur und legt sich träumend schlafen balde,
wo uns erweckt, woran er grünend glaubt.

abendstern

er steht so hoch und überm horizont,
auf dass er uns sein glänzen treulich sende
durch alles dunkle, was sonst nichts besonnt.
er kündet von dem anfang allens ende.

so weit in himmeln spricht er uns doch nah,
dass liebe wird und nicht mehr hass der menschen.
sein licht ist, wo mir sehnend trauer war,
und wird die lange nacht erhellt begrenzen.

mit ihm wird tag in allen himmelssphären.
die nacht vertreibt sein abendlicher strahl,
wenn wir nur seinen lichterschein begehren

und schau’n ihn hoffnungsfroh und staunend an,
ob ende uns’re erdverbund’ne qual,
bevor noch unterirdisches begann.

morgenrot

es steht im osten, freude zu verkünden,
und ging doch auf so wundersam erhofft.
dass wir uns froh mit seinem rot verbünden,
ist botschaft, wo uns finsternis ins loch

verbannen will, ins grab, aus dem wir steigen
demselben unverzicht’ und roh entgegen.
wir gehen hin und meiden das vermeiden,
damit wir still nicht steh’n, doch uns bewegen.

siehst du’s? ich ahn’ es schütterschüchtern schon,
erträum’ es schlafvergessen in der nacht,
dass daraus morgen wird und licht belohn’

verdunkelten die stete lichtersuche.
was uns zuvor in düsteres gebracht,
erblüht uns hell gestabt in jenem buche.

ögyr liest’s

Beitrag vom 20 Dezember, 2014 (00:55) | Autor: Jörg Meyer (oegyr) | Rubrik: alptraum/ego.wunde, rausch (zustände) | Beitrag drucken Beitrag drucken | (1) Kommentar


Ich weiß

8 Dezember, 2014 (08:55) | | terrere est humanum? | 2 Kommentare

Ich ahne, dass die Fahnen wieder flattern:
Der Krieg kam aus den Höhlen in die Stadt
Zurück – als ob er nur gewartet hat.
Man hört die Salven aus den Läufen knattern,

Man sieht am Abend die Geschosse fliegen:
Sie ziehen ihre weißen Todesspuren
Und malen in den Himmel Spottfiguren,
Als wäre Tod zum Lachen. Wer wird siegen?

Ich sehe, wie die Teppichbomben fallen,
Wie Menschen sich an Straßenecken ducken
Weil Schüsse wahllos von den Dächern knallen.

Getroffene verbluten, krampfen, zucken,
Als die Geschosse in die Körper fahren.
Ich weiß, man könnte sich die Verse sparen.

Beitrag vom 8 Dezember, 2014 (08:55) | Autor: Walther | Rubrik: terrere est humanum? | Beitrag drucken Beitrag drucken | (2) Kommentare


Walther Nico Sylvia Hartmut

7 Dezember, 2014 (19:22) | | tage-bau | 7 Kommentare

alther von der Vogelweide
Mir Worten spielen
und ihre Klänge malen
Musik der Sprache tanzt

o glück nico(laus) bringt den Tee ins Haus
und schwimmt im zweiten Advent
bis nach Weihnachten?

teatime ohne Schnee im Klee
feiert Sylvia den ganzen Tag
 Nichts mit Füße waschen
im frischgefallnen Schnee

Und Hartmut?
Der hat harten Mut
und baut den tagebau
aus Tee im Klee

Beitrag vom 7 Dezember, 2014 (19:22) | Autor: Hartmut Sörgel | Rubrik: tage-bau | Beitrag drucken Beitrag drucken | (7) Kommentare


Nichts wird mir bleiben

6 Dezember, 2014 (10:51) | | blut.bahnen/rauschen, ego.t/error.welt | Kommentieren

Du hast mit meinem Verstand gehandelt
Als sei er zu verkaufen
Für dumm für Geld für nichts und wieder

