Beiträge im Jahr 2002

von nöten

16 Dezember, 2002 (16:49) | | tage-bau | 1 Kommentar

hier ist etwas von nöten. na klar, in der adventszeit immer. stets von nöten. immer von nöten. die und die und diese auch. lindern wollen wir sie. gemeinsam singen wir: macht hoch die tür. gemeinsam spenden wir. gemeinsam sitzen wir im kerzenschein und essen kekse. das fernsehen erzählt von nöten. das radio auch. immer von nöten. immer in der adventszeit. geld ist von nöten! rufen die briefe von unicef, plan und der welthungerhilfe. formulare ausfüllend, beruhigst du dein gewissen. es ist von nöten. die zeit selbst voller nöte. das alte buch sagt: gib, so wird dir gegeben.

Beitrag vom 16 Dezember, 2002 (16:49) | Autor: adminxx1 | Rubrik: tage-bau | Beitrag drucken Beitrag drucken | (1) Kommentar


advent II.

9 Dezember, 2002 (22:17) | | tage-bau | 1 Kommentar

…ja ich habe es getan sagt er aber ich weiss nicht ob
es geholfen hat. er gibt mir das herz in einer
schachtel mit rostflecken es raschelt das herz weil
die schachtel sich neigt und ich fürcht‘ es ist grau wie
ein pulk asche in der rostfleckigen schachtel. sein knie
hüpft haut unters kinn skinskin engelskin hart ist sie
und marmorzart. den flügel legt er ab und auf springt mein leib
wie kastanienknospen doch warte! warte! singt er mir in die hand
und öffnet die schachtel.

Beitrag vom 9 Dezember, 2002 (22:17) | Autor: adminxx1 | Rubrik: tage-bau | Beitrag drucken Beitrag drucken | (1) Kommentar


svedenbourgs eistee im flüstern der polarlichtfigur (Nght6) (aleph-beth-IV)

13 April, 2002 (10:53) | | tage-bau | Kommentieren

(silvestergedicht für mone)

bald künden fern die
jahresendzeitschwingen
in der eisig klaren sphäre
einer klirrenden idee

erspäht ersinnt
aus glühweinleere

von der nacht
für mone

zu überbringen
ein mehr als
ätherisches prost!

Es zählt im rausch
gefror’ner wonne
mein raues väterchen
der frost

vereiste
tröpfchen

im himmel
der himmel

himmel

Beitrag vom 13 April, 2002 (10:53) | Autor: adminxx1 | Rubrik: tage-bau | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


6 April, 2002 (00:08) | | tage-bau | Kommentieren

„oh Nacht! Ich nahm schon Kokain“, schrieb Gottfried Benn, und: „Blutverteilung ist im Gange“. Das geht mir durch den Kopf, jetzt.
Blutverteilung. – Ich steh am Ende der Nacht, steh auf der Schwelle zwischen Wohn- und Schlafraum, und starre hin zu meinem Bett: Weisse Seidenlaken in reichlicher Zerwühlung, und mittendrin diese Frau, die Betty ist, wie sie so still dort liegt, im orangefarbenen Frühsonnenlicht, und es könnte ein friedlicher Anblick sein.

Jetzt erkenn ich Sabines Schritte im Hausflur, wirklich unverkennbar, wie sie die Holztreppen hochstolpert, schweres Stapfen, sie wird betrunken sein. Sie wird sich erschrecken.
…und: Dass es eine Frau ist, die dort liegt, in meinem Bett. Seit Sabine und ich hier wohngemeinschaftlich zusammenleben, hatte sie mir einzureden versucht, dass ich schwul sei. Ein Typ wie ich und seit Ewigkeiten keine Frau, das sei wohl kaum normal. Dass ich auch keine Männer hatte, war kein Störfaktor für ihre merkwürdige Theorie.

Jetzt steht sie hinter mir, sagt ein „Hallo“, ich seh sie an, seh, wie sie an mir vorbeistarrt, hin zu meinem Bett, grosse Augen, sie geht an mir vorbei ins Schlafzimmer, bis an den Rand des Bettes, dort steht sie in regungslosem Harren, ein paar Sekunden oder drei Ewigkeiten lang, dann sagt sie: „Ach Du Scheisse“, starrt nun mich an und will wissen, wer das ist und was passiert ist und warum und warum das eine Frau ist und kein Mann.
Dass ich nicht schwul bin, sag ich ihr, und dass ich ihr schon längst gesagt hab, dass ich wohl ein krankes Tier bin.

„Ich brauch jetzt einen Vodka“, sagt Sabine, und dann sitzen wir zusammen am Küchentisch, trinken Vodka-Lemon, und ich sag ihr, dass das Betty ist. – „Die Betty?“, fragt Sabine, „die Dich damals….?“ „Ja“, sag ich, „die Betty. Die mich damals zurückgelassen hat. In Demütigung. Gestern abend hab ich sie wiedergetroffen, zufällig, es war fröhlich und unkompliziert, und dann hat es sich so ergeben, dass wir hier gelandet sind. Und ich hatte die ganze Zeit über diese…. Ahnung.“

Die Sonne scheint harmlos hindurch das Fenster auf unsere Gläser. Wir rauchen schweigend. – Die gestrige Nacht war ein Film. Betty, ihre helle Haut, und hell ihr schönes Lachen, und heiss der Schmerz von vor fünf Jahren, aufgeflammt, ein weisser Blitz in der dunklen Nacht, und weiss das Koks, zuviel davon, zuviel von allem.

„Das darf niemand wissen“, sagt Sabine jetzt, „also lass uns überlegen, was zu tun ist. Wenn das jemand erfährt…. sieht’s nicht gut aus für Dein Leben“. Sie holt einen Notizblock und fängt an, etwas aufzuschreiben. Sie macht einen Plan, denk ich.
Es hat etwas Frisches, wie sie nicht nach Gut und Böse fragt und nicht nach Richtig und Falsch. Wie sie nur schaut, was gerade das Zweckmässigste ist, und das dann auch tut.
‚Es geht schließlich um’s Überleben‘, sagt sie immer.
Jeder andere hätte wohl zuerst daran gedacht, die Polizei zu rufen…

„Vielleicht bist Du wirklich ein krankes Tier“, sagt sie jetzt.
Ich sage nichts. Sitze am Ende einer Nacht, am Ende eines Films, in dem ich eine Hauptrolle gespielt hab. Denken kann ich nicht, jetzt.

„Lass uns erstmal schlafen und nüchtern werden“, sagt Sabine, „und am Abend… tun wir dann, was eben zu tun ist“.
Ich steh auf, geh nochmal in mein Schlafzimmer, Sabine kommt hinterher. Wir stehen da und starren auf die Frau, die Betty ist, und Betty liegt nackt in den weissen Laken, und … Blutverteilung. Nicht allzuviel Blut, aber blutige Ergüsse, der eigentlich so helle Hals ganz lilablau verfärbt, und leere Augen starren hin zur Zimmerdecke.

Sabine nimmt ein Stück des Lakens hoch und wirft es Betty über den Kopf. — „Du kannst mit bei mir im Bett schlafen“, sagt sie dann und sieht mich an, und ihre Augen werfen mir ängstlich eine seltsame Neugier ins Gesicht.

Skizze, – Mone Hartman April 2002 / Berlin
entstanden für das Nightline-Projekt im tagebau.de (Lesung Literaturhaus Berlin)

Beitrag vom 6 April, 2002 (00:08) | Autor: adminxx1 | Rubrik: tage-bau | Beitrag drucken Beitrag drucken | Kommentieren


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