Beiträge im Jahr 2009

Diese Nacht

30 Dezember, 2009 (22:05) | | tage-bau | Kommentieren

Komm, gib mir deine Hand.
Die Gier nach dir
befriedet sie
im Dunkel dieser Nacht.

Komm, gib mir deine Lust.
Die Gier nach mir
streckt dich dahin,
die Blüte voller Pracht.

Komm, gib mir deinen Duft.
Die Gier nach dir
hast du in mir
mit deiner Lust entfacht.

Beitrag vom 30 Dezember, 2009 (22:05) | Autor: Elvira Surrmann | Rubrik: tage-bau | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


unbändig

30 Dezember, 2009 (17:09) | | tage-bau | 4 Kommentare

nachtschnee fällt
uns zwischen
die jahre

habe heimlich
hier und dort
zu finden
gesucht

los
gelöst vom wider
hall längst
verklungener vers
precher
behutsam
und quersatzein
durch ent
riegelte lichtboten
gänge hin

gekritzelt
auf geistesinnwand
bütten

bis unverblümtes
wortgelände
im matten schein
der trans
zendenten peitschen
lampe
wild

umeinander wuchs

Beitrag vom 30 Dezember, 2009 (17:09) | Autor: Ramona Linke | Rubrik: tage-bau | Beitrag drucken Beitrag drucken | (4) Kommentare


Die Enge

30 Dezember, 2009 (09:51) | | tage-bau | 1 Kommentar

Max braucht Platz, um nicht aggressiv zu werden. Doch Raum ist heute ein kostbares Gut.

Beitrag vom 30 Dezember, 2009 (09:51) | Autor: Uwe Schick | Rubrik: tage-bau | Beitrag drucken Beitrag drucken | (1) Kommentar


Was Du willst

27 Dezember, 2009 (17:59) | | lesung karlsruhe | Kommentieren

– für meine Liebste –

Was willst Du, sprachst Du, mit der Klage sagen,
Wenn sich der Winter selbst in Decken hüllt
Und alles sich mit weißem Pulver füllt,
Die zu bedecken, die dort immer lagen,

Die Gegenden, die sich in Längen streckten,
In Breiten sich verbreitend nichts verstehn,
In Höhen sich erhöhend nicht mehr sehn,
Im Runden sich verbunden dennoch eckten?

Sag nichts und schweige nicht, mach bitte Worte:
Die Stille steht so still und stets allein.
Und suche für die Tuche nach der Borte,

Es soll, was lose scheint, gefasster sein.
Der Mund ist manches Mal mehr als nur Pforte:
Auch Liebe trübt die Sprache, nicht nur Wein.

Beitrag vom 27 Dezember, 2009 (17:59) | Autor: Walther | Rubrik: lesung karlsruhe | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


trunken geweint

27 Dezember, 2009 (05:45) | | lesung karlsruhe | Kommentieren

für lilly

der nacht, noch wankend durch die dürren straßen,
wir singen liederlich ins telefon
die alten lieder, die uns sanft bestrafen
und züchtigen den damals süßen ton.

wir stellen worte züchtiger um uns
als uns gebührte, die an süßen sünden
vergingen sich in jetzt erblühter brunst,
von solchen versbefüßten nackt zu künden.

ein fuß dem vers gesungen, bein umbeint
enjambemaniert, wo schritte schüchtern wagen
die pfade, die als weg zu uns gemeint.

auf antwort warten solcher nächte fragen,
auf welche so zerdrückte träne weint
die wimpernflut, der trunken wir erlagen.

Beitrag vom 27 Dezember, 2009 (05:45) | Autor: Jörg Meyer (oegyr) | Rubrik: lesung karlsruhe | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Weihnacht 2009

24 Dezember, 2009 (14:59) | | alptraum/ego.wunde, herz & lenden, lesung karlsruhe | Kommentieren

für meine Liebste

Was war denn das nur für ein kurzes Jahr,
So voll gepackt bis an sein letztes Ende:
Man hebt verdattert seine müden Hände,
Den Kopf noch schüttelnd wird erst langsam klar,

Was war, was ist, was kann mit uns geschehen:
Es wird sich wenden, Glück wird zu Verdruss,
Verdruss wird Glück. Wir eilen bis zum Schluss,
Bis unsre alten Augen nichts mehr sehen.

Wenn wir uns dabei nicht zu sehr verlieren,
Dann will ich’s tragen durch die ganze Zeit.
Denn wer allein ist, dessen Herz wird frieren,

Er wird verkümmern an dem Lebensleid.
Sei um mich, will ich still und leise flehen,
Dass Du mir bleibst und dass wir uns verstehen.

Beitrag vom 24 Dezember, 2009 (14:59) | Autor: Walther | Rubrik: alptraum/ego.wunde, herz & lenden, lesung karlsruhe | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Kalt kalt kalt

24 Dezember, 2009 (11:57) | | tage-bau | Kommentieren

Ich schüttele mich, reibe meine Hände aneinander, wickele mich bis zur Hüfte in die erste Decke, setze mich auf den Stuhl vor dem Schreibtisch, lege die zweite Decke wie einen Poncho über meine Schultern, ziehe den Radiator neben mich, schalte ihn auf die höchste Heizstufe, lasse einen Niesanfall aus mir heraus explodieren, putze mir die laufende Nase und denke, dass mir draußen der Rotz in der Nase gefröre, was mir ein merkwürdig prickelndes Gefühl verursachen würde, als stockte die Nasenschleimhaut zu hauchdünnem Glas, als verschorfte der Rotz wie Nasenblut zu brüchig zerkrümelnden Krusten.

Beträte ich dann einen wärmeren Raum, taute meine Nase auf, wie die Eisblumen am zugefrorenen Fenster meines ausgekühlten Zimmers. Der Aufnehmer, den ich auf die Fensterbank gelegt und an die Abflußrinne gedrückt habe, saugt sich mit den tränenartigen Tropfen von der schmelzenden Eisschicht voll.

Trübes Licht dringt durch phantastische Eismuster herein, die an exotische Pflanzen erinnern, während das Eis in den Aufnehmer herabsickert, zerrinnt, zerfließt, und ich wickele mich erneut in die verrutschten Decken, schaue aufs Blatt, auf dem „Kalt kalt kalt“ mit Tinte in meiner Handschrift steht, drei gleiche, voneinander durch einen weißen Zwischenraum getrennte Wörter ohne jeden Sinn.