Nichts

Ich habe dir Rätsel aufgegeben
Du hast orakelt
Und Deine Antwort war leer
Unnütz das Liebesspiel
Nur Werkzeug nur Entladung

Entlarvung hieße Schmetterlinge
Zarte Libellenflügel entfalten
Hieße Schönheit
Du bist schön – dein Wissen darum
Macht dich zu blankem Entsetzen

Du hast mir das Herz gelassen Blutsaugerin
Dafür sei dir Dank doch
Das Zweifeln am Verstand

Wird mir bleiben

Beitrag vom 6 Dezember, 2014 (10:51) | Autor: Walther | Rubrik: blut.bahnen/rauschen, ego.t/error.welt | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Nico bist du geschwommen in den See

5 Dezember, 2014 (16:41) | | tage-bau | 5 Kommentare

Nico
bist du geschwommen in den See
aus wohlschmeckendem Tee
und hast ihn ausgetrunken
so bist du nicht ertrunken

Sylvia
du tanzt mit den Wörtern um den Tee
sogar im Winter durch blühenden Klee

Walther
Die Spiegelbilder rennen schnell und wild
durch die weite Landschaft um den See
und pflücken blühenden Klee

Beitrag vom 5 Dezember, 2014 (16:41) | Autor: Hartmut Sörgel | Rubrik: tage-bau | Beitrag drucken Beitrag drucken | (5) Kommentare


Grimmiges märchen

4 Dezember, 2014 (15:18) | | alptraum/ego.wunde, herz & lenden | 7 Kommentare

Du hast von meinem tellerchen gegessen
& das trocken brot liegen gelassen

Du hast aus meinem becherchen getrunken
& den sekt schal werden lassen

Du hast in meinem bettchen geschlafen
& ich blieb zurück als der tag graute

Du warst meine fee meine elfe
mein schneewittchen mein rosenrot &

Als die geschichte endete
war ich wenigstens tot

Beitrag vom 4 Dezember, 2014 (15:18) | Autor: Walther | Rubrik: alptraum/ego.wunde, herz & lenden | Beitrag drucken Beitrag drucken | (7) Kommentare


dezemberrose

4 Dezember, 2014 (11:27) | | tage-bau | 7 Kommentare

dez 050

über leichtem schnee

der wind bringt die rose

zum tanzen

Beitrag vom 4 Dezember, 2014 (11:27) | Autor: Sylvia Hagenbach | Rubrik: tage-bau | Beitrag drucken Beitrag drucken | (7) Kommentare


Baden im Tee

2 Dezember, 2014 (09:36) | | tage-bau | 3 Kommentare

Nachts Tee eingegossen
Viel zu heiß
Ich stelle den Becher draußen aufs Fensterbrett
Dort friert es
Als ich nachschaue badet wer im Tee
Hej wer bist du?
Ich bin dein Spiegelbild!
und bei der Kälte im warmen Tee, wunderbar
Wie? Ich bade doch nicht im Tee
Ja, ich bin jetzt selbstständig

Du hast so viele Spiegelbilder
Überall rennen sie rum
Vielleicht bist du auch nur dein eigener?!
Und wo ist das Original?
Auf dem Mond

Beitrag vom 2 Dezember, 2014 (09:36) | Autor: Hartmut Sörgel | Rubrik: tage-bau | Beitrag drucken Beitrag drucken | (3) Kommentare


Diogenes, kurz gefasst.

14 November, 2014 (10:53) | | beautiful people, labyrinth/wort.gewebt. | 4 Kommentare

Diogenes sagt, ganz gefasst:
„Im Fass wohnt Ruhe, keine Hast.“
Er kennt daher auch keine Hektik.
Das nennt man Daubendialektik.

„Der Marx schreibt also Riesenmurks!“
Das Wissen unsres Demiurgs,
Dass Sein und Wein sich rasch entzwein,
Liegt tief im Fass bei ihm allein.

