Beiträge im Jahr 2011

Aus „Schlingensiepes Welt des Wunderns“ I

29 Dezember, 2011 (12:35) | | haut.falten/masken.wahn, lug & trug | Kommentieren

Schlingensiepe fühlt sich angesprochen

Schlingensiepe, Jahreswechsel,
Hat genug vom Wortgedrechsel,
Das denselben nicht verziert.
Hat ins Fernsehn reingestiert,

Sah den Präsidenten labern,
Hört die Kanzlerworte wabern,
Alles sei – und nichts! – im Lot.
Anderswo sei große Not.

Hört, heißt es, der Feind steht rechts!
Und ein Ende des Geflechts
Sitzt im Parlament und nölt,
Wenn er nicht „Heil Hitler“ grölt,

Glatzenkahl und tätowiert
Durch die teutsche Stadt marschiert.
Zahlen tun ihn die Organe,
Die er vor dem Anschlag mahne,

Den er selbst auch gleich vollführt!
Braune Scheiße angerührt
Mit den Steuern braver Bürger:
Staatssalär für Freiheitswürger!

Oder links als Feuerteufel,
Limousinen, Drecksgehäufel,
Alles brennt schön angezündet
Und mit Missgunst gut begründet.

Auch die Deutsche Bundesbahn
Schwelgt im Milliardenwahn,
Drum darf man mit ein paar Bomben
In den dunklen Katakomben

Leitungsschäden provozieren:
Kommunisten gehn spazieren,
Wenn der Scheißkapitalist
Einsam bei der Arbeit ist!

Oder radikal islamisch
Und im Hirn ein bisserl damisch
Liebt man sehr das Explodieren
Und das laute Ausradieren

Aller, die was Falsches glauben
Und die ganzen Jungfrau’n rauben,
Dass im schönen Paradies
Keine einz“ge übrig is“!

Liebe Leute, jetzt seid friedlich,
Macht es Euch zuhaus gemütlich
Während wir für Euch regieren,
Wird dies Jahr nichts mehr passieren,

Denn, was drängt, das wird verdrängt,
Ausgesessen und behängt
Weihnachtlich mit Lichterketten.
Und Ihr fresst das, woll’n wir wetten?

Schlingensiepe hat’s gerochen,
Fühlt sich nicht mehr angesprochen.
Er zippt weiter im Kanal.
Weihnachtsmärchen, ganz banal:

Auf die Nuss geht das Salbadern,
Und er möchte nicht mehr hadern
Mit dem Schlechten auf der Welt.
Nachrichten sind abgestellt.

Unterm Baum gibt’s Weihnachtslieder
Alle Jahre immer wieder.
Not ist ihm jetzt schnurz wie Piepe.
Wir sind alle Schlingensiepe!

Beitrag vom 29 Dezember, 2011 (12:35) | Autor: Walther | Rubrik: haut.falten/masken.wahn, lug & trug | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Weihnachten – Besinnung, Rückblick und Aussicht

25 Dezember, 2011 (16:27) | | tage-bau | 3 Kommentare

Weihnachten ist für mich über die bloße religiöse Bedeutung hinaus immer auch ein tagelanger Moment der Besinnung. Entgegen der allgemein üblichen Verhaltensweise gehe ich in mich und nicht unter die Familie.

Ich möchte mich recht herzlich bei allen Tage(auf)bauern für all die Jahre bei Euch und unter Euch bedanken.

Ich kann mich noch erinnern, wie glücklich ich war, als ich im Januar 2001 von Euch aufgenommen wurde. Eine Gemeinschaft der Schreibenden mit Themen so bunt wie ein Schottenrock. Und ich durfte dazu gehören.

Mein Schreiben war fortan nicht nur von Themen, sondern auch von meiner persönlichen Befindlichkeit getragen. Das konnte ich immer nie ganz trennen. Womöglich gab es die eine oder den anderen, die mit mir oder an meinen Texten litten. Schreiben war für mich immer auch Bewältigung. Nie kam jemand und hat einen dicken Punkt – vor meinen Schreibstil oder meine Thematiken – gesetzt. Immer war da Respekt vor dem anderen im Spiel. Das schätze ich bis heute am tage-bau und den Menschen, die ihn tragen und ausmachen…