Die Assoziationen, das Hirnkauderwelsch, das mich sie hat hinschreiben lassen, sind erstarrt, gefroren wie die Eisblumen, die jedoch in Bewegung geraten, als seien sie sichtbar gewordene Gedankenkatarakte, und sie geben Lindenäste frei, die links oben und unten durch die auftauende Fensterscheibe hereinschauen, verquollen, während die Kälte durch die Deckenritzen herein- und an mir hochkriecht, heimtückische Schlangen, leckende Flammenzungen eines kaltbrennenden Feuers.

Statt Hitzewellen schütteln mich Kälteschauer, und ich halte mich an diesen Begriffen fest, werde aus meinen Gedankenbahnen wieder herausgezogen in dieses ungemütliche Zimmer mit den nur noch fast zugefrorenen Fensterscheiben mit den halbhohen Scheibengardinen wie gerüschte Vorbinder, die in unregelmäßigen, runden, steifen Falten herabfallen, an einigen Stellen festgefroren, so dass ihre feinen weißen Nylonmaschen in das undurchsichtige Eis übergehen, wie eine in trübes Spülwasser getauchte Hand, aus dem sie mählich herausnässen.

Apropos nässen, und ich suche die Toilette auf, ziehe mir fröstelnd die Hose herunter, zucke zusammen bei der Berührung meiner Oberschenkel mit der eisigen Klobrille, pinkle bibbernd, umso strammer, als die Saukälte meine Blase zusätzlich zusammenzuziehen scheint, und ziehe an der Abzugskette: eingefrorener Wasserkasten.

Ich spüle mit herbeigeschafftem Wasser aus dem Badewannenkran, wobei ich an zugefrorene Pfützen draußen, nein, früher denke, den gefrorenen kleinen Hügel damals, der mir als Kind aber riesengroß erschien, wenn wir mit dem Schlitten hinabsausten.

Abends zuvor hatten wir Wasser in Eimern herbeigeschleppt, wenn starker Frost für die kommende Nacht vorhergesagt worden war, und hatten es oben über die noch lehmige Hügelsenke geschüttet, die am nächsten Tag spiegelblank gefroren war, und es hatte mich an jenes Märchen erinnert, in dem ein Schloß mit einer gefangenen Prinzessin auf einem gläsernen Berg steht. Auf unserem Rodelhügel stand allerdings nur eine ausgehöhlte Eiche, in deren Vertiefung es im Sommer von Ameisen wimmelte, in die wir einmal, was mich noch heute schaudern lässt, einen dicken Regenwurm hineingeworfen hatten: seine Todeszuckungen, die sich in immer matteren Schlängelbewegungen erschöpften.

Wo waren die Ameisen jetzt, zur frostigen Winterzeit? fragte ich mich, den Schlitten gegen die Brust gepreßt, während ich den Hügel hinaufkraxelte, und ich nahm Anlauf, warf mich bäuchlings mit ihm auf die glasglatte Abfahrtsbahn, lenkte mit den übers Eis schrammenden Schuhspitzen und schrie meine letzten Vorgänger aus dem Weg.

Nur die Verwegensten hielten direkt auf das enge, von zwei Ziegelsteinsäulen gesäumte offenstehende Tor zum Spielplatz zu, durch das ein Schlitten gerade mal so eben hindurchpaßte, und noch heute erstaunt es mich, dass es, abgesehen von blauen Flecken, Verstauchungen und selten vielleicht mal einer Gehirnerschütterung oder einem angeknacksten Knochen, bei den vielen mörderisch krachenden Karambolagen nie wirklich gefährliche Verletzungen gegeben hatte, etwa wenn einer mit über dem Schlitten hinausragenden Kopf gegen die Mauer knallte, oder wenn einer beim Ausweichmanöver ausrutschte auf der Fahrbahn und dem im Affentempo Hinabrasenden unter die eisenbeschlagenen Schlittenkuven geriet.

Geschrei hallte weit über die zugeschneiten Felder hinter dem Wäldchen. Ich stampfte mir die Füße warm beim Warten darauf, dass ich an die Reihe kam. Die Wagemutigsten fuhren sogar rückwärts durch die enge, säulengesäumte Durchfahrt. Ich, Feigling, bog im letzten Moment immer vor der Ziegelmauer ab und ließ meinen Schlitten in der Kastanienallee vor der Kapellenwand auslaufen.

Einmal aber wollte ich einem süßen Nachbarsmädchen imponieren und steuerte tollkühn die enge Durchfahrt an: krach, und das Blut von der Stirn verklebte mir die Augen – das heißt, ich sah noch, wie das Mädchen verächtlich die Nase rümpfte und mit dem Schlitten am Kordelstrick davonstapfte, ehe ich erblindete, ob nun von einer Ohnmacht oder den zugekniffenen Augen, weiß ich nicht mehr, nur, dass ich mich mit dem Kopf in einer angenehm kühlenden Schneewehe wiederfand.

Noch heute habe ich eine kaum merkliche Narbe davon unterm Haaransatz: ich spüre sie, wenn es besonders kalt ist, also jetzt, als kleines, wehmütiges Ziehen.

Beitrag vom 24 Dezember, 2009 (11:57) | Autor: Kasper Grimm | Rubrik: tage-bau | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Weihnachtsvorbereitungen für Klugscheißer

23 Dezember, 2009 (19:48) | | lug & trug | Kommentieren

Es zeigt sich spät, was einer denkt.
Erst wenn er mal die Worte lenkt
Und Ehrlichkeit ihn übermannt,
Wird manche Wahrheit laut bekannt,

Die tief in seines Herzens Grube
Verschimmelte. In dieser Stube,
Kann es rasch eng und enger werden.
Denn dort versammeln sich Beschwerden,

Verletzungen, Missachtung, Wut.
Zu viel davon tut keinem gut,
Vor allem, wenn sie nicht gesagt,
Vergammeln, bis, ganz ungefragt,

Sich dann die Explosion entlädt.
Wie schon gesagt, oftmals zu spät
Macht sich die Sache plötzlich Luft,
Die lange schlief in enger Gruft.

Ein klares Wort zu allen Zeiten,
Das könnte dem ein End bereiten,
Und mancher Krach zu Weihnachten
Ließ als umschiffbar sich betrachten,

Wär diesem Rat man nachgeeifert:
Was wird zum Friedensfest gegeifert,
Geschimpft, geheult und sich geschieden.
Der Kluge hätte das vermieden.