Der Philosoph schweigt still und lächelt.
Er sitzt, vom Geist des Weins umfächelt,
Der aus den Dauben sanft entschleicht,
Die er beim Reifen aufgeweicht

Und freundlich angereichert hat.
Diogenes schreibt Blatt um Blatt.
Die Schüler lauschen seinem Kritzeln.
Als ihn die Sonnenstrahlen kitzeln,

Verkündet kurz der weise Mann:
„Wohl dem, der klaglos warten kann.
Geht hin und kündet all den Fässern:
Ob’s dicht ist, weiß man nach dem Wässern.“

Beitrag vom 14 November, 2014 (10:53) | Autor: Walther | Rubrik: beautiful people, labyrinth/wort.gewebt. | Beitrag drucken Beitrag drucken | (4) Kommentare


pink

12 November, 2014 (17:45) | | tage-bau | 4 Kommentare

himmel 005

wahrscheinlich hatte Rosie es einfach satt. das ding zwickte, sah kitschig aus und hatte nie wirklich gepasst. den zwilling hatten sie Emmi angehängt, die dazu auch keine lust hatte. frischluft! muhte Rosie. weg damit! muhte Emmi. nun weidet sich der zaun am neuen accessiore. ein statement! ruft er aus, als ihm die pinken dinger um den draht fliegen. pink stinks! blökt das schwarze schaf. spinnst du? empört sich prinzessin lilofee, die aus ihrem kleinen schloss im unterholz stürmt und ihm den mittelfinger zeigt. Rosie und Emmi indes wenden sich ab. ihre schönen euter mit den feinen härchen auf der weichen haut schwingen fröhlich und frei, gestreichelt vom wind.

Beitrag vom 12 November, 2014 (17:45) | Autor: Sylvia Hagenbach | Rubrik: tage-bau | Beitrag drucken Beitrag drucken | (4) Kommentare


Gedanken zum Herbst

9 November, 2014 (13:45) | | zugvögel/wind.bahnen | 5 Kommentare

Auf dem Äst verbrüdern sich
Zwei Krähen und stecken die Köpfe zusammen.
Der Ahorn hat sich entblättert,
Schämt sich aber dafür und trägt die Reste stolz:
Wie so viele Bäume ein Verlierer,
Übt er sich in schwarzem Strich am Himmel.

Das Eichhörnchen verbuddelt
Hastig Walnüsse. Daneben Haselnüsse. Und
Daneben Kastanien. Ein Igel
Kiebitzt. Dann trollt er sich raschelnd. Die
Krähen mögen sich nicht mehr,
Und dem Ahorn ist piepegal, wer da krächzt.

Die Sonne hängt sich in den
Leeren Apfelbaum und stapelt tief. Ihr
Schlagschatten zerfasert sich
Ins Halbdunkel zweier Holzbeugen. Über
Allem tanzen Eintagsfliegen
Letzte Hochzeitspolkas, Hab mich lieb! flügelnd.

Ich lüge mir die Hände in die
Taschen und vergrabe meine Frühlings-
Hoffnungen. Ernüchtert schaue
Ich meiner Atemfahne hinterher und stelle die
Falschen Fragen auf die richtigen
Antworten. Denn ich bin so alt wie das Jahr.

Beitrag vom 9 November, 2014 (13:45) | Autor: Walther | Rubrik: zugvögel/wind.bahnen | Beitrag drucken Beitrag drucken | (5) Kommentare


lethargisches ballett

7 November, 2014 (15:44) | | tage-bau | 4 Kommentare

ins plié geh’n sie nicht. sie schleichen. hintern raus, bauch vor. kopf runter. hinterm kuchentresen stehen sie, starren löcher. oh eine erweckung! ja bitte wie kann ich helfen? müder böser blick, hand am tortenheber. kopfschütteln, zeigefinger: am tisch bestellen.

wir schleichen, längst infiziert, zu einem tischchen. und gucken. und gucken. und sitzen. ein weiss gewandetes paar räumt das mittagsbüffett ab. klirr. schepper. schleich. fort sind sie. sonst niemand zu sehen. die gäste sitzen stumm und zappelnd vor leeren tischen. da – die küchentür! eine frau mit roter schürze schlafwandelt heraus, eine zweite folgt, kratzt sich an der schulter. sie schauen auf den maschsee hinaus. eine schwarz gewandete geht durch die terrassentür und bleibt verschwunden.