Und immer war ich als Schreibender auf der Suche…. Wer weiss, wohin mich diese Reise noch führen wird. Das aktuelle Projekt von Johntext „Give a HELPING HAND“ ist so ein Pfeiler, den ich auf dieser Suche errichtet habe. Ich hoffe, er wird manchen Menschen – und nicht nur den Schriftstellern – Schutz, Orientierung und Ansporn sein. Ansporn, Mitmenschen mit dem Mittel des Wortes zu helfen.
Was ist das Sandkorn in der Wüste? Für alle Zeiten ein Sandkorn. Erst als Werkzeug hat es eine Aufgabe, ein Ziel, eine Bestimmung. Nimmt sich der Wind seiner an, so begibt es sich auf eine Reise. Nimmt sich das Wasser seiner an, so stellt es sich als Samen heraus und wird zur Pflanze. Kommt es in ein Getriebe, so kann es bremsen, Entwicklungen steuern.
Ähnliches kann für Worte gelten. Alleine ihre Existenz bewirkt nichts. Auf die Zusammenhänge kommt es an.

Für meine schriftstellerische Weiterentwicklung im letzten Jahr geht mein Dank an Axel Poldner. Es ist mir, als wäre da ein Mensch in mein Leben getreten und hätte durch seine Gegenwart mir Ruhe und Richtung beim Schreiben gegeben.

Ich fühle Ruhe und Kraft in mir. Die Ruhe und Kraft, die Axel Poldner schon vor mir vielen anderen Autoren für ihr Werk vermittelt und gegeben hat.

So macht also bitte hier beim Tage-bau weiter und stellt die Worte in Zusammenhänge und adaptiert diese Zusammenhänge mit Wohlwollen und Kritik in Euer Leben.
Was wären die Worte hier ohne Euch, liebe Tagebau -Freunde und -Leser.

Euer Hans-Jürgen John

Beitrag vom 25 Dezember, 2011 (16:27) | Autor: Hans Juergen John | Rubrik: tage-bau | Beitrag drucken Beitrag drucken | (3) Kommentare


frohe weihnachten

24 Dezember, 2011 (15:21) | | tage-bau | 1 Kommentar

das wünsche ich uns allen!

Beitrag vom 24 Dezember, 2011 (15:21) | Autor: Sylvia Hagenbach | Rubrik: tage-bau | Beitrag drucken Beitrag drucken | (1) Kommentar


die weihe suchte sich die eine nacht

20 Dezember, 2011 (13:03) | | netz@uge.nblick | Kommentieren

die weihe suchte sich die eine nacht
der sie sich als ein wesensteil verleihe
dass man das unverzeihliche verzeihe
indem der tod zum leben wird vollbracht

die sterngeburt aus schwerem tiefem schwarz
erschafft sich aus den endlos weiten reisen
von morgen- hin zu abendland der weisen
die überschauert vom plejadenharz

das kind hier wiederfinden unverbraucht
und rein weil schuld zu tilgen ist und heilen
nur der kann dessen zorn noch heilig ist

der schober glüht in helles licht getaucht
man sieht sinds engel schafe hirten eilen
weils plötzlich eben furchtbar eilig ist

Beitrag vom 20 Dezember, 2011 (13:03) | Autor: Walther | Rubrik: netz@uge.nblick | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


das gewagte jahr

19 Dezember, 2011 (08:42) | | herz & lenden | 1 Kommentar

das jahr, es war kein gutes nicht
und doch das beste uns’res seins:
indem wir lernten, welch‘ gewicht
es dem hat, welcher hatte dies statt keins.

der beste tag in uns’rem leben,
selbst wenn er traurig war und krank,
ist der, der eben erst gewesen,
nicht einem nächsten morgen erst entlang.

dies ahnt, wer schlimmes jahr
nach and“ren schlimm’ren zugebracht,
wer sagte zu dem nein ein wieder ja
und hoffte auf den tag nach nacht –

und dass die jahre sind ein kreis,
der anfang nicht, noch ende hat.
wer solches hofft nicht nur, doch weiß,
wird nicht verzweifeln – denn er wagt!

Beitrag vom 19 Dezember, 2011 (08:42) | Autor: Jörg Meyer (oegyr) | Rubrik: herz & lenden | Beitrag drucken Beitrag drucken | (1) Kommentar


Weltwort

11 Dezember, 2011 (19:45) | | haut.falten/masken.wahn, lug & trug | Kommentieren

Es sprach aus ferner Zeit sich mir ein Wort
Ins Ohr und wollte erst mal länger bleiben;
Es bat mich, dies und es hier zu beschreiben,
Und sagte sich dahin, als flög es fort

Und käm nie mehr zurück an jenen Ort
Des ersten Kennenlernens. Welches Treiben
Durchfließt den Wintermorgen: Augenreiben,
Ein müdes Dehnen, Weihnachtstage, Mord

Am In-sich-Ruhen, Zu-sich-Finden, und
Den Hauch von Nebelatem blasen Winde
So schnell hinweg wie Phrasen meinen Mund

Verlassen. Ob ich’s jemals wiederfinde,
Das eine Wort, das Welten ganz macht, rund:
Es drückte aus, was nicht nur ich empfinde.