Beitrag vom 23 Dezember, 2009 (19:48) | Autor: Walther | Rubrik: lug & trug | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Ein dreißigjähriger Mann (aus „Mäander“)

22 Dezember, 2009 (11:16) | | suppenküche | 2 Kommentare

Da liegt er, halb zur Zimmermitte hin auf die Seite gelagert, gelähmt bis auf Arme und Kopf, der riesig, beinahe unförmig wirkt, feist in der unteren, hochgewölbt in der oberen Hälfte, also birnenförmig, gekrönt mit dünn gewordenem Lockenhaar, das korkenzieherartig, in drahtigen Strähnen in seiner hohen Stirn klebt, die für mich aber weniger große Intelligenz als vielmehr enorme Dummheit verrät:

mein Eindruck, wohl beeinflußt von persönlichen Erfahrungen mit diesem dreißigjährigen Mann, der eher an ein Riesenbaby erinnert, hauptsächlich wegen seiner körperlichen Hilflosigkeit, aber auch seine oft naiven Äußerungen tragen dazu bei, als sei er geistig ebenfalls behindert, zumindest zurückgeblieben, was nicht der Fall ist, sondern an seinem behüteten, abgeschirmten Dasein von Geburt an liegen muss,

ist er doch mit offenem Rücken zur Welt gekommen, querschnittsgelähmt, schon immer wie unter einer bemutternden Glasglocke gehalten, fern jeder Realität, im Bann eines infantilen Narzißmus befangen, zuerst von der Mutter verwöhnt und verzogen, fettgefüttert, zu einer fatalen Passivität abgerichtet, später von ständig wechselndem Personal ver- und vor allem bewahrt,

nur mit der eigenen unzulänglichen Leiblichkeit konfrontiert, seinen zahllosen körperlichen Fehlfunktionen, die etliche Operationen nötig machten, was ihn nur noch mehr auf sich selber fixierte, auf seine nie endenden Krankheiten,

noch verschlimmert durch seine zunehmende Verfettung, einhergehend mit Schnaufen bei jeder Bewegung sowie einem dauernden Untersichlassen, ein ewiges Rieseln und Wegsacken von dem, was er oben süchtig an Zuckergetränken in sich reinkippt und an Süßigkeiten in sich hineinstopft, wodurch er aus der Analphase nie herausgekommen zu sein scheint,

jedenfalls hat er ein fast zärtliches Verhältnis zu seinen Ausscheidungen, seinen ständigen Begleitern, um die sich ein Großteil seines Denkens dreht: Verdauung und ihre durch Pulver, Tropfen und Zäpfchen behobenen Verstopfungen, urologische Probleme mit regelmäßigen Arztvisiten und Krankentransporten in die umliegenden Kliniken.

Auch sonst scheint er keine kritische Distanz zu sich selber zu haben, sich vielmehr buchstäblich sauwohl zu fühlen in seinem Gegrunze, Gerülpse und Gestank, oftmals begleitet von ihn erleichterndem Erbrechen bei anschließendem Weiterfressen – behaglich wie ein Schwein in den eigenen Fäkalien, wobei sich der Eindruck des Schweinischen bzw. Ferkelhaften noch durch seine Erscheinung geradezu aufdrängt:

ein prallgemästetes Wesen in rosiger Haut, halb auf den Rücken gelegt, ein gestrandeter Wal, von Kissen und Polstern gestützt, mit unterentwickelten Beinchen am aufgequollenen Leib, verkümmerten, beim Wenden leblos mitschlackernden Gliedmaßen, die an die Baumelbeine gewisser Stoffpuppen erinnern,

und seine Arme, ebenfalls vielzu winzig an seinem mächtigen Leib, kann er nur eingeschränkt bewegen, tapsige Fühler, daran spastisch verzerrte Händchen, zum Greifen kaum in der Lage.

Doch bei aller monströsen Häßlichkeit ist er von einer erstaunlichen Selbstakzeptanz durchdrungen: eine zweite über ihn gestülpte gefühlige Glasglocke, ein subjektiver Filter, der alle Unbill von ihm fernhält, ihn in wohliger Behaglichkeit dahindämmern lässt, in völliger Eigenverliebtheit,

während er kritische Urteile über andere fällt, hauptsächlich über das Pflegepersonal, das er einteilt in solche, die ihm schmeicheln, und solche, die auch mal skeptische Bemerkungen machen, wobei die Kritischen bei ihm unten durch sind, er die Verlogenen aber emphatisch sympathisch findet.

Ich gehöre zur letzteren Kategorie, halte mit meiner Meinung hinterm Berg und rede ihm nach dem Maul, weil ich keine Lust auf Diskussionen mit ihm habe, ist er doch völlig uneinsichtig, ja lernresistent, zudem mimosenhaft empfindlich, und reagiert auf Widerstand mit Rückzug und völligem Verweigern.

Soll er doch in seiner rosigen Scheinwelt dahinvegetieren, denke ich ohne Skrupel: was hat er denn sonst, und außerdem erleichtert es mir die ohnehin nicht geliebte Arbeit.

Beitrag vom 22 Dezember, 2009 (11:16) | Autor: Kasper Grimm | Rubrik: suppenküche | Beitrag drucken Beitrag drucken | (2) Kommentare


Saving Unica Zürn

21 Dezember, 2009 (23:56) | | beautiful people | 1 Kommentar

The first time I „met“ this female author was 1989 in the West german State library seeing a cover with a beautyful melancholic drawing of her. I stood there with this small book in my hands and I couldn’t stop reading her story „The Man of Jasmine“. Since this magic moment I’m completely in love with her incredible poetical writing. Her „Imago“ is so a mysterious streaming between the lines, it always feels like to listen the native voice of a child. Or it feels like the theory of „female writing“ starts to be wonderful alive with her writing.
What I need to say is, that this woman died early. Nobody clearly knows the circumstances of her death, maybe it was an accidence or even from suicide. Otherwise the very strong imaginating of her anagrammes at least seemed to bring her into alot of madness. Sometimes she decided by herself to live in a institution.
In the end I don’t care this stuff in her bio. Her story „The Man of Jasmine“ for me always works as an strong and unforgettable impression. My own writing to express my „Imago“ even seems mostly formed by her.