ein mann springt auf von seinem stuhl und geht nach vorn. schwingt die hände, gestikuliert, zeigt. wir erschrecken. wer wird denn so wild sein? die rotbeschürzte nickt, geht weg. die zweite trägt ein einsames zuckerstreuerlein irgendwohin. stellt sich vor den tresen und starrt wieder löcher.

ich winke, langsam, bedeutsam. sie setzt sich in bewegung, starrt über uns hinweg, geht an uns vorbei, wer weiss wohin. da gruselts uns, nackte angst lässt uns die sachen raffen und davon gehen. womöglich sind wir in gefahr, in eine dornröschen-endlosschleife zu geraten. dann lieber weg. wer braucht schon einen kaffee. gar einen kuchen. sowieso nicht gesund.

Beitrag vom 7 November, 2014 (15:44) | Autor: Sylvia Hagenbach | Rubrik: tage-bau | Beitrag drucken Beitrag drucken | (4) Kommentare


perfect day

6 November, 2014 (20:54) | | tage-bau | 2 Kommentare

es saßen die jungs so da. es gab nichts als diesen tag. der bus war verspätet, das schenkte zeit. sie zeigten sich dinge auf displays und lachten. sie tippten und schoben die bilder voran, schnell. guck den film, hast du schon? zeig mal den noch mal… eine schönheit ging vorbei auf high-heels, bello an der funkelnden leine, sie schmiss die haare nach hinten mit lauernden augen. kein blick, die daumen flitzten, die köpfe ruckten kniggernd rauf und runter. zeig mal guck mal. es fuhren die autos vorbei aus Holland aus Deutschland aus Dänemark. am himmel die weissen spuren der flugzeuge kreuz und quer. ein coffee to go duftete, gehalten von einer schmutzigen hand. ein kind warf sein kuscheltier aus der karre, drei leute bückten sich. an der hauswand flammten blätter auf über blauen beeren. hier guck mal den. der bus hielt, sie stiegen ein, mit gesenkten köpfen. die daumen flitzten.

Beitrag vom 6 November, 2014 (20:54) | Autor: Sylvia Hagenbach | Rubrik: tage-bau | Beitrag drucken Beitrag drucken | (2) Kommentare


Was für ein Traum

6 November, 2014 (16:49) | | tage-bau | 2 Kommentare

Vor meinen Augen strudelt die Ostsee in ein tiefes Loch.
Bald ist kein Wasser mehr da. Der schlammige Meeresgrund in großer Tiefe.
Das Meer strömt in das Bohrloch für ein Windrad.
Darunter befindet sich wohl ein Riesenraum.
Doch als ich erwache, ist alles wie vorher.

Beitrag vom 6 November, 2014 (16:49) | Autor: Hartmut Sörgel | Rubrik: tage-bau | Beitrag drucken Beitrag drucken | (2) Kommentare


in einem brunnen

4 November, 2014 (14:41) | | tage-bau | 3 Kommentare

oktober november 14 164

blätter im brunnen sie liegen und leuchten über ihnen die zweige sie winken hinab denen, die sie los gelassen, ganz leicht gelassen fielen sie liegen am grund. wasser spiegelt den himmel, in dem sie gestern noch lebten mit vögeln und mücken, dem wind und dem blau. morgen oder bald kommt der frost.

Beitrag vom 4 November, 2014 (14:41) | Autor: Sylvia Hagenbach | Rubrik: tage-bau | Beitrag drucken Beitrag drucken | (3) Kommentare


Altweibersommer am Fuß der Alb

14 Oktober, 2014 (13:24) | | netz@uge.nblick, terra/adern/fluss.linien | 2 Kommentare

Welcher blaue Himmel hat sich so gemalt?
Krähen streiten mit dem Roten Milan, schreien.
Wolken schämen sich und bilden kleine Reihen,
Und die Sonne ist in guter Stimmung, strahlt

Heiter, so als wäre dieses Dasein Lachen,
Freude pur. Die Krähen stoßen hoch und nieder.
Dort, ein Schmetterling am fast verblühten Flieder,
Spielt noch Sommer. Ich pack meine sieben Sachen,

Schnür die Siebenmeilenstiefel: Raum gewinnen,
Will mich rasch noch ändern und mich neu besinnen.