Beitrag vom 11 Dezember, 2011 (19:45) | Autor: Walther | Rubrik: haut.falten/masken.wahn, lug & trug | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


accompagnato

6 Dezember, 2011 (09:54) | | haut.falten/masken.wahn | Kommentieren

egal, wenn die ebenen
mühsamer sind als die gebirge,
die stürze überm abgrund,

schwebend, schwere-
losgebunden von den waagerechten
und also aufrecht

gehend, versbeferster achill.
überhaupt antike, stille säulen,
springquell, gebreitete blüten …

gegennebenan, wenn die gebirge
leichter sind als die ebenen
und stürmen aus dem wesensrund.

video.poem

Beitrag vom 6 Dezember, 2011 (09:54) | Autor: Jörg Meyer (oegyr) | Rubrik: haut.falten/masken.wahn | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Gefangen gegangen

3 Dezember, 2011 (17:50) | | beautiful people | Kommentieren

Zum Tod von Christa Wolf

Du trafst auf Himmel, die sich einfach teilten;
Die Trauermauer ohne Dauer sprach
Sich in den Wind der Liebe, sagte: Ach,
Du Schönster, geh jetzt nicht! Und es enteilten

Die schwarzen Vögel zweifach nicht, sie blieben,
Verdeckten Himmel und verhießen Nacht:
Du hieltest Wacht. Du schriebst von kalter Macht.
Du hießt uns lachen und das Dennoch lieben.

Es ist ein kurzer Glanz durchs Land gegangen,
Momente jenseits Gier- und Neidverlangen:
Ein heller Strahl im drögen Einheitsgrau.

Du hast zum Abschied nochmals kurz gewunken,
Schon ist der letzte Vorhang leis gesunken.
Wie’s weitergeht, sag, wusstest Du’s genau?

Beitrag vom 3 Dezember, 2011 (17:50) | Autor: Walther | Rubrik: beautiful people | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


es bleibt nicht, wie es ist

2 Dezember, 2011 (08:56) | | beautiful people | Kommentieren

nur wer bleibt, schreibt,
denn wie es bleibt,
ist es nicht,

ach, margarete, gretchen
am spinnrade der staaten
und sand in deren getriebe.

indem der himmel
ein geteilter ist,
teilt er sich mit

auf erden, der himmel,
irden ersehnter und also
bezweifelt zweigeteilt.

kassandra, nun bist du verstummt
und singst doch in mir
von meinem land nirgends: der DDR.

für christa w.

Beitrag vom 2 Dezember, 2011 (08:56) | Autor: Jörg Meyer (oegyr) | Rubrik: beautiful people | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Lorbeerkranz

25 November, 2011 (15:42) | | lug & trug | Kommentieren

Ich winde Dir den Lorbeerkranz ums Haupt
Und wünsche Dich damit bis in die Hölle.
Der Ritterorden brenn Dir ins Gewölle
Der Heldenbrust: Du hast den Ruhm geraubt

Aus fremden Leben, und ein Denkmal hast
Du drauf errichtet, um zu überstrahlen,
Die dunklen Punkte hell zu übermalen:
Nicht nur für mich warst Du stets eine Last.

Erfolg hast Du uns Kindern selbst geneidet.
Du bist Getriebener vom Drang nach Macht,
Nach Anerkennung, hohler Größe.

Du zahlst mit Einsamkeit, die Chuzpe kleidet.
Ein jeder erntet, was er eingebracht:
Von Dir bleibt nichts als Dein Getöse.

Beitrag vom 25 November, 2011 (15:42) | Autor: Walther | Rubrik: lug & trug | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


nebulae|kleist

23 November, 2011 (08:01) | | alptraum/ego.wunde | Kommentieren

die vorweggenommene haft
im gedicht. den schrei verstummt
in die wand geritzt.

das trunkene von liebes wegen,
pavillons aus erahnter asche.
die felder des öls, gesalbter, sowjetunion,

und die gitter, verlassene,
ein wahnsinn geplant und
aufschauend, wie wir erziehen

an dem einen strang
gemeinsam zum tode
die erröteten;

erhörend aus uns den letzten
gesang, spürend die tränen
auf den verschwitzten stirnen.

video.poem

Beitrag vom 23 November, 2011 (08:01) | Autor: Jörg Meyer (oegyr) | Rubrik: alptraum/ego.wunde | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Ich ein Traum?