Saving Unica Zürn

–>>> more about Unica Zürn and a small galery of her drawings
Unica Zürn: Drawings from the 1960s. Katalog. Ubu Gallery, New York 2005

Beitrag vom 21 Dezember, 2009 (23:56) | Autor: Kathrin Drescher | Rubrik: beautiful people | Beitrag drucken Beitrag drucken | (1) Kommentar


Yodh – The Infinite Point

20 Dezember, 2009 (23:21) | | goldener schnitt | 1 Kommentar

„J“ is the tenth letter in the modern Latin alphabet; it was the last of the 26 letters to be added.

But Yodh, also spelled Yud or Yod, is the tenth letter of the Semitic alphabet. The tenth shall be holy; as the decimal nature of reality.

But I am a worm and not a man, scorned by men and despised by the people.
All who see me mock me; they hurl insults, shaking their heads:
He trusts in Adonai; let Adonai rescue him. Let him deliver him, since he delights in him.

As Yodh is the smallest letter, much kabbalistic and mystical significance is attached to it. The secret of this point is the power of the Infinite to contain finite phenomena within Himself and express them to apparent external reality. This initial point, the essential power of the Yodh, is the „little that holds much.“

I am poured out like water, and all my bones are out of joint. My heart has turned to wax; it has melted away within me.
My strength is dried up like a potsherd, and my tongue sticks to the roof of my mouth; you lay me in the dust of death.

According to the Gospel of Matthew Jesus mentioned it during the Antithesis of the Law when he says: „One Yodh or one tittle shall in no wise pass from the law, till all be fulfilled.“ Yodh was often overlooked by scribes because of its size and position as a mater lectiones.

Dogs have surrounded me; a band of evil men has encircled me, they have pierced my hands and my feet.
I can count all my bones; people stare and gloat over me.
They divide my garments among them and cast lots for my clothing.

In modern Hebrew, the phrase „tip of the Yodh“ refers to a small and insignificant thing, and someone who „worries about the tip of a Yodh“ is someone who is a „Korinthenkacker“ that means to be picky and meticulous about very small details.

From birth I was cast upon you; from my mother’s womb you have been my Adonai.
Do not be far from me, for trouble is near and there is no-one to help.

In „gematria“, the Hebrew language and Hebrew alphabet, Yodh represents the number ten, and its place in the name of Adonai.

Eli Eli, why have you forsaken me?

Two Yodhs in a row designate the name of HIM and in pointed texts are written with the vowels of Adonai; this is done as well with the Tetragrammaton.

Adonai, deliver my precious life from the power of the dogs.

Yodh is thought to have originated with a pictograph of a hand, Yad in Hebrew.
Yad can also refer to pointer used for Torah reading in Jewish synagogues.

Quote: Psalm 22

Beitrag vom 20 Dezember, 2009 (23:21) | Autor: Kathrin Drescher | Rubrik: goldener schnitt | Beitrag drucken Beitrag drucken | (1) Kommentar


Beinahezusammenstoß (aus „Mäander“)

18 Dezember, 2009 (09:24) | | tage-bau | Kommentieren

Kaum habe ich das Rad abgestellt und mich umgezogen, stürze ich mich, alarmiert durch die Klingel, auch schon in die Arbeit, hetze auf dem metallischroten Tretroller, wie sie gewöhnlich Kinder auf dem Schulweg benutzen, über den gläsernen, teilweise holzgetäfelten Gang mit den dunkelgrauen, rauhen Steinfliesen, auf denen die kleinen Hartgummiräder einen ratternden Lärm verursachen, noch verstärkt durch den Widerhall in dem 150 m langen Schlauch, links und rechts gesäumt von den Glastüren in Nebenflure, die ich scharf im Auge behalte.

Und so rase ich dröhnend dahin, mit fliegendem Haar und wehendem T-Shirt, stoße mich mit aufklatschender Sohle ab, mit heftig schwingendem Bein, dass es fast ein Anlauf zum Fliegen ist, wobei das Gefährt unter mir wild gerüttelt wird, das ich mit beiden Händen an den schwarzen Schaumgummigriffen umklammere, durch die sich das Vibrieren auf meinen Körper überträgt, ebenso über mein Standbein auf dem Trittbrett, das im Vor und Zurück meines Schwungbeins einknickt und sich durchdrückt, wie mit stählernen Federn, jedenfalls spannt und lockert sich meine Muskulatur in einem reibungslosen Funktionieren: eine Freude, sie so kraftvoll und durchtrainiert zu spüren, zitternd vom Schütteln der rasanten Bewegung.

Das Schütteln fühlt sich an wie eine Massage von innen, als stiegen Kohlensäurebläschen vom Knochenmark auf und kribbelten durch meinen ganzen Leib, sprudelten im hochgejagten Blutkreislauf, der mich prickelnd durchrieselt.

Da bewegt sich seitlich eine Tür, was ich mehr an den aufschimmernden Reflexen auf ihrem Glas als an ihrem langsamen Aufgehen bemerke, und in der Öffnung erscheinen zwei Beine, die mit den Unterschenkeln trippeln und so mit den Füßen am Boden den Rollstuhl vorwärtsbringen, in dem Herr Jüst sitzt, der mit den Händen auf den großen Rädern an beiden Seiten nachhilft, wobei die Arme mit abgespreizten Ellbogen ruckeln: eine kuriose Zappelerscheinung.

Ich gehe in die Vollbremsung, trete mit dem Fuß fest auf das Schutzblech des Hinterrades und drossele abrupt die Geschwindigkeit, während ich einen Schlenker um den halb in den Gang ragenden Rollstuhl mache, ein gefährliches Manöver, bei dem ich fast das Gleichgewicht verliere, weil ich so brutal stoppe und mich aus der Bahn reiße, um den Fahrer links vor mir nicht zu rammen, wobei sich mein Gewicht so nach hinten verlagert, dass mein Vorderrad die Bodenhaftung verliert und der Roller wie ein auf die Hinterhand steigender Gaul von mir am Lenker hochgerissen wird.

Während mir die Kontrolle beim ausweichenden Rechtsdrall entgleitet und ich gefährlich schnack an der gegenüberliegenden Wand vorbeischramme, bewegt sich Herr Jüst unbeirrt vorwärts, ohne mich überhaupt zur Kenntnis zu nehmen – vielmehr ist er fixiert auf den Kaffee, den er jetzt trinken wolle, wie er immer wieder beschwörend vor sich hinbrabbelt, und er biegt zielstrebig nach rechts zum Speisesaal ab.

Bebend an allen Gliedern, setze ich meinen Weg in verlangsamtem Tempo fort, wie elektrisiert von dem Beinahezusammenstoß: der steckt mir noch so in den Knochen, dass jetzt keine Kohlensäure, sondern Adrenalin von ihnen aufzusteigen scheint – was soll’s, und ich komme wieder in Fahrt.