Beitrag vom 14 Oktober, 2014 (13:24) | Autor: Walther | Rubrik: netz@uge.nblick, terra/adern/fluss.linien | Beitrag drucken Beitrag drucken | (2) Kommentare


tiergarten

12 Oktober, 2014 (11:18) | | tage-bau | 8 Kommentare

markt und so 018_bearbeitet-1

im tiergarten war es still an diesem tag. nur wenige menschen waren auf den wegen unterwegs. gut konnte man das trockene “klack” vernehmen, wenn wieder ein kastanienbaum seine stachligen früchte frei liess. man sah aber schon die vielen kleinen zelte und pavillons für das große fest am nächsten tag. den tag, an dem die kinder belohnt würden für das fleissige sammeln von kastanien und eicheln. damit die tiere immer was gutes zu essen haben im winter sagte ein vater zu seiner tochter. sie standen beide vor dem hirschgatter. fern sah man die herde liegen. auf einer schautafel studierten die beiden die namen, die den hirschen je nach stand ihres geweihes von den menschen verliehen wurden: das ist ein spießer. guck, da hinten ist einer, der hat nur so kleine hörner. da sind noch keine zacken dran. das ist ein … und das ist ein… das ist ein achtender. das ist ein… so erzählten sie sich und deuteten jeweils auf die herde.
weisst du, sagte der vater, wenn du mal wieder bei opa im harz bist, dann könnt ihr ja mal in den wald gehen. zur hirschbrunft. da hört man wie die hirsche laut rufen. hijjjoooo, seufzte die tochter. sie unterhielten sich weiter und weiter über dies und das. der vater fragte: so, wollen wir jetzt mal zu den wildschweinen gehen? hijjjoooo sagte die kleine. und dann gehen wir auch mal zu oppa kalle und hören, wie der hirsch bumst. hirschbrrrunst heisst das sagte der vater. hirschbrrrrrunst sagte das kind.

Beitrag vom 12 Oktober, 2014 (11:18) | Autor: Sylvia Hagenbach | Rubrik: tage-bau | Beitrag drucken Beitrag drucken | (8) Kommentare


es ist vorbei, bye bye

7 Oktober, 2014 (20:56) | | tage-bau | Kommentieren

nu isses so:
da liegen krosse blätter jetzt, wo gestern tische und stühle standen. saßen da große leute und rührten in ihrem cappucino, saßen da kleine leute und bohrten ihre zungen in die rieseneisbollen. nebenan rollten die boulekugeln, manchmal hörte man sie aneinanderklickern. die sonne hatte ganztägig geöffnet, die platanen schälten sich aus ihrer haut mit einem feinen rascheln. so italienisch, so französisch gab er sich den sommer über, der platz. jetzt rauscht der regen, die leute eilen, gesenkte köpfe, schirmparaden, fast unbemerkt gespiegelt in pfützen und pflasterglanz. im sandkasten steht eine blaue schaufel, dem klohäuschen tropft das dach. im wichtigsten beliebtesten sommerladen hängen gardinen vor den scheiben. und ein schild: wir bedanken uns bei unserer kundschaft für den schönen sommer und freuen uns auf ein wiedersehen im nächsten jahr! die lustigen italiener sind weg. jetzt wird es ernst.

Beitrag vom 7 Oktober, 2014 (20:56) | Autor: Sylvia Hagenbach | Rubrik: tage-bau | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Jetzt muss man zitieren

7 Oktober, 2014 (14:05) | | tage-bau | 2 Kommentare

– In memoriam Siegfried Lenz –

Du gabst uns eine Stunde Deutsch, und wir verstanden.
Das Leben ist viel mehr, als einfach nur zu leben.
Wir sind es selbst, die die Geschichten erbend weben.
Was gestern war, das dauert und kommt nicht abhanden.