22 November, 2011 (23:46) | | tage-bau | Kommentieren

 
Schwimmen durch die Zeit
auch wenn eiskalt
und bis zum andern Ufer
im Nebel unerreichbar weit
Ich weiß
Ich mache dir was weiß
Ich bin ein Mensch
im unsichtbaren Raum
und ein Traum

Beitrag vom 22 November, 2011 (23:46) | Autor: Hartmut Sörgel | Rubrik: tage-bau | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Da war in mir ein kleines Fremdeln

18 November, 2011 (18:37) | | blut.bahnen/rauschen | Kommentieren

Da war in mir ein kleines Fremdeln, das
Umfasste fest mein Herz: Ums auszukühlen
Und tief in allen Kammern aufzuwühlen,
Was darin ruhte; dies und das, kein Spaß

Fraß in den Kapillaren seiner Kränze.
Der Muskel wehrte sich, denn ein Infarkt,
Er kam nicht einfach plötzlich: Aufgeharkt
Zertrat Erinnerung die feine Grenze

Vor der Verästelung der alten Sünden,
In die das Strömen floss, um zu ergründen,
Was abgelagert war für lange Zeit,

Um schrecklich in Erwachen einzumünden.
Es wird in mir wie eine Bombe zünden.
Ich denke an mein Ende. Ob’s befreit?

Beitrag vom 18 November, 2011 (18:37) | Autor: Walther | Rubrik: blut.bahnen/rauschen | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


kurzwelle

18 November, 2011 (05:09) | | labyrinth/wort.gewebt. | 2 Kommentare

mein schreib- und hustgeräusch an
sprache, hastig wie AMENausatmen,
im lauf, in stimme
und choral, der uns gesungen.

mein harsches hasten durch den TEXT,
sündig der ERLÖSUNG entgegen
gewandet, SPRECHEN am grab,
den toten unter irdischem,

ein wispern, und schüchtern
die sprache am eck der
kurzen welle, verzerrte
verzehrte nach dir, OH! gesang

der jünger unter dem kreuz,
deine gewänder teilend
unter den soldaten, dich
und dein lied auf den schamLIPPEN.

KLANG

(material: stockhausen: „stimmung“, bootleg, kiel, 111117; kurzwelle, nacht, überreichweitende stratosphäre, daher bach, johannespassion; ögyr liest @ iphone)

Beitrag vom 18 November, 2011 (05:09) | Autor: Jörg Meyer (oegyr) | Rubrik: labyrinth/wort.gewebt. | Beitrag drucken Beitrag drucken | (2) Kommentare


beschämender

12 November, 2011 (17:43) | | lug & trug | Kommentieren

es gibt die sprechenden & die die
sehen könnten wenn sie hören wollten
vor aller augen was zum greifen nah ist
will nicht immer begriffen werden

nah sein dem kern des sinns beschreiben
was ein leeres blatt langsam anfüllt bis zu
den rändern des unerhörten & des
unausprechlichen orakel & sagen waren

es die vermittelten was unverstanden
beispiel gaben dem unerklärlichen berge
versetzen & brücken abteuften
behausungen mit luftschlössern ummauerten

ja wenn sie hörten als sie blind waren
wenn sie schwiegen als der eine sprach
der wissen durfte wären da die antworten
beschämender gewesen als sie es sind

Beitrag vom 12 November, 2011 (17:43) | Autor: Walther | Rubrik: lug & trug | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


11.11.11

11 November, 2011 (11:00) | | tage-bau | Kommentieren

11.11.11

Eben beim Bäcker
Ich kaufe Brot und Brötchen
5 â?¬ 55 sagt die Verkäuferin
Ich: Das passt ja zum 11.11.
Sie: Ja, 11 Uhr 11
Darauf sollten wir einen trinken
Sie schaut zur Uhr
Oh, noch nicht ganz so weit

Beitrag vom 11 November, 2011 (11:00) | Autor: Hartmut Sörgel | Rubrik: tage-bau | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Auszug aus ‚Weihnachtliches Wunder‘