Beitrag vom 18 Dezember, 2009 (09:24) | Autor: Kasper Grimm | Rubrik: tage-bau | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Kreise

17 Dezember, 2009 (18:43) | | suppenküche | Kommentieren

Man geht alleine auf die Reise
Und irrt und eilt so seine Kreise,
Die sich verschränken knäuelgleich.
Aus reich wird arm. Wer arm ist, reich.

Am Fensterbrett turnt eine Meise.
Wer sie betrachtet, wird ganz leise,
Sie pickt und springt so federleicht.
Was seicht ist, klingt. Wie’s klingt, scheint seicht.

Das Dasein bricht sich seine Schneise,
Und wir verlassen die Geleise,
Die man uns vorgegeben hat.
Wer satt war, darbt. Wer darbt, wird satt.

Die Sterne ziehen ihre Kreise.
Der Mond folgt stumm der Erdenreise,
Strahlt matt und kalt und eisig leer.
Aus schwer kommt leicht. Aus leicht wächst schwer.

Beitrag vom 17 Dezember, 2009 (18:43) | Autor: Walther | Rubrik: suppenküche | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Wellenzittern

16 Dezember, 2009 (23:25) | | suppenküche | 1 Kommentar

WellenzitternDer alte Jäger tritt geräuschlos mit dem Fischspeer heran. Die Jungen blicken gespannt in das Wasserloch, wo der Biber zum Atmen auftauchen muss. Sie verharren in der Stille und warten, aber dann beginnen sie zu frieren.
Mit einmal sticht der Jäger ins Eisloch mit dem Speer: Wildes Plätschern, ein Sprühregen von Tropfen – schon liegt ein Biber auf dem Eis.
Die Jungen stottern, dass sie das Tier gar nicht haben kommen sehen. Der Jäger lächelt. „Es hält auch nur die Nasenlöcher heraus. Das Wasser bewegt sich etwas, das ist alles.“
Der Jäger stellt sich wieder bereit, und diesmal sehen die Jungen kleine Wellen über die Wasserfläche laufen.

Beitrag vom 16 Dezember, 2009 (23:25) | Autor: Kathrin Drescher | Rubrik: suppenküche | Beitrag drucken Beitrag drucken | (1) Kommentar


Schweigende Träume

15 Dezember, 2009 (22:06) | | goldener schnitt | 3 Kommentare

Hellglitzernd zerspringt der Fluss an den Felsen,
gleißend zerschneidet sein glänzendes Band,
baumgrün gesäumt, den Staub der Steppe.
Die Feder des Falken sinkt langsam zur Erde.

Kristallklar ertönt das Lied einer Liebe,
zärtliche Weisen, geborgen im Wind,
steigen hinab zum Grün der Gärten.
Die Nachtigall hütet die Lieder der Nächte.

So weint meine Seele schweigende Träume,
dunkle Gefieder bedecken ihr Haupt.
Windlieder zart zerrinnen leise
im Dunkel der Nächte zum Staub meiner Tage.

Beitrag vom 15 Dezember, 2009 (22:06) | Autor: Elvira Surrmann | Rubrik: goldener schnitt | Beitrag drucken Beitrag drucken | (3) Kommentare


Astenden

14 Dezember, 2009 (23:57) | | suppenküche | 2 Kommentare

AstendenDie Fischer verteilen sich über den vereisten See. Der alte Jäger aber hält mit den Jungen auf einen mannshohen schneebedeckten Holzhaufen zu. Überall lugen vereiste Astenden hervor, die Jungen ziehen an dem Holz, doch die Äste liegen unbeweglich fest. Rundum die Fischer lachen in gutmütigem Spott und wenden sich wieder ihren Stellen zu.
Der alte Jäger verteilt die Aufgaben. Die Jungen greifen zu den Äxten und beginnen die Eisdecke einzuhacken. Schon schimmert das Seewasser in der Öffnung, an der sie arbeiten. Der Jäger erklimmt derweil den Holzhaufen und zertrümmert auf einen Hieb das Dach der Biberburg.

Beitrag vom 14 Dezember, 2009 (23:57) | Autor: Kathrin Drescher | Rubrik: suppenküche | Beitrag drucken Beitrag drucken | (2) Kommentare


bekenntnis

13 Dezember, 2009 (00:46) | | tage-bau | Kommentieren

adventisch wärmt
der kerzen
licht
all unsre kleinen
unzulänglichkeiten
dreimal auf
holz geklopft
im dämmerschein
weihnachtet es
uns zeit
gemäßigt
zwischen die flügel
achtsam
winterwärts
christ
rosenweiß
die leere hinterm
hollerbusch
doch da und
dort
ein streifen blau
ein streifen
grün und
vielleicht
pflück ich mir
jetzt noch rasch
mit einem zwinkerblick
`nen heißen
süßen
glühweinkuss
von deinen
sanften
lippen

adventisch – ist so gewollt

Beitrag vom 13 Dezember, 2009 (00:46) | Autor: Ramona Linke | Rubrik: tage-bau | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Sterben zum Leben (aus „Mäander“)

12 Dezember, 2009 (12:32) | | alptraum/ego.wunde | Kommentieren

ßberhaupt fasziniert mich das Thema Tod zunehmend in letzter Zeit, auf eine fast schon krankhafte Weise,

als handle es sich um eine andere Art von Auferstehung in was für einen Himmel oder welche Hölle auch immer, und sei es nur so etwas wie das Einschlafen aus Erschöpfung in einen Wunsch- oder Alptraum, das Hinüberschlummern in einen ganz anderen Zustand, in chaotische chemische Prozesse oder in einen bewusstlosen Frieden ohne permanente Ängste, die unterschwellig ständig in mir mitschwingen,

neuerdings gespeist aus einer Lebensmüdigkeit, die wiederum gespeist wird aus allgemeiner Erschlaffung, körperlicher Verwitterung, aber auch aus Enttäuschung, Frust, Resignation, Schrumpfen meiner Möglichkeiten, Desillusion:

lauter Nebenflüsse und deren Nebenflüsse in meinem verschwindend winzigen Dasein, das sich von den Hochebenen meiner Jugend, diesem unbemerkt vorübergehuschten Frühling, in die Niederungen von Gleichmaß und herbstlicher Stimmung hinabgesenkt hat,

steckengeblieben im Morast meiner Lebensversumpfung, in der nur die Routine noch Halt gibt und wo sich die Abwässer meiner Vergangenheit mäandrisch verzweigen zu einem an Altersverwirrung grenzenden Dunstkreis nebulöser Geschehnisse,

wild durcheinander ins Gedächtnis gestopft, labyrinthisch verworren, Unterstes, also Vergangenes zuoberst geworfen, während letzte Ereignisse wegen meines nachlassenden Kurzzeitgedächtnisses zuunterst vergraben und kaum noch erinnerlich sind.