Wenn, mit dem Zug der Vögel, wir über Polen schweben,
Dann finden wir das Haaf und die Masuren, stranden
Und sandeln an der Ostsee, wo die Körbe standen,
Als alles anders war, noch vor dem großen Beben,

Das durch Europa tobte, tausend Jahre brannte,
Als, was den falschen Glauben hatte, waidwund rannte,
Um dann in Öfen Leib und Namen zu verlieren.

Da stand sie, Deine Wiege, als man noch nicht kannte,
Das, was dann kam und das man später Shoah nannte.
Du hast noch selbst berichtet. Jetzt muss man zitieren.

Beitrag vom 7 Oktober, 2014 (14:05) | Autor: Walther | Rubrik: tage-bau | Beitrag drucken Beitrag drucken | (2) Kommentare


Lapidares Geständnis eines Versagers

20 September, 2014 (15:35) | | alptraum/ego.wunde | Kommentieren

Ich wär so gerne die Erinnerung
Von einem Menschen, der ich lieber wäre.
Dann wäre ich ein toller Mensch, ein lieber.
Und nicht so einer, der nur öde nervt.

Ich lebe tief in der Verbitterung,
Nicht der zu sein – verdrücke eine Zähre -,
Der ich gern wär. Es brennt ein Seelenfieber:
Ich zücke Messer, alle frisch geschärft,

Um mich vom Leben in den Tod zu bringen.
Doch ich bin einer, der nichts ist, nichts kann:
Es bleibt bei dem Versuch. Ein kleines Ritzen,

Kaum tropft mein Blut, hör ich die Englein singen.
Ich bin ein Schwächling und kein echter Mann –
Ich kann mir nicht einmal den Hals aufschlitzen!

Beitrag vom 20 September, 2014 (15:35) | Autor: Walther | Rubrik: alptraum/ego.wunde | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


dem laub im herbste fällt die frucht

19 September, 2014 (00:24) | | herz & lenden | 1 Kommentar

„dass er meines angesichtes hülfe und mein GOtt ist“

wir sind so grau, mein bruder, an den föhren
und dürrem laub, wo fällt im herbst die frucht,
dass wir dem immergrünen werden schwören:
kein blatt sei uns, es sei denn auf der flucht.

ach, bruder, spürtest du mein so verwehen,
und sahst mich aus dem reifen hinverschwinden,
als wäre solcher blüte ihr vergehen
beschrieben wie das knospen am beginnen.

ich aber schlafe nochmal ein und träume
von bächen ungestüm gesalz’ner zähren –
ich irre durch die selbst gepflanzten bäume,

denn ich auch weinte ohne unterlass
und würd’ doch artig mich mit weib vermählen,
dass ich mit jenem tode mich befass’.

(für h.t.)

(ögyr liest’s – musik aus: j.s.bach, cantata „ich hatte viel bekümmernis“, bwv 21, la chapelle royale & collegium vocale gent, ltg.: philippe herreweghe)

Beitrag vom 19 September, 2014 (00:24) | Autor: Jörg Meyer (oegyr) | Rubrik: herz & lenden | Beitrag drucken Beitrag drucken | (1) Kommentar


Meine Welt in meiner Hand

29 August, 2014 (18:27) | | labyrinth/wort.gewebt., netz@uge.nblick | 2 Kommentare

Die Tage sind wie kleine feine Lichter:
Am Morgen knippst sie jemand an und abends
Knippst sie ein anderer ganz einfach aus.
Ich halte meine Welt in meiner Hand,

Bewundere sie jeden Tag aufs Neue.
Die Nacht hüllt alles ein, als müsste sie
Verbergen, was am Tag geschah, als wäre
Ein sanftes Ruhekissen angebracht.