10 November, 2011 (14:54) | | tage-bau | 2 Kommentare

Fremdartige Geräusche drängten sich in sein Bewusstsein. Träumte er noch? Nein! Er schreckte hoch. Das Quietschen der Eingangstür hallte durch die leeren Räume. Das klang gespenstisch. Spukte es hier? Erylan setzte sich auf und rieb sich das Gesicht. Die restliche Glut im Kamin leuchtete sacht. Von draußen fiel nur das wolkenverhangene Mondlicht ins Zimmer.
„Das ist also alles, was mir geblieben ist!“, seufzte eine dunkle Männerstimme.
Geister benutzten keine Türen, sie gingen durch die Wand und Selbstgespräche führten sie wahrscheinlich auch nicht. Vor seinem geistigen Auge sah Erylan das Kloster, den Mann mit seiner Kutsche, seinen eiskalten Blick. Er musste fliehen!
Sofort! Als er aufstand, spürte er schmerzlich seine wunden Fußsohlen. Halb hinkend, halb rennend verließ er durch die hintere Tür, die knarrte, sein warmes Zimmer.
„Wer ist da?“, forderte die Männerstimme im energischen Ton. Auf diesem hinteren Flur, der unter der großen Treppe, die nach oben führte, lag, war die Finsternis so mächtig, dass Erylan die Luft wegblieb. Hier hinten konnte man nicht mal die eigene Hand vor Augen sehen. Keinen einzigen Schritt traute er sich weiter zu gehen. Zurück konnte er aber auch nicht.
„Sprecht! Wer seid Ihr?“
Erylan klopfte das Herz bis zum Hals, sein Atem war flach und seine Hände fühlten sich feucht an. Langsam drehte er den Kopf zur Seite und schaute zurück. Im Türrahmen zu jenem Zimmer erkannte er die Silhouette eines groß gewachsenen Mannes. An dieser Gestalt gab es kein Vorbeikommen. Ihm blieb nur die Flucht weiter in die Dunkelheit. Am Ende des Flures gab es drei Türen, dies wusste er. Plötzlich war sein Kopf leer. Ihm wollte es nicht einfallen, wie die Zimmer angelegt waren, wie er dieses Haus verlassen konnte, ohne dem Fremden in die Arme zu laufen.
„So gebt Euch doch zu erkennen! Wenn Ihr eine Bleibe sucht, so wird sich etwas finden.“ Die Stimme klang freundlich, fast sympathisch.

Weihnachtliches Wunder
eine weihnachtliche Kurzgeschichte

Beitrag vom 10 November, 2011 (14:54) | Autor: Angela Planert | Rubrik: tage-bau | Beitrag drucken Beitrag drucken | (2) Kommentare


Der Schmetterling war ich

7 November, 2011 (22:05) | | tage-bau | Kommentieren

 
Gelbe Ahornblätter
Sie rascheln
fliegen auf und falten sich
Ein Schmetterling
Er flattert auf
fängt Tautropfen
von den Zweigen
hängt sie aneinander
und flötet
Wassermusik

klettert auf den Tönen
um den Mond
kratzt der Sonne
Flecken ins Gesicht
klatscht mit den Flügeln
und verschwindet
irgendwo im Nichts

Beitrag vom 7 November, 2011 (22:05) | Autor: Hartmut Sörgel | Rubrik: tage-bau | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


du bist gestalt

7 November, 2011 (19:23) | | haut.falten/masken.wahn | 2 Kommentare

du bist gestalt
du warst gestalt
du wirst / dich stets gestalten
gleich was wille ist / und können
wenn du endlich göttlich bist /
auf deiner burg
auf deinem turm
dem first // dem höchsten
den du elend niedertrittst /
im falschen glauben
den du eingeritzt / in blut und boden
und dann ausgeschwitzt /

verkaufst als neu
wie deine krone blitzt //
auf deinem haupt
so kahl und abrasiert /
was alt ist wird schnell
heimlich massakriert /
zerfasert ausgedünnt und
finissiert //

am ende hängst du schlicht
an einem strick /
der zieht dich hoch und bricht
mit einem klick /
du puppe deines spiels
dir das genick //

Beitrag vom 7 November, 2011 (19:23) | Autor: Walther | Rubrik: haut.falten/masken.wahn | Beitrag drucken Beitrag drucken | (2) Kommentare


Wieder Musik in Worten

5 November, 2011 (22:22) | | tage-bau | 2 Kommentare

Gehört und mitgeschrieben
Helmut Lachenmann Tableau


                           Der Zug bremst 
                       Schienenvogel
                 Sei ruhig ein Kegel
                                                    im Strom
                     Auf ab dämmert es
                    fällt zusammen 