Ich, schlammiges Mündungsgebiet einer eigenen Existenz unterm Mikroskop meiner sich mehr und mehr auflösenden Rückschau, bevor sie ins Meer zurückfließt, das schon heraufstinkt mit seinem Geruch nach Verwesung:

Tod, Vater aller Verrottung, aus der wieder alles Neue entsteht, nachdem sein Humus sich gründlich zersetzt hat.

Abgelebtes bis ins Letzte verfault, zersetzt von einer anderen, fundamentaleren Macht, die der Sterbende als nihilistisch empfindet, für den Gesamtprozeß jedoch ein Ferment, das die Ursuppe des Lebens in Gärung hält und Verjüngung, Auferstehung garantiert.

Heilsamer Todestrieb, der zugleich die Lebenskeime hervortreibt, Paradox in sich selbst wie jeder Komposthaufen: nicht nur Zersetzungs- und Vernichtungsmasse, sondern auch Dünger und Mutterboden, auf dem sich Wachstum und Blühen erneuert, indem die Ressourcen der Daseinsfülle ständig recycled werden,

Verfallenes als Rohstoff einer unerschöpflichen Vitalität, die gleichsam vom eigenen Fleisch lebt, deren Ausgeschiedenes ihr wieder als Nahrung zugeführt wird, geht doch nichts in diesem Kreislauf verloren, nur das jeweils individuelle Gebilde zugunsten eines universalen Gebärens, das wieder in Fragmente zerfällt und vergeht,

eine kosmische Wiederkunft, gegen die wir Mikroben uns wehren, zappelnd vor Panik angesichts unseres Sterbens.

Ungeheuerlich kommt es uns vor, verschwinden zu müssen, und wir krampfen uns dagegen vergeblich zusammen, quälen uns sinnlos, indem wir das Lebensrad nicht akzeptieren, unsterblich sein wollen wie Götter: lächerliche Figuren aus unseren Omnipotenzphantasien.

Viehisch leiden wir unter dem eigenen Altern, statt einfach loszulassen, hinüberzugleiten in ein anderes Sein, auch eine Art von ewigem Leben, nur nicht so naiv wie die Bilder in den Märchenbüchern der verschiedensten Religionen –

ein unsentimentaler Kreislauf im endlosen Werden aus dem Gegebenen, das aus diesem Grund stets wieder aufgelöst wird in zahllose Bausteine einer unermesslichen Existenz, aus denen Mikro- und Makrokosmen entstehen.

Wandel in einem geheimnisvollen Zerstörungs- und Schaffensprozeß, von dem jedes Herbstblatt auf dem regennassen Asphalt Zeugnis ablegt,

auch ich verwelkendes Menschlein, jetzt auf der Mühlheimer Brücke – da hinten der gigantische Dom, von hier aus gesehen ein Spielzeug, puppenhaft putzig,

und unter mir der mächtige Strom, gemächlich dahinziehend, wobei er mich ruft wie Sirenen mit wagnerischen Rheintöchterweisen, damit ich mich aufgebe, mein eigens Lebensrinnsal, Nebenflüßchen von bis ins Unendliche verästelten Nebenflüßchen,

unbedeutend angesichts des riesigen Ganzen, das aber auch nur aus Details besteht, die sich bis in die winzigsten Atome aufteilen, so dass Großes und Kleines eine Einheit bilden, der Rhein aus demselben Wasser ist wie die spiegelnde Nässe auf dem Asphalt,

auf dem ich dahinfahre: beklemmend und tröstlich zugleich, wie auch das Trübe einen unaussprechlichen Reiz hat, der naßkalte November bezaubert mit seinen gedeckten Farben, in denen das matte Ocker eines zu Brei aufgelösten Blattes auf dem Radweg trotzdem intensiv leuchtet, ja glüht,

eine mysteriöse Metapher, die das Ganze umschließt, melancholischer Hinweis darauf, dass alles eins im unfaßbaren Vielen ist, eine Art Trauerfreude im dauernden Sterben zum Leben.

Beitrag vom 12 Dezember, 2009 (12:32) | Autor: Kasper Grimm | Rubrik: alptraum/ego.wunde | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Knochengabeln

11 Dezember, 2009 (23:27) | | suppenküche | Kommentieren

KnochengabelnSie brechen in der Morgendämmerung auf, erreichen ihr Ziel aber am frühen Mittag. Es geht nicht so schnell wie sonst, denn die Fischer stecken in Fellmänteln und tragen Hosen aus Rindsleder. Auch die Jungen sind in Felljacken mit langen Ärmeln und Kapuze gehüllt, um beim Eisfischen nicht festzufrieren.
Viel Gerät brauchen sie nicht zu tragen, nur Körbe, Äxte und etliche Fischspeere aus geradem Holz mit dreizinkigen Knochengabeln und haarscharfen Spitzen. Die Jungen kennen diese langen, dreizackigen Lanzen in den Händen der Fischer während der Notwinter; diesmal sind sie mit dabei und drängen darauf zu erfahren, wie mit den Lanzen gefischt wird. Sie erinnern sich, dass die Fischer damals mitten auf dem Flusseis unter kleinen Zelten lagen, gegen die Kälte schwer in Pelze verpackt. Nun, bald werden sie es selbst erleben.

Beitrag vom 11 Dezember, 2009 (23:27) | Autor: Kathrin Drescher | Rubrik: suppenküche | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Futter

10 Dezember, 2009 (20:37) | | suppenküche | Kommentieren

Das Leben ist voll Ungerechtigkeiten:
Der Gute unter uns verstirbt beizeiten;
Es lebt der Böse häufig 100 Jahre.
Das will dem Einen manchen Schmerz bereiten.
Der Andre hält schlicht die Moral für Ware,

Mit der man handelt, wie’s gerade passt:
Man wirft sie ab, wird sie einmal zu Last;
Noch besser wirkt es, wenn man sie verbiegt.
Dann eilt man weiter, ohne jede Hast,
Weil man ja immer sicher vorne liegt.