Die Tage sind mal dunkler und mal heller:
Ich fühle, wie die Kriege Nadeln setzen,
Und spüre, wie der Sturm die Meere peitscht.

Ich sehe, dass nichts gut ist, wie es ist,
Doch sie muss weiterdrehen, meine Welt,
Damit ein Tag zum Licht der Erde werde.

Beitrag vom 29 August, 2014 (18:27) | Autor: Walther | Rubrik: labyrinth/wort.gewebt., netz@uge.nblick | Beitrag drucken Beitrag drucken | (2) Kommentare


neue bedulichkeit

28 August, 2014 (07:36) | | tage-bau | 3 Kommentare

009

derzeit ists etwas mühselig in der innenstadt.
flinke besorgungen scheitern an fröhlich
aufgedrehten jungen leuten, die dich flugs
am ärmel packen und dir schmeichelhaftes
zujuchzen: du siehst aber toll aus, was für
eine schöne kette jacke hose, ja schöööön!
und das wetter ist auch so schööööön, nicht
wahr, darf ich dir kurz etwas gaaaanz wichtiges
vorstellen. die dialekte bewegen sich zwischen
bayrisch, hessisch, wasserkantisch, die bayrische
betatschung ist am nachdrücklichsten. schnell
bewegst du deine schulter, murmelst, na, nun
lassen sie das mal, was soll denn das? und
dann dozieren sie über tierschutz, kinderschutz,
möhrenschutz, ah, alles wichtige wichtige dinge.
du murmelst, dass du schon das eine oder andere
projekt regelmäßig, tatsch, aber duuuu, lass mich
dir doch erklären. nein danke, sage ich, haben sie
mich nicht verstanden? tatsch, aber weisst du,
es ist besonders wichtig… rhaba rhaba rhabarber.
ich weiss nicht, wer die schult. mit dem müsst man
dringend ein wörtlein sprechen, dudu!

Beitrag vom 28 August, 2014 (07:36) | Autor: Sylvia Hagenbach | Rubrik: tage-bau | Beitrag drucken Beitrag drucken | (3) Kommentare


Fluchtversuch

21 August, 2014 (06:58) | | lug & trug | Kommentieren

Da reimte einer aus dem vollen Müllcontainer,
Versatz an Stück. Banal an gestrig. Maus an tot.
Man las das Teil und hatte seine liebe Not.
Doch der, der dachte ooch noch: So wie ick kann’s keener.

Nun ist die Täuschung seiner Selbst beliebte Praxis:
Das können Dichter schon seit Gilgamesch perfekt.
Sehr selten bleibt die Chuzpe leider unentdeckt.
Und man ist irreschnell der Dümmste der Galaxis.

Am Ende rettet ihn der Brustton rechten Glaubens,
Der sich mit Mord und Todschlag immer gerne paart;
Sie sind, gleich nach dem Kuss, die Form des Atemraubens,

Die jedes Wort erstickt und allen Widerspruch.
Am besten dran ist der, der Jünger um sich schart:
So reduziert sich die Kritik zum Fluchtversuch.

Beitrag vom 21 August, 2014 (06:58) | Autor: Walther | Rubrik: lug & trug | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


augustmorgen

17 August, 2014 (17:25) | | tage-bau | 1 Kommentar

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an diesem verhangenen augustmorgen fand ich nicht

aus dem bett. ich wurde von einem buch verschlungen,

später ausgespien und tief in die kissen gedrückt.

nichts regte sich, fast vorwurfsvoll standen die vorhänge

starr vor dem fenster. was habe ich hier verloren?

da ich es nicht wusste, suchte ich lange. und fand:

ein paar krakelige spinnenbeinhafte zeichen zwischen

den laken, ein paar wortbrocken, schon ganz zerbröselt, einen zahn,

einen zeigefinger. und ganz unten, in der hintersten ecke,

einen feinen kleinen alp, der aus dem buch gefallen war.

das buch hieß “Dichter erzählen ihre Träume”.