                            Lange Schritte
                                 rauschen pfeifen schrill

                                Das Netz fällt
                            fällt der Mond
                                                         Hier bin ich bin
                                                                      bam
                                                            bumtriotra

                                          schreien tatschen
                       klatsch
                                          Fall hüpft Ruf
                                      schweigen krähen patschen
                        pie tru fahi truk da

                                    Letzter Klatsch
                                          schnarrt und schnappt 
                                                                                       leise

Beitrag vom 5 November, 2011 (22:22) | Autor: Hartmut Sörgel | Rubrik: tage-bau | Beitrag drucken Beitrag drucken | (2) Kommentare


Blätter

4 November, 2011 (20:52) | | tage-bau | Kommentieren

Gaststätte am Müggelsee im Herbst

 
Mit lebhaften Augen erzählt sie ihm:
Weißt du, was ich gesehen habe?
Vor mir aus dem See stieg
ein Mensch aus gelben Blättern
Er winkte
mit seinem ganzen Körper
mit allen Blättern

Er
schaut mit großen Augen
staunend
haut auf den Tisch und sagt:
Lade
den
doch
mal
ein!

Beitrag vom 4 November, 2011 (20:52) | Autor: Hartmut Sörgel | Rubrik: tage-bau | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Herbstsenryu I

1 November, 2011 (17:54) | | terra/adern/fluss.linien, zugvögel/wind.bahnen | Kommentieren

Morgens den Nebel
Von Autoscheiben wischen –
Der Tag kann kommen

Beitrag vom 1 November, 2011 (17:54) | Autor: Walther | Rubrik: terra/adern/fluss.linien, zugvögel/wind.bahnen | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Kassiber

23 Oktober, 2011 (18:55) | | herz & lenden, terra/adern/fluss.linien | Kommentieren

Der Weg ist lang, das Herz ist bang, und doch
Steht eine Rose dort am Hang in Blüte:
Das Dunkelrot – wie Blut! -, das sie bemühte,
In Frost und Nebel, fast schon Winter, noch

Zeigt sich die Sonne, wo die Hitze glühte,
Wo’s gestern nach dem Duft der Jugend roch:
Der gute Mut, fiel er nicht in ein Loch
Aus Grau und faden Schwaden? Es verblühte,

Was Farbe schenkt: Wir gehen diesen Weg,
Weil man ihn gehen muss. Der geht ihn lieber,
Der nicht in Einsamkeit versinkt, den Steg,

Der über Täler voller Schwärze führt:
Das Rosenrot erscheint so als Kassiber,
Der – heimlich übersandt – das Herz berührt.

Beitrag vom 23 Oktober, 2011 (18:55) | Autor: Walther | Rubrik: herz & lenden, terra/adern/fluss.linien | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Dead and shut

18 Oktober, 2011 (14:49) | | beautiful people, haut.falten/masken.wahn, lug & trug | Kommentieren

A hamm“ring bolted me and made me shiver,
There was an anger in my heart so cruel:
A fire could be started without fuel.
Destruction was the produce to deliver!

You played your cards and played them pretty cool.
The words you said had made me shake and quiver,
My soul was full in turmoil like a river
That rallied after snowmelt with no rule

And swallowed all the landscape in its ride!
I looked in icy eyes so dark of treason
Which were a mirror to your steely pride

And asked for arguments and reason
For what you did to me that stirred my blood
And made me wish these eyes were dead and shut.

Beitrag vom 18 Oktober, 2011 (14:49) | Autor: Walther | Rubrik: beautiful people, haut.falten/masken.wahn, lug & trug | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


pavane

18 Oktober, 2011 (11:48) | | haut.falten/masken.wahn | Kommentieren

„voi che sapete che cosa è amor“ (aria di cherubino, mozart, „le nozze di figaro“)

was ist’s? gefühl, das dir verwandt, dem engel,
rotbäckchen, das die sehnsucht dir geschminkt,
und macht ein trautes weibchen aus dem bengel,
dem scherzend ferne aus der nähe winkt?

was wär’s, wenn männchen lieben wie die frauen –
dieselben noch viel mehr? und sinken hin
ins knien halb gezwungen, und die klauen
verstummt gestumpft der liebsten schielerin,

die sieht ihn silbern an aus ihren augen,
die gold ihm scheinen in den finsternissen.
denn deren licht ergibt er sich, vertrauten,

den süßen liedern, sich darin zu finden,
verloren sie so sehr und ins vermissen,
in ihren schmerz doch seine lieb‘ zu winden.