Voll Ungerechtigkeit sind diese Zeiten,
Wenn alle nur für sich, den Mammon, streiten:
Es bleibt kein Platz mehr für das Klare, Wahre.
Denn, wen die Ehre und Moral begleiten,
Ist Futter für Hyänen, Geier, Stare.

Beitrag vom 10 Dezember, 2009 (20:37) | Autor: Walther | Rubrik: suppenküche | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Ächzen und Stöhnen

9 Dezember, 2009 (23:53) | | herz & lenden | Kommentieren

Das Mädchen und der Bettler verlassen die Hütte. Das Mädchen ruft nach ihrem Hund, und sie gehen tiefer in den Wald hinein, auf der Suche nach Wasser. Sie finden eine Quelle, an der sich das Mädchen wäscht und sie alle ihren Durst stillen. Erfrischt setzen sie sich zu einem Picknick hin. Mit Besorgnis stellt das Mädchen fest, dass das Proviant kaum noch bis morgen reicht.

Als sie aufgegessen haben, machen sie sich auf den Weg zurück zur Straße. Plötzlich hören sie ein lautes Ächzen und Stöhnen. Das Mädchen erschrickt und fragt: „Was ist das?“ Der Bettler zuckt mit den Schultern. „Keine Ahnung, geh ich mal nachsehen.“ Da! Wieder ächzt und stöhnt es ganz erbärmlich. Das Mädchen geht los, immer dem Geräusch nach, der Bettler folgt ihr. Sie sind noch nicht sehr weit gekommen, als das Mädchen etwas zwischen den Bäumen erspäht. Vorsichtig geht sie darauf zu und ruft überrascht: „Hier! Hierher!“ —

Beitrag vom 9 Dezember, 2009 (23:53) | Autor: Niko Burbach | Rubrik: herz & lenden | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Biberburgen

8 Dezember, 2009 (23:56) | | suppenküche | 1 Kommentar

Biberburgen„Wir werden morgen den See ohne Abfluss leerfischen“, kündigt der Jäger an.
Die Jungen heben den Kopf, diesen See kennen sie von den Pfaden zum Ahornwald. Vor ihren Augen steigt das Bild dieser Landschaft auf: ein türkisblauer See, ringsherum Laubwald, der sich auf den zitternden Wellen widerspiegelt und an einer Seite öffnet, hin zu einer großen Wiese. In der Mitte, unerreichbar, ein mächtiger Haufen Reisig und Stöcke: eine Biberburg.

Beitrag vom 8 Dezember, 2009 (23:56) | Autor: Kathrin Drescher | Rubrik: suppenküche | Beitrag drucken Beitrag drucken | (1) Kommentar


Fischgräten

7 Dezember, 2009 (23:56) | | suppenküche | Kommentieren

FischgrätenDie Hunde liegen im Gras und schauen träge zu, sie haben sich schon den Bauch vollgeschlagen. Bald sind auch die Jungen soweit. Sie rücken als erste vom Feuer ab. Ihnen folgen die Fischer. Der alte Jäger hält am längsten aus. Schließlich streckt auch er sich ins Gras. Er ist beim Essen immer der letzte, denn er isst langsam und mit Bedacht. Zum Abschluss nimmt er sich stets die Fischköpfe vor. Er pult sie sorgfältig auseinander, und dann saugt er die Gräten und Knochen aus. Sie werden so sauber, dass man sie für das Ritual hergeben könnte. Der Jäger behauptet, der Kopf sei das Beste am Fisch, etwas Feineres gäbe es nicht. Die Jungen sind anderer Meinung, sie rücken zur Seite, strecken sich auf dem Boden aus, verschränken die Arme unterm Kopf und schauen in den Himmel.

Beitrag vom 7 Dezember, 2009 (23:56) | Autor: Kathrin Drescher | Rubrik: suppenküche | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Musik und Sprache eng verwandt

6 Dezember, 2009 (23:57) | | goldener schnitt | 2 Kommentare

 
   Arnold Schönberg
                        Klavierstücke

                                 Dunkel hell               Wirbelnde Blätter
                             Tropfen fallen leuchtend   stehen Kopf im Wind
                        nach oben                                   und denken

                     Ein Stein dreht sich                Das Haar
              springt über Wellen                          Ein Wald auf meinem Kopf
      und spritzt                                                      Wolken mit Wurzeln

      Das Echo spaziert                                          Ich gehe weiter
                neben mir am Friedhof                   einfach geradeaus
                     Der Tod?!                                von der Erde weg

                      Füße aus Sternen                  Blau grün gelb
                Augen Licht und Luft                        fliegen sprühend weg
        Schillernde Farben                                      und drehen sich

   Eisiger Schnee                                                                               Der Horizont
       Schleier funkelnder Lichter                                        Er kreist ringsum
                              Tiefe Spuren                      und bindet mich fest

                               Ein Salto                                                     Ein Vogel
       Ich überspringe mich selbst                                         Er sitzt im Fenster
   in alle Zeit                                                                und...

   Der Flügel  schwebt                                                         Springende Flecken
       aus dem Orchester                                                die nicht existieren
                           völlig aufgehoben                   schlagen Töne
  

Beitrag vom 6 Dezember, 2009 (23:57) | Autor: Hartmut Sörgel | Rubrik: goldener schnitt | Beitrag drucken Beitrag drucken | (2) Kommentare


Augenschmaus

6 Dezember, 2009 (19:58) | | suppenküche | 4 Kommentare

Die Augen sind ganz trüb, der Atem flach,
Die Hände liegen kraftlos an den Beinen.
Sie reicht nicht einmal mehr zum Weinen.
Die Fliegen sitzen überall, zu schwach,

Sie zu verscheuchen, keucht das kleine Kind
Und führt die Zunge an die trocknen Lippen.
Die Mutter blickt nach innen, und ihr Wippen,
So hilflos, dass das Lächeln schnell gerinnt,

Will gar nicht enden; ihre dumpfen Worte
Sind durch das Atemrasseln übertönt:
Man muss sie nicht verstehn. Das sind die Orte

Und Bilder, an die niemand sich gewöhnt:
Der Wohlstandsmensch sieht sie bei Sahnetorte,
Durch Farbbrillianz zum Augenschmaus geschönt.