Beitrag vom 17 August, 2014 (17:25) | Autor: Sylvia Hagenbach | Rubrik: tage-bau | Beitrag drucken Beitrag drucken | (1) Kommentar


das auge in der yuccapalme

12 August, 2014 (19:21) | | tage-bau | 2 Kommentare

der urwald ist aus unserer küche verschwunden. wochenlang besetzten ficus benjamini

und yucca viel raum dort. alle anderen zimmerpflanzen sind in den hinterhof gewandert

(selbstverständlich geschah das wandern mit unseren beinen, 3 Etagen runter, jaja).

nur die beiden mit ihren riesenausmaßen durften in die küche ziehen während der immer

noch andauernden intensivrenovierung. jedes mal, wenn man in die küche schnell

mal reinhuschen wollte, kriegte man eins gewischt von Yucca, weil mans einfach nicht

gewohnt ist, dass in der küche ein urwald wohnt. nun sind sie zurück an ihrem platz und

räkeln sich und breiten sich, dass es eine pracht ist. in der küche wirkt jetzt der maler.

er hat noch nicht gepiekt. deshalb bring ich ihm jetzt einen kaffee…

Beitrag vom 12 August, 2014 (19:21) | Autor: Sylvia Hagenbach | Rubrik: tage-bau | Beitrag drucken Beitrag drucken | (2) Kommentare


Die schwer mut geht auf keine reise

7 August, 2014 (17:35) | | ego.t/error.welt, haut.falten/masken.wahn | Kommentieren

Die schwer mut geht auf keine reise
ihr gehen ist ein kommen wie
osmose sie pflanzt sich fort um
schlingt sie verschlingt isst auf
er drückt

Sonne mond und sterne die ferne
ist so nah – wie die weite fern ist!

Sprich nicht weil du dir wider sprechen
wirst du wirst wieder sprechen – wie
du schweigst!

Der leicht mut ist die schwere ab
handen gekommen das enttäuscht
es täuscht weil gewohnheiten
wohnung nehmen sie wohnen ab
sitzen

Am tisch auf dem kanapee dem
klo in der küche der bade wanne

Der dusche wenn kaltes wasser
rinnt ein hüllt warm geduscht wird
panik

Weich gespült wird – runter gespült
wird gewaschen wird weg ge
waschen wird bis die haut rot ist –
die schwermut bleibt der mut geht,
bleibt fort.

Beitrag vom 7 August, 2014 (17:35) | Autor: Walther | Rubrik: ego.t/error.welt, haut.falten/masken.wahn | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


cape carnaval

6 August, 2014 (07:59) | | rausch (zustände) | Kommentieren

„Blackbird singing in the dead of night / Take these broken wings and learn to fly“ (The Beatles)

ich hab’ ein gefühl wie cape can-ever-al(l) in den sixties,
aufbrechen müssend to the final frontier. gepresst aber von der tatsache der schwerkraft in den sitz,
wenn wir starten in den himmel, bislang nur mit fernröhren. ein scheitern am nicht ankommen können,
wohin ich gehöre, zu dir, weggehen also hier. kant sagt: „ich kann, weil ich will, was ich muss.“
könnt’ ich unterschreiben, wüsste ich, auf welchem papier, denn dem, das ich selber schöpfte aus der kleie der lumpen,
die ich war, vielleicht noch bin, vagantenseele, outer im inner space, inner im outer space.
dass der geist nicht weiß, was er ist und soll, ist der (ent-) täuschende fehltritt seiner schöpfung.
so singen die vögel, und wir wissen nicht, was ihr gesang bedeutet.
allein, dass er etwas bedeutet. natur kunstet nicht so füllig reich ohne hintersinn.
das ist freilich nur annahme, gleichwohl hoffnung. die, wenn ich schönheit sehe, nicht für mich (not for me),
aber gemacht ist für etwas, zumindest den prinz carnaval, singend am cape.

video.poem

Beitrag vom 6 August, 2014 (07:59) | Autor: Jörg Meyer (oegyr) | Rubrik: rausch (zustände) | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


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