video.poem

Beitrag vom 18 Oktober, 2011 (11:48) | Autor: Jörg Meyer (oegyr) | Rubrik: haut.falten/masken.wahn | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Schlierenzierde

16 Oktober, 2011 (18:54) | | zugvögel/wind.bahnen | Kommentieren

Die Nebel nehmen morgens überhand,
Und feine Tröpfchen legen nackt und bloß,
Wo Feuchte gerne kriecht und liegt. Wie groß
Die Schatten werden, misst noch unerkannt

Der Winter, und er scheint dabei zu lächeln.
Die Sonne müht sich, ohne zu gewinnen:
Aus Morgendunst will fahl ein Baum gerinnen,
Den Schwaden ohne festes Ziel umfächeln.

Die Fenster trüben ein, und eine Schwere
Legt sich wie eine zweite Schicht um das,
Was gestern reines Leben war. Die Kehre

Vollzogen, so beginnt der Weg ins Graue,
Ins Engbegrenzte. Schlieren zieren Glas:
Der Blick hindurch verschmiert ins Ungenaue.

Beitrag vom 16 Oktober, 2011 (18:54) | Autor: Walther | Rubrik: zugvögel/wind.bahnen | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


quasi una marcia

15 Oktober, 2011 (12:36) | | alptraum/ego.wunde | 1 Kommentar

„manche sagen, bankraub ist nicht politisch. aber seit wann ist die frage der finanzierung einer politischen organisation keine politische frage? die stadtguerillas in lateinamerika nennen bankraub enteignungsaktionen. er ist politisch richtig, weil er eine enteignungsaktion ist. er ist strategisch richtig, weil er der finanzierung der guerilla dient.“ (ulrike meinhof, 1971)

„und natürlich kann geschossen werden!“ …
und also sprang sie durch das loch der schrift.
so noch muss es licht- und herbster werden
und waffen sollen dichten, nicht nur stift.

nicht nur takte – taktik, strategien
brauchen verse und die buchgestäbe,
nicht nur geschrieben werden darf, geschrie’n
muss werden durch gefängnisgitterstäbe

gegen geld und macht – doch auch mysterien,
die durch reime tropfen in die lache
aus sinn und form und uns den schrei verengen.

machen wir aus löchern unsr’rer sprache
solche, die wir in die wände sprengen
der banken – und auch ihrer ministerien!

quasi una marcia by oegyr

bekennerschreiben, poetologisch, strategiepapiertigernd

ulrike meinhof sitzt in ihrer zelle an ihrer schreibmaschine. sie tippt ein manifest, einen rest von enerviert von dem text, den sie da tippt (weil texte texter selbst noch enervieren, wenn sie sterben – sie und ihre texte durch ihre und in ihren texten.) ansonsten sieht sie sich als verhandlungsunfähig. für die revolution ist sie nicht mehr zuständig. unter den an ihr „real existierenden“ verhältnissen muss es ihr um erhalt gehen. sie ist in einem turm, vollständig isoliert. sie ist eine HÖLDERLINMASCHINE. „das zeug“, das sie schreibt, macht auf gudrun ensslin „einen verlotterten, kaputten eindruck“. revolutionäre unter den auf bloß noch text als lebensentäußerung zusammengeschnurrten bedingungen des textes sind keine guten revolutionäre, weil nur noch der text hirte und damit zelle ist, wogegen es gleichzeitig anzudichten gilt. doppelbelastung statt entlastung durch text. faktische aussetzung der friedenspflicht des textes gegenüber seinem autor: DER TEXT WIRD ZUM TERROR, nach außen wie innen. die bedingungen, unter denen ich dieses sonett tippte, sind andere, komplett andere! die tatsache allerdings, dass ich mich mit den isolationshäftlingen ulrike meinhof und fritz hölderlin gemein machen möchte, wenn auch nur assoziativ und mit den zaunpfählen der hier lediglich imaginierten gitterstäbe winkend, deutet gleichwohl eine zumindest ähnliche situation erzwungener innerer emigration an, die dichtern in und zu sich wie zu dem TEXT nie fremd war und ist. insofern eben die nähe, die der text eigentümlich hat, wenn er sich mit der „gefühlten“ ferne auseinandersetzt, die sich zu den aktuellen sozialen kämpfen („OCCUPY FRANKFURT!“) faktisch ergibt. am schreibtisch kann der dichter nie wirklicher täter sein. was er wiederum nur in der ihm gegebenen form, der sprache, äußern kann. selbst gegenüber seiner sprache ist der dichter jedoch nur stellvertreter. für die verfassung von PAROLEN AUF DEN BANNERN der demonstranten ist und wird er nicht zuständig sein. die revolution zetteln wenn, dann andere an, nicht seine zettel. er kann in sprache nur von der revolution träumen, bestenfalls noch von diesen träumen sprachliches zeugnis ablegen. er kann sich nur allein (wenn nicht sogar nur einsam) gemein machen mit einem kampf, mit dem er sympathisiert, den er aber an anderer front kämpfen muss – an der front seiner geschriebenen sprache, wo er nur sich und damit ihr, also dem TEXT gegenübersteht. sein schrei bleibt stumm in der poetisch durchformten gestalt und situation der schrift. die einzige hoffnung: der text ist immer noch ein gemachter, autonom und daher ebenso feindlich wie freundlich gegenüber sich selbst wie dem, der ihn tippt, spricht und womöglich aus ihm und in ihn DIE PAROLE SCHREIT: „klavki, DER KAMPF GEHT WEITER!“