Beitrag vom 6 Dezember, 2009 (19:58) | Autor: Walther | Rubrik: suppenküche | Beitrag drucken Beitrag drucken | (4) Kommentare


Bernsteinfarben

5 Dezember, 2009 (23:55) | | suppenküche | 1 Kommentar

BernsteinfarbenDie Jungen setzen sich auf den Boden neben das Feuer und machen sich über die Suppe her. Der Schweiß strömt ihnen über das Gesicht, und sie haben Tränen in den Augen. Die Suppe ist bernsteingelb und ganz durchsichtig. Obenauf schwimmen dicke Fettaugen, auch ein paar Stückchen Holzkohle, die der Wind hineingeweht hat. Sie riecht wunderbar nach Rauch, die Suppe, und schmeckt nach den Würzblättern.
Zuerst schlürfen die Jungen nur die Brühe mit den Knollen. Die Fischbrocken haben sie herausgenommen und auf die Abdeckung gelegt. Sie kommen erst am Schluss dran. Das Fleisch der Fische ist schneeweiß, gelblich oder rosa. Und alles ist wunderbar zart, es zergeht einem auf der Zunge.

Beitrag vom 5 Dezember, 2009 (23:55) | Autor: Kathrin Drescher | Rubrik: suppenküche | Beitrag drucken Beitrag drucken | (1) Kommentar


Zündeldürre

4 Dezember, 2009 (11:07) | | suppenküche | Kommentieren

ZündeldürreWer Feuer machen will, darf nichts übereilen. Die Jungen gehen ganz behutsam zu Werke. Auf das dünne Reisig legen sie ein paar verdorrte Zweige. Darauf kommen etwas kräftigere trockene Äste. Ganz obendrauf packen sie armdicke Scheite kreuzweise übereinander. Zudem stellen sie fest, woher der Wind weht, und schichten das Holz so auf, dass das trockene, zündeldürre Reisig an den Rand zu liegen kommt. Es muss an der dem Wind zugekehrten Seite liegen, da dort auch das Feuer entzündet wird. Dann schlägt die Flamme in das Holz hinein, und das Holz fängt Feuer. Nur bei Windstille ist das Reisig in die Mitte des Haufens zu packen.
Die Brennsteine werden aneinander geschlagen und die entstehenden Funken mit dem Zündschwamm aufgefangen. Es wird gepustet, bis sich die ersten Flämmchen entwickeln. Daran werden ein paar Holzspäne entzündet und an das Reisig gehalten. Das Reisig lodert sofort auf und brennt mit fröhlichem Knistern. Die Flammen lecken am Holz hoch. Da das Feuer so weit ist, ändern sie nichts mehr dran, sondern lassen es ruhig durchbrennen. Erst wenn alles schön brennt, haben sie vor, noch ein Balkenfeuer zu bauen.

Beitrag vom 4 Dezember, 2009 (11:07) | Autor: Kathrin Drescher | Rubrik: suppenküche | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Seelenzauberland

2 Dezember, 2009 (09:26) | | herz & lenden | Kommentieren

Was kann ich Dir, Du Elfe, denn noch schenken,
Wenn Dich so viel umgibt, so hell umstrahlt,
Dir Sonne Feuer in die Haare malt:
Wer will die Blicke nicht nur auf Dich lenken?

Du tanzt auf Wiesen leicht mit schlanken Füßen,
Es blüht mit jedem Schritt ein Leuchten mehr,
Als würden alle Himmel niemals leer,
Gilt’s Dich mit ihren Sternen zu begrüßen!

Ich frage mich, es fragt mein banges Herz,
Wie kann ich Dich jemals zufriedenstellen?
Des Nachts gehn meine Lieder mondenwärts,

Dort suche ich nach neuen Lichterquellen:
Doch Du nimmst mich ganz einfach bei der Hand
Und führst mich in Dein Seelenzauberland!

Beitrag vom 2 Dezember, 2009 (09:26) | Autor: Walther | Rubrik: herz & lenden | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


Balkenfeuer

2 Dezember, 2009 (00:06) | | suppenküche | 1 Kommentar

BalkenfeuerUm ein Balkenfeuer für die Nacht hindurch anzulegen, brauchen die Jungen zwei Baumstämme. Je stärker, um so besser. Im tieferen Wald hätten sie längst einfach zwei dicke Bäume herangerollt, aber hier in der Nähe ihrer Siedlung liegen kaum Bäume herum. Doch sie haben bereits auf dem Heimweg vom Angeln geeignetes Holz ganz in der Nähe vom Lager gesehen. Die Jungen ziehen los und holen es.
Zurückgekehrt, schieben sie die Klötze von beiden Seiten an den Holzstoß heran, so dass das Feuer in die Mitte kommt. Fangen die großen trockenen Stämme erst einmal Feuer, so brennen sie langsam mit ruhiger, gleichmäßiger Flamme bis zum Morgen weiter. Sind sie durchgebrannt, braucht die Jungen sie bloß von neuem ins Feuer zu schieben, und wieder brennen sie eine lange Zeit. –

©Text & Bild: Kathrin Drescher

Beitrag vom 2 Dezember, 2009 (00:06) | Autor: Kathrin Drescher | Rubrik: suppenküche | Beitrag drucken Beitrag drucken | (1) Kommentar


Eine Wasserperle

1 Dezember, 2009 (23:03) | | tage-bau | 1 Kommentar


              Mancher Weg ein Bach    Es pladdert
               oder auch ein Teich               auf dem Blattteppich
            im kahlen Regen                              durch kalte Bäume


                                         Fast noch mittag
                               Der Tag verdämmert dunkel
                                  im tröpfelnden Gemunkel
                                   im leuchtenden Gefunkel
                                       von den Zweigen
                                         im Regenreigen
                                           Ein Regentropfen fällt
                                           auf einen Trip
                                           in mein Gesicht
                                          wo es ihm gefällt
                                           Der nasse Tropf
                                        Er plaudert: 
                                     Komm steig ein
                               in mein Kämmerlein
                            du bist so klein
                    und ich die Welt
             gespiegelt groß und weit

   ich steige ein
         und verwandle mich
              in tausend Avatare oder mehr
                  alle dicht an dicht
                      mein Gesicht 
                       diese Kerle
                        Oh, was sie erleben
                       in der Wasserperle 
                      verzerrt in viele Welten
                    Die Erde wird erbeben

Beitrag vom 1 Dezember, 2009 (23:03) | Autor: Hartmut Sörgel | Rubrik: tage-bau | Beitrag drucken Beitrag drucken | (1) Kommentar


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