kommando klavki, kiel, 14. oktober 2011

Beitrag vom 15 Oktober, 2011 (12:36) | Autor: Jörg Meyer (oegyr) | Rubrik: alptraum/ego.wunde | Beitrag drucken Beitrag drucken | (1) Kommentar


mord am wort

14 Oktober, 2011 (13:13) | | ego.t/error.welt, lug & trug | Kommentieren

als gestern noch sich geräusche formten
zu melodiengleichen tonfolgen an denen
sich spinnweben zogen morgentauplan
in tröpfchen silbrig glänzend

waren heute die wörter ganz ausgesprochen und
dunkelheit hangelte sich schwebend entlang der
atemfahne die sich herbstwärts ausstreckte
dröhnend ein schweigen begleitend

beugungen mussten nicht grammatisch sein und
nicht korrekt wie überhaupt strukturen leichter
lügen verbargen so ging es rasend weiter den
fallwind hinunter thermisch die

hänge bestreichend die endlos horizonte
zerschnitten mit kanten voller wut blut
bahnten sich schneeraupen durch sahne
hauben auf vanilleeisekreme

stumm war ein großer begriff der lautlos
mit tonlos verwechseln ließ eine ahnung
von verlust gewann die oberhand während unter
der hand die grablegung platz griff

Beitrag vom 14 Oktober, 2011 (13:13) | Autor: Walther | Rubrik: ego.t/error.welt, lug & trug | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Teufel im Computer?

12 Oktober, 2011 (22:42) | | tage-bau | Kommentieren

 
Unvorstellbar unverstellbar
oder eine andre Bar?
Verlinkungen der Künstler und Informatiker
krabbeln durch Kisten voller Hypertexte
Bunte Bilder in der Hand
langsam urplötzlich lächerlich
Aber bewegt
radikal trivial
aber guter Text
und gutes Bild?
Gedankenlose Freiheit für Frechdächse

Verblüffende Spaghetti kochen auf dem Mond
und dann spielt der Teufel
wie der Mensch funktioniert
fun
k
t
ion
i
er
t
er
?

Beitrag vom 12 Oktober, 2011 (22:42) | Autor: Hartmut Sörgel | Rubrik: tage-bau | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


ich geh die wege im spagat

6 Oktober, 2011 (09:48) | | blut.bahnen/rauschen, labyrinth/wort.gewebt. | Kommentieren

ich geh die wege im spagat
ein scherenschnitt als schattenbild
wohl dem der nichts als schwärze hat
ein farbenklecks wär viel zu wild

mein stechschritt eilt zum tode hin
mein bleichgesicht strahlt monde an
sofort umläuft mich jeder sinn
weil man mich so nicht greifen kann

der laser rastert pixel scharf
geschnitten kantet frisches brot
persönlichkeit ist mein bedarf
das morgen- ist das abendrot

ein tal gequert ein katzensprung
gebuckelt mags mein leben schon
mein fuß im jungen rinderdung
denn das gehört zum guten ton

aus menge schneidet sich mein schritt
der schnitter der geht immer mit

Beitrag vom 6 Oktober, 2011 (09:48) | Autor: Walther | Rubrik: blut.bahnen/rauschen, labyrinth/wort.gewebt. | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


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